Krötenzaun aufstellen: Anleitung, Material & Rechtliches für den Amphibienschutz

Wenn die Nächte frostfrei bleiben (ab 5°C) und es feucht ist, beginnt für Erdkröten, Frösche, Molche und andere Amphibien die Wanderzeit. Die Tiere verlassen dann ihre Winterquartiere, um zu ihren angestammten Laichgewässern zurückzukehren. Dort legen sie ihre Eier ab und sorgen so für den Fortbestand ihrer Art. Die stärkste Aktivität findet meist zwischen Ende Februar und April statt, mit einem Höhepunkt Mitte März. Besonders aktiv sind die Tiere in der Abenddämmerung und nachts. Erdkröten können dabei Strecken von bis zu 3 bis 4 Kilometern zurücklegen.
Straßen als Gefahr auf dem Weg zum Laichgewässer
Auf dem Weg zu ihren Laichgewässern werden Amphibien heute oft vor große Herausforderungen gestellt. Deutschland hat eines der dichtesten Straßennetze weltweit. Schon bei 60 Autos pro Stunde werden rund 90 % der wandernden Erdkröten überfahren. Doch nicht nur die Reifen sind eine Gefahr. Wenn ein Auto mit hoher Geschwindigkeit an einer Kröte vorbeifährt, entsteht ein plötzlicher Luftdruckunterschied, das sogenannte Barotrauma. Dieser Druck kann die empfindlichen Lungen der Tiere schwer verletzen oder sogar zum Platzen bringen, was meist tödlich endet. Bereits bei Geschwindigkeiten ab 50 km/h gibt es für Amphibien kaum eine Überlebenschance.
Viele Amphibien verweilen zudem auf dem warmen Asphalt. Da sie wechselwarme Tiere sind, nutzen sie die gespeicherte Wärme des Straßenbelags, um ihre Körpertemperatur zu erhöhen. Männchen schätzen außerdem die freie Sicht auf Weibchen, was sie zusätzlich auf der Straße verweilen lässt und damit in große Gefahr bringt.
Ohne Schutzmaßnahmen können viele von ihnen ihre Wanderung nicht überleben. Genau hier setzt der Amphibienschutzzaun an und hilft, Leben zu retten.
Wichtig vor dem Start: Genehmigungen und der richtige Standort
Bevor du Spaten und Eimer in die Hand nimmst, ist ein Blick auf die rechtliche Lage entscheidend. Bitte beachte:
- Keine Alleingänge an öffentlichen Straßen: Es ist verboten, ohne Genehmigung Zäune an Straßenrändern zu errichten oder Löcher für Eimer zu graben. Dies gilt als Eingriff in den Straßenverkehr. Die Gefahr ist groß, dass Autofahrer durch Hindernisse gefährdet werden oder die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird. Wer hier eigenmächtig handelt, macht sich strafbar und haftet für Unfälle.
- Schließe dich Profis an: Wende dich an lokale Gruppen des NABU, BUND oder örtliche Naturschutzinitiativen. Diese Organisationen besitzen die nötigen Genehmigungen der Behörden (Straßenbauamt, Naturschutzbehörde). Gemeinsam macht der Einsatz zudem mehr Spaß und ist sicherer.
- Ausnahme eigener Garten: Auf deinem Privatgrundstück darfst und sollst du aktiv werden! Wenn du einen Teich hast oder weißt, dass Amphibien deinen Garten durchqueren, ist ein temporärer Schutzzaun (z.B. vor der Garageneinfahrt oder zur Straße hin) eine hervorragende Maßnahme, um die Tiere sicher zu lenken.
Der Amphibienschutzzaun: Aufbau und Material im Detail

Ein Amphibienschutzzaun ist ein durchdachtes System. Die wichtigsten Bestandteile:
- Zaunmaterial:
Verwendet wird eine undurchsichtige Kunststoffbahn oder ein engmaschiges Kunststoff- bzw. Drahtgeflecht (empfohlen: undurchsichtig, ca. 50 cm hoch). Grobmaschiger Knotengitterdraht, Steine oder Wassernäpfe sind ungeeignet, da sie keinen Schutz bieten oder sogar zur Gefahr werden können. - Haltestäbe:
Pro 100 Meter Zaun werden etwa 30–50 Haltestäbe benötigt. Sie können zum Beispiel aus 80 cm langen, angespitzten Dachlatten bestehen, die auf einer Länge von 50 cm mit der Kreissäge geschlitzt werden. Das Zaunmaterial wird in diesen Schlitz geführt. - Fangeimer:
Alle 5–10 Meter wird ein Eimer bündig mit dem Boden eingegraben, der Boden mit 3–4 mm großen Löchern perforiert, damit Regenwasser ablaufen kann. Besonders bewährt haben sich 14-Liter-Schnittblumeneimer (z. B. von Bäckereien oder Großküchen, oft kostenlos), halbrunde Abfalleimer von Imbissbuden oder Eimer mit Deckel (wichtig bei Frost). Die Eimer werden nummeriert, um die Funde exakt dokumentieren zu können. - Laub:
Eine Handvoll Laub im Eimer schützt die Tiere vor Austrocknung und bietet ihnen Verstecke vor Fressfeinden. - Stöckchen:
Ein Stöckchen, das über den Eimerrand hinausragt, dient als Ausstiegshilfe für versehentlich gefangene Kleintiere wie Mäuse oder Insekten. Allerdings können manche Amphibienarten wie Molche oder Laubfrösche so auch wieder entkommen, hier ist also Vorsicht geboten. - Optional Schwämme:
Bei hohem Molchvorkommen oder trockener Witterung können feuchte Schwämme im Eimer zusätzlich gegen Austrocknung helfen.
Praktische Tipps: Zaunmaterial, Haltestäbe und Fangeimer gibt es im Fachhandel oder können selbst aus Baumarktmaterialien zusammengestellt werden. Naturschutzverbände wie der NABU stellen oft Material zur Verfügung oder unterstützen bei der Anschaffung. Auch lokale Sponsoren oder Stiftungen können helfen, den Kauf zu finanzieren.
Für den Aufbau sind Harke, Spaten, Schaufel, Spitzhacke, Hammer, Besen, Handfeger, Schubkarre, Arbeitshandschuhe und Knieschoner sehr hilfreich. Am besten arbeitet man mit mehreren Personen, das spart Zeit und macht mehr Spaß.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Aufbau
- Vorbereitung:
Bereite den Untergrund vor und befreie den Streifen für den Zaun von Gehölz, Laub und Ästen. Mähe gegebenenfalls die Wiese. So werden Amphibien besser sichtbar und das Risiko, auf Tiere zu treten, sinkt. - Zaunlinie anlegen:
Ziehe mit dem Spaten eine gerade Linie. Hebe einen 10 bis 15 cm tiefen Graben aus oder steche einen Schlitz, in den das Zaunmaterial eingelegt wird. Den Aushub auf der straßenabgewandten Seite lagern. - Zaunmaterial ausrollen:
Rolle das Material straßenseitig entlang der Linie aus setze alle 2 bis 3 Meter einen Haltestab. Die Enden des Zauns sollten über die Wanderstrecke hinaus L-förmig um die Ecke gelegt werden, damit Tiere den Zaun nicht umgehen. - Zaun befestigen:
Fixiere den Zaun Meter für Meter am Haltestab und beschwere die untere Kante mit Erde oder grabe sie ein, damit keine Tiere darunter durchschlüpfen. - Eimerlöcher ausheben:
Hebe nach dem Aufstellen eines Zaunabschnitts die Eimerlöcher auf der Anwanderungsseite aus, sodass die Eimer bündig mit dem Boden abschließen und direkt am Zaun anliegen. Fülle Hohlräume mit Erde. - Eimer vorbereiten:
Gib Laub und Stöckchen (als Ausstiegshilfe für Mäuse und Insekten) oder Schwamm in die Eimer. Nummeriere die Eimer gut sichtbar. - Zaun verlängern:
Lasse die Zaunenden etwa einen Meter überlappen, wenn mehrere Zaunabschnitte benötigt werden, und fixiere sie mit Draht am Haltestab. Kein Spalt darf bleiben, durch den Amphibien entweichen könnten.
Kontrolle, Datenerfassung und Pflege
Während der gesamten Wanderzeit ist eine regelmäßige und sorgfältige Kontrolle unerlässlich. Die Kontrolle des Zauns sollte täglich in den frühen Morgenstunden erfolgen, idealerweise bis spätestens zwei Stunden nach Sonnenaufgang. Während der Hauptwanderzeit, bei milden Temperaturen und Regen, empfiehlt sich eine zusätzliche Kontrolle in der Nacht (zwischen 22 Uhr und Mitternacht). So wird verhindert, dass Amphibien zu lange in den Eimern verbleiben, was insbesondere bei warmer, trockener Witterung zu Stress und Austrocknung führen kann.
Dokumentation und Umsetzung der Tiere
Bei der Kontrolle werden die Amphibien vorsichtig aus den Eimern entnommen, gezählt und nach Art sowie Geschlecht bestimmt. Die genaue Dokumentation – nach Fangeimer, Anzahl, Art und Geschlecht – ist wichtig für die Erfolgskontrolle, die Beobachtung der Bestandsentwicklung und als Grundlage für die Planung dauerhafter Schutzmaßnahmen wie Tunnel. Die erfassten Tiere werden anschließend auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder ausgesetzt. Optimal ist das Absetzen etwa 10 bis 20 Meter hinter der Straße in Wanderrichtung oder direkt am Ufer des Laichgewässers, falls dieses in der Nähe liegt. Dabei sollte immer darauf geachtet werden, den Amphibien ausreichend Versteckmöglichkeiten im Laub zu bieten, um sie vor Fressfeinden zu schützen.
Hygiene und Zaunpflege
Um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, ist Hygiene am Zaun besonders wichtig. Für jeden Schutzzaun möglichst eigene Ausrüstung (Eimer, Stiefel etc.) verwenden oder diese gründlich reinigen. Nach Kontakt mit Amphibien Hände desinfizieren oder Einmalhandschuhe verwenden. Bei Kontakt mit kranken oder toten Tieren ist eine besonders gründliche Reinigung und Desinfektion erforderlich.
Neben den Tieren sollte auch der Zaun selbst regelmäßig auf Schäden überprüft werden. Stürme oder der Sog vorbeifahrender LKW können Verankerungen lösen. Ein Spaten und Hammer sollten immer griffbereit sein, um Ausbesserungen sofort vorzunehmen.
Abbau und Nachbereitung
Nach der Wanderzeit beginnt der Rückbau des Zauns. Dabei empfiehlt es sich, die Eimernummern am Zaun zu belassen, denn so findet man die Standorte im nächsten Jahr leichter wieder. Die Eimerlöcher sollten sorgfältig mit Erde gefüllt werden. Wer möchte, kann die Stellen zusätzlich mit Holzstücken markieren oder die GPS-Daten speichern, um beim nächsten Einsatz Zeit zu sparen. Der Zaun selbst wird am besten entgegengesetzt zur Aufbaurichtung sauber aufgerollt und gut getrocknet gelagert. Wer mehrere Zaunrollen oder Eimer verwendet, sollte sie eindeutig kennzeichnen, so ist im Folgejahr alles schnell wieder am richtigen Platz.
Dauerhafte Lösungen und weitere Schutzmaßnahmen
Krötenzäune sind eine wichtige Sofortmaßnahme, aber langfristig ist ein anderer Ansatz entscheidend: Amphibientunnel.
Um diese zu bauen, benötigen Behörden jedoch exakte Zahlen über Wanderrouten und Populationen. Genau deshalb ist das spontane Einsammeln ohne Protokollierung wenig hilfreich – nur die organisierte Erfassung am Zaun liefert die Datenbasis für dauerhafte Lösungen. Amphibientunnel unter Straßen sind die nachhaltigste Lösung. Sie ermöglichen den Tieren eine gefahrlose Querung und machen das jährliche Umsetzen überflüssig. Die am Zaun erfassten Daten über Art, Anzahl und Wanderverhalten sind dabei eine wichtige Grundlage, um den Bedarf für solche Tunnel zu belegen und deren Bau zu rechtfertigen.
In manchen Fällen kann es auch sinnvoller sein, ein neues Laichgewässer auf der sicheren Straßenseite anzulegen, anstatt eine aufwändige Leiteinrichtung zu bauen. Solche Projekte sollten immer in Abstimmung mit den zuständigen Naturschutzbehörden erfolgen.
Weitere Möglichkeiten, Amphibien zu schützen, sind temporäre Straßensperrungen während der Hauptwanderzeit – vor allem auf wenig befahrenen Straßen. Auch bauliche Maßnahmen wie Gullydeckel mit engem Strebenabstand, engmaschige Schutzgitter, Ausstiegshilfen an Schächten oder das Absenken von Bordsteinen und das Anlegen von Ausstiegsrampen können Wanderhindernisse entschärfen und vielen Tieren das Leben retten.
Amphibienfreundlicher Garten: Was jeder Einzelne tun kann
Jeder kann im Alltag einen Beitrag zum Amphibienschutz leisten. Wer seinen Garten naturnah gestaltet, etwa mit blühenden Wildkräutern, heimischen Gehölzen, Totholzhaufen oder Steinhaufen, schafft wertvolle Rückzugsorte nicht nur für Amphibien. Ein solcher Garten ist auch ein Paradies für Eichhörnchen und bietet ideale Bedingungen für Igel.
Schon kleine Maßnahmen machen einen Unterschied. Schächte und Kellerfenster sollten mit Gittern gesichert und regelmäßig kontrolliert werden, damit keine Tiere hineinfallen und verenden. Wer sich darüber hinaus für den Erhalt und die Pflege natürlicher Feuchtgebiete engagiert, trägt aktiv zum Schutz unserer heimischen Arten bei.
Nicht zuletzt ist es sinnvoll, im eigenen Garten auf Pestizide und Unkrautvernichter zu verzichten. Amphibien nehmen Schadstoffe sehr leicht über ihre Haut auf. Schon kleine Mengen können ihnen schaden oder sogar tödlich sein.
Jeder Einsatz zählt: Gemeinsam Artenvielfalt schützen
Amphibienschutz lebt vom Mitmachen, ob beim Zaunaufbau, bei der Betreuung, durch naturnahe Gartengestaltung oder einfach durch Aufmerksamkeit im Alltag. Wer sich engagiert, leistet einen wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt direkt vor der eigenen Haustür.