Listenhunde sind eher Kampfschmuser

Hund auf eier Couch

Rottweiler, American Bulldog und andere „Kampfhunde“ haben in Deutschland keinen leichten Stand. Einige Hundeattacken von sogenannten Listenhunden haben in der Vergangenheit mediale Aufmerksamkeit erregt: Menschen wurden von den Hunden gebissen und wurden dabei schwer verletzt oder sogar getötet.

Wie auch immer man dazu stehen mag: Es handelt sich um Einzelfälle, da die meisten Hundefreunde ihre Lieblinge, egal, zu welcher Rasse sie gehören, gut im Griff haben. Vor allem die Eigentümer der Kampfschmuser sind da in vielen Fällen vorbildlich – obwohl sie den strengsten Auflagen unterliegen. Fakt ist: Kampfhunde sind nicht die Beifahrer im Cabrio des Zuhälters, sondern in fast allen Fällen geliebte und behütete Familienhunde.

KleinerWelpe

Woher kommen überhaupt die sogenannten Kampfhunde?

Unter Kampfhunden verstehen wir Hunderassen, die schon zu frühen Zeiten, also im 18. und 19. Jahrhundert extra zu Kampfzwecken gezüchtet wurden. Sie sollten sich bei Hundekämpfen beweisen. Vor allem Bulldoggen und Terrier wurden zur Zucht herangezogen, um besonders kräftige und furchtlose Kampfhunde zu bekommen. In den vergangenen Jahrhunderten war es tatsächlich so, dass diese Hunde zu Schaukämpfen in Arenen eingesetzt wurden und dabei gegen Wölfe, Bären oder Bullen kämpften. Hauptsache blutig, denn das stand bei den Zuschauern damals hoch im Kurs. Dem Gegner waren diese Hunde in vielem ebenbürtig, seinem Herrchen jedoch sehr unterwürfig. Seit Beginn des 20. Jahrhundert sind Hundekämpfe zumindest in Europa verboten. Die Zucht der Hunde lief indes noch weiter – bis heute.

Gibt es heute auch noch Listenhunde?

In Deutschland dürfen bestimmte Hunderassen nur mit behördlicher Genehmigung eingeführt oder verkauft werden. Dazu gehören Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Terrier und Bullterrier. Die Haltung dieser Hunderassen ist eingeschränkt, sie dürfen nur gehalten werden, wenn der Halter des Hundes einen Wesenstest vorlegen kann. Je nach Bundesland werden diese sogenannten Rasselisten sogar noch um weitere Hunderassen erweitert. In den letzten Jahren haben die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen bereits wieder Abstand von der Rasseliste genommen. Diese gaukelt eine falsche Sicherheit vor. Denn es sind nicht immer die sogenannten Listenhunde, die an Beissattacken beteiligt sind. Jeder größere Hund kann beispielweise für einen kleinen Hund zu einer erheblichen Gefahr werden. Häufig sind Mischlingshunde in solche Attacken verwickelt und nicht Listenhunde.

Warum werden Kampfschmuser derartig stigmatisiert?

Bis zum Ende der 1990er Jahre waren Listenhunde kaum ein Thema. Anfang 2000 jedoch zeichnete sich ein Trend ab, als Hunderassen wie Pitbull-Terrier gerne im kriminellen Milieu als Waffe eingesetzt wurden. Dabei kam es in Hamburg im Jahr 2000 zu einer tödlichen Hundeattacke, zwei Kampfhunde bissen einen sechsjährigen Jungen auf einem Schulhof zu Tode. Seitdem wurden die Gesetze massiv verschärft. Es hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, dass aber nicht nur sogenannte Kampfhunde negative Eigenschaften entwickeln könne, sondern auch viele andere Hunderassen. Das liegt aber nicht an der Mentalität des jeweiligen Hundes, sondern solche negativen Eigenschaften können regelrecht angezüchtet werden. Ab einer bestimmten Größe können alle Hunde mit ihrem Biss einen Menschen schwer verletzen.

Die Hunderasse allein macht noch keine Aggressivität aus

Gruppe von Hunden

Deshalb erfolgte – wie bereits beschrieben – in einigen Ländern bereits wieder die Abschaffung der Rassenlisten. Stattdessen gibt es eine Meldepflicht für aggressive Hunde, die dann unter bestimmten Auflagen gehalten werden dürfen. Dazu gehören unter anderem der Leinenzwang und die Maulkorbpflicht. Das kann alle Hunde treffen. So wurde in Hessen im Jahr 2014 durch das Verwaltungsgericht Gießen eine Dackeldame als gefährlich eingestuft. Sie hatte seinerzeit einen Nachbarn ihres Herrchens gebissen. Die Verletzung musste in einer Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt werden. Fortan galt die Dackeldame als gefährlich und ihr Herrchen hatte verschiedene Auflagen zu erfüllen. Zudem erging eine neue Besteuerung als gefährlicher Hund. Die Bissigkeit von Hunden ist nicht zwangsläufig angeboren. Sicher, die genetische Veranlagung spielt dabei eine Rolle, doch sind natürlich Einflüsse wie Erziehung und Haltung auch Aspekte, die Einfluss auf das Verhalten des Hundes haben.

Alle Bundesländer haben unterschiedliche Regelungen

16 Bundesländer und 16 verschiedene Hundegesetze. Da soll sich noch jemand auskennen. Je nach Bundesland gibt es sogenannte Rasselisten, darin sind Hunderassen aufgeführt, die als gefährlich gelten. Einige Bundesländer verzichten mittlerweile auf die Rassenliste, da von den vermeintlich gefährlichen Hunden nachweislich kein erhöhtes Risiko einer Attacke ausgeht. Wie sieht es in den einzelnen Bundesländern denn nun aus?

weisser Welpe

Baden-Württemberg

Seit 2000 regelt das Polizeigesetz den Umgang mit sogenannten Listenhunden. Hier gelten American Staffordshire-Terrier, Bullterrier und Pitbull-Terrier als besonders gefährlich und werden als Kampfhunde eingestuft. Die Halter können das aber mit einem Wesenstest widerlegen, der durch einen amtlichen Tierarzt oder einen Polizeihundeführer durchgeführt wird. Daneben gilt für diese Hunderassen ein Zuchtverbot. Weitere neun Hunderassen können als Kampfhund eingestuft werden, wenn sich bei einem der Hunde eine gesteigerte Aggressivität gegenüber Menschen und Tieren zeigt.

Bayern

In Bayern gibt es eine Verordnung über Hunde mit gesteigerter Gefährlichkeit und Aggressivität. Hier sind die Hunde in zwei Kategorien eingeteilt. In der Kategorie 1 befinden sich Pit-Bull, Bandog, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Terrier und Tosa-Inu. Bei diesen Hunderassen geht der Gesetzgeber davon aus, dass unwiderlegbar eine gesteigerte Aggressivität vorliegt.

In die Kategorie 2 fallen Hunderassen wie Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Bullterrier, Cane Corso, Dog Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Perro de Presa Canario (Dogo Canario), Perro de Presa Mallorquin und Rottweiler. Hier wird ebenfalls die Aggressivität des jeweiligen Hundes unterstellt, diese kann aber durch den Halter mit Gutachten widerlegt werden. In diesen Fällen entfällt auch das Zuchtverbot.

Berlin

In der Hauptstadt gilt: Hunde der Rassen Pit-Bull, American Staffordshire Terrier und Bullterrier müssen die Halter unverzüglich bei den Behörden anmelden. Diese Hunderassen gelten als gefährlich. Die Halter müssen nachweisen, dass der Hund nicht illegal nach Deutschland gelangt ist. Dazu müssen die Hundehalter einen Sachkundenachweis durchführen lassen. Ein Negativzeugnis ist ebenfalls erforderlich, darin bescheinigt ein Sachverständiger, dass der Hund nicht durch gesteigerte Aggressivität auffällt.

Brandenburg

Rund um Berlin ticken in Brandenburg die Uhren in Bezug auf gefährliche Hunde schon wieder anders. Hier sind insgesamt fünf Hunderassen als gefährlich eingestuft. Dazu gehören: American Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrier und Tosa Inu.

Alle anderen Hunde können als gefährlich eingestuft werden, wenn sie eine erhöhte Aggressivität zeigen oder zur einer Gefährdung für Mensch oder Tier geführt haben. Dazu gehört auch, dass sie wiederholt Menschen und Tiere anspringen, ohne diese dabei verletzt zu haben.

Dobermann auf einer Couch

Bremen

Als gefährlich gelten in Bremen die folgenden Hunderassen: Pit-Bull-Terrier, Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit anderen Hunden. Daneben können andere Hunde als gefährlich eingestuft werden, wenn sie bereits durch Bisse auffällig geworden sind oder Wild und andere Tiere gerissen haben. Ausnahme ist: Wenn sie Ihren Halter oder Hüter im Falle einer Attacke durch Bisse verteidigt haben.

Hamburg

Losgetreten wurde die ganze Debatte durch eine tödlich Beissattacke gegen ein Kind im Jahre 2000. Hier gelten die Hunderassen Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier und Mischlinge mit diesen Rassen als gefährlich.

Daneben gibt es diverse Hunderassen, die als gefährlich eingestuft werden, der Halter dieses jedoch durch einen Wesenstest widerlegen kann. Dazu gehören: Bullmastiff, Dogo Argentino, Dogue de Bordeaux, Fila Brasileiro, Kangal, Kaukasischer Owtscharka, Mastiff, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Rottweiler und entsprechende Mischlinge.

Hessen

In Hessen wird für eine Reihe von Hunderassen eine Gefährlichkeit vermutet. Darunter fallen Pit Bull Terrier oder American Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier oder Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier, American Bulldog, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Kangal (Karabash), Kaukasischer Owtscharka und Rottweiler. Für sie gelten besondere Haltungsgrundlagen. Alle anderen Hunde können als gefährlich betrachtet werden, wenn sie einen Mensch oder ein Tier unbegründet gebissen haben. Daneben gelten Hunde auch als gefährlich, wenn sie durch bloße Aggressivität auffällig sind. Eine Beissattacke ist also nicht allein der Auslöser für eine Einstufung als gefährlicher Hund.

Mecklenburg-Vorpommern

Im Nordosten der Republik sind die folgenden Hunderassen als Listenhunde geführt: American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier. Diese dürfen nur gehalten werden, wenn durch einen Amtstierarzt oder durch die Behörde beauftragten Tierarzt attestiert wird, dass bei den betroffenen Hunden keine gesteigerte Aggressivität oder Kampfbereitschaft vorliegt. Darüber hinaus stufen die Behörden Hunde anderer Rassen dann als gefährlich ein, wenn sie ein anderes Tier angegriffen oder einen Menschen verletzt haben.

Hund wird gekuschelt

Niedersachsen

In Niedersachsen gibt es keine Rassenliste mehr. Hundehalter müssen generell einen Sachkundenachweis zum Führen eines Hundes beibringen. Hierbei gibt es natürlich auch Ausnahmen. Hat der jeweilige Hundehalter in den letzten zehn Jahren mindestens zwei Jahre lang einen Hund besessen, so gilt er als sachkundig. Ein Zentralregister für alle Hunde und deren Halter ist vorhanden, alle Hunde müssen gechipt sein.

Nordrhein-Westfalen

Durch das Landeshundegesetz ist geregelt, welche Hunderassen als gefährlich gelten. Dazu gehören Pittbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier. Die Haltung ist nur mit behördlicher Genehmigung möglich. Dazu muss der Halter nachweisen, dass ein besonderes Interesse an der Haltung des jeweiligen Hundes besteht. Für gefährliche Hunde besteht Leinenpflicht und ein Maulkorbzwang. Die Aufhebung der Leinenpflicht und des Maulkorbzwangs kann nur durch das zuständige Ordnungsamt aufgehoben werden, wenn der Halter nachweist, dass von seinem Hund keine Gefahr ausgeht.

Dazu gilt für die Halter der Rassen Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastino Espanol, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu, dass die Halter volljährig sind. Hier können die Behörden einen Wesenstest anordnen. Hat der Hund ausgewachsen eine Widerristhöhe von 40 Zentimetern oder ein Gewicht von mindestens 20 Kilogramm, ist die Haltung der jeweiligen Kommune anzugeben.

Rheinland-Pfalz

Das Landeshundegesetz stuft die Hunderassen American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Hunde des Typs Pit Bull Terrier als gefährlich ein. Gefährliche Hunde müssen mit einem Chip gekennzeichnet sein. Dazu gilt ein Maulkorbzwang, der unter bestimmten Voraussetzungen von den Behörden aufgehoben werden kann.

Dazu kommt, dass in Rheinland-Pfalz auch Hunde als gefährlich eingestuft werden, wenn sie andere Tiere verletzt oder Vieh und Wild gerissen haben. Ebenso stufen die Behörden Hunde als gefährlich ein, wenn sie einen Menschen in aggressiver Art und Weise anspringen oder sogar verletzen.

Saarland

Im Saarland bestimmt die Polizeiverordnung, welche Hunderassen dort als gefährlich gelten. Die Zucht von gefährlichen Hunderassen ist dort untersagt. Dazu gehören American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und American Pit Bull Terrier. Die Haltung genehmigen die Behörden dann, wenn der Halter des Hundes einen Sachkundenachweis absolviert und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegt, das die erforderliche Zuverlässigkeit zur Haltung des Hundes untermauert. Ebenso gelten alle anderen Hunderassen dann als gefährlich, wenn sie sich als bissig erweisen, Menschen aggressiv angesprungen oder anderen Tieren nachgestellt haben.

Dobermann

Sachsen

Auch hier haben es Hunderassen wie American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pitbull Terrier schwer. Sie werden durch eine polizeiliche Rechtsverordnung als gefährlich eingestuft. Daneben gelten Hunde als gefährlich, die anderen Tieren nachstellen, sich in aggressiver Weise gegenüber Menschen verhalten haben und durch Züchtung eine antrainierte Aggressivität zeigen. Zucht und Handel dieser Hunde und Hunderassen ist verboten, außer es liegt eine Erlaubnis der jeweiligen Kreispolizeibehörde vor. Dazu besteht einen Leinenpflicht und Maulkorbzwang.

Sachsen-Anhalt

Im Hundegesetz Sachsen-Anhalts sind zwei Arten von gefährlichen Hunden beschreiben. Dazu gehören einmal Rassen wie Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier, bei denen die Gefährlichkeit allein aus ihrer Rasse heraus vermutet wird. Daneben gibt noch eine weitere Kategorie: Nämlich die Hunde, die im Einzelfall und unabhängig von ihrer Rasse sich als gefährlich erwiesen haben. Das ist dann der Fall, wenn diese Hunde Menschen gebissen, Tieren nachgestellt haben und eine gesteigerte Angriffslust zweigen. Die Hunderassen, die von vorne herein als gefährliche eingestuft werden, muss der Halter einen Wesenstest absolvieren. Dazu gilt daneben auch für die als gefährlich eingestuften Hunden: Der Halter muss eine Genehmigung zur Haltung des Hundes bei seiner Kommune beantragen.

Schleswig-Holstein

Im nördlichsten Bundesland gibt es keine gefährlichen Hunderassen mehr. Hunde werden nur noch dann als gefährlich eingestuft, wenn von ihnen tatsächlich eine Gefahr ausgeht. Dazu gehört das aggressive Anspringen von Menschen, Beissattacken oder das Nachstellen von anderen Tieren. Positiv hier ist: Zwei Jahre nach der Einstufung als gefährlicher Hund kann der Halter einen neuen Wesenstest durchführen lassen, um sich die Ungefährlichkeit des Hundes bescheinigen zu lassen.

Thüringen

Zu guter Letzt in Thüringen: Hier gibt es keine Rassenliste mehr. Bei allen Hunden kann eine Einstufung als gefährlich erfolgen, wenn diese sich als angriffslustig oder bissig zeigen oder bereits Tiere gehetzt und verletzt haben. Bei der Einstufung als gefährlicher Hund muss der Halter einen Wesenstest durchführen lassen und einen Sachkundenachweis beibringen. Dazu gelten die Leinenpflicht, ein Maulkorbzwang und eine Halteerlaubnis, die durch die zuständige Ordnungsbehörde ausgestellt wird.

Letztendlich sind die Hundegesetz aller Bundesländer ein unübersichtliches Misch-Masch und kaum von den Hundefreunden, insbesondere von den Haltern der Kampfschmuser zu überblicken. Positiv ist die Handhabung in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen, wo kein Hund mehr pauschal als gefährlich gilt. Hier muss erst ein konkreter Anlass vorliegen, dass ein Hund als gefährlich eingestuft wird.

Hund liegt auf dem Boden

 

 

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