Getreide im Hundefutter: Gesundheitsrisiko oder sinnvolle Ergänzung?

Die Meinungen zu Getreide im Hundefutter gehen stark auseinander. Manche betrachten es als nicht artgerechte, billige Füllmasse, andere betonen, dass es durchaus eine positive Rolle bei der Hundeernährung spielen kann. Wir haben uns die Argumente beider Seiten und die Vor- und Nachteile von Getreide im Hundefutter genau angeschaut, damit du dir ein eigenes Urteil bilden kannst. Dabei geben wir auch einige Tipps zur Fütterung und möglichen Alternativen.
Das spricht gegen Getreide im Hundefutter
Es gibt einige Kritiker von getreidehaltigem Hundefutter und zum Teil haben diese auch gute Argumente auf ihrer Seite. Zu den größten Kritikpunkten gehören die folgenden.
- Keine artgerechte Ernährung:
Der Hundeorganismus kann den benötigten Zucker (Glukose) aus Fetten und Eiweißen selbst herstellen. Demnach, so die Argumentation, werden Kohlenhydrate aus Getreide nicht benötigt. - Billiger Füllstoff:
Bei vielen Herstellern ist Getreide nicht deshalb beliebt, weil es den Hunden guttut oder gut schmeckt, sondern weil es deutlich billiger ist als Fleisch und so ohne hohe Herstellungskosten die Futterdose füllen kann. - Nährstoffverlust:
Die theoretisch im Getreide enthaltenen Nährstoffe werden häufig durch Erhitzungsverfahren zerstört, die das Getreide für Hunde besser verdaulich machen sollen. Stattdessen werden künstlich Nährstoffe hinzugegeben, die aber oft nicht in ausreichender Konzentration vorhanden sind. - Gesundheitliche Folgen:
Bei manchen Hunden kann getreidereiches Futter zu Blähungen, Durchfall und sonstigen Verdauungsbeschwerden führen. Auch Zahnsteinbildung wird oft gefördert. Zudem können die enthaltenen Phytate Mineralstoffe binden und verhindern so ihre Aufnahme in den Organismus. Und die ebenfalls enthaltenen ATI (Amylase-Trypsin-Inhibitoren), wobei es sich um Schutzstoffe des Getreides handelt, können ebenfalls die Verdauung stören und die Nährstoffaufnahme behindern. Darüber hinaus werden durch die Kohlenhydrate auch bestimmte Darmparasiten wie Giardien gefördert. - Allergien:
Insbesondere glutenhaltige Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste können nach Meinung von Kritikern bei einigen Hunden Unverträglichkeiten auslösen. - Hunde mit Vorerkrankungen:
Hunde mit Krebs, Diabetes, Entzündungen, Darmparasiten, Arthrose und anderen Erkrankungen sollten generell auf Getreide verzichten, da es diese Krankheiten fördern kann. - Getreideüberschuss:
Egal, wie man letztlich zu Getreide steht: Unstrittig ist, dass manche Hundefutter extrem viel davon enthalten. Teilweise werden hier Getreideanteile von bis zu 90 Prozent erreicht.
Das spricht für Getreide im Hundefutter
Bei aller Kritik gibt es auch eine Reihe von Argumenten für eine Fütterung mit Getreide. Oder zumindest dafür, dass es nicht so tragisch ist, wenn Hunde etwas Getreide zu sich nehmen. Wir listen dir auch die wichtigsten Argumente für diese Sichtweise auf.
- Evolutionäre Anpassung:
Hunde leben schon eine ganze Weile mit Menschen zusammen, die Ackerbau betreiben und ihnen da auch schon mal das ein oder andere Getreideerzeugnis gefüttert haben. Entsprechend hat sich ihre Verdauung auch immer besser an die Verwertung von Stärke angepasst. Gerade im Vergleich mit dem Wolf. Das belegt auch eine schwedische Studie von 2013, die im renommierten Nature-Journal erschienen ist. - Enthaltene Nährstoffe:
Getreide enthält nicht nur Stärke, sondern auch pflanzliche Eiweiße, Fette, Vitamine und Mineralstoffe, die Hunden zugutekommen. Die enthaltenen Ballaststoffe können die Darmgesundheit der Tiere fördern. Die Kohlenhydrate im Getreide können außerdem ein schneller Energielieferant sein, was zumindest für aktive Hunde ein Vorteil sein kann. Gerade für Arbeitshunde, Schlittenhunde und Hunde, die Hundesport betreiben. - Positive Gesundheitswirkungen:
Manchmal kann gerade eine getreidereichere Ernährung für Hunde förderlich sein. Besonders, wenn sie unter Untergewicht leiden, Konzentrationsprobleme haben oder eine zu fleisch- und eiweißreiche Ernährung aus gesundheitlichen Gründen vermieden werden sollte. Zum Beispiel bei Nierenbeschwerden, Lebererkrankungen, Leishmaniose oder der Neigung zu Harnsteinen. Umgekehrt wird auch diskutiert, ob eine getreidefreie Ernährung Herzmuskelerkrankungen fördern kann. - Kein allergisches Potenzial:
Befürworter von getreidehaltiger Hundeernährung weisen darauf hin, dass Getreide kein höheres Allergiepotenzial als andere Futterbestandteile besitzt und eine wirkliche Futtermittelallergie beim Hund eher von bestimmten tierischen Eiweißen hervorgerufen wird. - Gesundheitliche Gefahren übertrieben:
Von Seiten der Befürworter wird auch Einspruch in Bezug auf Krebs- und Karies-Risiken erhoben. Demnach ernähren sich Tumorzellen zwar von Kohlenhydraten, was sie für krebskranke Hunde problematisch macht, aber Getreide ist dennoch nicht der Auslöser für den Krebs. Und da die Stärkespaltung bei Hunden erst im Dünndarm geschieht, entsteht dadurch auch kein schädlicher Zucker im Maul. - Ökologische Vorteile:
Getreide hat einen deutlich besseren ökologischen Fußabdruck und weniger Ressourcenverbrauch als Fleisch. Zudem ist das Gluten im Getreide ein guter Kleber und ein natürliches Bindemittel für Trockenfutter, was chemische Zusatzstoffe überflüssig und das Futter potenziell natürlicher macht.
Wie erkennst du eine Getreideunverträglichkeit bei deinem Hund?

Anders als bei Menschen ist eine Glutenunverträglichkeit bei Hunden eher die Ausnahme, kann aber vorkommen. Gerade durch die häufige Verwendung von Getreide im Futter wird das Risiko auch zunehmend erhöht. Zu den Symptomen einer Glutenunverträglichkeit gehören beispielsweise:
- Juckreiz (vor allem an Ohren, Pfoten und unter den Achseln)
- Hautprobleme (Rötungen/Ekzeme)
- Durchfall, Erbrechen und Blähungen
- Haarausfall
- Gewichtsverlust
Bei einem Verdacht auf eine Unverträglichkeit solltest du am besten einen Tierarzt aufsuchen. Für den Fall, dass eine andere und vielleicht ernsthaftere Ursache hinter diesen Symptomen steckt, solltest du außerdem schon vorsorglich eine Hundekrankenversicherung für dein Tier abgeschlossen haben. So bist du vor hohen Tierarztkosten geschützt und kannst jede notwendige Tierarztbehandlung bedenkenlos durchführen lassen.
Wenn Getreide füttern, dann richtig
Falls du deinem Hund Getreide geben möchtest, ist es am besten, es ihm nicht gemischt, sondern getrennt zuzuführen. Denn Getreide und Fleisch erfordern beim Hund unterschiedliche Verdauungsprozesse. Geeignet sind hier etwa Haferflocken oder andere Getreideflocken. Diese solltest du gut aufweichen oder vorher kochen, damit die Stärke aufgeschlüsselt wird und besser verträglich ist. Weiterverarbeitete Getreideprodukte wie Nudeln sind eher nicht zu empfehlen. Sie haben viele Kalorien, aber wenige wertvolle Nährstoffe. Generell sollte der Anteil an Getreide und Pseudogetreide (wie Amaranth oder Buchweizen) nicht mehr als 40 bis höchstens 60 Prozent der pflanzlichen Bestandteile der Nahrung deines Hundes ausmachen. Der Rest sollte eher aus Gemüse kommen.
Getreidefreie Alternativen
Wenn du auf eine getreideärmere Hundeernährung setzen willst, gibt es verschiedene Alternativen. Willst du deinem Hund nur Gluten und damit zusammenhängende Unverträglichkeiten ersparen, kannst du auch gut zu Getreidesorten wie Reis, Hafer oder Mais greifen. Auch „Pseudogetreide“ wie Quinoa, Buchweizen und Amaranth sind eine Option. Willst du komplett auf Getreide verzichten, deinem Hund aber dennoch Kohlenhydrate bieten, kannst du auch auf Kartoffeln, Süßkartoffeln, Kürbis oder Hülsenfrüchte wie Erbsen, Kichererbsen und Linsen ausweichen. Gerade Kartoffeln und Süßkartoffeln haben zudem einen niedrigeren „glykämischen Index“ und lassen den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen. Die hier genannten Alternativen sind auch oft in getreidefreiem Fertigfutter enthalten. „Getreidefrei“ bedeutet hier also nicht automatisch „frei von Kohlenhydraten“.
Fazit: Braucht ein Hund Getreide?
Wie du siehst, ist es schwierig, hier eine allgemeine Fütterungsempfehlung abzugeben. Aber bei gesunden Hunden ist Getreide kein allzu großes Problem. Und grundsätzlich solltest du auf der sicheren Seite sein, wenn du deinen Hund zwar getreidearm, aber nicht zwingend getreidefrei ernährst und ihm das Getreide am besten getrennt vom Hauptfutter servierst. Da aber jeder Hund individuelle Bedürfnisse, einen eigenen Lebenswandel und einen anderen Gesundheitszustand hat, raten wir in jedem Fall dazu, die Ernährung deines Hundes mit deinem Tierarzt abzusprechen. Denn er weiß am besten, was dein Hund verträgt und braucht und was nicht.