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Hilfe, mein Pferd lahmt! Lahmheiten erkennen und behandeln

Untersuchung der Hufe

Wenn Ihr Pferd lahmt, zeigt es damit deutlich, dass es Schmerzen hat. Jetzt ist schnelle Hilfe gefragt. Denn zum einen soll Ihr Pferd keine Schmerzen erleiden, zum anderen möchten Sie Ihr Lauftier vor weiteren Schäden schützen. Denn gerade Erkrankungen der Beine können sich schnell ausbreiten und verschlimmern. Wir nennen Ihnen die wichtigsten Ursachen fürs Lahmen, wie Sie Lahmheiten erkennen und wie Sie im Akutfall helfen können.

Das Pferd lahmt: Diese Ursachen kommen infrage

Wenn ein Pferd lahmt, zeigt es damit mehr als deutlich, dass es Schmerzen hat. Diese müssen allerdings nicht immer in den Beinen liegen, selbst wenn sich die Ursache in den meisten Fällen dort lokalisieren lässt. Die Gründe können sehr unterschiedlich sein.

Hier die häufigsten Ursachen, warum ein Pferd lahmt:

  • es hat sich bei einer Weidenrangelei vertreten
  • Hufgeschwüre
  • gerissene oder entzündete Sehnen
  • ein gebrochenes Bein
  • Fissuren (Haarrisse)
  • Arthrose
  • Blutergüsse
  • Probleme mit der Wirbelsäule
  • Probleme mit den Muskeln (u. a. Kreuzverschlag, PSSM)

Seltenere, aber dennoch mögliche Ursachen:

  • Bauchschmerzen
  • Vergiftungen
  • Infektionen (u. a. Borreliose oder Borna)
  • Haltungsprobleme

Es gilt also zunächst, die Ursache herauszufinden. Das ist jedoch meist nicht ohne einen Tierarzt mit den nötigen Geräten zur Bildgebung möglich.

Pferd lahmt - ein Beispiel

Ein Pferd, vier Jahre alt, lahmt. Die Besitzerin erkennt das Problem beim Arbeiten an der Longe sowie bei engen Wendungen auf der Weide. Vorn rechts tickt der Wallach und das noch nach einer Woche. Die Tierärztin rät, erst einmal abzuwarten, solange das Lahmen nicht schlimmer wird und sich keine warmen oder geschwollenen Stellen zeigen. Doch das Pferd lahmt nach einigen Tagen immer noch. Beugeprobe und Röntgen zeigen das Problem: Eine beginnende Schale im Huf- sowie im Krongelenk ist die Ursache. Das Pferd hat Schmerzen, wenn diese Form der Arthrose einen Schub verursacht. Bis die kleinen Gelenke völlig verknöchert und damit schmerzfrei sind, können Jahre vergehen. Woher die Erkrankung bei diesem jungen Tier kommt, weiß niemand. Fakt ist aber, dass sich im Laufe der kommenden Zeit hohe Kosten einstellen werden.

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VS.-Tipp:

Mit einer Pferdekrankenversicherung sind Sie auf der sicheren Seite. Beginnt Ihr Pferd zu lahmen, trägt diese die Kosten für den Tierarzt, die Röntgenbilder, Medikamente und vieles mehr. Mit der passenden Versicherung wären der Besitzerin aus dem obigen Beispiel viele Ausgaben erspart geblieben.

Lahmheiten erkennen: die wichtigsten Anzeichen

Pferdehufe

Nicht immer knickt das Pferd eindeutig mit einer Gliedmaße beim Auftreten weg oder belastet diese gar nicht. Manchmal ist es tatsächlich nur ein leichtes Ticken, ein geringeres Belasten in engen Wendungen oder schnelleren Gangarten auf hartem Boden, das Sie als Halter aufmerksam werden lässt.

Bei starken Schmerzen wird das Tier selbst in Ruhe Entlastung suchen und stellt das betreffende Bein nur auf der Zehenspitze des Hufes ab. Dies ist allerdings nur in gravierenden Fällen so, unter anderem bei einem Hufbeindurchbruch, bei gebrochenen Beinen, gerissenen Sehnen, starken Fesselträgerschäden oder großen Hufgeschwüren. Weitaus häufiger zeigt sich das Lahmen erst in der Bewegung. Wird das Pferd vom Stand angetrabt, tritt es vielleicht nicht gleichmäßig an. Teilweise läuft es klamm und muss sich erst „einlaufen“, ehe es taktrein und sauber läuft.

Folglich werden Lahmheiten in drei verschiedene Stufen eingeteilt. Es gibt die gering-, die mittel- und die hochgradige Lahmheit. Außerdem wird in folgende Arten unterschieden: Stützbeinlahmheit, Hangbeinlahmheit und Mischbeinlahmheit.

 

Stützbeinlahmheit

  • Schmerzen treten bei Belastung auf
  • Bein wird nur kurz belastet, das Pferd fällt auf das gesunde Bein
  • bei Lahmheit des Vorderbeins: Pferd senkt den Kopf beim Auffußen mit dem gesunden Bein, es hebt ihn beim Auffußen mit dem kranken Bein
  • bei Lahmheit des Hinterbeins: beim Auftreten des gesunden Beins wird die Kruppe stärker gesenkt
  • Lahmheit auf hartem Boden deutlicher zu sehen, daher Vortraben auf Asphalt nötig – vor allem durch Erkrankungen von Knochen, Hufen, Beugesehnen oder Gelenken hervorgerufen
  • meist unterer Beinbereich betroffen

Hangbeinlahmheit

  • Schmerzen beim Vorführen des erkrankten Beins
  • krankes Bein wird kürzer vorgesetzt
  • Nicken des Kopfes bzw. Absenken der Kruppe sichtbar (siehe Stützbeinlahmheit)
  • Lahmheit auf weichem Boden besser zu sehen – meist durch Probleme mit der Beugesehne, mit Muskeln oder Schleimbeuteln hervorgerufen
  • meist oberer Teil des Beins betroffen

Gemischte Lahmheit

  • Lahmheit kann nicht eindeutig zugeordnet werden und zeigt Elemente von Hang- und Stützbeinlahmheit
  • Ursachen können im gesamten Bewegungsapparat des Beines liegen

Teilweise kann es zu einer Überlastungslahmheit oder sogar einer dadurch ausgelösten Hufrehe kommen. Geht das Pferd lahm, belastet es das gesunde Bein stärker. Dieses muss nun deutlich mehr Last aufnehmen und wird dauerhaft überlastet. Außerdem ist eine sogenannte intermittierende Lahmheit möglich, bei der die Lahmheitsanzeichen immer wieder verschwinden und danach neu auftreten. Dies ist unter anderem möglich, wenn das Pferd von Blutwürmern befallen ist.

Lahmheiten diagnostizieren

Manche Lahmheiten können Sie als Halter bzw. Besitzer des Pferdes selbst erkennen und diagnostizieren. Das Pferd hat zum Beispiel an einem intensiven Geländetraining teilgenommen und zeigt durch die Lahmheit eine Überlastung an. Auch wenn es sich hier „nur“ um einen Muskelkater handelt, ist doch höchste Vorsicht geboten, damit sich nicht Schlimmeres daraus entwickelt.

Auch eine Lahmheit durch ein bisher nicht diagnostiziertes Hufgeschwür ist oftmals spätestens dann erkennbar, wenn sich das Geschwür zum Kronrand hin öffnet. Vielleicht hat das Pferd zuvor auf die Zangenprobe nicht reagiert, weil sich das Geschwür weit oben im Huf befand. Dennoch war eindeutig: Das Pferd lahmt! Mit dem Öffnen des Geschwürs fließt das gesammelte Sekret ab, der Druck im Huf lässt nach. Oft geht das Pferd schlagartig wieder sauber.

So geht der Tierarzt bei Lahmheit vor

In den meisten Fällen wird bei einem Akutfall der Tierarzt hinzugezogen. Er wird das Pferd untersuchen und die Beine abtasten, hier im Weiteren nach Wärmeunterschieden fühlen. Dafür kann eine Wärmebildkamera eingesetzt werden, die Temperaturunterschiede gut sichtbar abbildet. Er wird sich das Pferd im Schritt und im Trab vorführen lassen und achtet hier auf die ersten Schritte nach dem Antreten aus dem Stand ebenso wie auf das Verhalten nach mehreren Schritten und nach einer möglichst engen Wendung.

Die praktische Untersuchung

Bei der praktischen Untersuchung wird der Huf abgeklopft, das Bein wird stark gebeugt und gestreckt. Mit der Zange kann die gesamte Hufsohle abgetastet werden, teilweise wird das Bein auf ein Brett gestellt und das Pferd muss danach sofort antraben. Die Brettprobe kommt vor allem bei Verdacht auf eine Beteiligung der Hufgelenke zum Einsatz. Außerdem wird der Tierarzt das Bein genau abtasten, um Schwellungen, Stauungen und Auftreibungen zu finden. Außerdem wird, wenn an den Beinen nichts zu entdecken ist, der gesamte Körper auf Blockaden und weitere Lahmheitsursachen untersucht.

Röntgen, Ultraschall & Co.

Hilft das alles nichts, kommt der kostenintensive Teil ins Spiel, bei dem zum Beispiel die diagnostische Anästhesie durchgeführt wird. Hierbei werden bestimmte Bereiche des Beins betäubt, um herauszufinden, in welchem Bereich sich die Lahmheit befindet. Auch Röntgen und Ultraschall können zum Einsatz kommen. Eventuell muss eine Arthroskopie durchgeführt werden, bei der das Gelenk genauer untersucht wird. Sind die ambulanten Möglichkeiten erschöpft, muss das Pferd in die Klinik, wo umfassendere Untersuchungen möglich sind.

Das Pferd lahmt: Richtige Behandlung ist wichtig

Das Pferd bekommt eine Spritze

Es kann sinnvoll sein, nicht nur einen speziellen Pferdetierarzt zurate zu ziehen, sondern sich an jemanden zu wenden, der auf den Bereich der Knochen und des Skelettsystems sowie auf den Bewegungsapparat spezialisiert ist. Viele Pferdetierärzte bieten unterschiedliche Fachbereiche an, in denen sie besonders weitergebildet sind, und sie können damit vor Ort deutlich besser weiterhelfen als ein Allrounder.

Wichtig ist nun, dem Pferd rasche Linderung zu verschaffen, was durch das Spritzen von Schmerzmitteln möglich wird. Damit ist die Ursache der Lahmheit freilich nicht behoben. Bei ungeklärter Ursache können Boxenruhe und Kühlung der Beine dafür sorgen, dass sich das Tier wieder wohler fühlt. Hier sind sich die Tierärzte allerdings nicht wirklich einig und so mancher empfiehlt sogar bei einem Sehnenschaden, das Pferd lieber auf die Koppel zu stellen und es dort nur mit einem ruhigen Artgenossen grasen zu lassen. Ansonsten müssen besonders unruhige Pferde oft sediert werden, wenn sie an der Hand für wenige Minuten die Box verlassen dürfen, weil sie unberechenbar werden. Wichtig ist in dem Zusammenhang die Reduzierung der Energiezufuhr. In der Regel reicht kranken Pferden Heu. Kein Kraftfutter geben bzw. stark reduzieren!

Medikamente bei Lahmheit: von Kortison bis Antibiotika

Bei akuten Entzündungen wird der Tierarzt weitere Medikamente verabreichen. Entzündungshemmer wie Kortison kommen zum Einsatz. Auch natürliche Mittel können helfen: So hat sich die Teufelskralle bei von Arthrose geplagten Pferden überaus bewährt. Antibiotische Mittel werden ebenfalls gegeben, damit sich bei Wunden oder Brüchen keine Infektion dazugesellt.

Sind Sehnenrupturen oder Knochenbrüche die Ursache, ist natürlich eine völlige Ruhigstellung unabdingbar, die oft mehrere Wochen betragen wird. Nicht immer lassen sich Sehnen allerdings nähen. Der Tierarzt wird die Heilungsaussichten mit dem Tierhalter besprechen und auf mögliche Vorgehensweisen genau eingehen. Tierhalter sollten hier immer im Hinterkopf behalten, dass das Pferd als Lauftier möglichst rasch schmerzfrei werden muss, es ist keine Zeit für lange Experimente.

Erst einmal selbst kurieren?

Gerade für chronische Erkrankungen gilt, dass es durchaus Mittel und Wege gibt, um dem Pferd sein Leiden zu erleichtern. Bei Arthrosen helfen Wickel aus Weißkraut und die oben genannte Gabe von Teufelskralle, bei Entzündungen sind Angussverbände mit essigsaurer Tonerde hilfreich. Auch ein Umschlag mit Beinwell-Brei kann helfen, eine Entzündung zu lindern. Teilweise wird empfohlen, bei Spat, Schale oder Arthrose Gelatine zu füttern, diese versorgt die Gelenke mit Nährstoffen bzw. hilft, dass die Gelenke bewegungsfähig bleiben.
Das Kühlen bei einer akuten Lahmheit ist immer zu empfehlen, ebenso die Schonung des Tieres.

Das Pferd sollte genau beobachtet werden. Steht es abseits und hat sichtlich Schmerzen? Oder entlastet es das Bein nur kurz? Danach richtet sich die Verordnung der Boxenruhe oder die Möglichkeit, das Tier doch in seiner gewohnten Herde zu belassen. Ansonsten gilt: Sofort den Tierarzt rufen und ihm das Problem schildern! Nicht immer ist eine Lahmheit ein Notfall, doch bereits nach den Schilderungen am Telefon kann der Experte die Dringlichkeit einer Untersuchung einschätzen. Dies gilt natürlich nicht, wenn eine Wunde blutet, ein Knochen sichtbar ist oder anderweitig selbst einem Laien klar ist, dass es sich hierbei um ein ernstes Problem handelt.

VS.-Tipp:
Um einem Pferd im Notfall gut helfen zu können, ist es wichtig, es schon in „gesunden Zeiten“ an Behandlungen der Beine zu gewöhnen. Es sollte das Abspritzen mit dem Wasserschlauch oder das Stehen in gefüllten Wassereimern ebenso kennen wie das Anfassen an jeder Stelle des Körpers. Dies erleichtert die Diagnosestellung und ist für die Sicherheit aller Beteiligten bei der Untersuchung wichtig.

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