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Chip beim Pferd – woran erkenne ich das?

Dein Pferd lahmt, es hat Schmerzen und ein Gelenk ist angeschwollen? Dann steckt eventuell eine im Fachjargon "Osteochondrosis dissecans" (Abkürzung: OCD) genannte Erkrankung dahinter, bei Pferdebesitzern auch bekannt als „Chips“. Diese sogenannten Gelenk-Chips sind bei Pferden gar nicht so selten. Rund jedes 4. Pferd ist davon betroffen. Doch zum Glück verursachen sie nicht immer Probleme. Wir sagen Dir, woher die Chips kommen, woran Du diese erkennst und wann der Tierarzt operieren muss.

Es gibt eine gute Nachricht. Chips können während einer Arthroskopie entfernt werden. Deinem Pferd geht es dann schnell wieder besser. Leider gibt es auch eine schlechte Nachricht. Die OP kostet mindestens 1.000 €, oft ist sie wesentlich teurer. Wir empfehlen daher, rechtzeitig mit einer Pferde-OP-Versicherung vorzusorgen.

Was sind Gelenk-Chips?

Osteochondrosis dissecans (OCD) - eine recht weit verbreitete Krankheit. OCD kommt vor allem im Fohlenalter zum Tragen: Das Wachstum der Knorpel im Gelenk der heranwachsenden Pferde ist gestört. Es lösen sich kleine Knorpelstücke, die nun in der Gelenkhöhle herumschweben. Mit der Zeit verknöchern diese Knorpelstücke. In der Regel bleiben sie liegen und stören das Pferd nicht. Problematisch wird es erst, wenn sich diese Knorpel-Knochen-Fragmente - auch Chips oder Gelenkmäuse genannt - bewegen und verkanten. Im schlimmsten Fall blockieren sie dann das gesamte Gelenk, sodass das Pferd es nicht mehr richtig bewegen kann.

Zudem wirken die sich frei bewegende Fragmente wie Sand im Getriebe. Sie reizen den Knorpel und können so weitere Schäden und Gelenkentzündungen verursachen. Das Gelenk schwillt an und es bilden sich sogenannte Gelenkgallen. Diese Gallen sind Verdickungen durch Flüssigkeitsansammlungen.


Ursachen

Die häufigsten Ursachen für Chips sind:

  • Veranlagung (z. B. Wachstumsgeschwindigkeit, Größe)
  • Verletzung
  • falsche/ mangelhafte Fütterung (z. B. zu viel Kraftfutter)
  • zu viel Training
  • zu viel Boxenruhe

OCD ist in den meisten Fällen genetisch bedingt. Die Veranlagung wird vererbt - Chips müssen zwar nicht auftreten, aber die Wahrscheinlichkeit ist erhöht, wenn die Pferdeeltern auch von der Stoffwechselerkrankung OCD betroffen sind. Neben der Vererbung kann jedoch ebenfalls eine Verletzung oder ein Unfall zu einem Schaden führen, in dessen Folge abgelöste Knorpel- oder Knochenteilchen durch das Gelenk wandern. Eine weitere mögliche Ursache ist mangelhafte Ernährung.

Besonders häufig treten Chips in diesen Gelenken auf:

  • Sprunggelenk
  • Fesselgelenk
  • Kniegelenk
  • Hufgelenk

Symptome

Osteochondrose ist häufig symptomlos. Probleme treten erst auf, wenn Chips ungünstig liegen oder sich verkeilen. Dann sind oft Schwellungen und Schwierigkeiten beim Laufen erste Anzeichen.

Die häufigsten Symptome bei problematischen Chips sind:

  • geschwollene Gelenke
  • entzündete Gelenke
  • steife Gelenke
  • Schmerzen, Dein Pferd reagiert empfindlich bei Berührung
  • Lahmheit

Solltest Du eines oder mehrere dieser Anzeichen entdecken, empfiehlt es sich, einen Tierarzt hinzuzuziehen. Das Gelenk muss geröntgt werden.

Chip-Operation: ja oder nein?

Lösen die Chips Schwierigkeiten aus, ist eine Arthroskopie ratsam, bei der die störenden Knorpelteilchen entfernt werden. Ist der Chip jedoch fest im Gewebe verwachsen, kann theoretisch nicht so viel passieren, als wenn er frei umherwandert. Viele Pferdebesitzer lassen dennoch die Chips prophylaktisch entfernen, damit es gar nicht erst zu Problemen kommt - hier scheiden sich jedoch die Geister, da eine OP aufgrund der Vollnarkose immer ein Risiko birgt. Übrigens: Osteochondrose wird häufig während einer Ankaufuntersuchung entdeckt und ist ein Grund, den Ankaufspreis zu drücken.


Wie teuer ist eine Chip-OP?

Die Voruntersuchung, das Röntgen, der Aufenthalt in der Tierklinik, die Nachsorge und dann noch die OP selbst: Eine Arthroskopie ist zwar ein kleiner Eingriff, dennoch summieren sich die Kosten schnell auf mehrere Tausend Euro. Hier einige Kostenbeispiele für die Chip-OP, die so auf Deiner Tierarztrechnungen auftauchen könnten.

Behandlung 1-facher Satz 2-facher Satz 3-facher Satz 4-facher Satz
Untersuchung inkl. Beratung 36,63 € 73,26 € 109,89 € 146,52 €
Injektion, intravenös 20,53 € 41,06 € 61,59 € 82,12 €
Kombinationsnarkose intravenös 86,13 € 172,26 € 258,39 € 344,52 €
Arthroskopische OP inkl. Diagnostik 551,23 € 1.102,46 € 1.653,69 € 2.204,92 €
Röntgen, 1. und 2. Aufnahme jeweils 31,57 € 63,14 € 94,71 € 126,28 €
Wundverschluss 24,44 € 48,88 € 73,32 € 97,76 €
Stationäre Unterbringung je Tag 34,90 € 69,80 € 104,70 € 139,60 €
Folgeuntersuchung 29,30 € 58,60 € 87,90 € 117,20 €
Kosten gesamt 814,73 € 1.629,46 € 2.444,19 € 3.258,92 €
GOT = Gebührenordnung der Tierärzte, Stand 2022, alle Angaben ohne Gewähr, inklusive 19 % MwSt.
Bitte beachte: Beim Notdiensteinsatz kommt noch eine zusätzliche Gebühr in Höhe von 59,50 € obendrauf.

Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) legt fest, wie viel ein Tierarzt für eine Leistung mindestens verlangen muss bzw. höchstens berechnen darf. Je nach Zeitpunkt und Schwere des Eingriffs kann der 1- bis 4-fache Satz erhoben werden. Die Einhaltung der GOT ist für jeden Tierarzt verpflichtend. Die in der Tabelle angegebenen Preise sind Nettopreise. Mit auf der Tierarztrechnung tauchen also zusätzlich noch folgende Posten auf:

  • die Mehrwertsteuer
  • die Kosten für Medikamente
  • die Kosten für Verbrauchsmaterialien (z. B. Verbandsmaterial)
  • die Kosten für Nachuntersuchungen
  • die Beiträge für die Unterbringung des Pferdes in der Tierklinik (34,90 € pro Tag ohne Behandlung und ohne Futterkosten)
  • eventuell Wegegeld, wenn der Tierarzt für Nachuntersuchungen zum Stall kommt

Kosten der Arthroskopie

Die Kosten einer Arthroskopie liegen folglich zwischen 1.000 € und 3.500 €. Eine Arthroskopie ist bei Chips häufig unumgänglich, um Dein Pferd vor Schmerzen und Lahmheit zu schützen. Leider sind die Kosten jedoch hoch. Mit einer Pferde-OP-Versicherung kannst Du Dich vor den finanziellen Folgen schützen. Derzeit bieten sie einige Gesellschaften an – darunter Barmenia und Uelzener.


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Barmenia, GHV und Uelzener alle bieten eine Abdeckung für die Chip-OP an.

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Pferdebesitzer berichten von ihren Chip-Erfahrungen

Vanessa S. liebt Pferde und verbringt ihre Zeit am liebsten am Stall. Bei ihrem Pferd wurden vor ein paar Jahren Chips entdeckt. „Ich habe einen Westfalen und ein Shetlandpony. Der Westfale hat schon lange ein paar Chips im Fesselgelenk. Das weiß ich, seit ich ihn vor drei Jahren gekauft habe. Der Tierarzt meint aber, die Chips würden gut liegen, da würde nichts passieren. Deshalb lasse ich ihn erst einmal nicht operieren. Würde mein Fuchs aber anfangen zu lahmen, würde ich es direkt machen lassen. Das Geld wäre mir egal, immerhin bin ich eh gegen Operationen versichert. Da kann also nicht viel passieren. Schlimmer finde ich die Vollnarkose. Da habe ich Angst, dass mein Pferd die nicht übersteht. Aber wenn eine OP die einzige Möglichkeit ist, dann würde ich es natürlich machen lassen. Mein Shetti hat zum Glück keine Chips. Haben Shetland Ponys aber wohl sowieso fast nie.“

Ihre Freundin Nadine N. hingegen hat eine andere Entscheidung getroffen: „Als bei meinem Wallach Chips entdeckt wurden, habe ich sie rausoperieren lassen. Mein Tierarzt hat gesagt, es wäre besser, mein Pferd davon zu befreien, wo es noch so jung ist, als wenn es älter wird und die Chips dann Schaden anrichten. Damit hat er mich überzeugt. Mein Pferd hat die OP auf jeden Fall gut überstanden. Nur die knapp 2.300 € haben natürlich wehgetan. Aber dafür habe ich jetzt ein gesundes Pferd. Toi toi toi.“

Verdacht auf Chips - wie geht der Tierarzt vor?

Chip im Pferdegelenk

Wird der Tierarzt gerufen, weil Beschwerden vorliegen, die auf Chips hindeuten, wird er zunächst eine genaue Diagnose durchführen. Immerhin treten Lahmheit und Schmerzen auch bei anderen Krankheiten und Ursachen auf.

  • Wie verhält sich das Pferd?
  • Welche Symptome zeigt es?
  • Welches Gelenk ist betroffen?
  • Anamnese: Welche Vorgeschichte hat das Pferd?

Letztendlich hilft aber nur ein Röntgenbild, um Chips zu erkennen. Wichtig ist für den Tierarzt:

  • Wo liegen die Chips?
  • Wie viele Chips sind zu sehen?
  • Wie groß sind die Chips?

Sind diese Fragen geklärt, wird er entscheiden, ob eine Operation nötig ist oder nicht.


Wie läuft eine Chip-OP ab?

Chips sollten zeitnah entfernt werden, wenn sie das Pferd stören. Dennoch ist eine Arthroskopie keine Notfall-OP, wie sie es zum Beispiel bei einer schweren Kolik wäre. Du kannst Dich und Dein Pferd also in Ruhe auf den Eingriff vorbereiten. Da die OP unter Vollnarkose stattfindet, darf der tierische Patient vorher für einen gewissen Zeitraum nichts mehr essen. Wie lange dies sein wird, wird Dir die Tierklinik vorab mitteilen.

So verläuft die Arthroskopie:
Chips werden heutzutage in der Regel mithilfe einer Arthroskopie entfernt. Bei dem minimal-invasiven Eingriff werden unter Vollnarkose zwei kleine Schnitte gemacht. Durch den einen wird eine kleine Kamera eingeführt, durch den anderen die Instrumente zur Entfernung des Chips. Das Gelenk wird für die OP mit Gas oder Flüssigkeit aufgefüllt, um eine bessere Sicht zu ermöglichen. Wurde der Chip - oder auch mehrere - entfernt, wird der Knorpel geglättet. Zum Abschluss wird das Gelenk noch einmal ausgespült, um letzte Reste zu entfernen und Entzündungen vorzubeugen. Anschließend werden die Schnitte vernäht.

Nach der Chip-OP:
Meist hat das Pferd nach rund 1,5 Stunden die OP überstanden. Dann noch eine halbe Stunde warten und auch die Narkose hat nachgelassen. Du darfst zu Deinem Pferd in die Aufwachbox. Dein Pferd wird jedoch noch bis zu 5 Tage zur Beobachtung in der Tierklinik bleiben müssen. Zurück im Stall ist dann noch einmal für rund 3 Wochen Boxenruhe angesagt. Im Anschluss darf langsam wieder mit regelmäßiger Bewegung begonnen werden. Beginne mit täglichen Führungen von 20 bis 30 Minuten Länge.

Wie gefährlich ist eine Chip-OP?
Die Arthroskopie ist dank der minimal-invasiven Methode ein gut verträglicher Routineeingriff. Das Gelenk muss nicht groß eröffnet werden und auch die Hautschnitte sind schnell verheilt. Dennoch birgt auch eine solche Operation bei Pferden ein gewisses Risiko. Vor allem die Vollnarkose ist bei Pferden nicht ganz ohne. Bereiten Chips Deinem Pferd jedoch Schmerzen oder behindern es beim Laufen, bleibt die Arthroskopie die mitunter einzige Lösung.


Tipps für die Zeit nach der Chip-OP

Nach der Operation ist es wichtig, dass sich Dein Pferd erst einmal schont. Wie lange dies sein muss, hängt von der Schwere des Schadens und der Lage des Eingriffs ab. Einen genauen Therapie- bzw. Bewegungsplan wirst Du von Deiner Tierklinik erhalten. Sollte dies nicht der Fall sein, scheue Dich nicht, Fragen zu stellen.

Zu folgenden Punkten solltest Du im besten Fall Informationen erhalten haben:

  • Medikamente
  • Boxenruhe bzw. Bewegungsplan
  • Fressen und Trinken
  • Versorgung der Wundnaht
  • Nachbehandlung

Mache Dir Notizen: Immerhin ist eine OP auch für Dich als Pferdebesitzer aufregend. In der Hektik werden Informationen schnell einmal wieder vergessen.

Physiotherapie
Hat Dein Pferd bereits gelahmt, kann es sinnvoll sein, einen Physiotherapeuten hinzuzuziehen. Dieser bringt das Gelenk Deines Pferdes mit gezielten Übungen wieder in Schwung. Zudem hilft er dabei, Verspannungen zu lösen, die mit der Lahmheit einhergehen können. Denn wenn ein Pferd lahmt, nimmt es eventuell eine ungewohnte Schonhaltung ein, die wiederum zu Verspannungen an ganz anderen Körperstellen führen kann.

Medikamente
Nach der Operation wird Dein Pferd wahrscheinlich noch ein paar Tage medikamentös behandelt werden, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Die Medikamente sollen dabei helfen, neuen Entzündungen vorzubeugen bzw. noch vorhandene Entzündungsreste auszuschalten. Zudem haben sie eine schmerzlindernde Wirkung. Eventuell erhält Dein Pferd auch Antibiotika. Dein Tierarzt wird Dir nach der OP die entsprechenden Medikamente verschreiben bzw. mitgeben - falls nötig.


Chips beim Pferd vorbeugen

Die Entstehung von Chips ist meist ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Sind die genetischen Voraussetzungen schlecht, wird es schwer, der OCD vorzubeugen. Allerdings kannst Du durch die richtige Fütterung und Bewegung Deines Pferdes dazu beitragen, die Gefahr von Chips zu verringern. Da Chips vor allem im Fohlenalter entstehen, ist eine rechtzeitige Vorbeugung gefragt:

  • Ausreichende Bewegung des Fohlens. Am besten bietest Du Deinem Fohlen eine ganztägige Möglichkeit zum Auslauf. Vermeide wenn möglich lange Boxenhaltung. Durch die Bewegung baut das Pferd Muskeln auf, die die Gelenke in ihrer Funktion stützen. Zudem bleiben Gelenkschmiere und Knorpel durch die Bewegung elastisch. Vorsicht: Überlaste Dein Pferd jedoch nicht.
  • Altersgerechte Fütterung. Du solltest die Fütterung der Rasse und dem Alter des Fohlens anpassen. Gerade bei sehr jungen Tieren ist es wichtig, dass sie ausreichend Mineralstoffe (z. B. Calcium, Phosphor), Vitamine (z. B. Vitamin D) und Spurenelemente (z. B. Zink, Kupfer) zu sich nehmen. Erkundige Dich in Deinem Pferdefachgeschäft nach den Nahrungsergänzungsmitteln für Fohlen. Wichtig ist jedoch auch, dass Du Dein Fohlen nicht überfütterst. Die Wachstumskurve sollte nicht zu steil werden.

Fazit zu Chips

Chips können durch die Erbkrankheit OCD entstehen oder durch Traumata, wie zum Beispiel Tritte. Ein Eingriff ist nicht immer notwendig. Nur wenn die Knorpel-Knochen-Stückchen Beschwerden verursachen, ist eine Entfernung mithilfe einer Arthroskopie unumgänglich. Die Erfolgsquoten einer Arthroskopie sind hoch, allerdings birgt die Vollnarkose ein gewisses Risiko. Manche Pferdebesitzer lassen dennoch die Chips prophylaktisch entfernen, bevor sie Schaden anrichten können. Viele Chips sind Zufallsbefunde bei einer Ankaufuntersuchung - und einer der häufigsten Gründe zur Preisdrückung oder einem Nichtkauf.

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