Glücksmomente und Sorgenkinder: Interview mit dem Tierheim Dorsten
Ruhe kennt das Tierheim in Dorsten kaum. Der auch als „Tierschutzverein Dorsten und die Herrlichkeit Lembeck e. V.“ bekannte Verein ist sehr aktiv und tut eine Menge für seine Tiere und seine Unterstützer. Da wollten wir gerne einen Blick hinter die Kulissen erhaschen. Als zwei unserer Mitarbeiterinnen dem Tierheim Dorsten unsere Spende überreicht haben, haben wir deshalb gleich auch die Gelegenheit genutzt, den Mitarbeitern des Tierheims ein paar Fragen über ihre Arbeit und ihren Alltag zu stellen. Belohnt wurden wir mit vielen spannenden Einblicken.
Wie groß ist Ihr Team?
Insgesamt sind wir elf Leute: sechs Vollzeitmitarbeiter, zwei Mitarbeiter in Teilzeit, zwei Azubis und ein Bundesfreiwilligendienstler.
Wie finanziert sich Ihr Tierheim?
Wir finanzieren uns durch Spenden, über Mittel der Stadt und durch Fördergelder.
Was sind aktuell Ihre größten Herausforderungen?
Unser größtes Problem ist momentan unser sanierungsbedürftiges Gebäude und die hohen Tierarztkosten. Aber auch „schwer“ vermittelbare Hunde sind natürlich auf ihre Art eine Herausforderung.
Was bereitet Ihnen am meisten Freude an Ihrer Arbeit?
Am meisten Freude macht es uns, wenn es einem Tier unter unserer Betreuung wieder besser geht. Dann natürlich die Vermittlung in ein neues Zuhause. Und schön zu erleben ist es auch, wenn Tiere, die erst ängstlich waren oder Tiere, die viel Aggressionsverhalten gezeigt haben, wieder Vertrauen fassen. Hier muss man auch betonen, dass Aggression bzw. Aggressionsverhalten durchaus mit zur Kommunikation gehört: es kommt aber auf das Maß und die Intensität an.
Gibt es ein Erlebnis aus Ihrem Arbeitsalltag, das Sie besonders berührt hat?
Es ist immer schön, wenn sich Menschen dazu entscheiden, Tiere aufzunehmen, die krank oder alt sind. Oder Tiere, die aufgrund ihres Verhaltens schon sehr lange im Tierheim sitzen.
Nehmen Sie häufig entlaufene oder ausgesetzte Tiere auf, und wie läuft das in solchen Fällen ab?
Die meisten Tiere, die zu uns kommen, sind Fundtiere. Das Aussetzen kann man hier natürlich nicht immer nachweisen. In manchen Fällen ist es aber klar. Fundtiere gehen nach 2 Wochen in die Vermittlung, wenn sie dann gesund sind. Der Besitzer hat natürlich immer noch die Chance, sich zu melden. Er muss dann aber alle Kosten bezahlen, die aufgekommen sind. Das heißt Pensionskosten, Tierarztkosten und so weiter.
Welche Tiere haben Sie hauptsächlich in Ihrem Tierheim?
Hauptsächlich Katzen, Hunde, Kaninchen und Tauben. Wir beherbergen aber auch Gnadenhof- beziehungsweise Lebenshoftiere.
Welche Kriterien haben Sie für eine Adoption?
Je nach Tierart und Tier ist das sehr individuell, daher ist es schwer, hier eine pauschale Antwort zu geben.
Welche Tiere werden bei Ihnen am besten vermittelt und welche sind eher Sorgenkinder?
Katzen haben bei uns den größten Durchlauf. Schwieriger wird es bei Krankheiten oder Verhaltensauffälligkeiten. Vor allem einige Hunde sitzen lange in unserem Tierheim oder haben kaum bis gar keine Vermittlungschance.
Haben Sie manchmal Probleme, Tiere noch unterzubringen?
Ja, das ist leider so. Insbesondere ab Beginn des Frühlings, wenn viele herrenlose und unkastrierte Katzen Junge bekommen.
Hatten Sie Tiere, bei denen es Ihnen ein bisschen wehgetan hat, sie abzugeben?
Wehgetan ist das falsche Wort. Aber an Tieren, die man auch mit nach Hause genommen hatte (Flaschenkinder, Welpen oder ältere Tiere), hängt man manchmal natürlich etwas mehr. Trotzdem freut man sich immer, wenn die Tiere ein neues Zuhause bekommen!
Kommt es vor, dass Tiere nach einer Adoption wieder zu Ihnen zurückgebracht werden? Wenn ja, aus welchen Gründen?
Ja, das passiert meist aber eher mit Katzen. Manche von ihnen verstehen sich in ihrem neuen Zuhause nicht mit den Katzen, die schon länger dort leben. Auch verhalten sie sich teilweise nicht so wie im Tierheim. Und es kommt auch vor, dass Menschen den Aufwand der Haltung überschätzen und so mit dem Tier überfordert sind.
Welche Gründe nennen Menschen am häufigsten, wenn sie Tiere abgeben wollen?
Das ist je nach Tierart anders. Bei Katzen sind es oft finanzielle Schwierigkeiten. Aber auch Unsauberkeit ist ein Faktor oder wenn Tiere aggressives Verhalten zeigen. Und manchmal ist der Grund auch schlicht, dass ein Baby zur Familie stößt. Bei Hunden sind es Beißvorfälle. Oder Internetkäufe, bei denen die Tiere nicht so waren wie beschrieben. Und auch hier kann eine Schwangerschaft dazu führen, dass der Hund abgegeben wird. Im Fall von Kleintieren ist es eher so, dass das Partnertier verstorben ist und die Haltung dann beendet wird.
Wie gehen Sie mit verhaltensauffälligen oder traumatisierten Tieren um?
Als Erstes machen wir einen Gesundheitscheck, bei dem wir auch überprüfen lassen, ob das Tier an Schmerzen leidet oder krank ist. Ist das der Fall, bekommt es eine Behandlung durch einen Tierarzt. Gibt es andere Gründe, beginnen wir mit dem Training, vor allem mit dem Ziel, Vertrauen aufzubauen. Vielen Hunden hat es zum Beispiel in ihrem bisherigen Zuhause an Regeln und Grenzen gefehlt. Am Ende muss man aber bei jedem Tier individuell schauen, was es für eine Betreuung braucht.
Gibt es bestimmte Zeiten im Jahr, in denen besonders viele Tiere abgegeben oder aufgenommen werden?
Unsere Hochphasen sind im Frühling und im Sommer. Aber generell gibt es das ganze Jahr über Abgabeanfragen.
Wie können Menschen Sie am besten unterstützen?
Derzeit am besten durch Spenden, da wir einen großen Zuwachs an Ehrenamtlichen haben, worüber wir sehr glücklich sind! Zudem hilft es sehr, wenn Menschen unsere Postings in den sozialen Medien teilen, damit wir mehr Reichweite bekommen!
Sie organisieren regelmäßig Veranstaltungen: Wie ist die Resonanz und welchen Stellenwert haben diese für Ihre Arbeit?
Die Resonanz ist sehr gut. Es gibt Menschen, die man regelmäßig bei unseren Veranstaltungen sieht. Es ist ein wichtiger Teil unserer Tätigkeit, um die Leute etwas „abzuholen“ und unsere Arbeit oder das Tierheim näherzubringen. In den normalen Öffnungszeiten ist es nicht immer möglich, sich für jeden Besucher Zeit zu nehmen. An den Veranstaltungen gibt es feste Stände, wo die Leute auch einfach mal quatschen können.
Was haben Sie für die Zukunft noch an Events geplant?
Ab März bis September gibt es monatlich einen Garagentrödel. Außerdem unser Sommerfest, einen Winterbasar und gegebenenfalls wieder ein Patentreffen.
Wie funktionieren Ihre Tierpatenschaften?
Paten zahlen einen jährlichen Betrag. Wir versuchen, über die sozialen Medien immer mal alle Tiere zu zeigen, sodass die Paten auch sehen, wie es ihren Patentieren geht. Viele Paten sind auch Gassigänger oder Katzenkuschler. Wir hatten auch überlegt, eine App für die Paten zu gestalten, das haben wir zeitlich aber noch nicht umsetzen können.
Arbeiten Sie mit anderen Tierheimen oder Tierschutzorganisationen zusammen?
Ja, wir sind weit vernetzt mit anderen Tierheimen und mit Lebens- beziehungsweise Gnadenhöfen!