Igelschutz: Interview mit Ralf Becker von „Mein Naturgarten“

Um allen Tierfreunden einen besseren Einblick in den Schutz und das harmonische Zusammenleben mit Igeln zu geben, haben wir mit Ralf Becker von dem Projekt „Mein Naturgarten“ gesprochen. Der engagierte Naturschützer erklärt uns unter anderem, was beim Igelschutz und der Gartengestaltung wichtig ist und was man aktiv für Igel tun kann. Und er erzählt uns, welche lustige Begebenheit ihn zum ersten Mal auf die Igel in seinem Naturgarten im nordrhein-westfälischen Ratingen aufmerksam gemacht hat.
Für mich ist ein Naturgarten ein Hotel.
Stell Dich bitte einmal kurz vor
Hallo, mein Name ist Ralf Becker. Ich begrüße Euch hier in meinem Naturgarten in Ratingen. Ich bin vor vier Jahren in dieses Haus gezogen und damals hatten wir hier nur reine Wiese auf 3.300 Quadratmetern, die ich in den letzten vier Jahren in einen Naturgarten umgewandelt habe. Ich habe sehr viele Stauden gepflanzt, über 60 Bäume gesetzt, zwei Bachläufe angelegt und einen Naturteich, damit sich hier eine Naturoase entwickeln kann.
Wie kam die Idee des Naturgartens in Deinem Umfeld an?
Allgemein kommt die Idee eines Naturgartens gut an. Wir alle wollen ja etwas für das Klima und für die Natur tun. Aber ein Naturgarten ist natürlich kein Mustergarten, kein überall aufgeräumter Garten. Es gibt hier keinen Golfplatz-Rasen oder sowas Ähnliches. Auch meine Staudenbeete sehen immer etwas unordentlich aus und bleiben auch den gesamten Winter über stehen. Das heißt, ich schneide nichts runter und das kommt natürlich nicht überall gut an.
Welche Elemente im Garten sind besonders wichtig für Igel?
Besonders Wasserstellen sind für Igel, aber auch für andere Wildtiere und für Vögel im Garten wichtig. Im Rahmen unserer Klimaveränderung haben wir immer weniger Wasser zur Verfügung. Da spielen die Wasserstellen eine große Rolle. Das gilt aber auch für Totholzhaufen, Reisighaufen und Benjeshecken. Darunter können sich Igel gut verstecken oder auch Höhlen bauen. Aber auch andere Tiere wie Insekten nutzen diese Stellen zum Überwintern oder als Versteck.
Gibt es bestimmte Dinge, die man nicht tun sollte, wenn man einen Igel im Garten bemerkt hat?
Grundsätzlich sollte man Hecken niemals herunterschneiden. Man sagt ja zum Beispiel: „Hecken auf Stock setzen“. Das heißt: Ich schneide sie auf 10 oder 15 Zentimeter herunter. Das sollte man auf keinen Fall tun. Gerade unter Hecken, unter Laub, verstecken sich Igel. Man darf auch nicht mit Haken unter den Hecken herumkratzen, denn durch diesen Dreizack kann man Igel sehr schnell verletzen. Auch Laub zu entfernen, ist nicht gut. Laubhaufen, die sich zum Beispiel um Bäume gesammelt haben, sollte man möglichst nicht wegnehmen. Darunter können sich Igel tagsüber zurückziehen.
Wann hast Du zum ersten Mal einen Igel im Garten bemerkt?
Die ersten Igel habe ich bei der Paarung bemerkt. Wir saßen im Garten und dann hat es im Gebüsch geraschelt. Dann haben wir plötzlich so ein leichtes Grunzen gehört und wir konnten uns überhaupt nicht erklären, was das für ein Geräusch ist. Letztlich hat sich herausgestellt, dass das Igel waren, die sich gerade gepaart haben. Die hören sich nämlich bei der Paarung an wie kleine grunzende Schweine.
Hast Du einen Tipp für uns, wie man Igel vor anderen Tieren im Garten schützen kann?
Igel sind Wildtiere. Das heißt, sie sind natürlich Gefahren ausgesetzt, wie alle anderen Tiere auch. Es gibt Marder, es gibt Ratten, es gibt Greifvögel, es gibt Eulen, die auf Igel spezialisiert sind und sich diese gerne, gerade bei jungen Igeln, für ihre Nachkommen zum Fressen holen. Man kann die Igel natürlich schützen, indem man zum Beispiel im Winter entsprechende Igelhütten baut. Diese kann man auch mit Rattenklappen versehen, damit die Ratten nicht in diese Igelburgen eindringen können. Ansonsten ist es halt so: Ein Igel ist ein Wildtier und es ist eine ganz normale Auslese, wenn auch mal ein Igel durch einen Greifvogel aus der Natur herausgeholt wird. Da kann man einfach nichts dran ändern.
Gibt es für Dich eigentlich Aspekte, die beim Igel- bzw. Wildschutz zu kurz kommen?
Wir haben ein allgemeines Problem. Wir haben ein Problem des Artensterbens, des Insektensterbens. Und dadurch, dass wir immer weniger Insekten haben, auch in Gärten, auch in der Landwirtschaft, haben wir immer weniger Futtermöglichkeiten für den Igel. Da müssen wir einfach etwas tun. Wir können dem Igel helfen, zum Beispiel, indem wir ihm durch verschiedene Insektengaben eine Futtermöglichkeit geben. Etwa Soldatenfliegen, Larven, Mehlwürmer oder auch Grillen. Man kann ihm auch Katzenfutter zur Verfügung stellen. Dieses Thema kommt einfach ein bisschen zu kurz. Außerdem müssen wir den Igeln Räumlichkeiten bieten. Früher kam er in Landwirtschaften mit Hecken vor, aber wenn wir keine Hecken mehr haben, hat er auch keine Versteckmöglichkeiten. Auch dieser Aspekt wird im Allgemeinen, aber auch in Bezug auf Gärten, zu wenig thematisiert.
Was hast Du für Deine Zukunft noch im Naturgarten geplant?
Ich habe noch einiges vor in meinem Naturgarten. Ich möchte noch viel mehr für die Tiere tun. Für mich ist ein Naturgarten ein Hotel. Im Hotel gibt es verschiedene Suiten, es gibt einfache Zimmer, es gibt Apartments und so soll auch mein Garten sein. Es ist weniger ein Garten für mich, sondern für unsere Tiere. Und da möchte ich noch eine Eidechsenburg anlegen und ich möchte noch einen weiteren Bachlauf anlegen, weil gerade Vögel sich an diesem Bachlauf sehr wohlfühlen und dort zum Baden und zum Trinken hingehen.
Hast Du eigentlich noch andere Naturschutzprojekte?
Ja, ich habe eine Stiftung gegründet. Die nennt sich die „Natur Pur-Stiftung“. Ich möchte mit dieser Stiftung weitere Naturschutzprojekte fördern. Wir wollen selbst Grundstücke erwerben und sie naturschutznah umwandeln. Wir wollen Arten retten und dazu beitragen, dass sie sich vervielfältigen können. Das ist ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt.
Mehr zum Projekt „Mein Naturgarten“ erfährst Du hier:
Website: https://mein-naturgarten.de/
Instagram: https://www.instagram.com/mein_naturgarten.de/

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