Igelschutz ist Naturschutz

Igel sind nicht nur putzig. Sie sind auch unheimlich nützlich und wichtig für das Ökosystem. Die stacheligen Vierbeiner halten Insekten, Schnecken und Würmer in Schach und bringen so nicht nur die Natur ins Gleichgewicht, sondern schützen auch unsere Gärten vor Schädlingen.
Leider sind die Tiere zunehmend bedroht und vielen Gefahren ausgesetzt. Von Mähmaschinen über Pestizide, Stacheldraht bis hin zum Straßenverkehr. Vor allem mangelt es ihnen aber an Futter und Winterquartieren. Denn die Winterschlaf haltenden Igel brauchen sowohl genügend Nahrung, um sich eine ausreichende Reserve anzufuttern, als auch einen geeigneten Unterschlupf für die kalten Monate.
Frühlingserwachen: So hilfst du Igeln jetzt am besten
Mit den ersten milden Tagen im Frühjahr erwachen viele Igel aus dem Winterschlaf – manche früher, manche später. In dieser Übergangsphase ist besondere Rücksicht im Garten gefragt. Achte bei der Gartenarbeit darauf, dass in Laub- und Reisighaufen noch schlafende Igel liegen können. Auch zahlreiche Insekten finden hier ihr Winterquartier und dienen später als wichtige Nahrungsquelle für die Igel, während kleine Äste und Zweige von Vögeln als Nistmaterial genutzt werden. Wilde Ecken mit altem Laub und Pflanzenresten fördern das gesamte Ökosystem im Garten, deshalb lasse solche Bereiche möglichst bis in den April hinein stehen. Entferne im Frühling nur das, was sichtbar verschimmelt, von Pilzen befallen oder krank ist.
Vorsicht rund um Ostern: Gerade wenn Material für das Osterfeuer gesammelt wird, solltest du vor dem Anzünden prüfen, ob sich Tiere darin versteckt haben, und das Material gegebenenfalls umschichten.
Trink- und Futterstellen: Eine flache Schale mit frischem Wasser hilft Igeln und anderen Tieren, kleine Steine oder Äste dienen als „Rettungsinseln“ für Insekten. Magere oder schwache Igel können im Notfall und nach Rücksprache mit Experten vorübergehend mit Katzen-Nassfutter ohne Getreide oder mit Rührei unterstützt werden.
Und ganz wichtig: Igel sind laktoseintolerant, daher niemals Milch anbieten, frisches Wasser reicht völlig aus.
Notfall: Igel am Tag unterwegs
Igel sind ausnahmslos nachtaktiv. Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, ist immer ein medizinischer Notfall. Meist krank, verletzt, unterkühlt oder verhungert. Auch wenn er noch „normal“ wirkt, braucht er dringend Hilfe.
Was ist zu tun?
- Handschuhe anziehen, Igel vorsichtig aufnehmen.
- Auf Maden kontrollieren (Ohren, Augen, Bauch).
- In eine Kiste setzen, lauwarme Wärmflasche dazu, Wasser anbieten (keine Milch!).
- Igelstation oder igelkundige Stelle kontaktieren und nach weiteren Anweisungen fragen.
Ein Igel auf dem Rasen am Tag ist kein schönes Naturerlebnis, sondern ein Hilferuf!
Für Igel zählt jetzt jede Hilfe
Eine ganze Reihe ehrenamtlicher Igelhilfen und Schutzorganisationen sind aktiv und unermüdlich für Igel im Einsatz. Doch viele dieser Initiativen sind inzwischen überlastet und haben alle Hände voll mit dem Schutz der Tiere zu tun.
Dabei ist Unterstützung dringend nötig. Denn die Igelpopulation ist in Deutschland und in ganz Europa rückläufig. Nicht zuletzt, weil ihnen der Lebensraum fehlt und immer mehr Grünflächen zugunsten von Betonflächen, Nutzflächen oder Steingärten weichen.
Umso wichtiger ist es, auch als Privatperson zu helfen. Ganz besonders im Herbst brauchen die Tiere jede Hilfe, die sie bekommen können. Deshalb haben auch wir uns entschieden, die Tiere so gut zu unterstützen, wie wir können. Etwa mit dem Bau von Igelhotels.
Das kannst Du selbst für Igel tun
Wenn Du selbst einen Beitrag zum Igelschutz leisten möchtest und Du einen eigenen Garten hast, kannst Du zum Beispiel folgende Dinge tun:
- Verzichte auf Pestizide.
- Schaffe Durchgänge in Gartenzäunen oder Mauern, durch die die Igel wandern können, ohne sich zu verletzen.
- Decke Deinen Gartenteich ab, wenn Du einen hast, oder baue einen Ausstieg dafür, damit kein Igel darin ertrinkt.
- Lasse Laub- oder Reisighaufen liegen, in denen sich Igel zurückziehen können.
- Verzichte nach Möglichkeit bei Deiner Gartengestaltung auf Draht und Netze.
- Lege an kalten Herbsttagen Futter aus, wie zum Beispiel Katzen-Nassfutter (ohne Soße), Haferflocken oder gekochte Eier.
- Kontaktiere Igelstationen, wenn Du ein verletztes, schwaches oder unterernährtes Tier findest.
- Baue Igeln einen sicheren Unterschlupf in Form eines Igelhotels. Dazu haben wir Dir eine einfache Anleitung erstellt.

Von Naturgärten und Igeln: Ralf Becker erzählt
Wie aktiver Wildtier- und Igelschutz aussehen kann, zeigt auch Ralf Becker vom Projekt „Mein Naturgarten“. Der passionierte Naturschützer steht uns unter anderem Rede und Antwort zu seinen Erfahrungen mit Igeln und erklärt uns was bislang beim Igelschutz zu kurz kommt.

So baust Du ein Igelhotel
Ein Igelhotel ist für die Tiere ein stabiler und sicherer Schutz in den kalten Monaten des Jahres. Hier erfährst Du Schritt für Schritt, wie Du es baust.
Funfact: Igel-Männer verschlafen die Kinderbetreuung
Wenn es um die Betreuung des Nachwuchses geht, bleibt die Care-Arbeit hauptsächlich an den weiblichen Igeln hängen. Die Männchen verschwinden nämlich rund einen Monat früher, ungefähr Mitte Oktober, in den Winterschlaf, während sich die Weibchen in dieser Zeit noch um die Kinder kümmern. Von Geschlechtergerechtigkeit kann also bei dieser Tierart keine Rede sein. Auch wenn man zumindest erwähnen kann, dass die Männchen dafür „Frühaufsteher“ sind und bereits Mitte März wieder aus dem Winterschlaf erwachen, während die Weibchen noch bis Anfang April ihre verdiente Ruhe genießen.
Quelle: NABU