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Hundehalter unterschätzen die Kosten für den Tierarzt

Geschäftsführer Ralf Becker und seine Ayka auf einer Wiese

FOCUS TIERDoktor
VS.-Geschäftsführer Ralf Becker im Interview

Die Tierarztkosten sind in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen - und werden auch zukünftig noch weiter erhöht. Dennoch raten Verbraucherschützer derzeit von einer Tierkrankenversicherung ab. Aber ist die finanzielle Absicherung wirklich unnötig? Unser VS.-Geschäftsführer Ralf Becker erklärt im Interview mit dem FOCUS TIERDoktor, wann der Schutz doch sinnvoll ist und was Sie als Tierhalter beachten sollten.
(FOCUS TIERDoktor, Ausgabe November 2019)

FOCUS TIERDoktor:
Herr Becker, Ihr Portal vergleichen-und-sparen.de ist einer der größten unabhängigen Makler von Tierkrankenversicherungen.
Hand aufs Herz: Braucht es diese oft kostspielige Absicherung tatsächlich?

Ralf Becker:
Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Meine Labradorhündin Assia wurde 19 Jahre alt und war trotz dieses fast biblischen Alters bis kurz vor ihrem Tod kerngesund. Ihre Nachfolgerin Ayka hingegen muss ständig Tabletten nehmen und hat trotzdem immer wieder Ohrenschmerzen. Die Tierarztkosten summieren sich jedes Jahr auf über 1500 Euro. Da lohnt sich die Absicherung auf jeden Fall.

Es gibt sogar Krankenversicherungen für Papageien und Kaninchen.

Das bieten wenige Gesellschaften an, ist in meinen Augen aber sinnlos. Da stimmt die Relation nicht. Bei Hunden und Katzen ist das anders.

Verbraucherschützer warnen, dass Tierhalter auf Kosten sitzen bleiben, wenn Ärzte einen höheren Gebührensatz berechnen, als die Versicherung vorsieht.

Darauf sollten Tierhalter auf jeden Fall achten. Tierärzte können nach dem einfachen, doppelten oder dreifachen Gebührensatz abrechnen. Das ist ähnlich wie in der privaten Krankenversicherung für Menschen. Eine günstige Versicherung zahlt oft nur den einfachen Satz. In der Regel nehmen Tierärzte den zweifachen Gebührensatz.


FOCUS TIERDoktor:
Wann kommt der dreifache ins Spiel?

Ralf Becker:
Meistens bei Notoperationen, an Sonn‑ und Feiertagen oder wenn eine Operation für den Arzt besonders schwierig oder aufwendig ist. Berechnet der Tierarzt den dreifachen Satz, die Versicherung berücksichtigt jedoch nur den einfachen Satz, bleiben Versicherte auf zwei Drittel der Kosten sitzen. Wir stellen aber fest: Die Menschen unterschätzen die Kosten beim Tierarzt oft massiv.


FOCUS TIERDoktor:
Welche Alternativen haben Hunde- und Katzenhalter?

Ralf Becker:
Die Beiträge einer Operationsversicherung sind deutlich günstiger, decken aber natürlich nur die Kosten für Operationen und nicht Krankheiten ab. Für Katzen sind entsprechende Versicherungen schon für zehn Euro im Monat zu haben. Zum Vergleich: Die Vollversicherung kostet etwa 35 Euro. Das gilt in der Regel für Tiere bis zwei Jahre. Danach kann es teurer werden. Rund 80 Prozent der Tiere werden jedoch schon im Welpenalter versichert.


FOCUS TIERDoktor:
Weil es später schwierig wird, von einem Versicherer aufgenommen zu werden?

Ralf Becker:
Bis zum vierten Geburtstag ist das in der Regel ohne Problem möglich. Bis zum siebten oder achten Geburtstag fallen entweder die Beiträge höher aus, oder es werden tierärztliche Atteste nötig. Nach dem achten Geburtstag ist eine Versicherbarkeit nur noch bei wenigen Gesellschaften möglich und zieht hohe Selbstbeteiligungen nach sich.


FOCUS TIERDoktor:
Im Bereich Hundehaftpflicht haben Sie mit den Versicherern Spezialtarife vereinbart. Was war Ihnen dabei besonders wichtig?

Ralf Becker:
Wir haben mit den Gesellschaften zum Beispiel günstigere Tarife für ältere Versicherungsnehmer ausgehandelt, die es in dieser Form noch nicht gab. Denn mit 50 oder 60 Jahren habe ich oft nicht meinen ersten, sondern zweiten oder dritten Hund. Diese Erfahrung merkt man deutlich: Ältere Versicherungsnehmer reichen viel weniger Schäden ein als junge.


FOCUS TIERDoktor:
Was wollten Sie noch neu machen?

Ralf Becker:
Wenn ein Freund auf meinen Hund aufpasst und in dieser Zeit von ihm gebissen wird, kann es heikel werden. In der Regel zahlen Versicherungen dann nicht, weil der Freund die Aufsicht übernommen hat, ich aber der Versicherungsnehmer bin. Das haben wir in den neuen Verträgen berücksichtigt.


FOCUS TIERDoktor:
Was empfehlen Sie darüber hinaus?

Ralf Becker:
Bei Hundehaftpflichtversicherungen raten wir ab von Verträgen mit Selbstbehalt. Der Prämienunterschied ist äußerst gering. Wenn aber doch mal etwas passiert, ist es gut, sich nicht an den Kosten beteiligen zu müssen.