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Hunde-Magazin

Wasservergiftung beim Hund: So schützen Sie Ihren Vierbeiner

Für Mensch und Hund ist Wasser überlebenswichtig. Und ein großer Spaßfaktor. Wie bei uns Menschen gibt es auch unter Hunden echte Wasserratten, die sich kaum vom Wasser trennen können. Beim Spielen schlucken Hunde unweigerlich Wasser.

Wussten Sie, dass zu viel Wasser nicht nur schädlich, sondern sogar tödlich sein kann? Wir erklären Ihnen, wie Ihr See-Ausflug mit Hund ein ungetrübter Badespaß bleibt. Dabei erfahren Sie unter anderem, wie Sie einer Wasservergiftung vorbeugen, welche Symptome auf eine Vergiftung Ihres Hundes hindeuten und was Sie im Ernstfall tun können.

 

Wasservergiftung beim Hund: Kurz und knapp

  • Die Wasservergiftung ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Gefahr.
  • Eine Wasservergiftung entsteht, wenn Hunde zu große Mengen Süßwasser aufnehmen.
  • Lethargie bis Unruhe: Die Symptome einer Wasservergiftung sind sehr vielfältig.
  • Ein Hund mit Wasservergiftung muss sofort zum Tierarzt gebracht werden.
  • Ausreichend „Wasserpausen“ schützen Ihren Hund vor einer Vergiftung.

Seen sind ein Badeparadies für Hund und Herrchen 

Hund badet im See

Sonnig-warme Temperaturen locken auch Hundebesitzer ins kühle Nass. Vor allem in glühend heißen Hochsommerzeiten braucht es für Menschen mit Hund gute Alternativen zum Freibad. Geschätzt wird ein ruhiges und schattiges Plätzchen, an dem Hund und Mensch gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Besonders beliebt sind daher abgelegene Seen und ruhige Flussarme.

An vielen Badeseen sind Hunde mittlerweile ausdrücklich erwünscht. Eigens eingerichtete Hunde-Badestrände bieten ausreichend Fläche zum Toben und Schwimmen, ohne die Harmonie zwischen Hundehaltern und Gästen ohne Hund zu gefährden.

Spaß und Abkühlung stehen beim Badetag an oberster Stelle. Als Hundebesitzer schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe, denn am Wasser ergeben sich fordernde Auslastung und wohltuende Abkühlung wie von selbst. Doch was immer noch zu wenige wissen: Ausgiebige Aktivitäten am und im Wasser können für Hunde gefährlich werden und im schlimmsten Fall sogar tödlich enden.

Der tragische Todesfall von Hanz, dem Schnauzer 

Wie dramatisch ein Tag am See verlaufen kann, erfuhr eine US-amerikanische Familie im Sommer 2017 am eigenen Leib. Ihr erst zweijähriger Schnauzer Hanz erlangte an diesem Tag traurige Berühmtheit. Für den fidelen Schnauzer endete ein heiterer Familienausflug am See tödlich. Nachdem er unzählige Male Stöckchen aus dem Wasser geholt hatte, starb er auf dem Weg zum Tierarzt an einer Wasservergiftung.

Mit dem Ausflug an den See wollte Hanz‘ Familie ihrem jungen und aktiven Schnauzer, der am Wasser seine wahre Freude hatte, etwas Gutes tun. Da die Familienmitglieder nie von einer Wasservergiftung bei Hunden gehört hatten, beschäftigten sie ihn über einen längeren Zeitraum mit dem Stöckchenwerfen. Während er im Wasser tobte, schluckte er offenbar große Mengen Wasser.

Als Hanz‘ Besitzer durch sein unkontrolliertes und lethargisches Verhalten auf seinen Zustand aufmerksam wurden, war es bereits zu spät. Der Versuch einer Wiederbelebung scheiterte, der Tierarzt konnte Hanz nicht mehr helfen.

Um Hundebesitzer auf der ganzen Welt vor der heimtückischen Wasservergiftung zu warnen, berichtete Hanz‘ Familie kurz nach dem Vorfall auf Facebook über ihren traurigen Schicksalsschlag. Bis heute wurde dieser Beitrag über achtzigtausendmal geteilt.

Wasservergiftung: Die verkannte Gefahr 

Ist Ihr Hund eine ähnliche Wasserratte wie Hanz? Bringt Ihr Vierbeiner Ihnen unermüdlich das Stöckchen aus dem See? Dann sollten Sie Ihrer Fellnase diesen Spaß auf keinen Fall verwehren, ihn aber mit Bedacht „dosieren“.

Dass Hunde Hitze nicht gut vertragen, ist weitläufig bekannt. Für das Risiko Hitzschlag werden Hundebesitzer auf vielen Wegen sensibilisiert. Im Sommer sind soziale Netzwerke gespickt mit Warnhinweisen zur Gefahr überhitzter Autos. Für Hundefreunde ist die Belastung durch heiße Temperaturen noch ein Grund mehr, viel Zeit am erfrischenden See zu verbringen. Aber gerade die gut gemeinte Absicht, seinem Hund eine ausgedehnte Erfrischung zu ermöglichen, kann für Fellnasen sehr gefährlich werden.

Das Problem: Toben Hunde über einen längeren Zeitraum im Wasser herum, schlucken sie meist viel Wasser. Überlastet die Süßwassermenge den Organismus, können sie sich daran vergiften. Mediziner nennen dieses Phänomen hypotone Hyperhydratation.

Zwar treten Wasservergiftungen weitaus seltener auf als Austrocknungen. Doch gerade extrem heiße Temperaturen verleiten Hunde dazu, zu viel Wasser aufzunehmen. Vielen Hundefreunden ist die Gefahr nicht bewusst, weil sie glauben, Mensch und Hund könnten in heißen Zeiten gar nicht genug Wasser trinken.

Wie erkenne ich eine Wasservergiftung beim Hund? 

Eine Wasservergiftung lässt sich an bestimmten Äußerlichkeiten und am Verhalten des Vierbeiners erkennen. Typische Symptome einer Wasservergiftung sind

  • aufgeblähter Bauch
  • starkes Speicheln
  • weite Pupillen
  • helle Schleimhäute
  • Unruhe
  • Appetitlosigkeit
  • Abgeschlagenheit
  • Erbrechen
  • Koordinationsstörungen
  • Atemprobleme
  • Muskelzuckungen
  • Krampfanfälle
  • Schwächeanfälle
  • Bewusstlosigkeit
 

Werden keine Gegenmaßnahmen ergriffen, können die Folgen der Wasservergiftung auch noch Stunden nach den ersten Symptomen zum Koma führen oder sogar tödlich sein. Suchen Sie deshalb sofort einen Tierarzt auf, wenn Sie bei Ihrer Fellnase eine Wasservergiftung vermuten.

Für Fälle wie diesen gibt es die Hundekrankenversicherung. Sie übernimmt alle Tierarztkosten, die Ihnen bei der Behandlung der Wasservergiftung entstehen.

Was tun beim Verdacht auf Wasservergiftung? 

Zeigt Ihr Hund erste Symptome einer Wasservergiftung, halten Sie ihn von sämtlichen Wasserzugängen fern. Wenn Sie sich sicher sind, dass Ihr Vierbeiner bereits viel Wasser zu sich genommen hat, darf er keines mehr aufnehmen.

Informieren Sie Ihren Tierarzt über Ihren Verdacht und machen Sie sich schnellstmöglich auf den Weg zu ihm. Wenn Ihr Hund noch dazu in der Lage ist, können Sie ihm bis zur Ankunft beim Tierarzt salzreiche Nahrung wie Salzstangen oder -kekse füttern.

Natürlich gilt: Salzstangen und ähnliche salzige Knabbereien sind für den menschlichen Genuss gemacht und keine Lebensmittel für Hunde. Sie sollten keinesfalls „einfach mal so“ gefüttert werden. Im Notfall sind sie aber erlaubt, um den Salzhaushalt Ihres Hundes schnell aufzufüllen. Gehen Sie beim Kauf des Produkts unbedingt die Zutatenliste durch, um giftige Inhaltsstoffe sicher auszuschließen.

So verhindern Sie eine Wasservergiftung Ihres Hundes 

Um Ihren Vierbeiner vor einer Wasservergiftung zu schützen, müssen Sie lediglich ein paar einfache Grundregeln im Umgang mit Süßwasser beachten.

  • Beobachten Sie, wie sich Ihr Vierbeiner im Wasser verhält. Lassen Sie Ihren Hund bei Wasserspielen nicht aus den Augen - weder am nahegelegenen Badesee noch im eigenen Garten.
  • Begrenzen Sie den Zugang zum Wasser. Teilen Sie das Spielen im und mit dem Wasser durch Pausen ein. So regulieren Sie die Aufnahme von Wasser.
  • Verhindern Sie eine exzessive Wasseraufnahme - zum Beispiel durch das Schnappen nach einem Wasserstrahl.
  • Wählen Sie für das Apportieren im Wasser flache Dummys und Spielzeuge aus. Je weiter Ihr Vierbeiner sein Maul öffnen muss, desto mehr Wasser schluckt er. Ziehen Sie deshalb flaches Spielzeug vor und verzichten Sie im Wasser beispielsweise auf (große) Bälle.
  • Lassen Sie Ihren Hund nicht nach Spielzeugen oder anderen sinkenden Gegenständen tauchen.
  • Packen Sie zur Sicherheit Salzstangen oder Salzkekse ein.

Diese Faktoren erhöhen das Risiko einer Wasservergiftung 

Eine Wasservergiftung kann jeden Hund treffen, der innerhalb eines kurzen Zeitraums sehr viel Süßwasser aufnimmt. Wenn Ihr Hund eine ausgewiesene „Wasserratte“ ist, die gerne mit dem Rasensprenger spielt und es liebt, nach einem Wasserstrahl zu schnappen, sollten Sie besonders vorsichtig sein.

Außerdem gibt es drei körperliche Grundvoraussetzungen, die manche Hunde stärker gefährden als andere. Wichtige Faktoren sind dabei die Körpergröße und das Körpergewicht eines Hundes.

Zu den „Risikogruppen“ der Wasservergiftung zählen

  • sehr kleine Hunde und Welpen. Bedingt durch die geringe Körpermasse dringt das aufgenommene Wasser schneller in die Zellen ein.
  • sehr schlanke, trainierte Hunde mit sehr geringem Körperfett. Aufgrund des geringen Körperfettanteils gibt es nur wenige Kompensationsmöglichkeiten.
  • gesundheitlich vorbelastete Hunde mit Nierenproblemen.

Wie entsteht eine Wasservergiftung beim Hund? 

Die Dosis macht das Gift. Das gilt sogar für Wasser. Dennoch ist der Begriff „Wasservergiftung“ irreführend. Denn das Wasser, das die Vergiftung verursacht, ist völlig „normales“, ungefährliches Wasser. Es ist keineswegs mit Schadstoffen belastet. Die Vergiftungserscheinungen ergeben sich allein durch die große Menge, die im Körper des Hundes ein gefährliches Ungleichgewicht verursacht.

In den Körperzellen und im Zellzwischenraum befinden sich Wasser, Salze und Mineralstoffe, die für eine optimale Funktion des Organismus sorgen. Darunter Natrium, das beispielsweise für den Herzrhythmus und die Weiterleitung von Nervenimpulsen wichtig ist. Nimmt ein Hund - zum Beispiel beim Wasserapport - große Mengen Süßwasser auf, verändert sich diese Zusammensetzung aus Wasser und Stoffen. Innerhalb kurzer Zeit strömt viel Wasser in die Zellen.

Gefährlicher Natriummangel

Im Gegenzug sinkt der Natriumgehalt in den Zellen. Bei großen Wassermengen kommt es zu einer zu geringen Natriumkonzentration. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer Hyponatriämie. Verantwortlich ist ein physikalischer Vorgang, der im Körper herrscht: die Osmose. Sie sorgt dafür, dass die aus dem Gleichgewicht geratene Konzentration der Stoffe ausgeglichen wird. Zwischen den Körperzellen und ihrer Umgebung, dem Zellzwischenraum, wird immer eine gleichmäßige Konzentration an gelösten Stoffen angestrebt.

Die starke Verdünnung der Salze führt unter anderem zu neurologischen Problemen und Organschäden. Da Natrium auch an der Steuerung der Nieren beteiligt ist, kommt es zu einer fatalen Reaktion. Ist der Natriumgehalt zu gering, schaltet der Körper quasi auf ein Notprogramm um. Um einen zusätzlichen Salzverlust zu vermeiden, wird die Urinproduktion gebremst. In der Folge lagert sich immer mehr Wasser im Gewebe ein. Die Zellen schwellen an, sie quellen buchstäblich auf.

Da sich das Gehirn aufgrund der knöchernen Beschaffenheit des Schädels bei einer „Überschwemmung“ kaum ausdehnen kann, ist die Wasservergiftung dort besonders kritisch. Das Gehirn wird durch das zunehmende Volumen eingeklemmt. Dieser Druck verursacht nicht nur Schmerzen, sondern kann lebensbedrohlich werden. In der Folge entwickelt sich häufig ein Lungenödem, also eine Wasseransammlung in der Lunge, die Atemnot hervorruft.

Was sind Elektrolyte?
In Salzstangen und anderem Salzgebäck steckt ein großer Anteil Elektrolyte. In erster Linie Natriumchlorid, also herkömmliches Kochsalz, das den Wasserhaushalt im Gleichgewicht hält. Deshalb sind salzige Lebensmittel bei einer Wasservergiftung so gut als Notfallmittel geeignet. Als Elektrolyte werden elektrisch geladene Teilchen (Moleküle) bezeichnet, die wichtige Funktionen im Körper übernehmen. Sie befinden sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der Zelle. In chemischer Hinsicht handelt es sich bei Elektrolyten um Salze, Säuren und Basen. Die wichtigsten Elektrolytverbindungen enthalten Natrium, Chlor, Kalium, Calcium und Phosphor.

 

Hintergrund: Auch Menschen können sich mit Wasser vergiften 

Die Wasservergiftung ist kein Phänomen, das nur Hunde betrifft. Auch für Menschen kann eine Wasservergiftung zur Gefahr werden. Betroffen sind in der Regel allerdings nur Menschen, die sich körperlich sehr stark fordern.

Leider kommt es immer wieder kommt vor, dass Sportler durch eine Überwässerung zu Tode kommen. Besonders gefährdet sind Anfänger-Ausdauersportler, die aus Angst vor dem Wasserverlust zu große Mengen Wasser trinken, ohne den Körper gleichzeitig mit Elektrolyten zu versorgen. 2015 kam ein Teilnehmer des Frankfurter Ironman auf diese Weise zu Tode.

Da Leitungswasser wenig bis keine Mineralien enthält, werden Extremsportlern angereicherte Flüssigkeiten wie beispielsweise isotonische Getränke empfohlen. Isotonisch ist eine Flüssigkeit, wenn sie die gleiche Konzentration an gelösten Teilchen (z. B. Zucker, Vitamine und Mineralstoffe) aufweist wie das Blut.

Im Unterschied zum Hund, der nicht schwitzen kann, sondern seine Körpertemperatur über das Hecheln reguliert, verliert der Mensch bei starker körperlicher Anstrengung durch das Schwitzen neben der Flüssigkeit auch Salze. Dieser Verlust verschärft das Missverhältnis zwischen Mineralien und Wasser zusätzlich. Beim Hund hingegen entsteht die Wasservergiftung allein durch die Aufnahme großer Mengen Süßwasser ohne den notwendigen Elektrolytausgleich.

So wird Ihr Tag am See ein unbeschwerter Badespaß

Seien Sie angesichts eines zukünftigen Seebesuchs nicht unnötig besorgt: Die Wasservergiftung ist - weder bei Hunden noch bei Menschen - alles andere als ein Massenphänomen. Sie tritt viel seltener auf als ein Mangel an Flüssigkeit.

Betreiben Sie Wasserapport nur in Maßen und legen Sie regelmäßig „Wasserpausen“ ein, in denen Ihr Vierbeiner ausreichend Gelegenheit hat, das aufgenommene Wasser über den Urin auszuscheiden. Mit diesen einfachen Regeln steht einem gelungenen Ausflug an den See nichts im Wege.

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