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Teil 10/15: Hunde und Kinder
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10. Hunde und Kinder: Verständnis füreinander wecken

Hunde und Kinder sind ein gutes Team. Mit einem Hund aufzuwachsen wirkt sich positiv auf die Entwicklung eines Kindes aus. Kinder lernen schon früh, anderen Lebewesen Empathie und Rücksicht entgegenzubringen und Verantwortung zu übernehmen.

Gleichzeitig kann der Familienhund zum Vertrauten werden, der das Kind auch in schwierigen Situationen auf seine Weise auffängt. Als unvoreingenommener Spielpartner bereichert ein Kind natürlich auch das Hundeleben. Umso überraschender: Wenn Kinder gebissen werden, dann häufig vom Familien- oder einem vertrauten Hund. Das regt zum Nachdenken an, soll dich aber auf keinen Fall abschrecken. Beachtest du ein paar wichtige Grundregeln, profitieren alle Familienmitglieder vom Zusammenleben.

Oberste Priorität: Gehe nicht unvorbereitet in die neue Situation. Das gilt sowohl für den Fall, dass der Hund zuerst da ist und ein Kind dazukommt als auch für die umgekehrte Reihenfolge der Familienzusammenführung. Wie viel Vorbereitung erforderlich ist, hängt maßgeblich davon ab, wie viel Hundeerfahrung alle Beteiligten haben und welche Vorgeschichte die Fellnase mitbringt.

Der Hund sitzt mit dem Kind im Bett

Verständnis für die Bedürfnisse des Hundes aufbringen

Damit es nicht zu Konflikten oder gefährlichen Situationen kommt, solltest du deinem Kind von Anfang an vermitteln, dass ein Hund eine eigenständige Persönlichkeit mit gewissen Bedürfnissen ist. Je älter das Kind, desto leichter ist es, dafür zu sensibilisieren. Beginne schon früh damit, deinem Kind zu vermitteln, dass ein Haustier nicht wie ein Spielzeug nach den Wünschen eines Menschen funktioniert und auch nicht funktionieren soll. Mit steigendem Alter kannst du immer intensiver auf die Körpersprache des Hundes eingehen und Erklärungen liefern.

Folgender Grundsatz ist der wohl wichtigste und deshalb immer zu beherzigen: Lass Kind und Hund nie unbeaufsichtigt. Ein Erwachsener muss die Situation immer unter Beobachtung haben. Unabhängig davon, wie vertraut die Fellnase ist und wie erfahren ein Kind im Umgang mit Tieren ist.

Wie bei allen Dingen gilt: Prinzipien vorleben und Vorbild sein. Handele selbst immer nach dem, was du deinen Kindern vermittelst und von ihnen erwartest. Sobald du etwas tust, was deinen Aussagen widerspricht, verlieren die aufgestellten Regeln an Bedeutung und Glaubwürdigkeit.

Fressen und Ruhen: Privatsphäre schaffen und respektieren

Heikle Situationen entstehen vor allem im Zusammenhang mit zwei Grundbedürfnissen des Hundes: Fressen und Schlafen. Aus diesem Grund ist es entscheidend, diese Phasen für Kinder ausnahmslos als Tabu zu erklären und dafür Verständnis zu schaffen.

Hier ist Vorbereitung wichtig: Damit das konsequente in Ruhe lassen funktionieren kann, müssen die Voraussetzungen dafür geschaffen sein. Du solltest deinem Hund deshalb je eine feste Fress- und eine Ruhezone einrichten, die „kindersicher“ sind. Hier ist eine räumliche Trennung innerhalb des Wohnraums unbedingt erforderlich. Selbst wenn keine Kinder im Haushalt leben, muss ein Hund immer einen Ort haben, an den er sich zurückziehen kann, ohne gestört zu werden.

Achte darauf, dass deine Fellnase nicht beim Fressen gestört wird und vor allem niemand versucht, ihr das Futter wegzunehmen. Da es im Zusammenhang mit Futter zu gefährlichen Situationen kommen kann, solltest du kleine Kinder grundsätzlich nicht mit der Fütterung eines Hundes beauftragen.

Goldene Verhaltensregeln für einen sicheren Umgang von Kindern und Hunden

Junge sitzt mit dem Hund auf der Treppe

Über die Zeit sammelst du viele Erfahrungen, aus denen du deine eigenen Schlüsse ziehst. Schließlich ist Hund nicht gleich Hund. Jede Fellnase hat ihre individuellen Eigenschaften und Eigenarten, die sich auf den Umgang miteinander auswirken. Das ist nicht anders als bei uns Menschen.

Trotzdem gibt es ein paar goldene Regeln, die du deinem Kind näherbringen solltest. Sie gelten für deinen und alle anderen Hunde. Insbesondere kleinere Kinder sind sich der Wirkung ihres Verhaltens nicht bewusst - genau da liegt das größte Gefahrenpotential. Sie können weder die Folgen ihres Handels vorausahnen noch die Reaktion eines Hundes einordnen.

Einige dieser Regeln mögen dir im ersten Moment banal erscheinen. Aber sie werden selbst von Erwachsenen häufig nicht beherzigt.

  • In der Umgebung eines Hundes ruhig verhalten. Keine schnellen, hektischen Bewegungen und lauten Geräusche.
  • Sich einem Hund immer ruhig, zurückhaltend und beiläufig nähern.
  • Einem Hund nicht starr in die Augen schauen.
  • Dinge vermeiden, die der Hund als Bedrängung oder Bedrohung auffassen könnte. Beispiel: Sich mit einem großen Gegenstand nähern.
  • Nicht vor einem Hund weglaufen.
  • Dem Hund nicht am Schwanz ziehen oder darauf treten.
  • Stillhalten, wenn der Hund nach einem greift. Wehren oder wegziehen verschlimmert die Situation und führt höchstwahrscheinlich zum Biss.
  • Raufende Hunde nicht trennen. Diese Situation ist selbst für Erwachsene schwierig zu lösen.

Klar ist: Fehler passieren. Entscheidend ist, was du daraus machst. Gehe nicht über eine schwierige oder eskalierte Situation hinweg. Sofern dein Kind alt genug ist, sprecht auch gemeinsam darüber, was falsch gelaufen ist und wo die Fehler lagen. Nur so lassen sich unangebrachte Verhaltensweisen in Zukunft verhindern.

Achtsamkeit trotz Vertrauen: Den eigenen Hund nicht unterschätzen

Bleibe bei deinem eigenen Hund bzw. einer vertrauten Fellnase genauso aufmerksam wie bei einem fremden Hund. Häufig werden Risiken durch den eigenen Hund von Erwachsenen unterschätzt. Das hat nichts mit unberechenbaren „Problemhunden“ zu tun, sondern gilt für jede noch so lammfromme Fellnase. Gefährliche Situationen entstehen meist durch Missverständnisse, nicht aufgrund von Bösartigkeit.

Auf dieses Risiko verwies eine Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien aus dem Jahr 2016. Sie konnte belegen, dass Studienteilnehmer einen großen Unterschied zwischen fremden und vertrauten Tieren machten. Beim eigenen Hund wurden eindeutige Gefahrensituationen unterschätzt und ein Einschreiten als unnötig angesehen. Das mangelnde Risikobewusstsein zeigte sich unter anderem daran, dass etwa 50 Prozent der Befragten ihren Aussagen zufolge Hund und Kind unbeaufsichtigt lassen.

Fazit: Gegenüber dem eigenen Hund fehlt häufig das gesunde Misstrauen. Hundehalter sind ihrem eigenen Hund gegenüber weniger achtsam und schätzen diesen als geduldiger und toleranter ein als einen unbekannten Hund. Das Problem: Genau diese Unachtsamkeit begünstigt Beißvorfälle.

Kinder können von Hunden als Welpen eingestuft werden. Wichtig ist, dass du deinem Hund nicht erlaubst, gegenüber Kindern erzieherische Maßnahmen zu ergreifen. Solche Anwandlungen müssen konsequent unterbunden werden. Wenn du unsicher bist, oder vielleicht schon etwas schief gelaufen ist, das du nicht in den Griff bekommst: Zögere nicht, professionellen Rat in Anspruch zu nehmen. Hundetrainer können auf die neue Situation vorbereiten oder bei bestehenden Problemen helfen.

TippTipp: Gemeinsam lernen mit „Der Blaue Hund“

Das Präventionsprogramm der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft verfolgt das Ziel, Bissverletzungen bei Kindern zwischen 3 und 5 Jahren zu verhindern. Eigens entwickeltes Material und eine App helfen dir und deinem Kind dabei, gefährliche Situationen besser einzuschätzen und richtig damit umzugehen. .

 
Der Hund wird an das Baby gewöhnt

Auf das Neugeborene vorbereiten: Die Umstellung trainieren

Kommt das Baby nach dem Hund in die Familie, bedeutet das von heute auf morgen eine große Veränderung für die Fellnase. Besteht zur zukünftigen Mama die stärkste Bindung, wird sich mit der Geburt des Kindes einiges für sie ändern. Das solltest du nicht unterschätzen, schließlich ist dies alles andere als eine leichte Situation. Die gute Nachricht: Du kannst deinen Hund auf die Veränderung vorbereiten und ihm damit die Umstellung, die das Baby mit sich bringt, erleichtern.

Der Grundgedanke: Die Beziehung des Hundes zum Partner der Schwangeren stärken, um ihre zukünftig abnehmende Aufmerksamkeit zu kompensieren. Um das zu erreichen, übernimmt der Partner schrittweise typische Aufgaben wie das Füttern, den Spaziergang und das Spielen.

Die neue Situation lebensnah simulieren

Außerdem ist es hilfreich, die neue Situation mit dem Baby auf dem Arm vor der Geburt mithilfe einer Puppe zu simulieren. Indem sich die Schwangere in regelmäßigen Abständen über einen gewissen Zeitraum ausschließlich mit der Puppe beschäftigt, gewöhnt sie den Hund daran, bald keine ungeteilte Aufmerksamkeit mehr zu erhalten.

Ähnlich kann auch mit dem Kinderwagen oder der Wiege trainiert werden. Während sich die werdende Mutter ausschließlich der Puppe widmet, beschäftigt sich der Partner mit dem Hund, indem er beispielsweise Suchspiele mit ihm macht. Der Hund gewöhnt sich so allmählich an die neue Situation und verknüpft damit positive Erfahrungen.
Für das Zusammenleben ist die räumliche Trennung auch hier das A und O: Das Kinderzimmer des Babys sollte für den Hund von Anfang an tabu sein. Er betritt das Zimmer nur im Beisein eines Erwachsenen.