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Gebäudeversicherung: Welche Kosten müssen beim „gleitenden Neuwert“ erstattet werden?

Richterhammer

Die Gebäudeversicherung ist die wichtigste Absicherung für Ihre eigenen vier Wände. Schließlich hat Ihr Haus viel Mühe, Kosten und Schweiß von Ihnen abverlangt. Nun genießen Sie in Ihrem Domizil Ihre Freizeit und nehmen Abstand vom turbulenten Alltag.

Was ist aber, wenn Ihr Haus durch einen Brand so schwer beschädigt wird, dass Sie Ihren Traum vom eigenen Heim erneut verwirklichen müssen? Welche Kosten übernimmt Ihre Gebäudeversicherung, damit Ihre Träume nicht zu scheitern drohen?

Was ist der gleitende Neuwert in der Gebäudeversicherung?

Wenn Ihr Haus geschädigt wird, dient die Gebäudeversicherung dazu, die Kosten für die Reparatur, Instantsetzung oder sogar den Wiederaufbau abzudecken. Gerade beim Wiederaufbau müssen Ihnen ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, damit Sie Ihr Haus in gleicher Art und Weise an der gleichen Stelle wieder aufbauen können. Dazu gehört auch, dass die Gebäudeversicherung die Kosten überdeckt, die den Zeitwert des Hauses übersteigen. Voraussetzung ist, dass Sie die Entschädigungsleistung innerhalb von drei Jahren dazu verwenden, um Ihr Haus wieder neu zu errichten.

Der Bundesgerichtshof zum Thema gleitender Neuwert

Bereits vor mehr als drei Jahren hat der Bundesgerichtshof zum Thema Gebäudeversicherung ein wegweisendes Urteil gesprochen. Dabei ging es konkret im das Thema der Neuwertversicherung. Hintergrund war ein Wohnhausbrand eines Zweifamilienhauses mit Gaststättenbetrieb. Durch den Eigentümer wurde das Haus mit viel Eigenleistung wieder hochgezogen. Ein Gutachter legte die Abbruchkosten der Ruine und die Baukosten mit rund 179.000 Euro fest. Der Zeitwert des alten, abgebrannten Gebäudes lag bei knapp 232.000 Euro. Der Neubau lag trotz der niedrig gehaltenen Baukosten bei einem Wert von 360.000. Die Gebäudeversicherung wollte in diesem Fall ihrem Versicherungsnehmer nur die Versicherungssumme für den Zeitwert des Hauses erstatten. Dagegen klagte der Hauseigentümer und erlitt in der Berufung vor dem Oberlandesgericht Schleswig eine Niederlage. Diese wurde jedoch vom Bundesgerichtshof aufgehoben.

Warum erhält der Hauseigentümer die höhere Versicherungssumme?

Der Bundesgerichtshof hat die Versicherungsbedingungen der Gebäudeversicherung nach dem Verständnis eines durchschnittlichen und verständigen Versicherungsnehmer ausgewertet. Darin heißt es, dass eine Entschädigung auch über den Zeitwert des alten Gebäudes hinaus erfolgt, wenn die Entschädigungsleistung innerhalb von drei Jahren dazu verwendet wird, das Haus in der gleichen Art und zur gleichen Zweckbestimmung an der gleichen Stelle wieder aufzubauen. Eine vertragsgemäße Verwendung der Entschädigungsleistung muss auch nicht erbracht werden, wenn das Haus innerhalb der Drei-Jahres-Frist wieder aufgebaut wird. Ebenso spielt es nach dem Urteil der Bundesrichter keine Rolle, ob der Neubau in kostensparender Bauweise errichtet wurde und wieviel Eigenleistung mit eingebracht wird. Diese Faktoren dürfen dem Hauseigentümer und Versicherungsnehmer nicht zum Nachteil gemacht werden, in dem die Entschädigungsleistung auf die tatsächlichen Baukosten reduziert wird.

Insgesamt ein positives Urteil zum Thema Wohngebäudeversicherung, denn schließlich sollen Hauseigentümer im Falle eines größeren Schadens sichergehen, dass sie ansatzlos entschädigt werden und nicht in irgendeiner Form mit Abzügen rechnen müssen.

VS.-Tipp: Achten Sie darauf, ob Sie in Ihrer Gebäudeversicherung den Passus der groben Fahrlässigkeit mit eingeschlossen haben. So werden Schäden auch dann erstattet, wenn sie sich durch grobe Fahrlässigkeit ereignet haben. Ist das nicht der Fall, nützt das Urteil des Bundesgerichtshofes Ihnen im Schadensfall auch nichts.