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Was ist ein Augenblicksversagen?

Nachdenkliche Frau

Haben Sie eine ähnliche Situation schon einmal erlebt? Sie ziehen die Haustür ins Schloss und haben in der morgendlichen Hektik von innen den Schlüssel stecken lassen? Sie sind beim Kochen abgelenkt worden und Ihnen brennt das Essen an?

Alles halb so wild, denken Sie vielleicht – ist ja nichts passiert. Den Schlüssel hat Ihnen ein Familienmitglied nach Ihrem Klingeln angegeben, die Küche ist nach kurzem Lüften wieder frei von der leichten Verrauchung. Was ist aber, wenn ein solcher Fall größere Dimensionen erreicht und zu einem Schaden führt? Zahlen die Versicherungen in solchen Situationen oder ist hier grob fahrlässiges Verhalten im Spiel?

Es gibt eine Abgrenzung zwischen grober Fahrlässigkeit und Augenblicksversagen

Als grob fahrlässig gilt, wenn jemand die Sorgfaltspflichten des Alltags außer Acht lässt, getreu dem Motto, es wird schon gut gehen. Resultiert aus diesem Verhalten ein Schaden, können sich Gebäudeversicherung und Hausratversicherung leicht querstellen. Spielen wir einen der Fälle mal weiter: Das Essens steht auf dem Herd und der Hausbewohner verlässt die Küche, um zu telefonieren. Das Gespräch dauert länger, mittlerweile ist das angebrannte Essen zu einem Küchenbrand geworden, da die Dunstabzugshaube und andere Dinge um den Herd herum in Brand geraten sind. Erst durch den Rauchmelder im Flur wird der Hausbewohner auf die Situation aufmerksam. Ein klassischer Fall für Hausratversicherung und Gebäudeversicherung, wenn da nicht die grobe Fahrlässigkeit im Spiel wäre. Schließlich sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass kochendes Essen nicht für längere Zeit unbeaufsichtigt bleiben darf.

Eine Kürzung der Versicherungsleistung ist bei grober Fahrlässigkeit möglich

Der Küchenbrand muss von den Versicherern, die ihn betreffen nicht zwingend in voller Höhe abgedeckt werden. Grob fahrlässiges Verhalten hat eine Kürzung der Versicherungsleistung zur Folge – je nach Schwere des eigenen Verschuldens. Durch die Änderung im Versicherungsvertragsgesetz im Jahr 2008 erfolgtdie Schadenersatzleistung nur anteilig. Davor konnte die Versicherung die Zahlung vollständig verweigern. Schlecht, wenn man nach einem Küchenbrand auf den Schaden auch nur anteilig sitzen bleibt. Allerdings gibt es mittlerweile eine Reihe von Gesellschaften, die sogar Schäden durch grob fahrlässiges Verhalten mit abdecken – ohne Prüfung der Schuldfrage.

Bei einem Augenblicksversagen sind die Versicherungen in der Regel zur Zahlung verpflichtet

Was ist eine Augenblicksversagen und was ist grobe Fahrlässigkeit? Mit dieser Frage müssen sich Gerichte häufiger befassen. Schließlich geht es im Schadensfall teilweise um viel Geld, etwa, wenn durch eine bestimmte Handlung tatsächlich ein Haus mehr oder weniger abgebrannt ist. Nehmen wir mal folgende Situation an, die im Alltag auftreten kann. Die Hausfrau bügelt in der Wäschekammer Hemden. Da klingelt das Telefon. Sie stellt das Bügeleisen ab und wird am Telefon von einer Bekannten in ein Gespräch verwickelt. Etwa eine halbe Stunden später ist die Feuerwehr vor Ort und löscht den durch das Bügeleisen entstandenen Dachstuhlbrand. Logischerweise übernimmt die Gebäudeversicherung nicht den vollen Schaden. Es bestand ja keine Eile, zu Telefon zu gehen. Der Stecker vom Bügeleisen hätte in dieser Zeit gezogen werden können, um Schlimmeres zu verhindern.

Der gleiche Fall noch einmal: Die Mutter bügelt, die Kinder spielen im Garten. Plötzlich ertönt ein Schrei und lang anhaltendes Weinen. Eines der Kinder von der Schaukel gefallen und mit Kopf auf den Boden geprallt. Eine Platzwunde sorgt für eine heftige Blutung. Da der Vater mit dem Auto unterwegs ist, ruft die Mutter einen Krankenwagen, damit das Kind zum Krankenhaus kommt. Beim Eintreffen des Krankenwagens dringen Rauschwaden aus dem Dach. Das Bügeleisen hat hier erneut seine Wirkung gezeigt. Allerdings müsste die Gebäudeversicherung hier den Schaden übernehmen, da sich die Mutter nicht grob fahrlässig verhalten hat. Der Unfall des Kindes war keine planmäßige Unterbrechung ihrer Tätigkeit und forderte die volle Konzentration auf diesen Sturz. Das Oberlandesgericht Hamm definierte im Jahr 2004 das Augenblicksversagen als kurzfristiges Fehlverhalten oder Außerachtlassen von Sorgfaltspflichten – der Mutter kann hier keine grobe Fahrlässigkeit vorgehalten werden.