Vorgaben im Testament: Wo kann es zu Problemen kommen?

handschriftliches Testament

Es gibt viele Gründe, warum ein Erblasser in seinem Testament Vorgaben macht. Es kann sein, dass das lange bewohnte Haus nicht unmittelbar verkauft werden darf oder die Münzsammlung in den Händen der Familie bleiben soll. Das lässt sich testamentarisch festlegen.

Die Möglichkeit, sich über diese Vorgaben hinwegzusetzen, besteht dennoch. Wenn sich die Erben einig sind, kann eine Vorgabe im Testament schnell hinfällig werden. Das ist auch in manchen Fällen von erheblicher Bedeutung.

Paar

Verkauf des geerbten Hauses

Nach dem Tode des Vaters ist die Mutter Eigentümerin des Elternhauses. Alle drei Kinder wohne nicht mehr dort und gehen ihre eigenen Wege. Die Mutter verfügt, dass niemand das Haus nach ihrem Tod verkaufen darf. Das wirft allerdings Probleme auf, wenn die Erbschaftssteuer fällig wird. Zwar gibt es bei Verwandten ersten Grades Freibeträge, bei einem hohen Immobilienwert können diese aber rasch ausgeschöpft sein. Wenn nun Bares benötigt wird, um die Erbschaftssteuer zu bezahlen, können alle drei Kinder bei einer gemeinsamen Einigung das Haus verkaufen und den Erlös für sich und die Erbschaftssteuer verwenden.

So kann es richtig kompliziert für die Erben werden

Vielfach steckt guter Wille dahinter, der für die Erben zu einem richtigen Problem wird. Das Haus soll noch im Familienbesitz bleiben. Daher verfügt der Erblasser, dass eine ihm nahe stehende Person, die ihn auch über die Jahre gepflegt hat, nach dessen Tod in dem Haus ein lebenslanges Wohnrecht bekommen soll. Das wird auch im Grundbuch so festgelegt. Für die Erben wird es nun schwierig, den Verkauf zu bewerkstelligen, da die Rechte eines Dritten hier viele potenzielle Käufer abschrecken werden. Daher ist es nicht unbedingt sinnvoll, solche Verfügungen im Testament festzuhalten. Es sei denn, der Erblasser will die Erben sanktionieren.

Häuschen im Schmuckkästchen

Vorher mit den Erben verständigen

Um jeglichen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, macht es Sinn, innerhalb einer intakten Familiengemeinschaft noch vor dem Tod darüber zusprechen, was per Testament festgehalten werden soll. So erspart man den Erben eine Menge Ärger. Dieser kann schnell heraufbeschworen werden, wenn das Testament Fallstricke enthält, die eine freie Verfügung über das Erbe erschweren. Unter Eheleuten ist z. B. das Berliner Testament eine häufig gewählte Variante. Darin werden die Kinder zunächst bis zum Tode des zweiten Elternteils enterbt. Darüber sollte man aber vorher sprechen, da die Überraschung im Todesfall sonst groß ist und für Missstimmung sorgen kann.Sinnvoll ist auch die Hinzuziehung eines Notars, der auf eventuelle Fallstricke aufmerksam macht und bei der Gestaltung und Formulierung hilft.

Vorgaben im Testament können sogar gerichtlich durchgesetzt werden

An das Vererben von Sach- oder Geldwerten kann der Erblasser auch noch verschiedene Bedingungen knüpfen. So müssen beispielsweise die Kinder bei Anordnung des Erblassers das Familiengrab pflegen. Daran ist die Vererbung des Elternhauses geknüpft. Kümmert sich nun eines der Kinder nicht um das elterliche Grab, so können die anderen Hinterbliebenen, die das Haus mit geerbt haben, gerichtlich durchsetzen, dass sich alle um die Grabpflege kümmern müssen. Verweigert einer der Erben das auch weiterhin, so können die beiden anderen Erben gerichtlich auf die Herausgabe des Anteiles klagen. Es ist also schon sehr wichtig, dass Sie sich beim Verfassen des Testamentes und der geplanten Vorgaben sehr genau überlegen, was Sie damit bezwecken möchten.

Ist das Testament denn auch echt?

Ein Testament müssen Sie handschriftlich verfassen. Einzig und allein die eigene Handschrift dokumentiert die Echtheit Ihres Testamentes. Dazu gehört, dass Sie grundsätzlich den Ort und das Datum der Abfassung darin vermerken. So können die Erben leicht feststellen, welches Testament seine Gültigkeit hat, falls Sie mehrere hinterlassen haben. Anderenfalls ergänzen Sie das bestehende Testament einfach mit Ort, Datum und Unterschrift. Es ist durchaus sinnvoll, das abgefasste Testament beim zuständigen Amtsgericht zu hinterlegen und Ihre Angehörigen darüber zu informieren. So ist es in besten Händen und fälschungssicher untergebracht. Denn immer dort, wo es später mal was zu holen gibt, kann unter Umständen die Eintracht unter den Angehörigen enden.

Familie im Wald

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