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Welche Versicherung spielt eigentlich eine Rolle beim Cannabis-Anbau?

Cannabispflanzen

Sie sind immer irgendwo im Verborgenen zu finden: In Kellerräumen, auf Dachböden oder in dunklen Hinterzimmern. Hanfplantagen, Cannabis-Anbau oder ein kleines Marihuana-Biotop.

Die Aufzucht dieser Pflanze zur Selbstversorgung und für den kleinen Nebenerwerb ist in Deutschland nicht erlaubt. Dazu kommt es immer wieder zu Streitfragen im Zusammenhang mit Versicherungen. Wer zahlt im Schadensfall für die Plantage? Welche Versicherung muss leisten, wenn es durch den Anbau der Plantage im Haus zu einem Schaden kommt? Lesen Sie mal, was die deutsche Rechtsprechung dazu meint.

Erhöhte Einbruchgefahr durch Cannabis-Anbau?

Das Oberlandesgericht Hamm entwickelte im Jahr 2016 eine ganz neue Sichtweise, was das Gefährdungspotenzial von Cannabis-Anbau im eigenen Keller angeht. Dieser fällt aus der Sicht der Richter nämlich in den Bereich Gefahrerhöhung. Eine Gefahrerhöhung muss der Hausratversicherung gemeldet werden, wenn hierdurch die Wahrscheinlichkeit eines Schadens steigt. Klassiker: Eine Baufirma baut vor dem Haus ein Gerüst auf, dadurch haben Einbrecher leichteres Spiel, von außen in die oberen Etagen zu gelangen. Der Anbau von Cannabis zieht natürlich auch dunkle Gestalten, die von der Plantage Kenntnis haben, magisch an und löst dadurch ebenfalls ein höheres Einbruchrisiko aus. Fazit: Wer seine Hanfplantage nicht der Hausratversicherung meldet, geht bei einem Einbruch leer aus.

Butangasexplosion beim Cannabis-Anbau – ein Fall für die Gebäudeversicherung

Der Anbau einer Cannabisplantage in den eigenen vier Wänden erfordert schon äußerste Kreativität und kann dennoch in manchen Fällen gewaltig daneben gehen. Insbesondere dann, wenn mit brennbaren und gasförmigen Stoffen hantiert wird. Das musste ein Hausbesitzer zu seinem Leidwesen feststellen, dessen Mieter sich dem Anbau von Cannabis in der Mietwohnung widmete. Zur Herstellung von Cannabisöl nutzte er Butangas und löste damit im Badezimmer eine Explosion aus. Der Gebäudeschaden belief sich auf rund 140.000 Euro. Die Gebäudeversicherung trug den Schaden, da eine Explosion ja Bestandteil der Versicherungsbedingungen ist. Allerdings nahm sie daraufhin den Mieter in Regress. Die Privathaftpflicht sah sich aber nicht verantwortlich dafür, den Schaden mitzutragen, da die Explosion grob fahrlässig herbeigeführt wurde. Also blieb der Schaden beim Cannabis-Anbauer hängen.

Privathaftpflicht zahlt nicht bei Schäden durch Cannabis-Anbau

Ähnlich verlief auch ein anderer Schadensfall, in dem ein Betreiber einer Hanfplantage einen Wohnhausbrand ausgelöst hatte. Auf dem Dachboden des Mietshauses wurde mit großen Aufwand eine Plantage betrieben, eigentlich für den Eigenbedarf, wie der beklagte Mieter angab. Der Einsatz zahlreichen Heizstrahler führte zu einem Kabelbrand, der wiederum auf den Dachstuhl des Mietshauses übergriff. Genau wie auch in dem anderen Fall übernahm die Gebäudeversicherung den Schaden. Da die Gebäudeversicherung danach sich das Geld vom Betreiber der Plantage zurückholen wollte, schaltete dieser seine Privathaftpflicht ein. Diese verweigerte jedoch die Schadensersatzleistung.

Anbau von Hanf oder Cannabis ist eine ungewöhnliche Tätigkeit und nicht von der Privathaftpflicht gedeckt

Die Weigerung der Privathaftpflicht führte letztendlich dazu, dass sich alle Parteien vor Gericht trafen. Die Gebäudeversicherung wollte Geld sehen, die Privathaftpflicht nicht zahlen und der Cannabis-Anbauer hatte naturgemäß kein Geld. Er zielte vor Gericht zunächst darauf ab, dass der Cannabis-Anbau nur den Eigenbedarf decken sollte. Dem widersprachen allerdings die Ergebnisse der Wohnungsdurchsuchung, wo mehr als ein Kilogramm Marihuana sichergestellt wurde. Im Zuge dessen sahen die Richter keine Veranlassung, die Privathaftpflicht zur Zahlung des Schadens zu verurteilen. Der Hanfanbau ist keine gewöhnliche Tätigkeit, aus der mögliche Schäden über die Privathaftpflicht abgewickelt werden können.

Vielmehr handelt es sich hierbei um eine illegale Tätigkeit, die an sich schon eine Versicherungsleistung ausschließt. Unabhängig von der Strafverfolgung durch die Polizei gibt es aber noch weitere Haken und Ösen beim Anbau einer privaten Hanfplantage: Bekommt der Vermieter davon Wind, kann er mit sofortiger Wirkung das Mietverhältnis kündigen. In manchen Fällen sind Hanfanbauer sogar so gewieft, dass sie für die Stromversorgung die Zählereinrichtungen umgehen. Schließlich verbrauchen die Wärmelampen ja reichlich Energie. In einem konkreten Fall flog die illegale Stromentnahme auf, da der Stromverbrauch in dem Mehrfamilienhaus unnatürlich hoch ausfiel. Polizei, Stromanbieter und Vermieter kamen dem Anbauer auf die Schliche und so verurteilte das Oberlandesgericht Hamm den Cannabis-Anbauer zur Nachzahlung der Stromkosten von rund 50.000 Euro. Damit dürfte sich der Anbau der Cannabis-Plantage als unwirtschaftlich erweisen haben.

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