Dragi, Eberhard und Franz läuten die Sturmsaison ein: Im Frühling drohen Überschwemmungen

Schilder im Hochwasser

Das zweite Märzwochenende und die letzte Woche wird so manchen Hauseigentümer schwer auf den Magen geschlagen sein. Umgestürzte Bäume, Keller unter Wasser: Vielerorts mussten die Feuerwehren mit allen verfügbaren Kräften ausrücken, um Gefahren durch das Unwetter zu beseitigen und Schäden zu begrenzen.

Während der Regen nur vereinzelt zu Schäden führte, war die Bilanz des eigentlichen Sturmes deutlich verheerender. Ein kleiner Vorgeschmack dessen, was uns in jedem Frühjahr mittlerweile bevorsteht. Vor allem bis zum Juni müssen wir mittlerweile häufiger mit Starkregenfällen rechnen. Wie schützen Sie sich vor diesem Risiko und wie müssen Sie im Schadensfall reagieren?

Die Schäden durch Regenfälle nehmen zu

 

Ist es  der Klimawandel oder sind es städtebauliche Veränderungen, die immer häufiger zu Überschwemmungen führen? Fakt ist: Der Klimawandel ist nur noch für Scheuklappenträger ein Hirngespinst. Für alle diejenigen, denen die Feuerwehr den angeblich nicht vorhandenen Klimawandel aus dem Keller pumpen muss, ist es bittere Realität. Wenn wir die Wetteraufzeichnungen der letzten 130 Jahren betrachten, stellen wir fest, dass sich die Jahresdurchschnittstemperatur um 1,4 Grad erhöht hat. Bei einer Lufterwärmung von einem Grad nimmt die Luft etwa sieben Prozent mehr Feuchtigkeit auf.

Welche Folgen hat die Erwärmung in Bezug auf Starkregen?

Es gibt, vereinfacht gesagt, in etwa zehn Kilometer Höhe sogenannte Starkwindbänder, die mit einer Geschwindigkeit von rund 500 Kilometern pro Stunden um die Erde wehen. Das ist der sogenannte Jetstream. Sie werden durch die Temperaturunterschiede von Arktis und Äquator in Bewegung gehalten. Diese Starkwindbänder sorgen auch dafür, dass sich die Luftschichten darunter bewegen. Natürlich nicht in dieser Geschwindigkeit, aber letztendlich treibt der Wind die Wolken an, die Wasser speichern. Nimmt der Temperaturunterschied zwischen Arktis und Äquator ab, so verlangsamt sich der Jetstream. Dadurch ziehen Wolken, die Wasser gespeichert haben, weniger schnell ab. Kommt es zu einem kräftigen Regenguss, fällt in manchen Fällen mehr Regen auf weniger Fläche. Dadurch kommt es dann lokal zu Überschwemmungen.

Für extreme Wettereignisse ist unsere Infrastruktur nicht ausgelegt

Überflutete Straße

Betrachten wir mal die Extreme, die solche Starkregenfälle in der Vergangenheit ausgelöst haben. Dazu gehört das Unwetter im Juni 2017 über Berlin, wo in wenigen Stunden etwa 200 Liter Regen pro Quadratmeter niederprasselten. Im Juli 2014 traf es Münster, dort kamen vereinzelt 292 Liter Regen pro Quadratmeter herunter. Die größte gemessene Menge Niederschlag jedoch traf im August 2002 das sächsische Dorf Zinnwald. Dort kam es innerhalb kurzer Zeit zu einer Niederschlagsmenge von 312 Litern. Für diese Regenmassen ist unser Kanalnetz nicht ausgelegt. Einerseits ist es finanziell kaum machbar, überall die Kanalisation darauf auszubauen. Andererseits macht es auch keinen Sinn: Wenn der Querschnitt des Kanals zu überdimensioniert ist, können diese durch die normale Regen- und Abwassermenge nicht mehr richtig durchgespült werden. Es bilden sich dann so immer mehr Anhaftungen, die irgendwann den Querschnitt verengen.

Wann sprechen wir von Starkregen?

Nicht jeder Regenguss ist auch automatisch ein Starkregen. Sicher, wenn wir binnen einer Minute von einem Regenschauer klatschnass bis auf die Knochen sind, ist das für uns natürlich ein starker Regen. Meteorologisch betrachtet gibt es dazu aber konkrete Werte: Bei einer Menge von 5 Litern pro Minute und je Quadratmeter handelt es sich um Starkregen. Das gilt auch dann, wenn innerhalb von einer Stunde mehr als 17 Liter Niederschlag pro Quadratmeter niederprasseln.

Überschwemmungen trotz guter Kanalisation?

Eine Überschwemmung entsteht wenn das Regenwasser gar nicht erst über die Kanalisation abfließen kann. Das Phänomen ist vielerorts zu erkennen. Das liegt daran, dass gerade jetzt nach den ersten Unwettern viele kleine Äste, Blätter und auch Pollen von den Bäumen herabgefallen sind. Wer einen Laubbläser nutzt, jagt diese mit ein paar kurzen Luftstößen in den Rinnstein. Diese werden in der Regel von den Kommunen nur einmal in der Wochen mit der Kehrmaschine gereinigt. Sammeln sich zu viele Blätter oder Pollen an, gelangen diese in die Straßenabläufe und verstopfen diese. Kommt es dann zu einem massiven Regenschauer, dann fließt das Wasser natürlich nicht mehr ab, sondern breitet sich über Gehwege aus. Die Folge: Lichtschächte von Kellern laufen dadurch voll und irgendwann halten die Fenster, in der Regel mit einer einfachen Verglasung, dem Druck nicht mehr Stand. Dann steht das Wasser auch im Keller.

Wie kann ich mein Haus vor dem Risiko einer Überschwemmung schützen?

Sandsäcke vor dem Wohnhaus

In den letzten Jahren haben viele Hauseigentümer Maßnahmen ergriffen, um ihr Haus gezielt vor möglichen Witterungseinflüssen zu schützen. Vor allem das Problem Oberflächenwasser durch extreme Regenschauer und über die Ufer tretende Gewässer stellen Hauseigentümer vor Herausforderungen. Je nach Grundstücksbeschaffenheit und Bauweise des Hauses sind folgende Maßnahmen denkbar:
Künstliche Senken anlegen

Befindet sich das Haus in einer Hanglage oder das Grundstück hat ein leicht abfallendes Bodenniveau, so macht unter Umständen eine künstliche Senke Sinn, in der sich das Wasser ansammeln kann. So wird es künstlich vom Haus fern gehalten und kann langsam an der vorgesehenen Stelle versickern.

Bodenschwellen anlegen

Dass ist nur dort möglich, wo baulich nicht in den öffentlichen Raum eingegriffen wird. Ein Grundstück ist mit einer Mauer umschlossen. Das Zufahrttor kann dann zusätzlich mit einer Bodenschwelle versehen werden. So kann das Regenwasser, das sich auf dem Gehweg oder der Straße ansammelt, nicht auf das Grundstück laufen. Immerhin besteht durch verstopfte Straßenabläufe das Risiko, dass sich das Wasser über daneben liegende Grundstücke seinen Weg sucht.

Lichtschächte mit Aufkantungen versehen

Viele Häuser haben Lichtschächte zu den Kellerräumen, die in mittlerer Höhe zu Straßen- oder Grundstücksniveau liegen. Damit kann einerseits Tageslicht in den Keller einfallen, andererseits sich dort bei Regenfällen auch Wasser ansammeln. Auch hier besteht das Risiko, dass bei an der Straße gelegenen Häusern Regenwasser vom Gehweg in diese Lichtschächte eindringt und dann im weiteren Verlauf in den Keller gelangt. Hier helfen nur Aufkantungen, damit dort kein Wasser hineinlaufen kann. Das ist aber nur dann möglich, wenn die Straßenfront des Haus nicht direkt bündig mit dem Gehweg ist. Sonst wären solche Aufkantungen Stolperfallen für Fußgänger. Bei zurückspringenden Kellerfenstern und Lichtschächten ist eine Aufkantung natürlich möglich. Ansonsten helfen nur druckfeste Fenster.

Kellerzugänge absichern

Bei außenliegenden Kellerzugängen gibt eine kleine Krux, die zu berücksichtigen ist. In der Regel sind dort am Kellerabgang Rückstauventile vorhanden. Diese sollen bei normalem Regen das Regenwasser aufnehmen und ableiten. Kommt es aber bei einem Wolkenbruch zu einem Anstieg des Pegels im Abwassernetz, so schließen diese Rückstauklappen, damit kein Wasser durch die Kanalisation durchdrückt. Die Folge: Über den Treppenzugang kann Wasser in den Abgang fließen und dort über Türspalten in den Keller fließen. Daher ist eine Abkantung vor der Treppe sinnvoll: diese muss aber auffällig gestaltet sein, da diese auf der andere Seite auch eine Stolperfalle ist. Empfehlenswert ist es zudem, Kellerabgänge zu überdachen, damit sich kein Niederschlagswasser ansammeln kann.

Mögliche Sachschäden vermeiden

Bürgersteig nach Hochwasser

Neben baulichen Maßnahmen sollten Sie natürlich auch noch andere Schutzmaßnahmen ins Auge fassen, um Schäden durch Überschwemmungen zu vermeiden. Da in der Regel Regenwasser zuerst in den Keller eindringt, werfen wir hierauf unser Hauptaugenmerk. Wichtig ist zuerst, dass Sie im Keller keine umweltgefährdenden Stoffe und Flüssigkeiten aufbewahren. Dazu gehören Reservekanister, Farben, Lacke etc. Kommen diese mit dem eindringenden Wasser in Verbindung, lösen Sie damit einen Umweltschaden aus, der letztendlich Ihnen zur Last gelegt wird.

Heizung und Co.

Elektrische Installationen und Heizungen sind in der Regel im Keller untergebracht. Das führt dazu, dass bei Eindringen von Wasser diese Anlagen erheblichen Schaden nehmen können. Bei vielen Bauprojekten sind diese Anlagen, auch durch neue Technologien, platzsparend im Erdgeschoss oder sogar in den Obergeschossen verbaut. So fällt der Schaden nach einem Starkregen deutlich geringer aus.

Heizöltank

Befindet sich im Keller ein Heizöltank, so müssen Sie diesen gegen das Aufschwimmen sichern und ein Lösen aus der Verankerung verhindern. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen sind also notwendig. Wird der Tank aufgeschwemmt, so kann er reißen und durch das auslaufende Heizöl kommt es zu einem erheblichen Umweltschaden, für den Sie in der Haftung stehen.

Lagerung im Keller

Natürlich ist es unumgänglich, dass sich Waschmaschine, Trockner oder Regale im Keller befinden. Irgendwo muss der Hausrat, der nicht täglich gebraucht wird, ja untergebracht werden. Vor allem Waschmaschine und Trockner gehören auf ein Podest, das mindestens 15 bis 20 Zentimeter hoch ist. So nehmen diese Geräte nicht sofort bei einem kleinen Wassereintritt Schaden. Daneben sollten Sie alle Gegenstände, die sie im Keller aufbewahren, in Regalen lagern. Auch hier gilt: Der unterste Regalboden sollte einen Abstand von mindestens 20 Zentimeter vom Boden haben. Verwenden Sie keine Holzregale, sondern Metallregale oder Schwerlastregale aus Kunststoff.

Was tun bei Wassereinbruch?

Es gibt Situationen, in denen alle Maßnahmen nicht greifen, die Sie im Vorfeld getroffen haben. Das Regenwasser bahnt sich nun seinen Weg ins Haus und Sachschäden sind nicht mehr abzuwenden. In solchen Fällen hilft nur noch die Feuerwehr. Diese kommt nicht nur bei Bränden zum Einsatz, sondern schützt auch Sachwerte bei Hochwasser und leistet Gefahrenabwehr. Neben dem Notruf müssen Sie aber auch noch einige Punkte beherzigen, damit sich der Schaden noch etwas eingrenzen lässt.

Bei Wassereintritt:

Bei Überschwemmung im Keller oder Erdgeschoss: Die Feuerwehr über die Notrufnummer 112 anrufen. Danach Strom und Wasser abstellen. Führen Sie eine Begehung der betroffenen Räume nur mit Taschenlampen durch. Sofern möglich, Möbelstücke in höher gelegene Bereiche des Hauses verfrachten.

Beim Auspumpen:

Haben Sie selber eine Pumpe, so müssen Sie warten, bis der Wasserpegel nicht mehr ansteigt. Sonst kann es zu Unterspülungen, Rissen im Mauerwerk oder Aufschwemmungen kommen. Wenn vorhanden, ziehen Sie Gummistiefel und Einweghandschuhe an. Es ist nicht auszuschließen, dass im Wasser jede Menge Fäkalrückstände vorhanden sind. Daher müssen Sie beim Abpumpen den Wasserkontakt mit der Haut vermeiden. Beim Aufräumen nicht Rauchen und auch nicht Trinken oder Essen – Sie können darüber Keime aus den verschmutzten Bereichen aufnehmen.

Nach dem Auspumpen:

Lassen Sie durch einen Fachmann zunächst alle Elektroleitungen prüfen, ob diese keinen Schaden genommen haben. Dazu ist eine Trocknung von elektrischen Geräten notwendig, bevor diese wieder in Betrieb genommen werden. Diese Arbeiten dürfen Sie erst dann vornehmen lassen, wenn das Wasser komplett aus dem Haus entfernt ist. Die Trinkwasserleitungen müssen Sie nun ausreichend durchspülen. Besorgen Sie zum Kochen und Trinken Wasser zunächst aus dem Supermarkt, bis die Trinkwasserleitung vollständig frei von Verschmutzungen ist.

Schaden melden

Hochwasser im Haus

Für diese Form von Schäden, also durch starke Niederschläge, kommt nicht die Gebäudeversicherung zum Zuge, sondern die Elementarversicherung. Sie müssen nun die Versicherung über den Schaden in Kenntnis setzen. Dokumentieren Sie den Zustand betroffener Räume und Einrichtungsgegenstände mit Fotos. Fertigen Sie dazu eine schriftliche Schadenaufstellung an. Lassen Sie sich Kostenvoranschläge erstellen, sofern durch Fachleute Trocknungsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Beschädigte Gegenstände bitte nicht entsorgen, es kann sein, dass ein Gutachter den Schaden in Augenschein nehmen möchte.

Familie im Wald

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