Starkregenfälle treten immer häufiger auf – fehlender Versicherungsschutz an allen Ecken und Enden

Überschwemmung in der Innenstadt von Gera

Es ist schon ein wenig merkwürdig, wie Hauseigentümer ihren wertvollsten Besitz schützen. Wir müssen uns in den letzten Jahren immer häufiger mit Starkregenfällen beschäftigen, die ganze Landstriche und auch Wohngebiete überschwemmen.

Damit ist jetzt nicht die Rede von Gewässern, die über die Ufer treten. Nein, es ist lediglich Regen, der von oben kommt und nicht mehr schnell genug abfließen kann. Dieses Wetterereignis kann überall auftreten und dennoch verzichten mehr als die Hälfte aller Hauseigentümer auf die passende Absicherung.

Gebäudeversicherung oder Elementarversicherung?

Aktuelle Zahlen belegen, dass neun von zehn Hauseigentümern eine Gebäudeversicherung haben. So weit, so gut. Das schützt aber nicht bei Überschwemmungen, welche die Folge von starken Regenfällen sind. Dazu benötigen Sie eine Elementarversicherung, die für die Schäden an Ihrem Haus aufkommt. Für eine Überschwemmung gilt: Ihr Grundstück muss mit einer Wasserschicht großflächig bedeckt sein, ohne dass das Wasser rechtzeitig abfließen kann. Streit gibt es hierbei zu Hauf mit den Versicherungen. Erst kürzlich veröffentlichte das Oberlandesgericht München ein Urteil zum Thema Überschwemmung.

Anstauung von Regenwasser auf einer Terrasse ist keine Überschwemmung

Durch Starkregenfälle kam es an einem Ferienhaus im Allgäu zu einer Überflutung auf der Terrasse. Das Wasser konnte von dort nicht abfließen, da keine Entwässerungsmöglichkeit vorhanden war. Dadurch drang das Wasser in das Untergeschoss des Ferienhauses ein und verursachte einen Wasserschaden. Die Gebäudeversicherung des Eigentümers lehnte aber eine Schadenersatzzahlung ab. Eine versicherte Überschwemmung war aus Sicht des Versicherers nicht gegeben. Zunächst schlug sich das Landgericht Kempten auf die Seite der Gebäudeversicherung, das Oberlandesgericht München wies die Berufung des Eigentümers zurück.

Wie versichern Sie sich richtig gegen eine Überschwemmung?

Die Gebäudeversicherung des Eigentümers musste zu recht nicht leisten. Eine Gebäudeversicherung kommt nur für Leitungswasserschäden auf. Die Elementarversicherung leistet auch für Schäden durch Überschwemmungen. Ideal in diesem Fall wäre eine Ferienhausversicherung gewesen, da diese nämlich bei einigen Anbietern direkt die Elementarversicherung beinhaltet. Allerdings war hier noch ein weiteres Manko zu berücksichtigen. Da die Terrasse baulich geschlossen war, bestand keine Möglichkeit, dass das Regenwasser vernünftig abfließen konnte. Fehlt hier eine Entwässerungsmöglichkeit, muss die Versicherung, egal ob Ferienhausversicherung oder Elementarversicherung, nicht zwangsläufig zahlen. Denn hier handelt es sich um einen baulichen Mangel, den der Hauseigentümer leicht hätte beheben können. Das gilt im Übrigen auch für Dachterrassen, wenn hier keine vernünftige Entwässerung vorhanden ist.

Morgen, morgen, ja, ich kümmere mich darum

Komisch, dass angesichts dieser Starkregenereignisse immer noch der große Teil der Hauseigentümer auf eine Elementarversicherung verzichtet. Mittlerweile führen viele Bundesländer und auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft Kampagnen, um Aufklärung zu leisten. Nur wer als Hauseigentümer auch über eine Elementarversicheng verfügt, kann sich im Schadensfall auf der sicheren Seite wähnen. Sie müssen mittlerweile bei jedem Starkregen damit rechnen, dass es auf Ihrem Grundstück zu einer Überschwemmung kommt. In vielen größeren Städten sind so viele Flächen versiegelt, dass Regenwasser nicht mehr vernünftig abfließen kann. München weist einen Versiegelungsgrad von 46 Prozent auf, Oberhausen von 44 Prozent und Hannover von 42 Prozent. Die Stadt Münster, in der im Sommer 2014 pro Quadratmeter 300 Liter Regen niedergingen, gehört mit 17 Prozent zu den weniger dicht versiegelten Großstädten. Dennoch richtete der Starkregen dort Schäden um die 300 Millionen Euro an. Auch hier waren viele Hauseigentümer nicht richtig abgesichert.

Warum nehmen Starkregenfälle zu?

Der Klimawandel zeigt sein wahres Gesicht und ist wissenschaftlich betrachtet nicht wegzudiskutieren. Der Jetstream ist ein Windband, das sich in etwa zehn Kilometern Höhe um die Erde bewegt. Der Antrieb ist gewissermaßen der Temperaturunterschied zwischen Arktis und Äquator. Wird dieser Temperaturunterschied geringer, fließt auch das Windband langsamer. Die Folge: Regenfälle ziehen weniger schnell ab und regnen sich langsamer auf einer Fläche aus. Daher kommt es zu den Starkregenfällen. Das kann in Deutschland überall auftreten. Sind davon auch noch Fließgewässer betroffen, dann ist die Überschwemmung vorprogrammiert.

Was hilft also? Hauseigentümer müssen in jedem Fall sich mit dem Thema Elementarversicherung befassen, damit diese bei einer Überschwemmung nicht sprichwörtlich im Regen stehen. Dazu müssen sie alle baulichen Maßnahmen treffen, dass sich Regenwasser nicht auf Dachflächen, Kellerzugängen, Terrassen oder Lichtschächten anstauen kann. Kommt es hierbei nämlich zu einem Wassereintritt in das Gebäude, bleibt die Elementarversicherung nämlich auch außen vor. Diese zieht nur dann, wenn das Grundstück selber überschwemmt ist. Ein vollgelaufener Lichtschacht am Kellerfenster ist nämlich noch lange keine Überschwemmung.

 

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