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Übergewicht bei Pferden

Übergewichtiges Pferd auf der Weide

Pferde werden immer dicker. In den vergangenen Jahren ist das Übergewicht bei Pferden immer häufiger ein Thema, mit dem sich Tierärzte befassen. Rund die Hälfte aller Pferde leidet an Übergewicht. Etwa jedes fünfte Pferd ist sogar fettleibig.

Wie auch bei uns Menschen ist das Übergewicht bei Pferden eine Zivilisationskrankheit und gleichzeitig auch der Auslöser für die verschiedensten Folgeerkrankungen. Ist mein Pferd übergewichtig? Welche gesundheitlichen Folgen können für mein Pferd auftreten? Wie kann mein Pferd abnehmen? Welches Futter ist in dieser Situation sinnvoll?

Mein Pferd wird dicker - welche Ursache steckt dahinter?

Um zu wissen, warum Ihr Pferd dicker wird, müssen Sie sich ein wenig mit der Evolution des Pferdes befassen. Von ihrer Herkunft her sind Pferde Steppentiere. Sie waren es gewohnt umherzuziehen und dort zu grasen, wo die Möglichkeit dazu bestand. Pferden haben sich in ihrer natürlichen Umgebung von Steppengras ernährt. Dieses war recht nährstoffarm, so dass das Pferd davon jede Menge aufnehmen musste. Der Tagesablauf bestand also zu zwei Dritteln aus Fressen.

Betrachten wir hingegen eine – aus unserem Blickwinkel – saftige und grüne Weide, mag das auf den ersten Blick toll sein, um das Pferd satt zu bekommen. Das Weidegras hat aber nicht mit dem Steppengras zu tun. Es ist reichhaltiger an Nährstoffen und enthält zudem weniger Rohfaser. Es ist also ein Überangebot vorhanden. Problem dabei ist: Das Pferd nimmt zu, weil es ständig Hunger hat.

Wieviel Futter benötigt mein Pferd?

Der Bedarf an Futter hängt von verschiedenen Faktoren ab. So spielt beispielsweise das Alter des Pferdes, die Rasse, der Trainingszustand und auch die Arbeitsleistung eine Rolle. Der Energiebedarf ist also völlig unterschiedlich.

Icon Information

VS.-Info:

Bei der Fütterung mit Heu gibt es eine Faustregel. Hier müssen Sie etwa 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Gewicht des Pferdes ansetzen.
Das macht bei einem Gewicht des Pferdes von 600 Kilogramm eine Menge von 9 Kilogramm Heu aus.

Beim Einsatz von Kraftfutter gibt es keinen Richtwert, der für alle Pferde verbindlich ist. Es liegt an verschiedenen Faktoren, welche Menge Kraftfutter Ihr Pferd benötigt:

  • Pferde mit leichter bis mittlerer Arbeit benötigen etwa 0,5 bis 1 Kilogramm Kraftfutter je 100 Kilogramm Körpergewicht.
  • Bei Pferden mit schwerer Arbeit kann die Kraftfuttermenge auf 1,25 Kilogramm erhöht werden.
  • Ponys gehören zu den leichtfertigen Rassen und benötigen so gut wie kein Kraftfutter, bei ihnen besteht sogar das Risiko, dass sie verfetten.
  • Ältere Pferde haben bedingt durch schlechte Zähne eine schlechtere Verdauung. Sie benötigen neben Raufutter zusätzlich energiereiches Kraftfutter.

Woran kann ich das Übergewicht bei meinem Pferd erkennen?

Die meisten Pferdefreunde machen sich Gedanken darüber, wenn das Pferd augenscheinlich nicht ausreichend genährt ist. Knochen sind sichtbar, die Schultern eingefallen oder der Schweif ist sehr dünn. Dann wird gefüttert, was das Zeug hält. Dass das Pferd ja nicht vom Fleisch fällt. Es ist aber auch wichtig, Merkmale des Übergewichtes im Auge zu behalten. Dazu gibt es fünf Körperregionen, die bei Übergewicht deutliche Merkmale zeigen:

  • Hals und Mähnenkamm: Der Halsansatz ist mit der Hand ertastbar, der Mähnenkamm ist bereits mit einer Fettschicht bedeckt.
  • Widerrist: Der Widerrist steht nicht hervor und ist mit einer Fettschicht bedeckt.
  • Rippen: Diese sind unter dem Fettdepot nicht mehr ertastbar, dafür aber Speckrollen.
  • Schulter: Die Schultern fühlen sich weich ausgeprägt an und gehen ansatzlos zum Hals über.
  • Schweif: Um den Schweifansatz herum sind Fettpolaster ertastbar.

Allein mit dem Wiegen eines Pferdes ist es nicht getan, da selbst normalgewichtige Pferde je nach Körpergröße eben ein unterschiedliches Gewicht aufweisen.

Mein Pferd ist zu dick - welche gesundheitlichen Folgen kann das haben?

Wer zu viel Gewicht mit sich herumschleppt, hat Probleme bei Bewegungsabläufen, mit der Atmung und mit dem allgemeinen Gesundheitszustand. Das geht den Pferden nicht anders. Übergewicht bei Pferden ist nicht nur eine Folgeerscheinung verschiedener Krankheiten, sondern auch der Auslöser für unterschiedliche Erkrankungen:

  • Durch das Übergewicht kommt es zu einer erhöhten Belastung bei der Atmung und des Kreislaufes.
  • Bei jungen Pferden, die an Übergewicht leiden, kommt es während der Wachstumsphase zu orthopädischen Problemen.
  • Das Übergewicht bei Pferden führt dazu, dass Hufe, Gelenke und Gliedmaßen stark strapaziert werden.
  • Durch die falsche Ernährung werden Fette gebildet, die zu einer Überlastung von Leber und Niere führen.
  • Übergewichtige Pferde haben Probleme, ihre Körpertemperatur zu regulieren.
  • Das Übergewicht führt dazu, dass das Pferd abgeschlagen und träge ist. Es findet keine ausreichende Bewegung zur Gewichtsreduktion statt.
  • Eine Erkrankung, die durch Übergewicht bei Pferden ausgelöst wird, ist die Hufrehe.
Icon Glühbirne

VS.-Tipp:

Ist das Pferd krank, führt kein Weg mehr am Tierarzt vorbei. Sie können sich gegen dieses Kostenrisiko mit der Pferdekrankenversicherung absichern.

Nicht zuletzt stellt das Übergewicht auch ein erhebliches Verletzungsrisiko dar: Pferde, die ein Hindernis überspringen, kommen zuerst mit den Vorderbeinen auf. Die werden in diesem Moment mit dem Vierfachen des Körpergewichtes belastet. Wenn Sie mal betrachten, welche Größe die Vorderbeine im Verhältnis zum restlichen Körper des Pferdes haben, dann liegt das Verletzungsrisiko klar auf der Hand.

Mehr Bewegung für das Pferd - sinnvolle Maßnahmen gegen das Übergewicht

Pony auf der Weide

Wenn wir Menschen bei uns Übergewicht feststellen, können wir dagegen sinnvoll angehen. Sofern es der innere Schweinehund zulässt. Pferde hingegen stellen logischerweise keine Überlegungen an, wie sie ihre Fettpölsterchen wieder loswerden. Das müssen Sie für Ihr Pferd in die Hand nehmen. Eine radikale Diät bringt nichts und ist eher kontraproduktiv - auch in Hinblick auf den Gesundheitszustand.

Erhöhen Sie nur leicht das tägliche Bewegungspensum für Ihr Pferd, ohne es dabei zu überfordern. Das funktioniert aber nur dann, wenn Ihr Pferd schmerzfrei ist. Haben bereits Erkrankungen eingesetzt wie beispielsweise eine Arthrose, sollten Sie mit Ihrem Tierarzt über mögliche Therapieansätze sprechen.

Macht eine Futterregulierung oder Futterumstellung Sinn?

Ein Pferd auf Diät zu setzen ist nicht so einfach. Pferde brauchen ihre regelmäßigen Fresszeiten. Wenn die Fresspausen zu groß werden oder die Heuration drastisch reduziert wird, tritt beim Pferd das Sättigungsgefühl nicht mehr ein. Das löst beim Pferd ein Alarmsignal aus. Es könnte - aus seiner Sicht - verhungern. Dadurch kommt es zu Verhaltensstörungen und einer erheblichen Portion Stress. Daher ist eine Reduzierung des Futters nicht sinnvoll. Zudem widersprechen zu lange Fresspausen dem Verdauungsrhythmus der Pferde. Der Stoffwechsel und der Verdauungstrakt sind auf eine kontinuierliche Futteraufnahme ausgelegt. Bei zu langen Fresspausen gerät die Stimulierung des Darms aus den Fugen - es drohen Koliken.

Ein Problem bei moppeligen Pferden ist der Weidegang. Vor allem wenn das Frühjahr die Pferde nach draußen lockt, beginnen viele Pferdefreunde mit dem Anweiden. Auf der Weide gibt es sehr viel energiereiches Gras, an dem sich das Pferd quasi kugelrund fressen kann. Sind die Flächen gemäht, nimmt das Pferd zu viel Erde mit auf oder sogar giftige Pflanzen. Wenn das Pferd also unter Übergewicht leidet, ist das Anweiden erst ab dem Mai sinnvoll, wenn die Obergräser ausgeblüht sind. Der Weidegang sollte dann auch nicht zur Mittagszeit erfolgen, da durch die starke Sonneneinstrahlung der Zuckergehalt in den Gräsern höher ist als nachmittags oder gegen frühen Abend.

Der Wechsel von Kraftfutter auf Raufutter oder umgekehrt ist ebenfalls nicht sinnvoll. Wenn der Darmflora keine Zeit bleibt, sich auf das neue Futter einzustellen, dann führt das zu Durchfall, Kolik oder Hufrehe. Acht bis zehn Tage sollten Sie Ihrem Pferd schon Zeit geben, sich an das neue Futter zu gewöhnen.

Übergewicht bei Pferden - ist energiearmes Heu eine Lösung?

Legen Sie den Stall Ihres Pferdes nicht mit Stroh aus. Verwenden Sie stattdessen besser Einstreu. Es kann durchaus passieren, dass Ihr Pferd zwischen den Fütterungen das Stroh vom Stallboden frisst und dadurch an Gewicht zulegt. Besser ist, wenn Sie Ihr Pferd nur mit Heu füttern, wenn es bereits stark übergewichtig ist. Sie brauchen dazu auch kein spezielles Diätfutter für Pferde verabreichen. Wenn Sie Ihr Pferd mit energiearmem Heu füttern, benutzen Sie dafür ein engmaschiges Netz oder einen Futterautomaten. So kann Ihr Pferd regelmäßig daran zupfen. Das entspricht ihren natürlichen Instinkten. Es kann zwar passieren, dass Ihr Pferd sich in den ersten Tagen überfrisst. Das legt sich kurze Zeit später wieder, wenn Ihr Pferd einmal merkt, dass immer ausreichend Heu zur Verfügung steht.

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