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Nach dem Sturm: Wenn der Baum auf das Haus gestürzt ist

Nach dem Sturm: Wenn der Baum auf das Haus gestürzt ist

Im Frühling kommt es mittlerweile regelmäßig zu schweren Unwettern und Stürmen. Diese richten flächendeckend große Schäden an und lösen hohe Kosten in der Gebäudeversicherung aus.

Vor allem umgestürzte Bäume sind bei jedem größeren Unwetter ein erhebliche Schadenfaktor, wenn diese auf Häuser stürzen. Damit Sie dagegen abgesichert sind, gibt es die Gebäudeversicherung. Die Frage ist nur: In welchen Fällen zahlt die Versicherung überhaupt? Welche Pflichten haben Sie als Grundstückseigentümer? Wir haben mal einige wichtige Fragen für Sie beleuchtet.

Was zahlt die Gebäudeversicherung bei einem Sturmschaden?

Wenn es zu einem Sturm kommt, können Bäume umknicken oder entwurzeln. Daneben kommt es häufig vor, dass Dächer abgedeckt werden. Diese Szenarien sind in der Gebäudeversicherung abgedeckt. In der Regel gilt: Ein Sturm beginnt bei einer Windgeschwindigkeit von rund 60 Kilometer pro Stunde. Wird durch ein laues Lüftchen ein Baum ins Wanken gebracht, so war dieser vermutlich schon vorher nicht mehr standfest. Ebenso ist nicht anzunehmen, dass bei geringeren Windgeschwindigkeiten Dachziegel vom Haus geweht werden. Allerdings gibt es mittlerweile Versicherer, die im Rahmen der Gebäudeversicherung ohne Rücksicht auf die Windgeschwindigkeit Sturmschäden am Haus abdecken.

Der Baum stürzt ohne Sturmeinwirkung auf mein Haus - zahlt dafür die Gebäudeversicherung?

In solchen Fällen gehen Hauseigentümer leider leer aus. Denn hier handelt es sich nicht um ein versichertes Ereignis, weil die Ursache Sturm fehlt. Stürzt ein Baum mal eben so ohne Vorankündigung um, so muss dort schon einiges im Argen gelegen haben. Schließlich haben Sie die Pflicht, als Grundstückseigentümer Ihre Bäume auf ihre Standfestigkeit zu überprüfen. Bei jungen Bäumen ist das natürlich noch nicht notwendig. Vorsicht gilt bei Bäumen, die schon ein Alter von 50 Jahren und mehr erreicht haben: Hier sollten Sie tatsächlich jeweils im belaubten und im unbelaubten Zustand eine Sichtprüfung vornehmen. Sie brauchen dafür zunächst keinen Baufachmann hinzuziehen. Erst, wenn Schäden ansatzweise sichtbar sind, müssen Sie aktiv werden und den betreffenden Baum begutachten lassen.

Was passiert, wenn der Baum auf das Nachbarhaus stürzt?

Das ist kein seltener Fall, vor allem, wenn Bäume im Garten bereits eine gewisse Höhe erreicht haben. Fällt ein Baum bei einem Sturm von Ihrem Grundstück auf das Nachbargrundstück, so wird die Gebäudeversicherung des Nachbarn erst einmal die Schäden an seinem Gebäude übernehmen. Anschließend sind Sie gefordert: Bei der Verkehrssicherungspflicht gilt nicht wie sonst üblich „im Zweifel für den Angeklagten“. Ganz im Gegenteil: Der Baumeigentümer ist in der Beweispflicht und muss nachweisen, dass er alle ihm zumutbaren Vorkehrungen getroffen hat und somit tatsächlich nicht für den verursachten Schaden zur Rechenschaft gezogen werden kann. Ist das nicht der Fall, so müssen Sie für den Schaden haften. Außer, Sie haben eine Privathaftpflicht oder eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht: Diese kümmert sich dann um die Schadenabwicklung.

Wenn der Baum auf ein Auto kracht

Mit Bäumen an der Grundstücksgrenze ist es immer ein bisschen heikel, da diese bei einem Sturm auch auf Dinge außerhalb des eigenen Grundstückes stürzen können. So gilt für Sie als Hauseigentümer die Pflicht, vor allem ältere Bäume auf Ihrem Grundstück in regelmäßigen Abständen einer Sichtkontrolle zu unterziehen. Sind bei einem der Bäume Anzeichen für eine Schädigung erkennbar, so sollte ein Fachmann hinzugezogen werden. Stürzt der Baum auf ein vor dem Grundstück parkendes Auto, gilt zu prüfen, ob Sie Ihrer Kontrollpflicht nachgekommen sind. Lagen keine Schäden am Baum vor, so stehen Sie auch nicht in der Haftung. Selbst Schäden, die nur durch einen Baumfachmann mit forstwirtschaftlichem Hintergrundwissen erkennbar gewesen wären, löst noch keine Haftung Ihrerseits aus.

Muss der Schaden unmittelbar während des Sturmes eintreten?

Nein, selbst wenn der Schaden erst Tage nach dem Sturm eintritt, gilt diese als versichert. Das ist der Fall, wenn der Sturm mitursächlich für das Umstürzen des Baumes war. Das Oberlandesgericht Hamm hatte jüngst im September 2017 entscheiden, dass ein umgestürzter Baum, der sechs Tage nach dem Sturm ein Haus beschädigt, als Versicherungsfall einzustufen ist. Dem ist allerdings ein langer Rechtsstreit vorausgegangen, der sich knapp sieben Jahre hinzog. Dennoch bleibt zu hoffen, dass dieses Urteil richtungsweisend ist. Es ist ja durchaus häufig der Fall, dass erst Tage nach einem Unwetter noch Bäume ihre Standfestigkeit verlieren.

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