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Streit um Bargeld in der Hausratversicherung

Einbrecher am Fenster

Es gibt kaum einen Haushalt, in dem nicht irgendwo Bargeld schlummert. Sei es im Sparstrumpf, im Portmonee oder im Schrank. Das Geld wurde jahrelang gehortet, ist für Einkäufe da oder wurde für eine größere Anschaffung gerade von der Bank abgeholt. Kommt es zu einem Einbruch, ist das Geld in der Regel weg, da Einbrecher auch die raffiniertesten Verstecke kennen. In der Hausratversicherung ist das Risiko Einbruch zwar versichert, auch der Diebstahl von Bargeld, aber hier gibt es klare Grenzen. Nicht jede entwendete Bargeldsumme erstattet die Hausratversicherung ohne mit der Wimper zu zucken.

Oberlandesgericht Oldenburg: Hausratversicherung muss gestohlenes Bargeld nicht voll erstatten

Durch einen Einbruch ist einem Restaurantbesitzer in seinen privaten Wohnräumen eine größere Summe Bargeld gestohlen worden. Bei dem Geld handelte es sich unter anderem um Trinkgelder aus dem Gastronomiebetrieb. Der Gastwirt zeigte den Einbruch bei seiner Hausratversicherung an und forderte im Rahmen der Versicherungsleistung die Erstattung des Geldbetrages. Die Hausratversicherung verweigerte jedoch die volle Zahlung, da es bei Bargeld, das nicht in einem Tresor gesichert ist, Entschädigungsgrenzen gibt. Dagegen klagte der Gastwirt, da er die Klausel nicht kannte. Vom Oberlandesgericht Oldenburg kam im Jahr 2016 der Hinweis an den Kläger, dass die Berufung zurückgewiesen würde, worauf der Gastwirt letztendlich selbst die Klage zurückzog. Der Hinweisbeschluss fiel zu Gunsten der Hausratversicherung aus, die dem Restaurantbetreiber letztendlich einen Betrag von 1.100 Euro erstattete – den Betrag, der nach den Bedingungen maximal versichert ist, sofern das Bargeld nicht sicher untergebracht ist.

Entschädigungsgrenzen bei Bargeld in der Hausratversicherung

Jede Hausratversicherung hat eine Obergrenze, was die Erstattung von Bargeld nach einem Einbruch angeht. Diese ist je nach Versicherer und Tarif unterschiedlich. Mal sind es Beträge zwischen 1.000 Euro und 2.000 Euro, es kann aber auch ein prozentualer Anteil sein, wie zum Bespiel ein Prozent der Versicherungssumme. Wird das Geld in einem Tresor untergebracht, der baulich mit dem Haus verbunden ist, so liegen diese Grenzen weitaus höher. Hier sind beispielsweise bis zu 20 Prozent der Versicherungssumme abgesichert. Bei einer Hausratversicherung über 75.000 Euro liegt die Erstattungsgrenze also bei 15.000 Euro. Der Gastwirt warf der Hausratversicherung vor, diese Klausel nicht gekannt zu haben. Allerdings wurde er bereits bei einem früheren Einbruch, bei dem ebenfalls Bargeld abhanden kam, schon von seiner Versicherung auf diese Begrenzung hingewiesen. Die Hausratversicherung behielt also Recht.

Unkenntnis schützt nicht vor einer Kürzung im Schadensfall

Grundsätzlich gilt: Wer eine Hausratversicherung abschließt, muss sich genau informieren, wie hoch die Grenzen für Bargeld oder auch Wertsachen sind. Kein Versicherungsnehmer kann sich im Schadensfall darauf berufen, diese Höchstgrenzen nicht gekannt zu haben. Ist Bargeld nicht sicher untergebracht, erstatten die Hausratversicherer im ungünstigsten Fall nur ein Bruchteil der entwendeten Summe. Es ist also durchaus riskant, zu Hause größere Summen Bargeld zu horten. Das betrifft besonders ältere Menschen, die aus Misstrauen gegenüber Banken lieber ihr Geld im Schrank oder unter der Matratze verstecken. Wenn hier einmal Einbrecher zuschlagen, ist das ganze Geld unwiederbringlich verloren – bis eben auf die geringe Erstattung durch die Hausratversicherung.

Amtsgereicht München: Eine größere Summe Bargeld im Haus muss plausibel sein

Wenn bei einem Einbruch Bargeld entwendet wird, muss die Höhe des Geldbetrages schon plausibel erklärbar sein. Sind durch den Einbruch zum Beispiel 5.000 Euro entwendet worden, muss der Betroffene darlegen können, warum eine solche Summe im Haushalt vorhanden war. Selbst wenn das Geld sicher verwahrt war – allein auf Zuruf erstattet die Hausratversicherung solche Beträge nicht. Mit anderen Worten: Der Versicherungsnehmer ist in der Beweispflicht, woher das Geld kommt. Zu dieser Entscheidung ist im Jahr 2010 das Amtsgericht München gekommen. Hier ging es um einen Einbruch, bei dem die Diebe eine Geldsumme von 2.250 Euro entwendeten.

Allerdings konnte der Bestohlene keine konkreten Angaben zu dem Geld machen, im weiteren Verlauf kam es sogar zu widersprüchlichen Aussagen, die letztendlich mit der zunächst angegebenen Summe nicht mehr harmonierten. Es reicht auch nicht aus, wenn die Herkunft des Bargeldes damit begründet wird, es von einem Bekannten geliehen zu haben. Vielmehr dient zum Beispiel ein Kontoauszug, der die Abhebung bei der Hausbank dokumentiert, als Nachweis. Dann muss aber auch das vorhandene Bargeld sicher untergebracht sein. Bei kleineren Beträgen, die lediglich für die Haushaltsführung zu Hause vorhanden sind, gibt im Regelfall kein Problem, diese von der Versicherung erstattet zu bekommen.

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