Wieso sagt Stiftung Warentest, dass sich eine Sterbegeldversicherung nicht lohnt?

Holzkreuz auf Grabfeld

In Deutschland ist Sterben keine preiswerte Angelegenheit. Im Schnitt kostet eine Bestattung rund 7.000 Euro. Damit eine würdevolle Beisetzung möglich ist, müssen die Bürger Vorsorge treffen.

Wer sich die Bestattung eines Angehörigen nicht leisten kann, dem bleibt im Todesfall nur der Weg zum Sozialamt. Der ist reichlich steinig und trägt nicht gerade dazu bei, in Ruhe mit der Trauer umzugehen. Vorsorgen mit einer Sterbegeldversicherung wäre eine Lösung, doch dagegen wettern die Verbraucherschützer und auch Stiftung Warentest.

Streit um Grabstein – vier Jahre bis zum Urteil

Nach rund acht Jahren hat eine Mutter für ihre verstorbene Tochter nun doch noch einen kleinen Teilsieg vor Gericht erringen können. Für die verstorbene Tochter hat das Sozialamt zunächst die Kosten der Beisetzung von rund 2.500 Euro bewilligt. Als im Jahr 2014 der Grabstein mit einem Preis von 3.100 Euro noch hinzukommen sollte, streikte das Sozialamt. Vergleichbare Grabmale gäbe es schon um die 300 Euro. Das Sozialgericht Mainz sah die Sache ein wenig anders und befand, dass eine Summe von etwa 1.800 Euro durchaus angemessen ein. Die Richter entschieden im Juni 2018, dass das Sozialamt diese Summe aufbringen muss. Hier sind vor allem religiöse Gepflogenheiten zu berücksichtigen.

Sieben Monate Warten auf die Bestattung

Für den ehemaligen Partner war kein Geld für die Bestattung da. Daher wandte sich eine 57-jährige Berlinerin an das Sozialamt, damit dieses die Bestattung übernimmt. Erst musste das Sozialamt nach Verwandten suchen, die die Bestattungskosten hätten tragen müssen und dann ist auch noch der Auftrag zur Einäscherung an einen Discountbestatter verloren gegangen. Ungefähr 1.500 Euro fallen nun dafür an. Eine Beisetzung ohne Redner, Blumen oder Grabmal. Wenig würdevoll.

Wenn das Geld für die Bestattung fehlt

Es sind schon erschreckende Zahlen, die das Statistische Bundesamt im Januar 2018 veröffentlicht hat. Im Jahr 2017 mussten die Kommunen rund 21.000 Menschen auf Kosten der sozialen Kassen beisetzen lassen, weil den Angehörigen das Geld für eine Beisetzung fehlte. Die Städte und Gemeinden haben dafür knapp 60 Millionen Euro aufgewendet. Das ist aus Sicht der Kommunen zwar viel Geld, aber für den Einzelnen reichte es in allen Fällen nur zu einem Begräbnis, das ebenso noch mit der Würde des Menschen vereinbar war. In den meisten Fällen haben die Verstorbenen zu Lebzeiten keine Vorsorge getroffen.

Vorsorge kann einfach und günstig sein

Eigentlich sind die meisten Menschen bestrebt, im Todesfall ihre Angehörigen frei von den Kosten einer Bestattung zu halten. Nicht immer wird dafür aber eine entsprechende Vorsorge getroffen und in den oben genannten Fällen reichten die finanziellen Mittel der Verwandten von hinten bis vorne nicht. Dabei gibt es mit der Sterbegeldversicherung eine traditionelle Form der Bestattungsvorsorge, die sicher ist und zugleich auch keine finanzielle Belastung darstellt. Die Sterbegeldversicherung kann mit einer fest vereinbarten Versicherungssumme eingerichtet werden, die dann im Todesfall zur Auszahlung kommt. Leider ist diese relativ einfache Form der Bestattungsvorsorge den Verbraucherschützern immer noch ein Dorn im Auge.

Gibt es sinnvolle Alternativen zur Sterbegeldversicherung?

Mag man den Worten der Verbraucherschützer Glauben schenken, so ist der Sparvertrag – wie auch zu allen anderen Versicherungsprodukten – die bessere Alternative. Hauptargument: In eine Sterbegeldversicherung wird in der Regel mehr Geld einbezahlt, als am Ende herauskommt. Diese Aussage ist schlicht und ergreifend Unfug und zeigt, wie intensiv sich Verbraucherschützer mit dem Thema tatsächlich befassen und damit auch noch beratend tätig sein dürfen. Fakt ist: Eine Sterbegeldversicherung wird in jedem Todesfall ausbezahlt. Innerhalb der Wartezeit werden entweder die Beiträge zurückerstattet oder es erfolgt eine anteilige Auszahlung, die dann immer noch höher ist als die eingezahlten Beiträge. Einen Sparvertrag müssen Sie hingegen erst einmal langfristig füttern, damit nach zehn, zwölf Jahren überhaupt ausreichend Geld für eine Bestattung vorhanden ist.

Sozialbegräbnisse: Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein-Westfalen musste die Kommunen für 3.757 Menschen ein Sozialbegräbnis ausrichten, danach folgt Niedersachsen mit 2.311 Begräbnissen und Bayern mit 2.207 Sozialbestattungen. Auffällig ist dabei, dass diese Anzahl in Nordrhein-Westfalen in Relation zu den Einwohnerzahlen der beiden anderen Bundesländer sehr weit herausragt. Die Kosten fallen je nach Kommune unterschiedlich aus, da die Mittel für eine angemessene und ortsübliche Bestattung aufgewendet werden. Im Schnitt fallen für jedes Begräbnis rund 2.800 Euro an. Es ist keine anonyme Bestattung, aber auch keine Bestattung, die sich der Verstorbene vielleicht zu Lebzeiten gewünscht hat. In den kommenden Jahren rechnen linke Politiker mit einem weiteren Anstieg der Zahlen.

Bezieher von Sozialleistungen werden zur Kündigung der Sterbegeldversicherung angehalten

Eigentlich ist es so, dass die Sterbegeldversicherung vor einem Armenbegräbnis schützen soll. Dafür wird diese von vielen Menschen abgeschlossen. Fallen im Alter aber Pflegeleistungen oder Grundsicherung an, so gibt es immer noch Sozialämter, die tatsächlich eine Verwertung der vorhandenen Sterbegeldversicherung fordern. Zu Unrecht, wie mittlerweile viele Gerichtsurteile belegen. Der Irrsinn dabei ist, dass erst die Verwertung der Sterbegeldversicherung gefordert wird und dann im Todesfall der Staat doch eingreifen muss, wenn keine Mittel für die Bestattung vorhanden sind. Vor allem für die Angehörigen wird es in diesem Fällen dann erst recht ungemütlich: Wenn im Todesfall finanzielle Unterstützung benötigt wird, müssen sich die Angehörigen erst einmal finanziell bis aufs Hemd ausziehen. Das ist während der Trauerphase schon eine ziemlich harte Nummer.

Verwendungszweck der Sterbegeldversicherung ist von hoher Bedeutung

Einfach mal auf dem Sparbuch monatlich Geld für die eigene Beerdigung zurückzulegen, ist dabei  noch der schlechteste Weg. Das vorhandene Kapital ist aus der Sicht der Sozialämter nicht zweckgebunden und kann sofort verwertet werden. Ende der Vorsorge. Die Sterbegeldversicherung ist hingegen eine zweckgebundene Anlageform für die spätere Bestattung. Hier müssen auch die Sozialämter über den eigenen Tellerrand mal hinwegschauen. Schließlich geht es nicht darum, aus dem Sozialstaat so viel Unterstützung wie möglich herauszuholen. Viele Menschen betrachten es als notwendig, für den eignen Tod vorzusorgen, um in Würde von dieser Welt zu gehen. Die Entscheidung, in welcher Form eine Bestattung zu erfolgen hat, liegt in der Würde des Menschen, die nach wie vor unantastbar ist.

 

 

Ein Kommentar zu “Wieso sagt Stiftung Warentest, dass sich eine Sterbegeldversicherung nicht lohnt?

  1. Bekannte hatten wohnten neulich einer Feuerbestattung bei. Sie haben danach auch über die Kosen nachgedacht, wenn sie die Beerdigung hätten organisieren müssen. Wenn man diesen Artikel liest, ist es vermutlich schon recht sinnvoll eine Sterbegeldversicherung abzuschließen.

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