So sieht die Katze ihre Welt

Katze im Bett

Es gibt kaum etwas Geheimnisvolleres als die bernsteinfarbigen Augen einer Katze, die alles beobachten, was sich ihren sensiblen Sinnesorganen nähert. Mal verengen sich die Pupillen, mal sind sie geweitet. Im Dunkeln wirken sie wie zwei kleine Lichter, denen keine Bewegung in ihrem Umfeld entgeht.

Die Wissenschaft hat manche Geheimnisse über die Katze gelüftet. Die mandelförmigen Augen bleiben für viele Katzenfreunde eine Faszination, da unsere Samtpfote damit Gefühle zum Ausdruck bringt – die wir aber in vielen Facetten noch erkunden müssen.

Wie funktioniert das Auge der Katze?

Vom Prinzip her ist der Aufbau des Auges bei einer Katze dem der anderen Säugetiere ähnlich. Ein paar Besonderheiten gibt es bei der Katze, denn ihr Auge hat zusätzlich zum Augapfel und dem Sehnerv noch Hilfseinrichtungen, die der Katze beim Sehen eine große Unterstützung sind. Von außen nach innen baut sich das Auge so auf:

  1. Die äußere Augenhaut: Sie besteht aus einer Lederhaut und aus der Hornhaut. Überzogen ist das ganze Konstrukt mit der Bindehaut.
  2. Die mittlere Augenhaut: Diese liegt unterhalb der Lederhaut und besteht aus Aderhaut, Regenbogenhaut und Strahlenkörper. Die Lederhaut dient der Blutversorgung des Auges und der Befestigung der Linse am Strahlenkörper. Gleichzeitig steuert sie die Pupillen je nach Lichteinfall. In der Regenbogenhaut, besser bekannt als Iris, befindet sich die Pupille, die auf den Lichteinfall ins Auge unterschiedlich reagiert.
  3. Die innere Augenhaut: Hier zu gehören Netzhaut und der Sehnerv. Der Sehnerv ist mit dem Gehirn verbunden. Die Netzhaut besteht aus vielen kleinsten Stäbchenzellen und Zapfenstellen. Diese unterstützen das Sehen einerseits das Sehen in der Dämmerung, andererseits das Farbsehen und die Sicht am Tage.
  4. Hilfsorgane: Dazu gehören die Augenlider mit ihren Wimpern, die Augenmuskeln, der Tränenapparat mit dem Tränenkanal und das dritte Augenlid – die Nickhaut. Die Nickhaut ist eine wichtige Schutzeinrichtung, die das Auge vor mechanischen Schäden schützt. Dazu gehören beispielsweise Krallen von Artgenossen bei einer Rauferei.

Was sich nicht bewegt, das ist nicht da

Während wir mit unseren Augen beispielsweise eine Maus oder einen Vogel erkennen, wenn dieser sich nicht bewegt, kann die Katze bei einer bestimmten Entfernung ihre Beutetiere nicht wahrnehmen. In der Regel kann eine Katze bis zu einer Entfernung von sechs Meter scharf sehen. Darüber hinaus nimmt der Schärfegrad ab und somit sind Mäuse, Vögel oder andere Kleintiere nicht mehr wahrnehmbar – so lange sie sich nicht bewegen. Huscht ein Mäuschen durch das Blickfeld der Katze, gibt es kein Halten mehr und die Jagd ist eröffnet. Das Sehen der Katze ist auf Bewegung trainiert, nicht auf ruhende Dinge.

Das Gesichtsfeld der Katze

Schwarze Katze liegt auf Polster

Die Augen der Katze liegen vorne im Schädel und ragen mehr heraus als unser menschliches Auge. Das führt dazu, dass die Katze mit dem einzelnen Auge einen Blickwinkel von knapp über 200 Grad hat. Beim binären Sehen, also mit beiden Augen, sind es immer noch bis zu 130 Grad. Dadurch verfügen Katzen über einen gut ausgeprägten Panoramablick. Sie können so, ohne den Kopf zu bewegen, Beutetiere gut wahrnehmen und auch die Entfernung einschätzen. Das setzt natürlich wiederum voraus, dass die Beute auch in Bewegung ist.

Allerdings hat der Sehsinn für die Katze im Gegensatz zu anderen Sinnen eine untergeordnete Bedeutung – zumindest bei der Nahrungsaufnahme oder auch der Erkennung von uns Menschen. Die Nahrung will gründlich erschnüffelt werden, damit sie dann für gut befunden wird. Ebenso geht es der Katze bei der spontanen Begegnung mit Herrchen und Frauchen. Es ist nicht das Ansehen, dass die Katze dazu veranlasst, um uns herumzustreifen. Vielmehr entscheidet sie sich nach einem kurzen Moment des Überlegens dazu, uns zu vertrauen. Das liegt dann an den Gerüchen, die wir ausströmen und unseren Bewegungen, die unserer Samtpfote vertraut sind.

Wie entwickeln sich die Augen der Katze?

Die kleinen Fellknäuel kommen mit geschlossenen Augen auf die Welt, um ganz zaghaft nach sieben bis zehn Tagen mal ein Auge aufzumachen. Es vergehen dann noch einmal drei bis vier Tage, bis die Kitten beide Augen öffnen. Etwa drei Wochen nach der Geburt erkennen sie die Mutterkatze anhand optischer Reize. In der vierten Woche kommt es je nach Rasse zu einer farblichen Veränderung des Auges. In dieser Zeit entwickeln die Kitten die Fähigkeit, sich anhand des Sehvermögens zu orientieren. Bis etwa zur zehnten Lebenswoche steigert sich die Sehschärfe, sodass komplizierte Muster unterschieden werden können.

Haustier mit eingebautem Nachtsichtgerät

Katze mit Vogel im Maul

Um ein Gerücht direkt im Vorfeld zu entkräften: In totaler Finsternis kann unsere Katze nichts sehen. Dennoch bleibt die Katze mit ihrem Sehvermögen uns gegenüber deutlich überlegen. Sie ist in der Lage, aus dem letzten Fitzen Mondschein das Maximum herauszuholen. Sie erweitert dazu ihre Pupille und leitet damit die Reste des Lichtes in das Innere des Auges weiter. Gleichzeitig kann die Katze bei starkem Lichteinfall ihre Pupille so verengen, dass das Innere des Auges vor dem starken Lichteinfall geschützt ist. Da die Katze vom Ursprung her ein Steppentier ist, sind beide Funktionen sehr nützlich. Einerseits, um sich tagsüber vor dem Sonnenlicht zu schützen, andererseits um nachts als dämmerungsaktiver Beutejäger auf Streifzug zu gehen.

Können Katzen rot sehen?

Da bei der Katze die Stäbchenzellen mehr auf das Dämmerungssehen ausgerichtet sind, kann sie weniger gut Farben unterscheiden. Experten vermuten, dass sie ihr ihr Umfeld in Gelb-Grün-Tönen und in Blau-Violett-Tönen wahrnimmt. Bisher konnte noch nicht nachgewiesen werden, ob Katzen die Farbe Rot erkennen können. In der Vergangenheit haben Tierforscher diverse Farbexperimente durchgeführt, die alle auf dem Belohnungsprinzip basierten. Die an den Proben beteiligten Samtpfoten konnten verschieden farbige Spielzeuge bei gleicher Form und Haptik unterscheiden. Somit konnte das vorhandene Farbsehen nachgewiesen werden.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

…wer ist die Schönste im ganzen Land? Anders als andere Tiergattungen sind Katzen nicht in der Lage, auf den ersten Blick in den Spiegel sich darin selbst zu erkennen. Vielmehr erschrecken sie mehr oder weniger unauffällig, da plötzlich ein Artgenosse vor ihnen steht. Dazu kommt, dass dieser auch noch zurück faucht oder mit der Pfote droht. Logisch für uns, es ist ja das Spiegelbild. Nach ein paar Momenten des Abwartens, ob da noch was vom Gegenüber kommt, verliert die Katze schnell das Interesse und wendet sich anderen Beschäftigungen zu. Die Begegnung stuft sie als unbedeutend ein.

Wie kommen blinde Katzen zurecht?

Da das Sehvermögen einer der wichtigsten Sinne der Katze ist, führt eine Erblindung natürlich zu einer erheblichen Einschränkung ihres Bewegungsdrangs. Ist es ja nicht ungewöhnlich, dass auch bei Katzen das Sehvermögen im Alter nachlässt – in machen Fällen bis zur Erblindung. Dann schaltet die Katze quasi auf ihre anderen Sinnesorgane um und orientiert sich anderweitig. Dazu gehören der Geruchssinn, der Tastsinn und das Gehör. Durch Vibrationen des Bodens oder unsere Stimmen innerhalb er Wohnung lernt eine Katze schnell, wo unsere Position ist, und kann uns lokalisieren. Das Tasten unterstützt die Katzen, Hindernisse in den eigenen vier Wänden zu umgehen. Daher ist es wichtig, dass eine vollständig erblindete Katze nicht mehr als Freigänger unterwegs ist. In der Wohnung sollten so wenige Veränderungen wie möglich vorgenommen werden, damit die Katze alle Hindernisse wie Möbel mit der Zeit erfasst und abspeichert. Dazu gehören Fressnapf, Trinkschale und Katzenklo so positioniert, dass die Katze diese Dinge im wahrsten Sinne des Wortes blind findet.

Katze mit Pfoten auf dem Tisch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.