Schreckhafte Mieterin – ein Fall für die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht?

Rollo am Haus von außen

Manche Menschen leben getreu dem Prinzip: „Immer sind die anderen Schuld.“ Das kann mitunter schon seltsame Züge annehmen. Nämlich dann, wenn Menschen das normale Lebensrisiko völlig ausblenden und für mögliche Schäden immer einen Verursacher suchen, der dann Schmerzensgeld zahlen soll.

So ging es auch einem Vermieter, der sich wegen eines defekten Rollos mit der Schmerzensgeldforderung seiner Mieterin konfrontiert sah.

Für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern wichtig: die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht

Schäden durch Immobilien trägt die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht

Wer Wohneigentum vermietet, steht in der Haftung, falls sich ein Mieter durch Mängel an der Immobilie verletzt. Das kann der Fall sein, wenn beispielweise die Treppenleiter zum Dachboden marode ist und daher ein Mieter beim Besteigen zu Fall kommt. Für solche Fälle gibt es die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht, die dann mögliche Schadenersatzforderungen prüft und berechtigte Schäden übernimmt. Das Ganze geht aber ein bisschen zu weit, wenn zwischen einem Schaden und einer erlittenen Verletzung überhaupt kein Zusammenhang mehr besteht.

Defekter Rollokasten löst Schadenersatzforderung aus

Die Mieterin einer Doppelhaushälfte hat ihren Vermieter darauf aufmerksam gemacht, dass eines der Rollos nicht mehr ordnungsgemäß funktioniere. Die Reparatur konnte nicht zeitnah erfolgen. Wie der Teufel so sein Wesen treibt, fiel das Rollo eines Tages mit lautem Karacho zu Boden. Der Lärm muss so heftig gewesen sein, dass die Mieterin des Hauses vor Schreck hinfiel und sich dabei eine Verletzung an der Hand zuzog. Sie sann auf Schmerzensgeld und so sahen sich beide Parteien vor Gericht wieder.

Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht muss nicht für einen erlittenen Schrecken zahlen

Vor Gericht konnte die Mieterin ihre Forderung letztendlich nicht durchsetzen. Die Richter am Landgericht Nürnberg-Fürth sahen darin einen Fall, wo sich ein typisches Lebensrisiko verwirklicht hat. Genauso hätte ja auch irgendwo bei Durchzug ein Fenster lautstark zuknallen können.  Anders hätte es sich verhalten, wenn das Rollo der Mieterin direkt auf den Fuß gefallen wäre. Dann hätte der Vermieter oder seine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht für Schmerzensgeld aufkommen müssen. Da hier aber kein Zusammenhang zwischen den Vorfall selbst und der Verletzung bestand, wiesen die Richter die Klage ab. Man kann es auch ein wenig übertreiben mit seinen Schmerzensgeldforderungen. (Quelle: LG Nürnberg-Fürth, Az. 7 S 5872/17)

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