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Schlafmangel bei Pferden - Gefahren, Symptome, Behandlung

Schlafendes Pferd

Ist Ihr Pferd häufiger gereizt, gestresst oder aber apathisch? Dann könnte es unter Schlafmangel leiden und die Folgen sind mitunter sehr gefährlich. Denn auch Ihr Pferd ist auf Regenerationsphasen angewiesen, um gesund zu bleiben.

Wie Sie erkennen, ob Ihr Pferd unter einem gefährlichen Schlafmangel leidet und wie Sie diesem entgegenwirken, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wieviel Schlaf benötigt Ihr Pferd?

Pferde müssen insgesamt etwa fünf bis neun Stunden täglich schlafen. Ihr Schlafmuster und -verhalten weicht aber von dem der meisten anderen Tiere stark ab. Ihren nötigen Schlaf holen sie sich nicht am Stück, sondern über den ganzen Tag und die Nacht verteilt, wobei der Schwerpunkt zwischen der Nacht und dem frühen Morgen (meist dem Sonnenaufgang) liegt und die Dauer der einzelnen Phasen meist nur zwischen 35 und 90 Minuten beträgt. Unterscheiden lassen sich dabei drei Schlafphasen:

  • der Leichtschlaf, der gewöhnlich gleich nach dem Wachsein erfolgt
  • der Tiefschlaf, auch als Slow Wave Sleep bezeichnet, von dem jedoch nicht alle Hirnareale betroffen sind, und
  • der REM-Schlaf oder Traumschlaf, bei dem die Muskelspannung vollkommen abfällt

Die Leichtschlafphasen sind typisch für die Zeit tagsüber. So erholen Pferde sich, wenn sie sich grundsätzlich in Fluchtbereitschaft befinden. Besonders wichtig für die Regenration Ihres Pferdes ist aber der REM-Schlaf. Fehlt dieser, stellen sich schnell gefährliche Folgen ein, da es zu keiner ausreichenden Erholung kommt. REM steht für Rapid Eye Movement, also schnelle Augenbewegungen, die Mensch und Tier während dieser tiefen Schlafphase zeigen. Sie erkennen diesen REM-Schlaf daran, dass Ihr Tier sich in Bauch- oder Seitenlage begibt. Diese Phasen sollten nachts etwa drei bis fünf Stunden betragen, damit Ihr Pferd nicht unter einem Schlafmangel leidet.

Was ist der Unterschied zwischen REM-Schlaf und den anderen Schlafphasen beim Pferd?

Pferd liegt auf der Weide

Beim REM-Schlaf ist die Muskelspannung extrem gering. Daher können Pferde diesen nur absolvieren, indem sie liegen. Zudem stützen sie gleichzeitig den Kopf ab, da die Muskulatur erschlafft. Die anderen Schlafphasen, also den Leicht- und den Tiefschlaf, können Pferde auch im Stehen abhalten. Die Regeneration ist jedoch in der REM-Phase besonders hoch. Zudem träumen die Tiere in dieser Phase, wodurch sie Erlebtes besser verarbeiten.
Durch verschiedene Faktoren ist es möglich, dass Ihr Pferd selten oder gar nicht in den REM-Schlaf fällt. Dies ist mitunter gefährlich, da es hierdurch zu Unaufmerksamkeit, Unfällen und Verletzungen kommen kann.

Welche Folgen kann Schlafmangel bei Pferden haben?

Wenn Ihr Pferd ab und an nicht für fünf bis neun Stunden täglich schläft, ist dies nicht weiter schlimm. Dauerhaft sollten die erholsamen Schlafphasen allerdings nicht ausfallen. Fehlt die nötige Entspannung, führt dies zu chronischer Übermüdung. Diese wiederum ist einerseits psychisch stressig für das Tier, andererseits kommt es dadurch schneller zu Unfällen und Verletzungen. Pferde, die auf Dauer nicht erholsam schlafen, brechen irgendwann vor Übermüdung komplett zusammen.

Dabei fallen sie beispielsweise auf die Vorderfußwurzelgelenke oder auf die Fesselköpfe und verletzen sich möglicherweise stark. Auch Verletzungen im Kopfbereich, vor allem an den Lippen, sind typische Folgen eines Schlafmangels bei Pferden. Kommt es so weit, ist eine tierärztliche Behandlung nötig. Diese kann ambulant erfolgen, aber auch Operationen sind in ausgeprägten Fällen nötig. Besonders häufig von Schlafmangel und daraus resultierenden Verletzungen betroffen sind Pferde, die älter als 15 Jahre sind. Aber auch bei jüngeren Pferden kann es dazu kommen.

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VS.-Tipp:

Verletzt sich Ihr Pferd aus Schlafmangel, kommen für die Behandlung mitunter hohe Tierarztkosten zusammen. In dem Fall ist es für Sie als Besitzer beruhigend, frühzeitig eine Pferdekrankenversicherung abgeschlossen zu haben. Diese kümmert sich darum, dass alle entstehenden Kosten gedeckt werden und ermöglicht es Ihnen, sich ganz auf die Genesung Ihres Tieres zu konzentrieren.

Welche Gründe kommen für Schlafmangel beim Pferd infrage?

Pferd schläft im Stall

Meistens kommt es beim Pferd zu Schlafmangel, wenn dessen Bedürfnisse nicht komplett berücksichtigt wurden. Mögliche Ursachen sind:

  • eine zu kleine Liegefläche für den Schlaf (in der Box, aber auch im Offenstall)
  • ein falsches Einstreumanagement – zu wenig, ungeeignete, feuchte, beim Pferd unbeliebte oder gar keine Einstreu
  • stressiges Stallklima, etwa durch Lärm oder eine ungünstige Rangordnung bei Gruppenhaltung
  • unruhige Nächte
  • zu häufige und lange Reisen

Aber auch gesundheitliche Aspekte kommen als Ursache von Schlafmangel infrage. Leidet Ihr Pferd an einer Erkrankung des Bewegungsapparates oder hat es Schmerzen? Arthrose ist eine verbreitete Krankheit, die bei Pferden dazu führt, dass diese Schmerzen beim Aufstehen aus dem Liegen verspüren. Sie führt oft dazu, dass die Tiere sich gar nicht erst hinlegen und somit seltener ruhen. In solchen Fällen sollten Sie sofort Ihren Tierarzt des Vertrauens konsultieren. Er weiß, wie sich die Schmerzen lindern lassen und kann Ihrem Pferd schon bald wieder ruhige, schmerzfreie und erholsame Nächte ermöglichen.

Symptome: Wie erkennen Sie Schlafmangel bei Ihrem Pferd?

Sie vermuten, dass Ihr Pferd unter Schlafmangel leidet, sind sich aber noch nicht sicher? Erste Warnhinweise beziehen sich auf das Verhalten der Tiere. Zeigt Ihr Pferd sich häufiger gereizt, gestresst oder aber apathisch? Dann sollten Sie genauer hinschauen. Pferde, die sehr müde sind, legen ihren Kopf häufiger ab, etwa auf den Stalltüren oder Futterkrippen. Möglicherweise ziehen sie sich in ruhige Stallecken zurück, um auf diese Weise etwas Erholung zu finden. Leidet Ihr Pferd bereits unter einem extremen Schlafdefizit, knicken die Vordergliedmaße ein, es bricht plötzlich zusammen. Wenn Sie bei diesen Zusammenbrüchen nicht dabei sind, stellen Sie vielleicht bei Ihrem nächsten Stallbesuch ungewöhnliche Kratzer, Narben und Schürfwunden an Ihrem Tier fest, die auf das plötzliche Einknicken durch Übermüdung zurückzuführen sind.

Davon abzugrenzen: die Narkolepsie bei Pferden

Neben einfachem Schlafmangel bei Pferden gibt es einen weiteren Zustand, der davon abzugrenzen ist: die Narkolepsie. Bei dieser neurologischen Erkrankung ist der Schlaf-Wach-Rhythmus tief gestört, da ein Botenstoff im Gehirn des Pferdes fehlt. Diese Erkrankung tritt jedoch sehr selten und vor allem im Fohlenalter auf. Die anfallartigen Schlafphasen werden meist durch emotionalen Stress, aber auch durch positive Ereignisse, ausgelöst. Häufiger betroffen sind Fohlen bestimmter Rassen, etwa Shetland Pony, Suffolk und Isländer. Die Pferde verlieren ihre komplette Muskelspannung und brechen ebenfalls zusammen.

Einige Tierärzte vermuten jedoch, dass viele Pferde, die mit einer Narkolepsie diagnostiziert werden, tatsächlich an einem extremen Schlafmangel leiden und übermüdet sind. Daher sprechen sie hier auch von einer Pseudo-Narkolepsie. Ein wichtiger Unterschied zwischen den beiden Erscheinungen ist aber der erste Eintritt der Symptome. Während Narkolepsien sich gewöhnlich schon beim Fohlen zeigen, tritt der normale Schlafmangel irgendwann im Leben des Pferdes auf, häufig wenn dieses bereits etwas älter ist. Die gängige Therapie dieser Erkrankung zielt darauf ab, die Muskelspannung besser zu kontrollieren. Dafür werden den Pferden meist Antidepressiva, vor allem der Wirkstoff Imipramin, verabreicht.

Wie finden Sie heraus, ob Ihr Pferd unter Schlafmangel leidet?

Wenn Sie einen Schlafmangel bei Ihrem Tier vermuten, empfiehlt es sich, zunächst dessen Verhalten genauer zu beobachten. Wenn Sie nicht sehr viel Zeit im Stall verbringen, gestaltet sich dies möglicherweise als schwierig. Hier hilft es, eine Video-/Überwachungskamera aufzustellen, welche aufzeichnet, ob und wie lange Ihr Pferd während Ihrer Abwesenheit schläft. So lassen sich gleichzeitig die Ursachen des Schlafmangels feststellen, etwa nächtlicher Lärm oder Unruhe durch andere Tiere. Achten Sie bei dieser Beobachtung auch genau darauf, wie Ihr Pferd schläft. Schläft es lediglich im Stehen, so ist dies nicht ausreichend, wie Sie bereits weiter oben erfahren haben. Wichtig ist, dass Ihr Tier auch REM-Phasen im Liegen durchläuft, damit es keinen dauerhaften Schlafmangel erleidet. Wenn Sie herausgefunden haben, dass Ihr Pferd tatsächlich unter einem Schlafmangel leidet, steht jedoch noch die Frage aus, wie Sie damit umgehen. Auch das klären wir sofort im nächsten Abschnitt.

Therapie der Schlafstörung des Pferdes: Welche Maßnahmen helfen?

Wie genau Sie die Schlafstörungen Ihres Pferdes behandeln, hängt natürlich von den zugrundeliegenden Auslösern ab. Wichtig ist aber, dass Sie den Schlafmangel frühzeitig behandeln und nicht erst abwarten, ob sich das Problem irgendwann von selbst aus der Welt schafft. Tierärzte sind nämlich der Meinung, dass ein chronischer Schlafmangel bei Pferden sich mit der Zeit automatisiert und dann nicht mehr heilbar ist. Das Pferd lernt quasi, sich nicht mehr für den REM-Schlaf hinzulegen und leidet dauerhaft seelisch und körperlich darunter.

Wenn Sie ein gestörtes Schlafverhalten bei Ihrem Tier beobachten, helfen Ihnen möglicherweise diese Tipps des VS.-Teams:

  • Überlegen Sie, wann die Veränderungen eingetreten sind oder die Symptome begonnen haben: Gab es gleichzeitig andere Änderungen im Stall?
  • Ist die Liegefläche zu klein? Diese sollte mindestens die dreifache Länge der Widerristhöhe Ihres Pferdes betragen, damit es sich wohlfühlt.
  • Versuchen Sie es mit Änderungen der Einstreu: Wechseln Sie die den Untergrund der Liegefläche (Stroh, Holzspäne, Gummimatten usw.), verändern Sie die Menge probeweise und beobachten Sie, wie Ihr Pferd reagiert. Viele Pferde bevorzugen übrigens Stroh und bleiben dort dreimal so lange in der Seitenlage als auf Einstreu aus Holzspänen – doch jedes Pferd hat seine eigenen Einstreu-Vorlieben.
  • Haben Sie kürzlich den Stall gewechselt oder ergaben sich andere Veränderungen? Versuchen Sie schrittweise, diese rückgängig zu machen.
  • Bringen Sie das Pferd probeweise in einer Box oder in einer anderen Pferdegruppe unter und achten Sie auf Veränderungen.
  • Stellen Sie Ihrem Pferd stets ausreichende Ruhezonen und -zeiten zur Verfügung, damit dieses sich wirksam erholt.

Zeigt Ihr Pferd Symptome von Schmerz? Dann ziehen Sie unbedingt den Tierarzt zurate.

Ebenfalls eine mögliche Ursache für plötzlichen Schlafmangel: eine Trächtigkeit des Pferdes. Könnte eine Trächtigkeit auch bei Ihrem Pferd vorliegen? In dem Fall steht ein ausführlicher Check-up durch Ihren Tierarzt an. Dessen Hilfe sollten Sie auch in Anspruch nehmen, wenn es Ihnen in absehbarer Zeit nicht gelingt, den Schlafmangel Ihres Tieres durch einfache Veränderungen der Umgebung selbst zu beheben. Denken Sie daran: Ein Schlafmangel beim Pferd kann sich automatisieren – das sollten Sie auf jeden Fall verhindern, gegebenenfalls mit professioneller Unterstützung.

Haben Sie mit Ihrem Pferd bereits Erfahrungen mit Schlafmangel gemacht? Schreiben Sie uns diese gerne weiter unten in den Kommentaren und lassen Sie uns daran teilhaben.