Scheinträchtigkeit beim Hund: So unterstützen Sie Ihre Hündin

Hund liegt in seinem Körbchen mit einem Stofftier

Ihre unkastrierte Hündin geht nur noch ungern raus, verhält sich äußerst seltsam und scheint wie besessen von ihrem Spielzeug? Vielleicht leidet sie unter ihrem eigenen Hormonchaos. Erfahren Sie, wann und wie Sie bei einer Scheinträchtigkeit eingreifen sollten.

Woran erkenne ich eine scheinträchtige Hündin?

Hormone, die ohne eine beginnende Schwangerschaft ausgeschüttet werden, stellen die Welt einer Hündin auf den Kopf. Scheinträchtige Hündinnen sind voll und ganz im „Mutterschaftsmodus“.

Nicht ohne Grund wird die Scheinträchtigkeit auch Scheinmutterschaft genannt. Wissenschaftlich wird die Scheinträchtigkeit als Pseudogravidität, Lactatio falsa und Lactatio sine graviditate bezeichnet.

Sie erkennen eine Scheinschwangerschaft sowohl an körperlichen Anzeichen als auch an auffälligen Verhaltensveränderungen. Die Symptome können nicht nur sehr unterschiedlich sein, das Verhalten kann von Hündin zu Hündin sogar völlig gegensätzlich ausfallen.

Symptome der Scheinträchtigkeit beim Hund

  • Anhänglichkeit
  • Gereiztheit/Aggressivität
  • Trägheit, Antriebs- und Teilnahmslosigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • vergrößerter Bauchumfang
  • geschwollenes Gesäuge, das beleckt wird

Hund liegt auf dem Boden

Spielzeug dient als Welpenersatz

Typisch für scheinträchtige Hündinnen ist außerdem die Suche nach Welpenersatz. Während einer Scheinschwangerschaft bemuttern viele Hundedamen ihre Spielzeuge und Kuscheltiere und fühlen sich dafür sehr stark verantwortlich.

Meist zeigen Hundedamen dann auch ein Verhalten, das an den Nestbau erinnert: Alles, das in Reichweite ist (z. B. Spielzeug, Schuhe und Socken), wird ins Körbchen oder zum entsprechenden Liegeplatz getragen und dort gehortet.

In extremen Fällen geht das Behütungsbedürfnis so weit, dass sich scheinträchtige Hündinnen kaum von ihrem vermeintlichen Nachwuchs trennen lassen. Sie verlassen nur äußerst ungern das Haus und können es kaum erwarten, zurückzukommen, um wieder nach ihm zu sehen.

Seien Sie besonders wachsam, wenn Kinder in Ihrem Haushalt leben. Eine Hündin, die ihren vermeintlichen Nachwuchs beschützt, ist nicht zu unterschätzen. Um heikle Situationen zu vermeiden, sollten Sie in dieser Phase besonders aufmerksam sein.

So helfen Sie Ihrer scheinträchtigen Hündin

1. Ablenkung

Lenken Sie Ihre Hündin durch Spaziergänge und Spiele so gut es geht ab. Versuchen Sie den alten Trott zu durchbrechen und Ihre Hundedame auf andere Gedanken zu bringen.

Je nachdem, wie Ihre Hündin auf ihr Hormon-Durcheinander reagiert, wird sie es Ihnen nicht gerade leicht machen. Durchhaltevermögen und Geduld sind gefragt!

Frau geht auf einer Wiese Gassi mit Ihrem Dalmatiner

2. Spielzeug und Kuscheltiere

Beim Thema Spielzeug und Kuscheltiere gehen die Meinungen auseinander. Während die einen dazu raten, den Welpenersatz so schnell wie möglich außer Reichweite der Hündin zu bringen, plädieren die anderen strikt dagegen.

Begründung: Die Hündin leidet noch viel stärker, wenn ihr der vermeintliche Nachwuchs plötzlich entrissen wird und sie Verlustschmerz empfindet. Ein eindeutiger Rat ist also schwierig. Beobachten Sie Ihre Hündin im Umgang mit ihrem Welpenersatz und wägen Sie Ihre Entscheidung danach ab.

Wenn Sie die Ersatzwelpen vorerst verbannen möchten, gehen Sie unbedingt mit Bedacht vor: Nehmen Sie Spielzeug oder Plüschtiere niemals vor den Augen Ihrer Hündin weg, sondern lassen Sie alles heimlich verschwinden, wenn sie es nicht mitbekommt. Bringen Sie die Gegenstände außerdem an einen Ort, an dem sie Ihre Hündin weder sieht noch riecht.

In Sachen Spielzeug und Kuscheltiere können Sie natürlich vorbeugend aktiv werden: Lassen Sie es schon vor der nächsten Läufigkeit unbemerkt verschwinden und holen sie es erst wieder hervor, wenn die kritische Phase vorbei ist.

Übrigens: Gerade quietschende Spielzeuge stehen im Verdacht, den „Mutterinstinkt“ zu wecken und eine Scheinträchtigkeit auszulösen oder zu verstärken.

Hund kuschelt mit einem Teddybären

3. Gesäuge

Durch die ausgeschütteten Hormone werden die Zitzen einer scheinträchtigen Hundedame in den Schwangerschaftsmodus versetzt. Sie wäre also in der Lage, Nachwuchs zu säugen. Genau da liegt das Problem. Denn einerseits möchte die Hundedame die Milch loswerden, da sonst ein unangenehmes Gefühl bis hin zu einem Druckschmerz entsteht.

Andererseits ist das Belecken des geschwollenen Gesäuges alles andere als hilfreich, da es den Milchfluss zusätzlich anregt. Der Kreislauf würde in Gang gesetzt.

Oberste Priorität hat also das Fernhalten vom Gesäuge. Manchmal bietet die Halskrause den effektivsten Schutz. Sie können natürlich auch einen Body oder eine andere Alternative ausprobieren, mit der Ihre Hündin gut zurechtkommt.

Schwellungen und Druckschmerz

Soll ich es dabei belassen, meine Hündin von ihren Zitzen fernzuhalten? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Häufig ist zu lesen, dass Sie Ihrer Hündin mit kalten Umschlägen etwas Gutes tun sollten.

Kühlen ist ohne Frage wohltuend. Trotzdem laufen Sie mit jeder Berührung Gefahr, die Milchproduktion anzuregen. Wenn es sich also umgehen lässt, vermeiden Sie jeden Kontakt mit den Zitzen. Tabu sind Wärme und das Melken des Gesäuges, denn sie verstärken das Problem, indem sie den Milchfluss besonders anregen.

Zwei Hunde beschnüffeln sich

Wann werden Hunde scheinschwanger?

Mit der ersten Läufigkeit im Alter von sechs bis zwölf Monaten kann auch die erste Scheinschwangerschaft bevorstehen. Der Zeitpunkt ist an den potentiellen Geburtstermin der Welpen gekoppelt.

Denn der Körper bereitet sich auf die Versorgung des Nachwuchses vor, obwohl es keinen geben wird. Da die durchschnittliche Tragezeit von Hunden bei 63 Tagen liegt, beginnt eine Scheinträchtigkeit etwa zwei Monate nach der Läufigkeit.

Natürlich folgen biologische Prozesse keinem Kalender. Genau wie bei der Tragezeit sind Abweichungen also in beide Richtungen möglich.

Wie lange dauert die Scheinträchtigkeit beim Hund?

Wie lange die Scheinträchtigkeit einer Hündin anhält, ist von Tier zu Tier sehr unterschiedlich. Die Spanne liegt bei etwa zwei bis acht Wochen.

Professionelle Hilfe vom Tierheilpraktiker oder Tierarzt

Ihre unkastrierte Hündin befindet sich seit Tagen im Ausnahmezustand, leidet unter starken körperlichen Beschwerden und Sie sind mit Ihrem Latein am Ende? Dann ist es höchste Zeit für professionelle Hilfe!

Homöopathie für Hunde

  • Die Homöopathie hält verschiedene Mittel bereit, um die Symptome einer Scheinträchtigkeit zu lindern.
  • Häufig wird Pulsatilla bei Problemen mit der Scheinträchtigkeit eingesetzt.
  • Pulsatilla ist ein Hahnenfußgewächs und wird auch Kuhschelle, Kühchenschelle und Küchenschelle genannt.
  • Lassen Sie sich von einem kompetenten Tierheilpraktiker oder von einem homöopathieerfahrenen Tierarzt beraten.
  • Homöopathische Mittel können auch vorbeugend verabreicht werden.

Violette Blumen

Schulmedizin

  • Tierärzte arbeiten in der Regel mit sogenannten Prolaktinhemmern.
  • Wie der Name bereits verrät, unterbinden solche Medikamente die Ausschüttung des Hormons Prolaktin.
  • Wird weniger Prolaktin ausgeschüttet, nimmt allmählich die Milchbildung im Gesäuge ab.
  • Mithilfe von Prolaktinhemmern lassen die Symptome in der Regel nach ein paar Tagen nach.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, ob und welche Medikamente für Ihre Hündin sinnvoll sind.

Gut zu wissen: Schwangerschaftshormone

Ob Hund oder Mensch, Hormone nehmen in der Schwangerschaft eine sehr wichtige Rolle ein. Trotzdem gibt es einen großen Unterschied zwischen Mensch und Vierbeiner.

Im weiblichen Körper eines Menschen endet die Produktion von Schwangerschaftshormonen, wenn die Eizelle nicht befruchtet wurde. Im Gegensatz dazu weist eine nicht gedeckte Hündin einen hohen Hormon-Spiegel auf. Das ist der Grund dafür, warum es für Hunde keine klassischen Schwangerschaftstests gibt.

Scheinträchtige Hündinnen sind nicht krank

Wird eine Hündin scheinträchtig, ist das keine Erkrankung. Ganz im Gegenteil. Hinter der „vorgegaukelten“ Schwangerschaft steckt ein völlig harmloser, ganz natürlicher Vorgang: die Produktion von Schwangerschaftshormonen wie Progesteron (auch Gelbkörperhormon genannt) und Prolaktin.

Für den Hormonhaushalt einer Hundedame spielt es zunächst nämlich keine Rolle, ob sie gedeckt wurde oder nicht. Entscheidend ist die vorangegangene Läufigkeit. Auch im Körper nicht-tragender Hündinnen werden nach der Läufigkeit noch Hormone gebildet, die zum Beispiel die Milchdrüsen wachsen lassen und die Milchproduktion anregen.

Beim Großteil der Hundedamen hält sich dies allerdings so sehr in Grenzen, dass Sie als Besitzer davon kaum etwas bemerken. Der Hormonspiegel pendelt sich schon nach kurzer Zeit wieder ein und die Blitz-Scheinschwangerschaft ist vorbei. So sollte es sein. Leider läuft es nicht bei allen Hundedamen so unkompliziert ab.

Von einer problematischen Scheinträchtigkeit sprechen Tierärzte, wenn es nach der Läufigkeit zu einer hormonellen Fehlsteuerung kommt, die sich sehr stark und über einen längeren Zeitraum auf den Körper und die Psyche der Hündin auswirkt.

Tipp: Zyklus festhalten

Notieren Sie sich die Läufigkeitsdaten Ihrer Hündin. Das hilft Ihnen zum einen dabei, frühzeitig auf die kritische Phase vorbereitet zu sein. Zum anderen sind Sie sensibler für Unregelmäßigkeiten im Zyklus, die möglicherweise gefährlich sein könnten (z. B. eine Gebärmutterentzündung).

Wolfsfamilie

Die Scheinschwangerschaft ist ein Vermächtnis der Wölfe

Warum werden Hunde scheinträchtig, wenn dahinter keine Krankheit steckt? Wissenschaftler führen das Phänomen der Scheinträchtigkeit von Hündinnen auf wild lebende Wolfsrudel zurück. Dieser Erklärung zufolge ist die Scheinschwangerschaft ein Überbleibsel aus dem Sozialgefüge der Wölfe und ihrem Ursprung nach äußerst sinnvoll.

Das Prinzip: Die scheinträchtigen Wölfinnen unterstützen die Leitwölfin, die als einzige im Rudel Nachwuchs bekommt, bei der Aufzucht ihrer Jungen. Im Fall der Fälle können die milchgebenden Ammen die Mutterrolle vollständig übernehmen und so das Überleben der Welpen sichern.

Risiken der Scheinschwangerschaft beim Hund

Zeigt Ihre Hündin erstmals Symptome einer Scheinschwangerschaft, ist das noch kein Grund zur Panik. Häufen sich Scheinträchtigkeiten, können sie jedoch ernstzunehmende Erkrankungen begünstigen. Scheinschwangerschaften erhöhen das Risiko für

  • Entzündungen des Gesäuges durch Milchstau,
  • Eierstockzysten,
  • Gebärmuttervereiterungen und
  • Mammatumore (Wucherungen in der Milchdrüse, die gut- oder bösartig sein können, auch als Brustkrebs bezeichnet).

Ein Wurf schützt die läufige Hündin nicht

Hartnäckig hält sich die Auffassung, dass Hündinnen, die bereits geworfen haben, nicht mehr scheinträchtig werden. Dafür gibt es keinerlei Belege. Auch Hündinnen, die bereits Welpen zur Welt gebracht haben, sind dadurch nicht vor einer späteren Scheinträchtigkeit geschützt.

Hund liegt auf dem Boden mit einem Kragen

Nur die Kastration verhindert eine Scheinträchtigkeit

Leidet Ihre Hündin nach jeder Läufigkeit stark unter ihrem Hormonhaushalt, sollten Sie über eine Kastration beim Hund nachdenken. Aus zwei Gründen: Um ihr die belastende Zeit nach jeder Hitze zu ersparen und um das Risiko für spätere Erkrankungen wie eine Gebärmutterentzündung oder Milchdrüsenkrebs zu reduzieren.

Die Kastration ist die einzige Möglichkeit, einer Scheinträchtigkeit vorzubeugen. Die Sterilisation bietet Hündinnen keinen Schutz, scheinschwanger zu werden.

Natürlich sollte die Entscheidung für eine Kastration wohlüberlegt sein. In der Tiermedizin sind Kastrationen längst nicht mehr so unumstritten wie noch vor einigen Jahren. Rückblickend kritisieren immer mehr Tierärzte einen viel zu leichtfertigen Umgang mit diesem folgenschweren Eingriff.

Verglichen mit der Sterilisation handelt es sich bei der Kastration um einen viel weitreichenderen Eingriff in den Organismus. Zudem verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Kastration bestimmte Krebsarten begünstigt.

Wichtig zu wissen: Die Kastration ist kein akut einsetzbares „Heilmittel“, da sie erst nach der Scheinträchtigkeit durchgeführt werden kann.

Die Hundekrankenversicherung bietet Unterstützung

Wussten Sie, dass es Tarife der Hundekrankenversicherung gibt, die medizinisch sinnvolle Kastrationen vollständig übernehmen? Andere Tarife wiederum bezuschussen den Eingriff unabhängig vom Grund.

 

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Hund liegt auf dem Boden

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