Wenn uns der Himmel auf den Kopf fällt: Gefahren durch Gewitter

Blitze über der Stadt

Die einen lieben die Blitze am Himmel, die anderen verkriechen sich bei Gewitter am liebsten im Haus in eine stille Ecke unter eine Decke gekauert. Ein Gewitter ist für viele Menschen ein atemberaubendes Naturschauspiel und manche Menschen fürchten sich davor.

Fest steht, dass ein Gewitter ein kraftvolles Naturereignis ist, das jede Menge Schäden durch die Blitzeinschläge hinterlässt. Dadurch kommt es zu immer höheren Kosten durch Schäden an Gebäuden und der Haustechnik. Allein im Jahr 2017 konnte eine Zunahme der Blitzeinschläge um 2,5 Prozent festgestellt werden.

Familie unter Dach

Rund 450.000 Blitzeinschläge im Jahr

Im Mai beginnt langsam die Gewittersaison, ehe sich die Unwetter großflächig oder regional bis in den August hinein austoben. Von den rund 450.000 Blitzeinschlägen entfielen etwa 300.000 auf private Wohngebäude. Hier ist die Zahl zwar leicht gesunken, die Schadenhöhe ist für den Einzelfall gestiegen. Das liegt daran, dass mehr Technik im Haus verbaut ist, die anfällig für ein Gewitter ist. Lag der Sachschaden nach einem Blitzschlag im Jahr 2013 noch bei durchschnittlich 580 Euro, so waren es im Jahr 2017 bereits 840 Euro. Heizungssteuersysteme, Smarthome-Funktionen oder elektrische Jalousien-Steuerungen tun ihr Übriges, dass die Schäden trotz abnehmender Zahl höhere Kosten für die Versicherer auslösen.

Gewitter führen stellenweise zu Überschwemmungen

Da Gewitter in vielen Fällen mit Starkregenfälle und schweren Hagelschauern einhergehen, sind davon alle Hauseigentümer in Deutschland betroffen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich Gewitter nur langsam fortbewegen und damit natürlich auch mehr Regen pro Quadratmeter Fläche niederprasselt. Zusammen mit der immer weiter fortschreitenden Versiegelung von Sickerflächen in den Städten sind überschwemmte Keller kaum noch zu vermeiden. Die Kanalsysteme sind nicht in der Lage, die Regenmassen nach einem Starkregen abzuführen. Dafür ist der Querschnitt nicht ausgelegt.

Schild Gewitter

So erkennen Sie die Entfernung des Gewitters

Wie können wir uns vor Gewitter schützen, insbesondere, wenn wir draußen davon überrascht werden? Zuerst gilt: Wie können wir die Gefahr eines Gewitters richtig einschätzen? Sind in der freien Natur Blitze zu sehen und Donner zu hören, müssen wir die Zeitspanne zwischen beiden Phänomenen messen. Liegt zwischen Blitz und Donner eine Spanne von 30 Sekunden, so ist das Gewitter noch zehn Kilometer entfernt. In diesen Fällen empfiehlt es sich, den Heimweg anzutreten oder anderweitig Schutz zu suchen. Zwischendurch müssen Sie noch mal zählen, um das Herannahen des Gewitters einschätzen zu können. Pro Sekunde Differenz zwischen Blitz und Donner sind es 340 Meter Abstand. Dieser Abstand ergibt sich aus der Schallgeschwindigkeit.

Buchen sollst du suchen

Wer kennt nicht noch das alte Sprichwort „Buchen sollst du suchen, bei Eichen sollst du weichen?“ Danach haben wir uns bei Gewitter früher im Freien unter die passenden Bäume gestellt, ohne zu wissen, dass das hätte tödlich enden können. Das hing damit zusammen, dass die Menschen glaubten, dass eine Eiche einen glatten Stamm hatte und der Blitz daran abgeprallt wäre. Die Buche mit ihrer unebenen Rinde hätte den Blitz aufgenommen. So viel zu früher.

Heute wissen wir es besser: Von Bäumen geht bei Gewitter immer ein Gefahr aus, da der Blitz in der freien Natur die höchste Stelle sucht. Im Wald ist das Risiko natürlich geringer als auf einem freien Feld mit einem einzelnen Baum. Das gilt auch für andere Holzmasten oder Strommasten. Schlägt der Blitz dort ein und wir befinden uns in der Nähe, können wir in einen Spannungstrichter geraten: Dieser Spannungstrichter ist geladen mit der Spannung des Blitzschlages und kann den Strom dann auf uns ableiten.

Gewitter über dem Feld

Ab auf den Boden

Es muss mit dem Teufel zugehen, wenn wir draußen von einem Gewitter erwischt werden. Mittlerweile gibt es unzählige Wetter-Apps, die davor warnen. Abgesehen davon gibt es in Deutschland kaum Landstriche, wo wir nicht nach kurzer Zeit Schutz vor einem Gewitter finden könnten. Sollte das dennoch passieren und wir werden im Freien von einem Gewitter überrascht, dann gilt Folgendes: Schutzhaltung einnehmen, in dem wir in die Hocke gehen, die Beine umklammern und den Kopf nach unten beugen. Damit ist einerseits die Angriffsfläche für einen Blitz am geringsten, andererseits leiten wir damit schlechter Strom. Würden wir beispielsweise bei einem Blitzeinschlag breitbeinig stehen, fließt der Strom vom Boden aus in das eine Bein in den Körper und über das andere Bein ab. Das löst dann Muskelverkrampfungen bis hin zum Herzstillstand aus.

Was müssen wir zu Hause bei Gewitter beachten?

In Deutschland kommt es in dem jedem Jahr zu mehreren hunderttausend Spannungsschäden an Hausrat und Gebäuden. Wer sich nicht sicher ist, ob sein Haus einen Überspannungsschutz hat, der sollte tatsächlich alle elektrischen Geräte vom Strom nehmen. Sonst kann es tatsächlich passieren, dass über die Stromversorgung eines der Geräte im Haushalt einen Stromschlag abbekommt. Das Gerät ist in der Regel hinüber. Duschen kann unter Umständen zu einem Problem bei Gewitter werden. Das ist bei älteren Häusern der Fall, wo die Wasserleitungen nicht an einen Potenzialausgleich angeschlossen sind. In älteren Häusern sind die Wasserleitungen teilweise noch aus Metall und nicht geerdet. Somit sind diese leitfähig und können beim Duschen dann zu einem Stromschlag führen, da Wasser ebenfalls leitfähig ist.

Wie können Gewitter Schäden am Haus verursachen?

Durch den Blitzeinschlag kann es an Wohngebäuden zu zwei Arten von Schäden kommen. Auf der einen Seite gibt es den zündenden Blitz. Dieser führt dazu, dass durch die Hitzeentwicklung beim Blitzeinschlag Gebäudeteile in Brand geraten. In den meisten Fällen ist davon der Dachstuhl betroffen. Daneben gibt es noch den kalten Blitzschlag. Dieser hat Schäden ohne ein Feuer zur Folge. Durch den Einschlag kommt es zur schlagartigen Erhitzung von Wasser, das in allen Gebäudeteilen vorhanden ist. Selbst im Mauerwerk oder in den Dachziegel ist ein geringer Anteil von Wasser vorhanden. Wird dieses durch den Blitzeinschlag schlagartig erhitzt, dehnt sich der Wasseranteil aus und es kommt zum Bersten von Mauerwerk oder Dachziegeln.

Die dritte Form der Schäden sind die sogenannten Überspannungsschäden. Hier kommt es zu einem schlagartigen Anstieg der Stromspannung durch einen Blitzeinschlag im Gebäude oder in der unmittelbaren Nähe. Dieser Spannungsanstieg führt dazu, dass elektrische Geräte und Installationen im Haus Schaden nehmen können. In allen Schadensfällen bieten die Gebäudeversicherung und die Hausratversicherung den passenden Versicherungsschutz.

Wie schützen Sie Ihr Haus vor einem Blitzeinschlag?

Blitzableiter

Baurechtlich sind Blitzableiter erst ab einer Gebäudehöhe von 20 Metern vorgeschrieben. Vielfach besteht der Irrglaube, dass durch Blitzableiter Blitze angezogen werden. Das ist nicht der Fall. Ein Blitzschutzsystem besteht, vereinfacht gesagt, aus einem inneren und äußeren Blitzschutz und leitet die entstehende Energie kontrolliert in die Erde ab. Baulich betrachtet gibt es drei Komponenten: Die Fangeinrichtung, die Ableitung und die Erdung. Auf dem Hausdach befindet sich die Fangeinrichtung. Diese gibt bei einem Blitzeinschlag die Energie an die Ableitungsanlage weiter. Diese ist gleichmäßig am Haus angebracht und wirkt durch die senkrecht nach unten führenden Leitungen wie ein Faradayscher Käfig. Über die Erdung wird die Energie in den Boden abgeleitet. Beim Einbau einer solchen Blitzschutzanlage sind bei einem Neubau 2.000 Euro bis 3.000 Euro zu berücksichtigen, bei einem Altbau liegen die Kosten wegen der aufwendigen Nachrüstung etwas höher.

Benötige ich für mein Haus ein Blitzschutzsystem?

Wer die Sicherheit bei einem Gewitter haben will, der sollte sich in der Tat Gedanken über ein Blitzschutzsystem machen. In jedem Jahr kommt es durch Gewitter zu zahlreichen Dachstuhlbränden bei Wohnhäusern. Darüber hinaus ist ein Blitzschutzsystem in jedem Fall sinnvoll, wenn das Haus eine weiche Bedachung aus Holz oder Reet hat. Dazu gilt: Bei vorhandener elektrischer Haustechnik empfiehlt sich ein Blitzschutzssystem in jedem Fall, da der Ausfall einer Heizungsanlage, des Rollosystems oder der Smart-Home-Steuerung hohe Kosten verursachen können. Sicher, die Versicherung zahlt dafür, aber der Ausfall ist erst gegeben. Dazu kommen noch wertvolle Unterhaltungselektronik oder EDV-Systeme, die auf einen Blitzschlag mit Datenverlust reagieren.

Baum durch Blitzeinschlag umgestürzt

Schild Sturmschaden

Nicht selten kommt es bei einem Gewitter und den damit verbundenen Blitzeinschlägen zu Schäden an Häusern durch umgestürzte Bäume. Passiert es tatsächlich, dass Sie von einem solchen Szenario betroffen sind, kommt die Gebäudeversicherung für den Schäden auf. Wichtig ist, dass Sie in dieser Situation richtig handeln. Ist der Schaden am Gebäude größer, wenn beispielsweise das Dach durchgeschlagen ist oder eine Außenwand Risse zeigt, müssen Sie das Gebäude verlassen. Zuerst besteht Einsturzgefahr einerseits durch die angeknackste Statik des Haus, andererseits kann ein Baum durch seine Spannung noch nachrutschen und den Schaden vergrößern.

Machen Sie für die Versicherung erste Fotos und alarmieren Sie die Feuerwehr. Bei einem solchen Szenario hat der umgekippte Baum bei der Feuerwehr eine deutlich höhere Priorität als ein vollgelaufener Keller oder heruntergefallene Dachziegel. Der Baum wird notdürftig vom Gebäude entfernt und der Schaden provisorisch abgedeckt. Nach Rücksprache mit der Versicherung können Dachdecker erste Maßnahmen zur Schadensminderung ergreifen. Auch wenn es schwer fällt: Warten Sie die Rückmeldung der Versicherung ab. In der Regel muss ein Gutachter rauskommen und den Schaden bewerten. Das geschieht bei einem solchen Szenario recht schnell, dass die Dachreparatur zügig erfolgen kann.

Familie im Wald

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