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Keine Pflichtversicherung bei Elementarschäden in Sachsen

Im November 2017 startete in Schleswig-Holstein eine Kampagne zur Elementarversicherung. Diese wurde von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) und Verbraucherschutzministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) vorgestellt.

Starkregen in Sachsen

Der Landtag in Sachsen hat sich am 27.09.2017 gegen eine Pflichtversicherung bei Elementarschäden ausgesprochen. Damit wurde ein entsprechender Antrag der Partei Die Linke mit den Stimmen von CDU, SPD und AfD abgelehnt.

Angedacht war, dass Hauseigentümer in Sachsen sich gegen das Risiko von Elementargefahren, insbesondere bei Überschwemmungen, versichern müssen. Die Gebäudeversicherung kommt nämlich nicht für Elementarschäden auf. Kritische Stimmen werden auch von Verbraucherschützern laut, die sich seit 2002 für eine Pflichtversicherung in Sachsen einsetzen.

Was ist eine Elementarversicherung?

In Deutschland verfügt so gut wie jedes Haus über eine Gebäudeversicherung. Damit sind Schadensszenarien wie Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Hagel abgesichert. Die Elementarversicherung hingegen ist eine Ergänzung zur Gebäudeversicherung und deckt Schäden ab, die sich durch Naturkatastrophen ereignen. Dazu gehören Erdbeben, Lawinen, Vulkanausbrüche, aber auch Überschwemmungen durch Starkregenfälle und über die Ufer tretende Gewässer. Dadurch, dass es in den letzten Jahren immer häufiger zu Schäden durch Überschwemmungen kommt, wird der Ruf nach einer Pflichtversicherung immer lauter. Es hat sich nämlich gezeigt, dass sich in den vergangenen 15 Jahren, also seit dem Elbe-Hochwasser 2002 die Quote der versicherten Häuser nur langsam gesteigert hat. Derzeit sind rund 46 Prozent aller Wohnhäuser in Sachsen gegen das Elementarschadenrisiko abgesichert.

Sind alle Häuser in Sachsen versicherbar?

Entgegen der Meinung von Verbraucherschützern bietet die Versicherung für so gut wie alle Häuser in Deutschland die Elementarversicherung an. Ausnahmen gibt es in den ZÜRS-Zonen 3 und 4. In diesen Bereichen ist ein Hochwasser alle 100 Jahre, beziehungsweise alle 10 Jahre möglich. Hier prüfen die Versicherer genau, wo sich das Haus befindet und dann muss in manchen Fällen eine individuelle Entscheidung getroffen werden. Im Endeffekt lassen sich aber 99 Prozent aller Gebäude problemlos versichern.

Massive Unterschätzung des Schadenrisikos

Wenn man mal das Jahr 2016 betrachtet, liegen die Schäden, die durch Hochwasser in Deutschland verursacht wurden, bei rund zwei Milliarden Euro. Davon entfallen allein 800 Millionen Euro auf zwei größere Unwetter, die sich im Frühjahr 2016 ereignet haben. Es geht nicht allein um vollgelaufene Keller, sondern auch darum, dass Häuser durch über die Ufer tretende Gewässer massiv unterspült werden und dadurch ein Abriss die unweigerliche Folge ist. Teilweise haben sich Bäche zu reißenden Strömen entwickelt, so dass manche Orte durch größere Schlammlawinen betroffen waren.

Der Bund unterstützt noch bei Hochwasserkatastrophen - damit ist bald Ende

In den vergangenen Jahren haben Bund und Länder für betroffene Hauseigentümer Soforthilfen ausbezahlt, wenn Schäden die Existenz bedrohten. Damit soll ab dem Jahr 2019 Schluss ein. Zuletzt haben sich die Innenminister der Länder darauf verständigt, dass es bald keine Soforthilfen mehr gibt, wenn ein betroffenes Haus versicherbar gewesen wäre. Mit anderen Worten: Hauseigentümer werden deutlich stärker in die Verantwortung genommen. Hier muss neben der Gebäudeversicherung auch die Elementarversicherung abgeschlossen werden. Das gilt übrigens auch für Schäden am Hausrat. Wird dieser durch eine Überschwemmung ruiniert, gibt es nur dann Schadensersatz, wenn neben der Hausratversicherung auch eine Elementarversicherung vorhanden ist. Dieses Bewusstsein ist auch noch nicht sonderlich weit ausgeprägt. Vor allem Mieter von Häusern oder Wohnungen müssen sich darum kümmern, dass ihr Hab und Gut im Falle eines Starkregens ausreichend abgesichert ist.

Die deutsche Versicherungswirtschaft wehrt sich gegen die Pflichtversicherung

Vor allem aus der Riege der Verbraucherschützern wurden Stimmen laut, die Elementarversicherung solle eine Pflichtversicherung für Hauseigentümer werden. Darüber wurde nun viele Monate diskutiert. Während die Politik sich in weiten Teilen zunächst für die Pflichtversicherung aussprach, kam vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Kritik auf. Durch eine Pflichtversicherung würde das Risiko allein auf die Versicherungen zurückfallen. Die Vermutung lag nahe, dass sich damit Bund und Länder auch aus der Prävention zurückziehen, wenn faktisch alle Häuser gegen Hochwasser versichert sind. Mittlerweile haben die Justizminister aller Bundesländer im Juni 2015 der Pflichtversicherung eine Absage erteilt. Die Durchsetzung sei verfassungsrechtlich und europarechtlich nicht möglich. Somit steht der Aspekt der freiwilligen Versicherung wieder im Vordergrund. Die Eigenverantwortung der Hauseigentümer bleibt bestehen.

Kommentare

Am 26.10.2018 schrieb Gustav Sucher

Hallo, bei so einem Fall zahlt sowieso keine Versicherung. Das würde für die Versicherungen nur ein Aus bedeuten. Da hilft nur zu Ahnen, dass das Haus bald unter Wasser steht und direkt das Haus zu verkaufen. Eine gute Bewertung sollte man vor dem Wasseranstieg noch bekommen. Danke für den tollen Blog Beitrag!

antworten
Am 04.07.2019 schrieb udo Wittig

@ Gustav Sucher,
bin per Zufall hier gelandet da nun auch BY sich mit dem 01.07. mit der freistaatlichen Hilfe nur im Einzelfall – gegenüber seinen Steuerzahlern verabschiedet hat.

… wenn ich meine Hütte verkaufe betrifft es den nächsten, mit der Einstellung schaffe ich keine Lösung.
der aktive Hochwasserschutz in den Gewässern 1 Ordnung wär für den Freistaat Sachsen eine schöne aktive Geschichte und nun noch ein bissel 2019 in der 2. Ordnung die neben Flüsse, die Ursachen des ganzen werden aber ignoriert und hier wird der betroffene alleine gelasen – Oberflächenversiegelung ohne ENDE !, auf dem Land keine Heckenanpflanzungen Schlam und Mutterboden werden von den Feldern gewaschen immer schön vom Berg zum Tal pflügen und die Hufendörfer ersaufen.
wenn man die Ursachen nicht bekämpft und vernünftig miteinander arbeitet geht die Last zu Händen der Versichertengemeinschaft bis der einzelne nach dem zweiten Schaden die Kündigung erhält. … von steigenden Prämien abgesehen.

und Bitte, jetzt komme mir keine mit dem Klimawandel und CO2 … 30 Jahre Wetter hatten wir schon immer,

Am 05.07.2019 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Udo,

es ist vollkommen richtig, dass es auch in der Vergangenheit zu solchen Überschwemmungen gekommen ist. Der Klimawandel kann ja nicht an allem Schuld sein. Aus meiner Sicht wäre eine Pflichtversicherung wenig sinnvoll, da sich ansonsten der Staat nämlich aus dem Hochwasserschutz schleichend zurückzieht. Es ist vielmehr wichtig, dass bauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz angestrebt werden. Unsere Nachbarn, die Niederländer, haben es hier vorgemacht: Beim Weihnachtshochwasser 1993 und beim Januar Hochwasser 1995 an der Maas sind viele kleine Dörfer und Städte betroffen gewesen.

In der Folge kam es zu erheblichen baulichen Anstrengungen: Weitläufige Gebiete wurden derart umgestaltet, dass diese eine große Mengen an Überlaufwasser aufnehmen können. Dazu findet dort weniger Flächenversiegelung statt, damit bei Starkregen das Wasser besser versickern oder abfließen kann. Seitdem ist dort die Hochwassersituation weitaus weniger problematisch als bei uns.

Was bedeutet das für Deutschland? Die Politik muss die Weichen dafür stellen, dass entlang von Flussgebieten ausreichend Auffangzonen vorhanden sind. Dazu gehört auch, dass die Kommunen der Versiegelung von öffentlichen Flächen und auch auch privaten Flächen entgegenwirken. Letztendlich ist jeder Steingarten im Vorgarten eine neue versiegelte Fläche, über die Regenwasser nur ungenügend abfließen kann.

Die Stadt Kopenhagen geht hier auch einen interessanten Weg, in dem Flachdächer begrünt werden. Das bietet zusätzliche Auffängfläche für Regenwasser. Dieses gelangt nicht so schnell in das Fallrohr und damit in das Kanalnetz. Stattdessen kann das in das Grün eingesickerte Regenwasser vor allem im Sommer eher verdunsten als abfließen.

So gesehen gibt es genug Möglichkeiten, dem Problem Herr zu werden. Es muss einfach mal was gemacht werden.

Schöne Grüße

Manfred vom vergleichen-und-sparen.de-Team

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