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Wenn der Rückstau nach einem Starkregen nicht versichert ist

Überschwemmung

Mittlerweile plagen uns in jedem Jahr im Frühling oder Sommer Starkregenfälle, die regional für größere Schäden sorgen. Viele Häuser sind lokal davon betroffen, wenn die Wassermassen nach einem Starkregen nicht mehr abfließen können und dadurch in den Keller hineinfließen oder sogar durch das Mauerwerk eindringen. Zuletzt hat das Tief Alfred die Altstadt von Goslar stark getroffen. Tausende Haushalte waren von dem Unwetter betroffen, glücklicherweise hielten sich die versicherten Schäden in Grenzen. Was passiert, wenn Regenwasser durch einen Rückstau ins Gebäude eindringt? Besteht in solchen Fällen Versicherungsschutz?

Was ist ein Rückstau?

Von einem Rückstau ist die Rede, wenn zum Beispiel Regenwasser durch das Rohrleitungssystem zurück in das Haus gedrängt wird. In solchen Fällen kommt es über Wasserabläufe im Keller oder auch über Abflüsse sanitärer Anlagen wieder ins Gebäude. Für solche Fälle werden mittlerweile vielfach Rückstauklappen gerade in Kellerräumen verbaut. Diese sollen verhindern, dass Wasser über das Rohrleitungssystem wieder ins Gebäude eindringt. Kann das Rohrleitungssystem hingegen abfließendes Regenwasser nicht aufnehmen, ist das kein versicherter Schaden. Einen solchen Fall musste vor kurzem das Oberlandesgericht Hamm entscheiden.

Regenwasser konnte von Fallrohren nicht aufgenommen werden

Eine Dachterrasse nach einem Starkregenfall: Die Wassermengen konnten durch die vorhandenen Regenfallrohre nicht mehr bewältigt werden. Das Regenwasser staute sich auf der Dachterrasse und drang dabei in das Haus selber ein. Zunächst hatte die Hauseigentümerin mit ihrer Klage gegen ihre Elementarversicherung vor dem Landgericht Bochum Recht bekommen: Die Versicherung sollte bezahlen. Das Oberlandesgericht Hamm jedoch entschied gegen die Hauseigentümerin. Die Richter sahen hier keinen versicherten Elementarschaden. Grund dafür war, dass das Regenwasser nicht durch das Ableitungssystem wieder hochgedrückt wurde, sondern nicht abfließen konnte. Hier handelte es sich um einen nicht versicherten Schaden. Die Berufungsklage wurde als unbegründet verworfen, worauf die Geschädigte diese zurückzog.

Was ist bei Rückstau zu beachten?

Es mag zwar etwas merkwürdig anmuten: Wer in seinem Haus keine Rückstauklappe hat, der ist im Schadensfall auch gegen eindringendes Wasser versichert. Ist hingegen eine Rückstauklappe verbaut, muss diese auch funktionstüchtig sein, ansonsten gibt es im Schadensfall kein Geld von der Versicherung. Generell gilt: Gegen Rückstau bietet nur die Elementarversicherung Schutz. Ein Rückstau liegt dann vor, wenn Wasser durch über die Ufer tretende Gewässer und durch Witterungsniederschläge aus den gebäudeeigenen Ableitungsrohren und den damit verbundenen Einrichtungen wieder ins Haus dringt.

Ein überschwemmter Lichtschacht ist kein Elementarschaden

Mittlerweile müssen sich die Gerichte in Deutschland häufig mit dem Thema Elementarversicherung befassen. Dabei legen die Gerichte in manchen Fällen die Rechtsprechung eng an den Bedingungen zur Elementarversicherung aus. So ist ein von Regenwasser überschwemmter Lichtschacht eines Kellers noch kein Elementarschaden, wenn hierrüber durch ein Fenster Wasser ins Haus eindringt. In dem konkreten Fall fehlte es an der Überschwemmung des Grundstückes selber. Das Wasser hatte sich mangels Abflussmöglichkeit lediglich in dem Lichtschacht gesammelt. Ein Ablauf war hier nicht vorhanden, der einen solchen Schaden hätte vermeiden können.

Naturgefahren werden in den nächsten Jahren zunehmen

Der Klimawandel, so belegen es Forscher, hat einen großen Anteil an den immer häufiger auftretenden Schäden. Seit 1980 wurde ein deutlicher Anstieg von wetterbedingten Schadensereignissen gemessen. Hier geht es im Bereich der Elementarversicherung vor allem um die Starkregenfälle. Hingegen sind bei den Elementargefahren wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder auch Lawinen in Europa keine vergleichbaren Veränderungen zu verzeichnen.

Vielfach sind Hochwasserereignisse an Flüssen in den letzten Jahren zurückgegangen, bedingt durch den verbesserten Hochwasserschutz. Was aber eben in den letzten Jahren immer häufiger auftritt, sind Starkregenfälle. Vor diesen ist, lokal betrachtet, auch kein Schutz möglich. Es besteht einzig und allein die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Elementarversicherung parallel zur Hausratversicherung und Gebäudeversicherung finanziell vor den Folgen zu schützen. Allerdings ist immer noch eine Vielzahl von Gebäuden in Deutschland nicht ausreichend versichert. So wie in Goslar: In Niedersachen sind nur knapp 20 Prozent aller Haushalte gegen Naturgefahren mit einer Elementarversicherung geschützt. Es ist also wichtig, hier Vorsorge zu betreiben.

Übrigens: Wer auf seiner Dachterrasse einen Regenabfluss hat, sollte diesen regelmäßig überprüfen und vor allem von Schmutz oder Laub befreien. Wenn dadurch das aufgestaute Wasser auf der Dachfläche nicht mehr abfließen kann, ist der Schaden eigentlich schon vorprogrammiert.