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Warum ist die Pflicht zur Elementarversicherung ein falscher Ansatz?

Straße nach dem Starkregen

Regelmäßig werden Städte und Gemeinden in Deutschland vor allem im Frühjahr oder Herbst von schweren Unwettern getroffen. Die Folge:

Durch Starkregenfälle und über die Ufer tretende Gewässer kommt es großflächig zu Gebäudeschäden. In vielen Fällen sind die Hauseigentümer nicht ausreichend abgesichert und müssen zusehen, wie sie den Schaden aus eigener Tasche bezahlen. Jedes Unwetterereignis löst erneute Rufe nach der Pflicht zur Elementarversicherung aus. Sinn macht das aber nicht wirklich.

Pflichtversicherung statt Prävention?

Wenn die Elementarversicherung eine Pflichtversicherung ist, hat quasi jedes Haus in Deutschland gegen das Risiko von Überschwemmungen Versicherungsschutz. So weit, so gut. Nur – es hapert in vielen Fällen nicht am möglichen Versicherungsschutz, sondern an den Maßnahmen zur Prävention. Da sind Bäche kanalisiert und Freiflächen versiegelt. Geplante Regenrückhaltebecken zugunsten von Bebauung wieder gestrichen. Kanäle und Straßengullys sind regelmäßig mit Unrat und Laub verstopft, so dass eine Entwässerung von Straßenzügen nicht richtig funktioniert. Bund, Länder und Kommunen müssen also im Vorfeld erst einmal Maßnahmen treffen, die dazu dienen größeren Schadenszenarien zu vermeiden.

Elementarversicherung: Anzahl der versicherten Häuser steigt kräftig an

Das Elbe-Hochwasser im Jahr 2002 hat sicherlich bei vielen Hauseigentümern zu einem Umdenken geführt. Waren bis zu diesem Zeitpunkt lediglich 19 Prozent aller Wohngebäude in Deutschland mit einer Elementarversicherung geschützt, so waren es im Jahr 2017 bereits 40 Prozent. Diverse Schadenereignisse wie das Juni-Hochwasser im Jahr 2013 haben den Hauseigentümern bewusst gemacht, dass es nicht ohne eigenen Versicherungsschutz geht. Dazu ist belegbar, dass mehr als 99 Prozent aller Häuser in Deutschland versicherbar sind. Es muss also keine Pflichtversicherung her, sondern das Bewusstsein für die Elementarversicherung muss geschärft werden. Verschiedene Bundesländer, zuletzt Schleswig-Holstein, setzen auf Kampagnen, um die Risiken ihren Bürgern näher zu bringen.

Der Blick ins Ausland zeigt - Pflichtversicherung funktioniert nicht überall

In England ist es eher der Politik zuzuschreiben, dass das Modell der Pflichtversicherung immer höhere Kosten für die Hauseigentümer aufwirft. Die Versicherungswirtschaft hat sich dazu verpflichtet, jeden Hauseigentümer zu versichern. Die Politik sollte sich im Gegenzug um die Präventionsmaßnahmen kümmern. Diese blieben jedoch aus, die Unwetterereignisse sind wie gewohnt eingetreten. Dadurch wurde eine Spirale aus stetig ansteigenden Schäden und Beiträge in Gang gesetzt. Ende offen. Bei den Schweizern hat die Versicherungswirtschaft die Höchstsumme je Schadensereignis auf ein Milliarde Euro gedeckelt. Das bedeutet im Umkehrschluss: Bei einem Elementarschaden bleiben die Hauseigentümer allesamt auf einen Teil des Schadens sitzen, sobald diese Summe überschritte wird. Also gibt es hier auch keinen vollständigen Schutz durch die Pflichtversicherung.

Wie ist eine Pflichtversicherung vom Recht her einzuordnen?

Bereits im Jahr 2014 hat sich das EU-Parlament gegen die Einführung einer Pflichtversicherung ausgesprochen. Die Politiker in Brüssel vertreten die Ansicht, dass im Vorfeld die wirtschaftlichen Folgen einer Naturkatastrophe geringer gehalten werden müssen, anstatt im Nachhinein massiv Schäden zu regulieren. Letztendlich ist für so gut wie alle Hauseigentümer das Angebot vorhanden. Dazu kann es nicht sein, dass Haueigentümer für die mangelhafte Prävention aufkommen soll. Vielmehr ist es sinnvoll, aus den Mitteln von Bund und Ländern den Hochwasserschutz zu betrieben. Das ist allemal sinnvoller, als nach einem Unwetterereignis wieder Milliarden mit der Gießkanne an Betroffene zu verteilen, die sich ohne weiteres in der Vergangenheit versichern können.

Das Bewusstsein der Bürger muss geschärft werden

Hier sind Versicherer, Bund und Länder gemeinsam gefordert: Durch verschiedene Kampagnen in den einzelnen Bundesländern ist ein Erfolg zu sehen: Im Bundesland Bayern wurde im Jahr 2009 mit einer Aufklärungskampagne begonnen, mittlerweile ist die Zahl der gegen Elementarschäden versicherten Häuser von 16 auf 29 Prozent gestiegen. Allerdings ist hier noch deutlich Luft nach oben. Zuletzt hat in Schleswig-Holsteine eine solche Kampagne begonnen. Das Land zwischen den Meeren hat nämlich mit die geringste Dichte an versicherten Objekten. Vielen Bürgen ist noch nicht bewusst, dass eine Überschwemmung nicht durch über die Ufer tretende Gewässer ausgelöst wird. Starkregenfälle tun ihr Übriges, um Überschwemmungen auch dort auszulösen, wo es keine Fließgewässer gibt. Auch hier ist noch viel Aufklärung notwendig.

Fazit: Eine Pflichtversicherung ist nicht sinnvoll

Jeder Hauseigentümer zahlt für sein persönliches Risiko. So sieht es momentan aus und so soll es auch bleiben. Wer in schönster Lage mit Flussblick baut, muss eben höhere Kosten für seine Versicherungsschutz aufwenden als der Hauseigentümer, dessen Grund und Boden quasi das ganze Jahr trocken bleibt. Eine Pflichtversicherung trägt nicht dazu bei, dass die Schäden weniger werden. Hier sind eher Ansätze durch die Politik gefragt. Nebenbei: In den nächsten Jahren sind von Bund und Ländern kaum noch Soforthilfen zu erwarten, wenn es wieder zu einer Überschwemmung kommt. Das Versicherungsangebot ist ausreichend vorhanden. Es müssen daher keine Steuergelder für Hauseigentümer ausgegeben werden, die am falschen Ende sparen und sich bewusst gegen die Elementarversicherung entscheiden. Fest steht: Wer sich nicht versichern kann, etwa wegen der Lage des Hauses oder weil das Angebot in bezahlbar ist, der kann auch weiter mit staatlicher Unterstützung rechnen.

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