Hufpflege beim Pferd – Unsere Tipps und Tricks für den gesunden Huf

Pflege der Pferdehufe

Die richtige Pflege der Pferdehufe gehört zu den wichtigsten Dingen bei der Pferdehaltung. Es gibt im Englischen die Redewendung „no hoof – no horse“, das bedeutet frei übersetzt „Ohne Huf kein Pferd“. Besser kann der Spruch nicht auf den Punkt kommen, denn gerade Pferde sind für das Laufen geschaffen.

Ein Huf, der schmerzt oder sich nicht mehr richtig zum Laufen nutzen lässt, kommt da einer Katastrophe gleich und das Pferd verliert seinen Daseinszweck.

Sie haben mit Sicherheit auch einmal in Ihrem Leben den berühmten Stein im Schuh gehabt und können bezeugen, dass damit ordentliches Laufen in der Regel nicht mehr möglich ist. Um Ihrem Pferd dieses Schicksal zu ersparen, geben wir Ihnen Pflegetipps für die Hufe an die Hand und erläutern dazu die häufigsten Huferkrankungen.

Bitte beachten Sie: Unser Ratgeber ersetzt nicht den Tierarzt! Erkennen Sie Anzeichen für Krankheiten oder ungewöhnliches Verhalten bei Ihrem Pferd, ziehen Sie bitte immer einen Hufbearbeiter oder Tierarzt zu Rate! Daher unser Tipp für Pferdebesitzer:
Pferde auf einer Weide

Saubere Hufe beugen nicht nur Huferkrankungen vor, sie bedeuten eine grundlegende Gesundheitsvorsorge für den Vierbeiner. Sie als Pferdehalter können durchaus selber ein Stück weit dafür Sorge tragen. Wir listen zunächst die wichtigsten Punkte dieses Themas kurz auf, Details klären wir im weiteren Verlauf.

Tägliche Routine ist ein Muss – Beschlagen oder barhuf
Für einen gesunden Huf ist die tägliche Pflege unerlässlich. Diese sollte sich sowohl auf Unter- als auch auf die Außenseite des Hufs konzentrieren. Besonders wichtig ist die Reinigung des Strahls in den Hufen, der sehr elastisch ist. Die Fachwelt spricht dabei von den vier zusätzlichen Herzen des Pferdes.

Bei der Fortbewegung sorgen elastische und gut durchblutete Elemente in den Hufen für eine zusätzliche Pumpwirkung im Blutkreislauf. Das unterstützt das Herz enorm. Erkrankungen am Strahl (wie z. B. die Strahlfäule) bedeuten dann für ein Pferd eine starke gesundheitliche Einschränkung bis hin zur Lahmheit.

Orientieren Sie sich daher an unseren Tipps zur Hufpflege und unterstützen Sie effektiv die Gesundheit Ihres Vierbeiners:

  • Säubern Sie täglich die Hufe. Schmutz und Steinchen dürfen erst gar keine Möglichkeit haben, sich eintreten zu können.
  • Überprüfen Sie täglich die Hufe und Beine des Pferdes auf Wunden, Risse, Druckstellen oder andere Verletzungen. Sollten Sie etwas entdecken und unsicher sein, ziehen Sie in jedem Fall professionelle Hilfe hinzu (Hufschmied/Tierarzt)!
  • 4-6, manchmal auch 8 Wochen gelten als ungefähre Richtlinie für das Trimmen/Abraspeln/Ausschneiden der Hufe. Beobachten Sie die Hufe Ihres Tieres in dem Zeitraum und sprechen Sie mit einem Hufbearbeiter, denn das Wachstum der Hufe hängt von Faktoren wie Jahreszeit, Alter des Pferdes usw. ab.
  • Sie können auch eigenhändig raspeln und ausschneiden, lassen Sie sich aber bitte vorher immer von Fachpersonal zeigen, wie es richtig gemacht wird.
  • Ernährung ist sehr wichtig für gesunde Hufe. Die richtige Futterzusammenstellung kann gewährleisten, dass den Hufen genügend Vitamine und Mineralstoffe zugeführt werden und sie gesund bleiben.
  • Besonders die Pferdebox muss täglich gereinigt und ausgemistet werden. Steht das Pferd zu lange in Urin und Mist, werden die Hufe von Bakterien sowie Nässe und Ammoniak angegriffen und es kommt zu verschiedenen Erkrankungen, wie z. B. der Strahlfäule.
  • Steht das Pferd in einem Paddock, sollten Sie hier täglich die Hinterlassenschaften der Pferde einsammeln (abäppeln).
  • Sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Hufschmied oder Tierarzt. Gute Fachleute helfen Ihnen gerne bei Ihrem Lernprozess in der Hufpflege.

Pferdehuf Unterseite

Hufe täglich reinigen und auskratzen – ob mit oder ohne Beschlag

 

Ob Sie Ihr Pferd mit Eisen haben beschlagen lassen oder es barhuf (also ohne Eisenbeschlag) halten, macht kaum Unterschiede in der Hufpflege. Im Vorfeld sollten Sie immer griffbereit haben:

  • einen Hufkratzer,
  • milde Seife im Eimer mit Wasser aufgelöst (wenn die Verschmutzungen sehr stark sind),
  • eine Hufzange und eine feine Drahtbürste/Wurzelbürste.

All dies bekommen Sie in jedem Pferdefachhandel.

Hufe ohne Beschlag reinigen und überprüfen

 

Es gilt der Grundsatz: Mindestens einmal täglich müssen die Hufe gereinigt werden. Planen Sie einen Ausritt, sollten Sie die Hufe vor und nach dem Ritt reinigen und begutachten.

Und so gehen Sie vor:

  1. Stellen Sie sich seitlich vom Pferd mit sicherem Stand auf und heben Sie mit Gefühl das Bein des Tieres an. So können Sie den Huf von unten betrachten und gehen sicher, dass ein eventueller Tritt nach Möglichkeit nicht Sie trifft.
  2. Betrachten Sie zunächst den Huf von den Seiten und prüfen Sie, ob sich Verletzungen oder Risse im Bein oder im Horn des Hufs erkennen lassen. Ist das nicht der Fall, sollten Sie immer einen Fachmann (Hufschmied/Tierarzt) zu Rate ziehen!
  3. Legen Sie das untere Bein des Pferdes auf Ihrem angewinkelten Oberschenkel ab oder heben Sie es nur an.
  4. Mit dem Hufkratzer entfernen Sie nun aus seitlicher und mittlerer Strahlfurche den groben Dreck und Steine. Hier ist Gründlichkeit sehr wichtig!
  5. Säubern Sie die Tragwand und schauen Sie, ob sich Steinchen in der daneben liegenden weißen Linie befinden. Das ist besonders wichtig, da sich wegen der Steinchen schnell Geschwüre bilden können.
  6. Hartnäckigen und feinen Schmutz entfernen Sie am besten, indem Sie den Huf mit der Drahtbürste/Wurzelbürste/Hufkratzer mit Bürste reinigen. So wird alles schön sauber und Sie haben einen freien Blick auf die Unterseite der Hufe. Zudem regt das die Durchblutung im Huf an und die Bürstenmassage gefällt auch dem Pferd. Sitzt der Schmutz sehr fest, kann Seifenwasser ihn zusätzlich lösen.

Hufe mit Eisenbeschlag reinigen und überprüfen

 

Wichtig ist, dass Sie täglich reinigen, wenn die Hufe beschuht sind. Bei einem Ausritt bitte auch vorher und nachher reinigen und begutachten, ob die Eisen noch richtig fest sitzen.
So gehen Sie vor:

  1. Positionieren Sie sich seitlich vom Pferd, um bei einem eventuellen Austreten nicht im direkten Trittbereich zu stehen. Heben Sie mit festem Stand sanft das Bein des Tieres an und stützen Sie es auf Ihrem Oberschenkel ab.
  2. Schauen Sie sich zunächst die Außenseiten der Hufe an. Sind Verletzungen, Risse oder vielleicht ausgebrochene Nägel vom Beschlag sichtbar? In dem Fall bitte schnellstens einen Hufschmied oder Tierarzt benachrichtigen.
  3. Falls möglich, überstehende Nägel mit der Zange herausziehen. Aber achten Sie bitte peinlich genau darauf, dass Sie den Huf nicht weiter schädigen. Lässt sich ein Nagel nicht schadenfrei entfernen, warten Sie auf den Hufschmied.
  4. Mit dem Hufkratzer entfernen Sie Schmutz und Steine aus mittlerer und seitlicher Strahlfurche. Unser Tipp: Nehmen Sie sich Zeit, gründlich zu sein ist sehr wichtig!
  5. Festsitzender Schmutz lässt sich am besten mit der feinen Drahtbürste/Wurzelbürste/Hufkratzer mit Bürste entfernen. So schön sauber lassen sich die Hufe am besten begutachten. Seifenwasser kann helfen, wenn sich Schmutz zu stark an den Huf geheftet hat.

Hufe richtig pflegen

 

Sollten Sie feststellen, dass die Hufe Ihres Tieres zu Trockenheit neigen und spröde wirken, können Sie Abhilfe schaffen. Sprechen Sie auch hier bitte immer im Vorfeld mit einem Hufbearbeiter. Es gibt spezielle Huflotionen mit Lanolin (Wollwachs) oder Aloe Vera, diese erhalten Sie im Fachhandel.

Sollten Sie diese gerade nicht griffbereit haben, können Sie die Hufe auch mit Wasser anfeuchten und im Anschluss Huffett auf die Seiten auftragen. Fetten Sie den Huf allerdings nicht zu häufig, weil sonst auf Dauer zu wenig Feuchtigkeit eindringen kann.

Wie es funktioniert: Das Fett verhindert, dass das Wasser wieder verdunsten kann. Achten Sie aber darauf, dass der Huf nicht zu feucht ist. Je mehr Feuchtigkeit im Huf ist, desto weicher wird das Horn. Die Folge ist, dass das Pferd wegen des zu weichen Hufhorns falsch auftritt. Das kann zu einer Überlastung der Sehnen im Huf führen und Folgeerkrankungen nach sich ziehen.

Beachten Sie bitte, dass Huffett niemals auf einen trockenen Huf aufgetragen werden sollte. Das Fett verhindert nämlich auch umgekehrt das Eindringen von Feuchtigkeit in das Horn des Hufs, woraufhin dieses noch mehr austrocknet und spröder wird.

Häufige Huferkrankungen beim Pferd

 

Die drei häufigsten Huferkrankungen haben wir für Sie einmal näher betrachtet. Bitte beachten Sie: Unser Ratgeber ersetzt nicht den Tierarzt. Im Zweifel wenden Sie sich bitte immer an die entsprechenden Fachleute!

Die Hufrehe (Laminitis)

 

Der Begriff Hufrehe bezeichnet eine Entzündung der Klauenlederhaut im Huf des Pferdes. Hier löst sich die Hufkapsel von der Lederhaut des Hufs und das führt dann zu Lahmheit. Wird die Erkrankung nicht behandelt und daher chronisch, kann sich eine Entzündung bilden und sich der Huf ablösen oder sich das Hufbein senken. Beide Formen der Erkrankung sind immer äußerst schmerzhaft für das Pferd.

Die Hufrehe kann sich aus verschiedenen Gründen entwickeln. Ein Auslöser kann eine zu lange Belastung des Hufs sein. Das nennt der Fachmann dann „Marschrehe“. Die häufigste Form dieser Erkrankung entsteht jedoch durch falsche Fütterung und wird daher „Futterrehe“ genannt.

Vermutlich liegt es in der Natur der Ernährung der Tiere, hier ist sich die Fachwelt noch nicht ganz einig. Eine Theorie behandelt folgende Vermutungen für die Erkrankung:
Pferde sind es von Natur aus gewohnt, über den Großteil des Tages verteilt sehr oft, aber jedes Mal nur relativ wenig Nahrung zu sich zu nehmen. Wenn Pferde in freier Wildbahn leben, ziehen sie den ganzen Tag umher und machen immer nur kurz Halt zum Fressen. Dieses Fressverhalten legen Sie auch in menschlicher Haltung nicht ab.

Nimmt das Pferd nun aber im Stall oder auf der Weide zu viel Heu oder Getreide auf einmal auf, kommt es durch die große Menge kohlenhydrathaltiger Ernährung zu einer Übersäuerung des Organismus.

Das stört das Hufwachstum und führt zu der gefürchteten Hufrehe. Sprechen Sie daher am besten immer mit dem Tierarzt Ihres Vertrauens, welche Fütterungsmethoden für Ihr Pferd von Beginn an am besten geeignet sind.

Sie erkennen die Hufrehe daran, dass das Pferd die Hufe außergewöhnlich weit nach vorne streckt und eher den Ballen- oder Trachtenbereich der Hufe belastet, weil das weniger schmerzhaft ist. Lassen Sie Ihr Pferd regelmäßig von einem Hufschmied oder Tierarzt begutachten, brauchen Sie vor dieser Huferkrankung keine Angst zu haben.

Die Strahlfäule

 

Gefürchtet und sehr unangenehm für Pferd und Halter ist die Strahlfäule, auch als Huffäule bekannt. Hierbei wird durch Fäulnisbakterien das Strahlhorn des Pferdehufs zersetzt. Diese Erkrankung entsteht durch zwei Gründe:

  1. Eine länger nicht ausgemistete Pferdebox.
  2. Der Huf wird lange nicht von Schmutz und Mist gereinigt.

Wie es zu der Erkrankung kommt, ist schnell erklärt. Der Pferdemist, der sich in den Strahlfurchen festgetreten hat, enthält eine Vielzahl an Fäulnisbakterien aus dem Pferdedarm. Wird diese Verschmutzung nicht entfernt, gehen die Bakterien ungestört ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Sie ernähren sich von allem, was ihnen Energie liefert. In diesem Fall wird also kurzerhand der Strahl im Huf zersetzt.

Woran Sie Strahlfäule erkennen? Sie reinigen den Huf mit einem Hufkratzer und plötzlich kommt Ihnen eine schwarze, widerlich stinkende und zählflüssige Masse aus dem Hufstrahl entgegen. Jetzt heißt es:

Tierarzt benachrichtigen! Diese Erkrankung kann schwerwiegende Folgen für den Huf und das Pferd haben, denn Folgeerkrankungen und Lahmheit drohen. Das Schlimmste daran ist, dass das Pferd dabei Schmerzen erleidet.

Achtung: Entgegen einiger Meinungen ist das Einpinseln des Hufs mit Huffett oder Hufteer bei Strahlfäule dringend zu unterlassen! Die Bakterien werden mit den Mitteln luftdicht eingeschlossen und können sich nun erst recht richtig gut vermehren.

Hornspalten

 

Wer bereits einen tiefer eingerissenen Fingernagel hatte, bekommt eine Ahnung von dem, was Hornspalten für ein Pferd bedeuten. Leider sind diese wesentlich schlimmer und schmerzhafter. Die Ursachen können vielfältig sein:

Schlechte Hufpflege, schlechte Hornqualität (auch wegen schlechter Ernährung), Überlastung des Hufs, Missbildungen oder Infektionen der Huflederhaut sind die wohl häufigsten Auslöser dieser Erkrankung.

Was zunächst meist mit kleinen und dünnen Rissen (so genannten Windrissen) im Huf beginnt, kann sich auf längere Zeit zu schmerzenden Spaltungen ausweiten. Dadurch, dass Horn nicht wieder zusammenwachsen kann, müssen Sie bei dieser Erkrankung unbedingt Maßnahmen ergreifen und einen Tierarzt oder Hufbearbeiter zu Rate ziehen.

In der Fachwelt unterscheidet man drei Arten der Hornspalten:

Spalten im Huf

  1. Tragrandspalt: Bei der häufigsten Form der Hornspalten reißt das Horn am Tragrand ein und weitet sich im Laufe der Zeit über die gesamte Höhe der Hufwand aus. Unbehandelt wird daraus ein durchlaufender Hornspalt (siehe Punkt 3).
  2. Kronrandspalt: Wenn die Hufwand zu starken Spannungen ausgesetzt ist, kann sie sich aufspalten. Oft kommt es am und im Kronrand zu Blutungen, weil durch die Reibung des Horns die Huflederhaut verletzt wird. Nun sollte eine Behandlung zügig erfolgen, da sich sonst eine chronische und irreversible Hornspalte entwickeln kann.
  3. Durchlaufender/Durchgehender Hornspalt: Der Kronrandspalt oder der Tragrandspalt sind zu spät oder gar nicht behandelt worden. Die Hufwand ist nun komplett gespalten, vom Kronsaum bis zum Boden.

Pferd auf der Weide

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