Schmarotzer auf dem Fell – so schützen Sie Ihr Pferd

Pony auf der Weide

Dass Pferde in ihrem Fell zahlreiche Mitbewohner wie Parasiten oder Milben beherbergen, ist eigentlich eine völlig normale Sache. Sie sind vom Wesen her Steppentiere und daran gewöhnt, dass ständig irgendwelche Kleinstwesen sich auf ihrem Körper niederlassen.

Es macht auch wirklich nicht viel Sinn, jeden Neuankömmling auf dem Fell direkt mit dem Pferdeschweif zu verscheuchen – die kommen eh wieder. Problematisch ist die Situation aber dann, wenn Ihr Pferd beginnt, sich zu scheuern. Dann nehmen die ungebetenen Fellbewohner Überhand und es kann zu Hautverletzungen oder Infektionen kommen. Wer sind die größten Nervensägen für Ihr Pferd?

Zecken

Diese lästigen Biester gehören zu den Spinnentieren und ernähren sich gerne von Blut. Sie nisten sich bevorzugt dort ein, wo sie gut geschützt sind jeglichen Versuchen, sie mit dem Huf oder dem Schweif zu vertreiben. Das ist vorwiegend im Bereich der Augen, an den Beinen, der Brust oder an den Nüstern der Fall.

Warnschild vor Zecken in einem Busch

Zu Beginn des Befalls sind die Zecken noch sehr klein, etwa so groß wie ein Stecknadelkopf. Sie sitzen im Gras, warten auf das Pferd, setzen sich auf die Hautoberfläche und wandern dann dort hin, wo sie geschützt Blut saugen können. Dazu sondern sie mit ihrem Speichel eine Art Lokalanästhesie ab, damit der Stich unbemerkt bleibt. Gleichzeitig gelangt mit dem Stich Speichel in die Wunde, über den sich Bakterien ausbreiten können.

Welche Folgen hat der Zeckenstich für Pferde?

Durch den Stich einer Zecke kommt es zur Übertragung von zahlreichen Infektionskrankheiten. Dazu gehören die Borreliose, die Ehrlichiose und die Piroplasmose. Bei der Borreliose sind die Symptome zunächst noch nicht sichtbar. Den Erreger sondert die Zecke erst rund 24 Stunden nach dem Biss ab. Es kann dann zu Lähmungserscheinungen an den Beinen kommen, die phasenweise auftritt.

Die Ehrlichiose überträgt die Zecke direkt beim Einstich. Dadurch übertragen sie unmittelbar Krankheitserreger, die Apathie, hohes Fieber und Blutungen an den Schleimhäuten auslösen. Problem dabei ist: Diese Symptome gehören zu vielen anderen Krankheitsbildern. Es ist also sinnvoll, wenn der Tierarzt bei den Blutungen an den Schleimhäuten einen Abstrich nimmt, da die Erreger unter dem Mikroskop sichtbar sind.

Unser Tipp: Sofern Sie über eine Pferdekrankenversicherung verfügen, übernimmt diese die Kosten der tieärztlichen Versorgung

Kommt es zum Befall durch die Piroplasmose, nisten sich die Krankheitserreger direkt in die roten Blutkörperchen ein und zersetzen diese. Die Übertragung erfolgt erst nach zwei bis fünf Tage und die Symptome dafür treten erst nach zwei bis vier Wochen auf. Bis dahin hat sich die Zecke schon längst im vollgesaugten Zustand wieder vom Pferd abfallen lassen.

Wie schützen Sie Ihr Pferd vor Zeckenstichen?

So mühsam es auch ist: Suchen Sie Ihr Pferd regelmäßig nach den lästigen Biestern ab. Vor allem die Bereiche, in denen die Zecke ungestört saugen kann, müssen Sie dabei im Auge behalten. Je länger die Zecke das Blut saugt, desto größer ist die Gefahr, dass Ihr Pferd Krankheitserreger aufnimmt. Diese können sich zwar überall am Körper des Pferdes festsaugen, bevorzugen aber in der Regel Körperregionen, die dünnhäutig sind. Also, Zecken so schnell wie möglich entfernen. Zum Schutz Ihres Pferdes können Sie bei Ausritten hochstehende Wiesen, insbesondere an Bächen, Teichen oder Seen vermeiden. Zecken lieben die Feuchtigkeit und sind dort besonders häufig anzutreffen. Bleiben Sie mit Ihrem Pferd bei Ausritten auf den gekennzeichneten Wegen, dort sind Sie aufgrund der Trockenheit und des kargen Bewuchses deutlich seltener anzutreffen.

Haarlinge

Die Haarlinge gehören zur der Gattung der Tierläuse. Anders als Zecken ernähren sie sich aber nicht von Blut, sondern von Hautschuppen oder Drüsensekreten. Sie bevorzugen vor allem Pferde in Lauf- und Offenställen: Die Haarlinge sind sehr wählerisch bei der Auswahl des Pferdes und können gerade in Stallungen schnell mal das Wirtstier wechseln.

Drei Pferde auf der Weide

Wie wirkt sich der Befall von Haarlingen beim Pferd aus?

Die lästigen Läuse können Sie mit dem bloßen Auge erkennen. Als weiße Punkte kleben sie an den Haaren des Pferdes, sie sind im ausgewachsenen Zustand etwa anderthalb Millimeter groß und befinden sich vor allem am Kopf, Hals oder am Schweifansatz des Pferdes. Dort legen sie ihre Eier ab, teilweise bis zu 100 Stück. Das wirkt dann beim bloßen Hinsehen so, als wenn sich ganze Hautschuppen auf der Hautoberfläche des Pferdes hin und her bewegen. Die Haarlinge lösen mit ihren Beißzangen Hautschuppen ab und lösen dadurch einen extremen Juckreiz aus. Ist das Pferd von einer ganzen Horde befallen, so versucht es sich überall zu scheuern. Das wiederum führt zu massiven Schürfverletzungen an der Hautoberfläche. Im Gegensatz zu Milben oder anderen lästigen Parasiten können Haarlinge den ganzen Körper des Pferdes in Beschlag nehmen.

Wie schützen Sie Ihr Pferd vor Haarlingen?

Es gibt auf dem Markt mittlerweile verschiedene Präparate, die zur äußerlichen Anwendung zugelassen sind. Eine Anwendung allein reicht aber nicht aus: Durch das Mittel selbst sterben zunächst nur die adulten Haarlinge und Larven ab, die Eier jedoch überleben. Daher müssen Sie die Behandlung nach ungefähr zwei Wochen wiederholen. Durch zusätzliche Pferde-Shampoos können Sie das Fell Ihres Pferdes behandeln, so dass Haarlinge sich einen anderen Wirt aussuchen und Ihr Pferd in Ruhe lassen. Da die kleinen Plagegeister sich blitzschnell ein anderes Wirtstier aussuchen, ist es wichtig, dass beim Befall eines Pferdes im Bestand die anderen Pferde auch gegen Haarlinge behandelt werden.

Herbstgrasmilben

Ähnlich wie Zecken gehören Herbstgrasmilben zu den Spinnentieren. Die Larven der Herbstgrasmilbe sind rot und haben eine Größe von etwa 0,2 Millimeter. Sie lauern auf den Grashalmen auf Pferde und lassen sich beim Vorbeigehen dort nieder. Überwiegend bevorzugen sie beim Pferd den Bereich des Halses und Kopfes sowie die Fesseln. Aktiv werden die Herbstgrasmilben vor allem zum Ende des Sommers und im Herbst. Häufig sind sie im Gras an Gewässern und am Waldrand verbreitet.

Pferd schlägt mit dem Schwanz

Was passiert beim Befall durch Herbstgrasmilben beim Pferd?

Herbstmilben sind so winzig, dass sie mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind. Sie beißen sich auf der Hautoberfläche fest und sondern Speichel ab. Durch den Speichel verflüssigen sie einen winzigen Teil des Gewebes, das nun zum Futter für die Herbstgrasmilbe wird. Dann schwellen sie etwa auf das Dreifache ihrer ursprünglichen Körpergröße an. Eine direkte Gefahr in Bezug auf Übertragung von Krankheitserregern besteht zwar nicht, aber die Herbstgrasmilbe löst nach einigen Stunden einen starken Juckreiz aus. Das führt wiederum dazu, dass sich Ihr Pferd an den befallenen Stellen scheuert. Allerdings ist die Milbe dann schon wieder verschwunden – sie sitzt nur kurze Zeit auf der Hautoberfläche des Pferdes und lässt sich vollgefressen wieder abfallen. Auf dem Boden legen sie dann in ihrem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium dann neue Eier.

Wie schützen Sie Ihr Pferd vor Herbstgrasmilben?

Die Pflege der Haut Ihres Pferdes ist die Basis zum Schutz gegen Herbstgrasmilben. Bürsten Sie einmal am Tag über das Fell Ihres Pferdes, so dass Sie damit eingenistete Milben einfach herunterstreichen. Ist die Hautoberfläche bereits betroffen, so können Sie Ihr Pferd mit Wundsalben oder juckreizstillenden Salben einreiben. Unter Umständen kann Ihnen der Tierarzt auch eine Cortison-Salbe verschreiben. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen: Schaben Sie ein bisschen von der Hautoberfläche ab. So kann Ihr Tierarzt prüfen, um welchen Plagegeist es sich genau handelt. Es kann durchaus passieren, dass die Herbstmilbe mit anderen Krankheiten wie Mauke verwechselt wird. Ziehen Sie daher immer den Tierarzt zur Rate, wenn Sie sich hier unsicher sind. Lieber einmal mehr untersucht als lange nachbehandelt.

Pferd auf der Weide

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