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Lackschaden am Pkw - warum zahlt die Pferdehaftpflicht nicht den kompletten Schaden?

Pferde im Stall

Für Pferdefreunde ist die Pferdehaftpflichtversicherung die wichtigste Absicherung überhaupt. Schließlich müssen Pferdehalter für alle Schäden aufkommen, die ihr Pferd verursacht. Das ergibt sich aus den Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Da Pferde in mancher Situation unberechenbar reagieren können, ist ein Schaden nie auszuschließen.Kommt es zu einem größeren Sachschaden oder sogar Personenschaden, dann ist in vielen Fällen die finanzielle Existenz bedroht. Außer natürlich, der betreffende Pferdehalter hat eine Pferdehaftpflicht, die den Schaden auch bezahlt. Manchmal dient die Pferdehaftpflicht aber auch dazu, unberechtigte Schadensersatzforderungen abzuwehren.

In welchen Fällen muss die Pferdehaftpflicht nicht für einen Schaden aufkommen?

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. So lautet ein bekanntes Sprichwort. Ähnlich kann man es auch betrachten, wenn man Pferden unbedacht zu nahe kommt. Grundsätzlich: Auch als Laie muss das Risiko, das von einem Pferd ausgeht, bekannt sein. Wer sich zum Beispiel von hinten einem Pferd nähert und es erschrickt, muss damit rechnen, getreten zu werden. In solchen Fällen gibt es keine Leistung aus der Pferdehaftpflichtversicherung, schließlich wurde die Gefahr ja selber herbeigeführt. Pferde sind aber nicht zwangsläufig nur deshalb gefährlich, weil sie zutreten können. Selbst die Neugier eines Pferdes kann mitunter zu einem kuriosen Schaden führen.

Pkw zu dicht an Pferdebox geparkt

Ein realer Schadensfall zeigt, wie schnell sich jemand unbedarft in die Tiergefahr begeben kann. Eine Autofahrerin hatte am Stall ihren Pkw zu dicht an einer Pferdebox geparkt. Dabei nahm sie nicht zur Kenntnis, dass sich direkt neben dem abgestellten Pkw ein Fenster befand, durch das ein Pferd herausschauen konnte. Aus unerklärlichen Umständen hat das Pferd den Pkw wohl mit einem Leckstein verwechselt und dadurch einen Lackschaden verursacht. Der Kostenvoranschlag belief sich auf knapp 700 Euro, den die geschädigte Fahrzeughalterin an die Pferdehalterin weitergab. Diese wiederum wandte sich an ihre Pferdehaftpflicht. Aus Kulanz wurde der Schaden zur Hälfte getragen. Auf den restlichen Kosten blieb die Fahrzeughalterin sitzen.

Eigenverschulden führt zur Leistungsminderung durch die Pferdehaftpflicht

Wer dazu beiträgt, dass sich ein Schaden erst ereignet, kann nicht auf die volle Schadensersatzleistung aus der Pferdehaftpflicht hoffen. Eine gewisse Eigenständig, was die Schadensverhütung angeht, wird einfach nach dem normalen Laienverständnis vorausgesetzt. Wer sein Auto zu dicht an einer Pferdebox abstellt, nimmt unfreiwillig in Kauf, dass das Pferd aus Neugier entweder am Fahrzeug leckt oder sogar seine Zähne dort ansetzt. Wer also sein Fahrzeug unmittelbar in der Nähe eines Pferdes parkt, muss damit rechnen, dass das Pferd einen Schaden verursachen kann. Die Gefahr ist ja ersichtlich und taucht nicht auf einmal aus dem Nichts auf. Anders ist es natürlich, wenn an der Stelle, wo das Fahrzeug abgestellt wird, keine Gefahr durch ein Pferd zu erwarten ist.

Ist die Pferdehaftpflicht eine Pflichtversicherung?

Die Pferdehaftpflichtversicherung fällt in den Bereich der Tierhalterhaftpflichtversicherungen. Hierzu gehört auch noch die Hundehaftpflicht. Während für die Hundehaftpflicht in sechs Bundesländern die generelle Versicherungspflicht gilt, ist die Pferdehaftpflicht bundesweit keine Pflichtversicherung. Mit anderen Worten: Es gibt keine Verpflichtung, das eigene Pferd zu versichern. Allerdings kann der Verzicht auf die Pferdehaftpflicht zu einem ernsthaften Problem werden, wie bereits eingangs beschrieben.

Pferde sind große und anmutige Tiere, neigen aber zu heftigen Schreckreaktionen, die zum Ausbrechen oder Austreten eines Pferdes führen können. Hier sind unter Umständen schwere Schäden vorprogrammiert, vor allem, wenn sich in dem Moment Personen in unmittelbarer Nähe des Pferdes aufhalten. Ein Tritt durch das Pferd kann schwerste Verletzungen auslösen. In der Vergangenheit kam es zu Unfällen, in denen vor allem Kinder und Jugendliche durch einen Pferdetritt auf das Schwerste verletzt oder sogar getötet wurden. Im Sommer des vergangenen Jahres kam auf einer Pferdekoppel in Bayern ein sechsjähriges Mädchen zu Tode, nach dem es von einem ausschlagenden Pferd einen Tritt am Kopf erlitten hatte.