Volle Kraft voraus: Wenn die Kfz-Versicherung nicht für einen Vollkaskoschaden leisten muss

Auto mit kaputter Front am Baum

Mit der Kfz-Versicherung ist es schon ein Kreuz: Jeder Fahrzeughalter muss sie haben und im Schadensfall gibt’s kein Geld. Das ist zumindest der subjektive Eindruck, den so mancher Autofahrer hat.

Das ist natürlich nicht so. Allein im Jahr 2017 leisteten die Kfz-Versicherer mehr als 8 Milliarden Euro für Kaskoschäden. Da soll mal keiner sagen, dass im Schadensfall nichts bezahlt wird. Natürlich gibt es aber auch Fälle, wo die Kfz-Versicherung nicht zahlt. Mancher Autofahrer versucht nämlich auf Teufel komm raus zu tricksen. Wir können bei dem folgenden Fall nur klassisch sagen: Bitte nicht nachmachen!

Junge in Spielzeugauto

Da stand ein Baum im Weg

Ein Ehepaar war mit einem älteren Fahrzeug der Oberklasse auf einer Landstraße unterwegs. Das Auto kam rechts von der Fahrbahn ab und prallte gegen einen Baum. Ein Totalschaden war die Folge. Der Fahrer gab an, aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse von der Fahrbahn abgekommen zu sein. Nieselregen und Dunkelheit hätten erheblich zu dem Unfall beigetragen. Ein anderes Fahrzeug war nicht in den Unfall verwickelt. Der Kfz-Versicherung kam es spanisch vor, dass das Fahrzeug erst kurz vorher für 12.000 Euro in einem unreparierten Zustand in den Besitz des Ehepaares gelangte und nun, kurze Zeit später, sich der Unfall ereignete. Für die Reparatur des Autos verlangte der Halter nun rund 24.000 Euro im Rahmen seiner Kaskoversicherung.

Mit Absicht gegen den Baum gefahren?

Die Gesamtumstände des Unfalles ließen darauf schließen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Die Gutachter kamen zu dem Ergebnis, dass der Fahrer den Pkw absichtlich gegen den Baum gefahren hat, um die Versicherung abzuzocken. Zuerst behauptete der Fahrer, er hätte nicht mehr abbremsen können, dann wiederum sagte er aus, dass er noch ein Bremsmanöver eingeleitet hätte. Spuren am Unfallort sprachen allerdings eine andere Sprache. Ebenso untypisch war, dass keine Lenkbewegung zu sehen war. Die Spur führte direkt auf den Baum zu. Üblicherweise versuchen Autofahrer, die bei Sinnen sind, mittels Lenkbewegungen, den Unfall abzuwenden. Bei einer schnurgeraden Spur kann davon dann kaum die Rede sein.

Gerade so eben den Totalschaden herbeigeführt

Die Geschwindigkeit, mit der der Pkw gegen den Baum prallte, reichte aus, um einen Totalschaden zu verursachen. Andersherum war die Geschwindigkeit aber so niedrig, dass die Insassen keine ernsthaften Verletzungen davontrugen. Das Zusammenspiel passte also nicht. In der Regel ist ein Aufprall auf einer Landstraße mit einer höheren Geschwindigkeit verbunden, die auch deutliche Personenschäden zur Folge hat. Dazu kam noch erschwerend, dass der Halter das Auto im unreparierten Zustand weiterverkaufte. Kurioserweise: Der Fahrer und seine Ehefrau waren in den drei Jahren zuvor schon fünfmal in weitere Unfälle verwickelt, so dass die Richter hier von gewissen Erfahrungswerten sprachen. Die Klage gegen die Kaskoversicherung lehnte das Landgericht Coburg daher ab.

Bei vorsätzlichen Unfällen ist die Kfz-Versicherung von ihrer Leistungspflicht befreit

Fahrzeughalter können bei einem Unfall damit rechnen, dass die Kfz-Versicherung einen Schaden bezahlt. Die Versicherung hat also keine Möglichkeit, sich aus der Schadenersatzpflicht herauszuwinden. Wenn die Versicherung aber den Verdacht hat, dass es sich um einen fingierten Schaden handelt, dann ziehen die Sachbearbeiter alle Register, um den Vorfall aufzuklären. Dann steht nämlich irgendwann der Unfallverursacher in der Pflicht, seine Unschuld zu beweisen. Das ist dann der Fall, wenn verschiedene Indizien dafür vorliegen, dass eben der Unfall vorsätzlich verursacht wurde.

Heißt also: Wenn sich die Spuren des Unfalles so zusammenfügen, dass der Unfallhergang mit normalen Menschenverstand nicht erklärbar ist, kann das für einen fingierten oder vorsätzliche Unfall sprechen. Schließlich fährt niemand mit einer niedrigen Geschwindigkeit schnurstracks gegen einen Baum, ohne sich dabei Verletzungen zuzuziehen. Der Fall war einfach zu offensichtlich. Na ja, das war dann mal so ein Fall, wo die Kaskoversicherung nicht zahlen musste. Zu Recht, wie es aus die Richter am Landgericht Coburg befanden.

Übrigens: Stellt sich ein Unfall als fingiert heraus, dann führt das nämlich noch zu einem weiteren Problem. Neben der ausgefallenen Entschädigungsleistung kann die Kfz-Versicherung auch noch ein Strafverfahren einleiten lassen wegen des Betrugsversuches. Da schlägt das Pendel nämlich ganz schnell in die andere Richtung. Von der Forderung gegen die Kaskoversicherung zum Marsch auf die Anklagebank beim zuständigen Amts- oder Landgericht.

 

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