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„Der echte Norden sorgt vor!“ - Kampagne in Schleswig-Holstein zur Elementarversicherung

Im November 2017 startete in Schleswig-Holstein eine Kampagne zur Elementarversicherung. Diese wurde von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) und Verbraucherschutzministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) vorgestellt.

Starkregen in Schleswig-Hollstein

Die Landesregierung will die Bürger im Norden für die Elementarversicherung sensibilisieren. Im nördlichsten Bundesland sind gerade einmal 21 Prozent aller Wohngebäude gegen Elementargefahren abgesichert. Dazu zählen auch Überschwemmungen durch Starkregenfälle. Im Sommer 2016 gingen zum Beispiel in Kiel die stärksten Niederschläge seit 1962 nieder. Die Folge: Zahlreiche überflutete Keller mit Gebäudeschäden. Dafür reicht die Gebäudeversicherung nicht aus.

Für welche Schäden leistet die Elementarversicherung?

Die Leistungen der Elementarversicherung sind für viele Hauseigentümer immer noch ein unübersichtliches Kapitel. Vielfach besteht die Meinung, dass für die meisten Elementarschäden die Gebäudeversicherung zahlt. Dem ist nicht so, denn diese leistet nur bei Feuer, Sturm, Hagel und Leitungswasserschäden. Erdbeben, Schneedruck, Vulkanausbrüche, aber auch Überschwemmungen sind ein Fall für die Elementarversicherung. Nur darüber sind diese Schäden abgesichert. Natürlich treten Erdbeben oder Lawinen in Deutschland relativ selten auf. Dafür sind aber Überschwemmungen in den letzten Jahren immer mehr ein Thema geworden. Dabei geht es eben nicht nur um Gewässer, die nach schweren Unwettern über die Ufer treten. Regenfälle, die großflächig zu Überschwemmungen führen, sind über die Elementarversicherung ebenfalls abgedeckt. Diese machen mittlerweile den Hauptanteil an den Elementarschäden aus.

Keine Unterstützung mehr durch Bund und Länder

Beide Minister betonen, dass es keine Soforthilfen mehr gibt, wenn ein Haus versicherbar gewesen wäre. In Schleswig-Holstein fallen 96 Prozent aller Wohnhäuser in die niedrigste Risikostufe. Hier ist der Versicherungsschutz problemlos zu beantragen. Lediglich bei 20.000 Häusern greift die höchste Risikostufe: Dort sind individuelle Lösungen bei der Elementarversicherung möglich. Unterstützt werden nur noch Hauseigentümer, denen eine Versicherung unter wirtschaftlich unzumutbaren Bedingungen angeboten wurde. In anderen Bundesländern haben sich die Ministerpräsidenten ebenfalls zu dem Thema geäußert und die Aussicht auf Soforthilfen verneint.

Schäden durch Starkregen haben sich verzehnfacht

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Schäden durch Hochwasser und Starkregenfälle im Jahr 2016 drastisch angestiegen. Lag im Jahr 2015 die Höhe der Schäden noch bei 100 Millionen Euro, so waren es im vergangenen Jahr bereits 940 Millionen Euro. Damit war das Jahr 2016 das Jahr mit den dritthöchsten Überschwemmungsschäden seit 1999. Nur die Jahre 2002 (Elbe-Hochwasser: 1,8 Milliarden Euro) und 2013 (Hochwasser in Süddeutschland: 1,65 Milliarden Euro) fielen verheerender aus.

Diskussion um die Pflichtversicherung ruht

Die Partei Die Linke hat vor einigen Jahren nach den Unwettern im Jahr 2013 als kleine Anfrage an die Bundesregierung die Diskussion angestoßen, ob Gebäude nicht generell mit einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden zu schützen sind. Die Bundesregierung hat diese Diskussion aufgegriffen, die Verbraucherschützer bundesweit zeigten Zustimmung zu einer solchen Elementarversicherung als Pflichtversicherung. Experten aus Versicherungskreisen warnen hingegen vor dem gesetzlichen Eingriff: Eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden nehme jeglichen Anreiz, ausreichend Hochwasserschutz zu betreiben.

Prävention statt Pflichtversicherung

Vor allem die fehlende Prävention gegen Hochwasserschäden wird dabei völlig aus den Augen verloren. Bei Hochwasserschäden geht es nicht um die Frage, wie diese nach einem Unwetter bezahlt werden können. Vielmehr muss geprüft werden, welche Möglichkeiten es zur Gefahrenabwehr gibt. Kann sinnvoll in den Hochwasserschutz investiert werden? Hier ist der Staat deutlich gefordert, die Folgekosten lassen sich nicht auf die Versicherer abwälzen. Kommt in Folge von mangelndem Hochwasserschutz zu immer häufigeren Überschwemmungen, sorgen die entstehenden Schäden für immer höhere Kosten. Die Folge: Irgendwann wird die Elementarversicherung für einige Hauseigentümer unbezahlbar.

Nebenbei hat das Europäische Parlament bereits gegen eine europaweite Pflichtversicherung gestimmt. Das Thema sei einfach zu komplex. Daher entwickeln die einzelnen Bundesländer nach und nach Kampagnen, um die Bevölkerung für das Thema Elementarversicherung zu sensibilisieren. In Schleswig-Holsteinwartet noch viel Arbeit, denn nur jedes fünfte Haus ist gegen das Risiko von Elementarschäden ausreichend abgesichert. Beim nächsten Starkregen mit einhergehender Überschwemmung könnte das für viele Hauseigentümer im schlimmsten Fall das wirtschaftliche Ende bedeuten.