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Hundehaftpflicht: Haftung bei einem Hundebiss ist für den Halter sehr weitreichend

Hundegebiss

Ein Fall für die Hundehaftpflicht? Irgendwie mutet die ganze Sache schon etwas merkwürdig an, die das Amtsgericht Frankfurt in Bezug auf einen Hundebiss verhandeln musste.

Da wird in einem Hotelzimmer ein Mann von einem Hund gebissen und sein Herrchen war nicht mit im Zimmer. Wie kam es zu dem Vorfall und welche Konsequenz hatte der Vorfall für den Hundehalter?

Gewöhnungsphase gescheitert

Ungewöhnlicher kann man das Zusammenleben zweier Menschen zusammen mit einem Hund wohl kaum austesten. In einem Hotel in Frankfurt hatte ein Mann ein Zimmer gemietet und dort seinen Irish-Bullterrier untergebracht. Das Zimmer wurde dann von einem Bekannten betreten, allerdings ohne dass der Hundehalter selbst vor Ort war. Es kam wie es kommen musste: Der Hund biss zu und verletzte den Besucher an der Hand. Das eigentliche Ziel war nicht etwa ein Einbruch. Nein, vielmehr sollte der Bekannte des Hundehalters an den Hund gewöhnt werden. Ziel war eigentlich, dass der Verletzte im späteren Verlauf in der Wohnung des Hundehalters wohnen kann. Zu diesem Zweck sollte diese schon merkwürdige Gewöhnungsübung stattfinden.

Der Hundebiss musste vor dem Amtsgericht Frankfurt verhandelt werden

Ein Schmerzensgeld von 2.500 Euro, das befanden die Richter am Amtsgericht Frankfurt im Jahr 2017 für den Biss in die Hand durch den Irish-Bullterrier angemessen. Dabei wurde dem Geschädigten aber ein Mitverschulden angelastet. Es sei schließlich bekannt, dass Hunde dazu neigen, ihr Revier gegen Eindringlinge zu verteidigen. Vor allem, wenn es sich um unbekannte Personen handelt. Dadurch, dass sich der verletzte Kläger ohne Begleitung des Hundehalters in das Hotelzimmer begab, setzte er sich schuldhaft der Tiergefahr aus. Er hätte mit dem Biss quasi rechnen müssen.

Warum trifft den Hundehalter die Hauptschuld an dem Biss?

Nun ja, erst einmal aus der Haftung für die Verwirklichung der Tiergefahr. Was im Bürgerlichen Gesetzbuch kompliziert beschrieben ist, können wir mal vereinfacht so ausdrücken: Wer einen Hund hält, lässt eine Gefahrenquelle auf die Öffentlichkeit los. Schließlich neigen Hunde zum Beißen. Dafür haftet der Hundehalter, wenn jemand dabei verletzt wird. Daher ist in vielen Bundesländern die Hundehaftpflicht auch einePflichtversicherung. Jetzt war es allerdings so, dass sich der Kläger selbst in die Tiergefahr begeben hat. Warum musste der Hundehalter dann überhaupt dafür Schmerzensgeld zahlen?

Das liegt an der Gefährdungshaftung. Hundehalter haften für die Gefahr, die von ihrem Hund ausgeht. Wird jemand gebissen, trägt der Hundehalter automatisch die Schuld an dem Biss. Nur unter bestimmten Umständen kann er sich von seiner Schuld entlasten. In diesem konkreten Fall jedoch blieb ein großer Teil der Schadensersatzforderung an ihm hängen. Er hatte den künftigen Mitbewohner nicht ausreichend über das mögliche Gefahrenpotenzial des Hundes aufgeklärt. Hätte er dieses gemacht, so hätte sich der Kläger vermutlich nicht allein in das Hotelzimmer begeben, um den Hund auf diese Art und Weise kennenzulernen. Sofern eine Hundehaftpflicht vorhanden ist, trägt diese die Folgekosten, die sich durch den Biss ergeben.

Partygast gebissen: Volle Haftung des Hundehalters

Ein ähnlich gelagerter Fall hat sich dem 75. Geburtstag eines Hundehalters zugetragen. Zu der Feierlichkeit war eine Bekannte angereist, die im weiteren Verlauf des Abends vom Hund des Jubilars gebissen wurde. Was war passiert? Der Hund des Hausherrn bewegte sich frei auf der Geburtstagsfeier. Die Besucherin beugte sich zu ihm herab, um ihn zu streicheln. Dabei biss der Hund zu, Biss- und Quetschwunden waren die Folge. Mehrere Operationen musste die Besucherin über sich ergehen lassen. Sie verklagte den Hundehalter auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Dieser wollte jedoch nicht zahlen. Seiner Ansicht nach habe sich die Geschädigte selbst in die Gefahr, gebissen zu werden, begeben.

Das sah das zuständige Gericht jedoch anders. Ein freilaufender Hund auf einer Feier, bei der der Hundehalter noch nicht einmal vor den möglichen Gefahren warnt, muss nicht als Risiko betrachtet werden – zumindest nicht aus der Sicht eines Besuchers. Das Landgericht Osnabrück gab der Klage der Besucherin statt, das Oberlandesgericht Oldenburg empfahl, die Berufung zurückzuziehen. Das tat der Hundehalter dann auch.

Kann sich ein Hundehalter vollständig von seiner Haftung entlasten?

Das kommt nur in wenigen Fällen vor. Dazu müssen Gründe vorliegen, die die Haftung des Hundehalters vollständig in den Hintergrund rücken lassen. Die Gerichte sind hier ziemlich restriktiv, was die Haftung betrifft. Wer trotz Warnung des Hundehalters einen fremden Hund beim Gassi gehen streichelt, muss sich zwar ein Mitverschulden anrechnen lassen, falls es zum Biss kommt. Damit ist der Hundehalter aber nicht aus der Haftung heraus. Er muss - in der Regel über seine Hundehaftpflicht - immer noch anteilig Schmerzensgeld oder Schadensersatz zahlen. Anders verhält es sich, wenn ein Einbrecher sich auf ein Grundstück begibt, das offensichtlich durch einen Hund bewacht wird. Hier geht es glimpflich für den Hundehalter aus. Letztendlich ist es aber bei jedem Hundebiss eine Einzelfallentscheidung durch das zuständige Gericht. Im schlimmsten Fall können die Behörden einen Hund sogar als gefährlich einstufen, so dass auf den Hundehalter Auflagen wie Maulkorb oder verschärfter Leinenzwang dazukommen.

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