Hund erleidet qualvollen Hitzetod im Auto – manche lernen es nie!

Hund sitzt hinter einer Autoscheibe

Es ist eigentlich nicht zu fassen, dass so mancher Hundehalter immer noch die Warnungen in den Wind schlägt, den Hund bei warmen Temperaturen im Auto zurückzulassen. Im vergangene Jahr waren die Medien voll mit Berichten zu diesem Thema: Zahlreiche Hunde mussten aus verschlossenen Pkw gerettet werden. Leider ging das nicht für alle Vierbeiner glücklich aus. Manche Hunde haben den Aufenthalt im überhitzten Auto mit dem Leben bezahlt.

Dass dem noch die Krone aufgesetzt werden kann, zeigt ein Vorfall, der sich in der Woche nach Ostern in Nordrhein-Westfalen zugetragen hat. Hier wurde ein Passant auf einen eingeschlossenen Hund aufmerksam und informierte die Polizei. Die wiederum forderte die Feuerwehr an, die dann sich über eine Scheibe des Fahrzeuges Zugang zum Hund verschaffte. Für den Hund kam jede Hilfe zu spät. Er verstarb qualvoll durch die Hitzeeinwirkung. Der Hundehalter war sich keiner Schuld bewusst. Zuvor hatte er noch einen Zettel auf das Armaturenbrett gelegt: „An alle Neugierigen! Es sitzt ein Hund im Auto, ich weiß das und es geht ihm gut! Jetzt kümmern Sie sich um Ihre Sachen und mischen Sie sich nicht in Dinge ein, die Sie nichts angehen!“ Außerdem wäre der Hund erst seit zwei Stunden in dem Auto, so der Hundehalter.

Ermittlungen gegen den Hundehalter wurden durch die Polizei eingeleitet

Es müssen nicht Temperaturen von über 30 Grad sein, die dem Hund im Auto zum Verhängnis werden. Es reichen, wie an dem betreffenden Mittwoch, schon warme Temperaturen um die 25 Grad aus, um ein Auto zur Todesfalle für Hunde werden zu lassen. Dass der Hund gut versorgt gewesen wäre, wie es der Halter behauptete, bezweifelte die Polizei. Zwar fanden die Polizisten im Fahrzeug einen Napf mit Wasser. Dafür war der komplette Innenraum feucht und die Scheiben beschlagen. Jeder, der ansatzweise Ahnung von Hunden hat, kann sich ausrechnen, wie viel Feuchtigkeit der Hund von sich gegeben haben muss. Da Hunde nicht schwitzen, sondern über das Hecheln ihre Körpertemperatur regulieren, muss der Hund unter einem enormen Flüssigkeitsverlust gelitten haben, der nicht mal eben mit einem Schälchen Wasser ausgeglichen werden konnte.

Wie entwickeln sich die Temperaturen im Innenraum eines Pkw?

 

Hund im Auto mit Infografik mit Temperaturen für Hitze

Fatal ist, dass viele Hundehalter unterschätzen, in welcher Zeit sich ein Auto vom Innenraum her aufheizen kann. Bei Außentemperaturen von 20 Grad mit Sonneneinstrahlung erwärmt sich der Innenraum des Fahrzeuges auf 46 Grad – innerhalb von 60 Minuten. In dem Fall von Jülich waren es zum Zeitpunkt des Geschehens 25 Grad mit kräftigem Sonnenschein. Das führt dazu, dass die Temperatur im Innenraum nach 60 Minuten auf 51 Grad ansteigt. Nach Aussage des Halters befand sich der Hund bereits seit zwei Stunden im Fahrzeug. Geht man von einem steten Temperaturanstieg aus, dürften die Temperaturen bei mehr als 60 Grad gelegen haben.

So wirkt Hitze auf den Körper des Hundes ein

Zur Erinnerung: Die Körpertemperatur bei Hunden beträgt 37,5 bis 39 Grad. Bereits ab einer Außentemperatur von 25 Grad reduzieren Hunde ihre Aktivitäten und suchen sich ein schattiges Plätzchen. Hunde haben keine Schweißdrüsen, sie sondern Körperwärme über das Hecheln ab. Dabei kommt es zu einem stetigen Flüssigkeitsverlust, der durch frisches Wasser ausgeglichen werden muss. Ab einer Temperatur von 28 bis 30 Grad funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr einwandfrei. Die Körpertemperatur des Hundes beginnt langsam zu steigen. Wenn die Umgebungstemperatur dann noch die Körpertemperatur des Hundes übersteigt, kommt es zum Hitzschlag. Dieser ist in einem geschlossenen Fahrzeug vorprogrammiert. Wie bereits beschrieben: Ein Schälchen Wasser im Auto und ein auf Spalt geöffnetes Fenster bringen absolut nichts.

Das Zurücklassen von Hunden im Auto ist strafbar

Im Tierschutzgesetz ist festgelegt, dass derjenige, der einem Tier ohne Grund Leid zufügt oder für dessen Tod verantwortlich ist, mit einer Geldstrafe oder mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren belegt werden kann. Das gilt nicht nur für aktive Tierquälerei oder das aktive Töten eines Tieres, sondern auch, wenn ein Tier durch eine bestimmte Handlung über längere Zeit Schaden nimmt. Dazu gehört auch das Zurücklassen im Auto. Erleidet der Hund hierbei Qualen oder kommt zu Tode, führt das unweigerlich zu einer Strafverfolgung. Dass so etwas nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, musste ein Hundehalter in Hessen im Jahr 2007 feststellen: Nachdem seine Hündin im Auto bei Temperaturen um die 60 Grad qualvoll verendete, verurteilte ihn das Amtsgericht Neustadt zu einem Jahr Haft – ohne Bewährung!

Ist die Rettung eines Hundes durch Passanten erlaubt?

 

Hund liegt im Auto auf Beifahrersitz

Ja, ganz klar. Wenn Sie auf einem Parkplatz auf eine solche Situation treffen, dürfen Sie Maßnahmen ergreifen, um das Leben des eingeschlossenen Hundes zu retten. Dazu dürfen Sie eine Scheibe des Fahrzeuges einschlagen. Dazu später mehr. Wichtig ist, dass Sie in einer solchen Lage abschätzen können, ob für den Hund Lebensgefahr besteht. Dazu gehören verschiedene Symptome, die einen Hitzschlag ankündigen:

  • Der Hund im Auto hechelt stark.
  • Am Fahrzeug sind Scheiben beschlagen.
  • Der Hund hat sich zwischen den Sitzen niedergelegt, um vermeintlich Schatten zu suchen.
  • Der Hund ist bewusstlos und reagiert nicht auf Ihr Klopfen an der Seitenscheibe.

In einer solchen Situation können Sie selber tätig werden, ohne auf die Polizei oder Feuerwehr warten zu müssen. Diese müssen Sie zwar erst einmal alarmieren, damit Hilfe kurzfristig anrückt, dann können Sie eingreifen. Damit der Hund aus seiner Zwangslage befreit werden kann, schlagen Sie eine Seitenscheibe ein. Nicht die Frontscheibe und nicht die Heckscheibe, der Schaden muss so gering wie möglich gehalten werden. Am besten die Seitenscheibe, die vom Hund am weitesten entfernt ist.

Erstmaßnahmen beim Hitzschlag des Hundes

Falls es dem Hund noch gelingt, aus dem Fahrzeug herauszuklettern, unterstützen Sie ihn dabei. Er wird im geschwächten Zustand quasi aus der Seitenscheibe herausfallen. Allein dadurch, dass die Scheibe eingeschlagen ist, wird sich vor allem bei neueren Autos nicht die Seitentür öffnen lassen. Unter Umständen müssen Sie, sofern der Hund geschwächt ist, ihn aus dem Auto befreien. Gelingt das nicht ohne Weiteres, ziehen Sie sich Passanten als Hilfe hinzu.

Ist der Hund aus dem Auto herausgeholt, suchen Sie einen schattigen Platz auf. Versuchen Sie, Wasser aufzutreiben. Wenn Sie nicht gerade auf einem Supermarktparkplatz stehen, klingeln Sie in der Nachbarschaft an und bitten um Wasser für den Hund. Wichtig dabei ist, dass sich eine weitere Person um den Hund kümmert.

Kann die Feuerwehr in einer solchen Lage helfen?

Eine der Aufgaben der Feuerwehr ist die Tierrettung. Katzen aus dem Baum holen, das kennt jeder. Ebenso wie die Rettung von Pferden oder Rindern, falls sie irgendwo in einem Graben gestürzt sind. Die Rettung von Hunden fällt auch darunter. Es hängt natürlich davon ab, wo sich die Situation mit dem hilflosen Hund ereignet. In den größeren Städten gibt es hauptamtliche Feuerwehren und Berufsfeuerwehren, die eine Tierrettung ohne Weiteres durchführen können. Dazu reicht es bei einem befreiten Hund aus, wenn Wasser mitgebracht wird und eine Transportmöglichkeit zum Tierarzt besteht. Die Kosten dafür legen die Kommunen als Betreiber der Feuerwehren dem Hundehalter auf.

Polizei und Zeugen hinzuziehen

Sofern nicht andere Passanten auf die Lage aufmerksam geworden sind, rufen Sie die Polizei. Machen Sie ein paar Bilder mit Ihrem Smartphone von der Auffindesituation. Die Polizei wird den Schaden dokumentieren, da es sich juristisch um Sachbeschädigung handelt. Da durch die Sachbeschädigung ein anderes, höherwertiges Gut, nämlich der Hund gerettet werden konnte, rückt die Sachbeschädigung in den Hintergrund. Sind Passanten zusammen mit Ihnen aufmerksam geworden, notieren Sie sich kurz die persönlichen Daten. Dabei geht es nicht nur um die Entlastung für Ihre vorgenommene, notwendige Sachbeschädigung, sondern auch um die Belastung des Hundehalters, der hier klar mit einem Strafverfahren rechnen muss. Die Kosten für den Polizeieinsatz tragen natürlich nicht Sie: Hier kann unter Umständen der Hundehalter zur Kasse gebeten werden.

Familie im Wald

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.