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Erste Hilfe für den Hund: So rettest du deinen Vierbeiner

Erste Hilfe beim Hund

Reifenquietschen und Blaulicht? Das ist die filmreife Vorstellung von einem Notfall. Im Alltag spielen sich Notfälle meist viel stiller ab. Die Devise lautet immer: Nicht überlegen, helfen! Aber wie? Damit du im Notfall kostbare Zeit sparst, bereiten wir dich auf die wichtigsten Notfälle beim Hund vor.

Drei Grundregeln für den Erste-Hilfe-Notfall

Jeder Notfall ist anders. Trotzdem gibt es drei Grundregeln, die immer wichtig sind.

  1. Ruhe bewahren und ausstrahlen
    Versuch, ruhig zu bleiben und deinem Vierbeiner dadurch Sicherheit zu geben. Wenn du in Panik verfällst, überträgst du das auf deinen Schützling.
  2. Tierarzt verständigen
    Informier deinen Tierarzt über den Vorfall, den Zustand deines Hundes und dein Eintreffen. Er wird dir zusätzlichen Rat geben, wie du dich jetzt am besten verhältst.
  3. Maulschlinge anlegen
    Zu deiner eigenen Sicherheit kann es notwendig sein, die Hundeschnauze mit einer Schlinge zuzubinden oder einen Maulkorb anzulegen. Ausnahme: Befürchtest du eine Vergiftung, sind Maulschlingen oder -körbe tabu. Erbricht sich dein Hund, besteht Erstickungsgefahr.
Icon Information

VS.-Tipp:

Eine gesundheitliche Absicherung deines Hundes nimmt dir die finanziellen Sorgen. Du hast die Wahl zwischen einer Hunde-OP-Versicherung und einer Hundekrankenversicherung.

Erste Hilfe für den Hund: So hilfst du im Notfall

Ein Notfall hat viele Gesichter. Die starke Blutung, die uns sofort in Alarmbereitschaft versetzt, ist nur eines dieser Gesichter. Das Tückische: Andere Notfälle können viel „unaufgeregter“ daherkommen, aber mindestens genauso bedrohlich sein. Nicht jeder Notfall kündigt sich offensichtlich an. Umso wichtiger, dass du häufige Notfälle und deren Symptome kennst.

Da Notfall nicht gleich Notfall ist, gibt es natürlich nicht nur die eine Vorgehensweise. Wie beim Menschen besteht die Erste Hilfe aus vielen unterschiedlichen Maßnahmen, die vom Zustand des Hundes abhängen. Wir rüsten dich für häufige Notfälle.

Notfall 1: Stark blutende Wunde

Die blutende Wunde ist ein eindeutiger Fall. Es gilt, die Wunde bestmöglich vor einer Entzündung oder Infektion zu schützen. Deswegen muss sie sauber gehalten werden. Fass die betroffene Stelle unbedingt so vorsichtig wie möglich an.

Säubern und desinfizieren
Für die Desinfektion der Wunde müssen deine Hände absolut sauber sein. Desinfizieren ist die sicherste Lösung. Ist die Wunde verschmutzt, reinige diese mit reichlich klarem Wasser oder einer sterilen Kochsalzlösung. Manchmal wird erst nach der Reinigung das Ausmaß der Verletzung sichtbar.

Je nachdem, wie dicht das Haarkleid ist, ist es sinnvoll, das Fell rund um die Wunde zu entfernen. Das ist aber kein Muss. Wichtiger ist die zügige Desinfektion der Wunde mit einer sterilen Kompresse und einem Wunddesinfektionsmittel. Geeignet ist beispielsweise eine Jod-Lösung.

Blutung stillen
Bei stark blutenden Wunden solltest du die Blutstillung fördern. Bei einer heftigen Blutung ist das schon vor der ersten Säuberung nötig. Benutze ein sauberes Tuch oder eine sterile Kompresse und übe vorsichtig Druck aus, den du bei Bedarf weiter erhöhst.

Vorsicht: Bitte reib oder tupf nicht über die Wunde, das könnte das Problem verschlimmern. Die Blutung lässt einfach nicht nach? Dann leg ein Kühlkissen auf die betroffene Stelle. Tritt selbst dann keine Verbesserung ein, ist ein Druckverband sinnvoll.

Druckverband anlegen
Grundsätzlich gilt: Leg nur einen Druckverband an, wenn es sich wegen der Stärke der Blutung nicht umgehen lässt. Leider können Medizin-Laien beim Druckverband einiges falsch machen. Deshalb ist es sinnvoll, das Verbinden zu üben. Press ein unausgepacktes Verbandpäckchen auf die geschützte Wunde und wickle das Päckchen mit einem Verband stramm.

Das Abbinden von Gliedmaßen ist nur bei sehr großem Blutverlust zu empfehlen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass der betroffene Körperteil durch eine Unterversorgung mit Sauerstoff abstirbt.

Notfall 2: Magendrehung

Unter Hundebesitzern ist die Magendrehung nicht ohne Grund gefürchtet. Sie ist ein besonders heimtückischer Notfall, denn sie kommt aus dem Nichts und muss sofort behandelt werden.

Symptome

  • Unruhe
  • Hecheln
  • starkes Speicheln
  • erfolglose Brechversuche (Würgen)
  • Sägebockhaltung (Beine werden vom Körper weggespreizt)
  • Stöhnen
  • aufgeblähter Bauch
  • Atemnot
  • blasse Schleimhäute
  • flache, schnelle Atmung
  • erhöhte Pulsfrequenz
  • kalte Ohren und Pfoten

So verhältst du dich richtig
Hier besteht deine Erste Hilfe für den Hund im schnellen Transport zum Tierarzt. Verlier keine Zeit und mach dich – auch beim geringsten Verdacht – sofort auf den Weg. Ohne Not-Operation verläuft eine Magendrehung beim Hund tödlich. Jede Minute kann lebensrettend sein.

Notfall 3: Vergiftung

Im Alltag kommt dein Vierbeiner leider mit vielen Dingen in Berührung, die giftig für ihn sind. Am häufigsten vergiften sich Hunde an Pflanzen, Lebensmitteln und Giftködern.

Symptome

  • Durchfall
  • Erbrechen
  • starkes Speicheln
  • Schaum vor der Schnauze
  • Kreislaufprobleme
  • Lähmungserscheinungen
  • Muskelkrämpfe
  • Bewusstlosigkeit
  • blasse oder blaue Schleimhäute
  • harter, geblähter Bauch
  • Zittern

So verhältst du dich richtig
Versuch auf keinen Fall, deinen Hund zum Erbrechen zu bringen. Das könnte mehr schaden als helfen. Setz alles daran, deinen Vierbeiner so schnell wie möglich zum Tierarzt zu bringen, damit er alles Notwendige umsetzen kann.

Durch eine Vergiftung sinkt häufig die Körpertemperatur. Halte deine Fellnase daher warm. Außerdem ist es wichtig, Puls und Atmung bis zur Ankunft beim Tierarzt zu kontrollieren. Falls du Giftreste findest, gib diese unbedingt dem Tierarzt. Auch Proben von Kot oder Erbrochenem sind hilfreich.

Noch mehr Tipps zu dem Thema erhältst du hier: Hundevergiftung

Notfall 4: Hitzschlag

Beim Hitzschlag versagt der Kreislauf wegen Überhitzung. Die Ursache sind hohe Temperaturen und direkte Sonneneinstrahlung. Übergewichtige Vierbeiner und Hunde mit langem, dichtem Fell sind besonders gefährdet.

Symptome

  • starkes Hecheln
  • Keuchen
  • Schwanken
  • Fallenlassen
  • Erbrechen
  • Krämpfe
  • rote Schleimhäute
  • Bewusstlosigkeit

So verhältst du dich richtig
Schritt 1: Bring deinen Hund in den Schatten. Er darf auf keinen Fall mehr der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein.
Schritt 2: Kühl deine Fellnase langsam und allmählich ab, indem du dich von den Pfoten in Richtung Herz vorarbeitest. Geeignet sind dafür zum Beispiel feuchte, kalte Handtücher, die du auswechselst, sobald sie warm werden. Die Abkühlung muss unbedingt behutsam erfolgen, da sonst Schockgefahr besteht. Biete deinem Notfallpatienten außerdem handwarmes Wasser zum Trinken an.

Notfall 5: Knochenbruch

Meist entstehen Knochenbrüche bei Hunden durch heftige Zusammenstöße, beispielsweise im Straßenverkehr. Unterschieden werden offene und geschlossene Brüche. Bei einem offenen Bruch ist die Haut durchbrochen, der Knochen sichtbar.

Symptome

  • Humpeln
  • Entlasten
  • Bewegungsunfähigkeit
  • geschwollene und gerötete Stellen

So verhältst du dich richtig
Vermeide jede überflüssige Bewegung, die Ruhigstellung deines Vierbeiners hat oberste Priorität. Bei offenen Knochenbrüchen muss die betroffene Stelle in jedem Fall mit einem Verband abgedeckt werden, da sonst die Gefahr einer Knochenentzündung besteht.

Um die betroffene Gliedmaße zu schienen, eignen sich eine zusammengerollte Zeitung, ein eingerolltes Handtuch, ein Stock oder ein Holzstab. Mit viel Polsterwatte und einer Binde entsteht daraus eine improvisierte Schienung.

Signalisiert dir dein Hund allerdings beim Schienen starke Schmerzen, verzichte lieber auf die Schiene und leg den verletzten Körperteil während des Transportes vorsichtig auf eine weiche Unterlage. Die verletzte Gliedmaße darf auf keinen Fall baumeln.

Atemstillstand und Bewusstlosigkeit: So rettest du deine Fellnase

Manche Verletzungen und Erkrankungen führen zum Aussetzen der Atmung oder zur Bewusstlosigkeit. In diesen Fällen musst du schnell eingreifen. Bei einem bewusstlosen Tier sollte sein Kopf etwas tiefer gelegt werden, schieb dazu eine Decke oder eine Jacke unter den Brustkorb.

Atemstillstand: Mund-zu-Nase-Beatmung

Siehst, fühlst und hörst du keine Atembewegungen und sind die Schleimhäute gefärbt, handelt es sich um einen Atemstillstand. Für die Mund-zu-Nase-Beatmung gehst du wie folgt vor:

  • Hund auf die rechte Seite legen
  • Kopf leicht überstrecken
  • Fang öffnen
  • Zunge vorsichtig seitlich herausziehen
  • Maulhöhle und Rachen auf Erbrochenes kontrollieren
  • Zunge in die Maulhöhle schieben
  • Schnauze zuhalten
  • Tuch über die Nase legen
  • 5-6 mal in die Nase blasen (Brustkorb muss sich heben)
  • 1 Minute warten
  • keine Atmung vorhanden: mit 20 Atemstößen pro Minute weiter beatmen

Herzstillstand: Herz-Lungen-Wiederbelebung

Wenn du weder Herzschlag noch Atmung feststellen kannst, musst du schnellstmöglich eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen. Die „klassische“ Herz-Lungen-Wiederbelebung besteht aus folgenden Schritten:

  • Hund in rechte Seitenlage bringen
  • Maulhöhle auf Fremdkörper kontrollieren
  • 10 x den Brustkorb mit flach aufgelegter Hand zusammendrücken
  • 2 mal beatmen
  • bleiben Herzschlag und Atmung aus: Herzmassage und Beatmung im Verhältnis von 15:2 fortsetzen

Die Kombination aus Herzdruckmassage und Beatmung ist die Vorgehensweise, die in den vergangenen Jahrzehnten gelehrt wurde. Mittlerweile gibt es allerdings eine wichtige Neuerung: Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung von Menschen wird Ersthelfern empfohlen, auf die Beatmung zu verzichten und lediglich die Herzdruckmassage durchzuführen.

Diese Empfehlung beruht auf der Erkenntnis, dass der fehlende Blutfluss in den ersten 10 Minuten nach einem Herzstillstand entscheidend ist. Durch die Herzdruckmassage wird wieder Blut zum Gehirn transportiert. Befürworter dieser Vereinfachung ist beispielsweise die Deutsche Herzstiftung. Sie erhofft sich aufgrund der niedrigeren Hemmschwelle eine größere Hilfsbereitschaft. Die vereinfachte Herz-Lungen-Wiederbelebung lässt sich natürlich auch auf den Hund übertragen.

Icon Glühbirne

VS.-Tipp:

Verschiedene Organisationen, darunter ASB und DRK, bieten spezielle Erste-Hilfe-Kurse für den Hund an. In diesen Schulungen lernen Teilnehmer zum Beispiel das Anlegen eines Druckverbandes. Ob du mit deinem eigenen Vierbeiner üben kannst, ist von Kurs zu Kurs unterschiedlich.

Gesundheitscheck im Schnelldurchlauf: Das TAPS-Schema

Manchmal ist ein Notfall offensichtlich, in anderen Fällen sind wir unsicher, wie es um unsere Fellnase steht. Doch wir brauchen eine Einschätzung, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Für Medizin-Laien hat sich das sogenannte TAPS-Schema bewährt. Jeder der vier Buchstaben von TAPS steht dabei für eine körperliche Eigenschaft oder einen Wert, den du überprüfen kannst. Tipp: Übe das Messen und Begutachten regelmäßig und notiere dabei die gemessenen Werte. So gewöhnst du deinen Hund an wichtige Handgriffe und kannst den individuellen Normalzustand deines Vierbeines noch besser einschätzen.

T wie Temperatur

37,5° C bis 39° C
Bei Hunden schwankt die normale Körpertemperatur zwischen 37,5° C und 39° C. Werte ab 40° C gelten als Fieber, gefährlich wird es ab 41° C. Auch wenn sie alles andere als die angenehmste Methode ist: Das sicherste Messergebnis erhältst du über eine Temperaturmessung im After. Alternative Messmethoden wie Infrarot im Ohr sind weniger verlässlich.

Heb für die Messung die Rute hoch und benutz Vaseline, bevor du das Thermometer etwa zwei Zentimeter tief einführst. Circa zwei Minuten musst du so ausharren, bei einem digitalen Fieberthermometer ertönt ein Signal.

A wie Atmung

10-30 Atemzüge/Minute
Die Atmung erkennst du am Heben und Senken des Rumpfes. Ein gesunder Hund hat eine Atemfrequenz von 10-30 Atemzügen pro Minute.

Wenn du keine Atembewegungen erkennst, nimm einen Taschenspiegel zu Hilfe und halte ihn vor die Schnauze und die Nase deines Vierbeiners. Er beschlägt, wenn noch eine schwache Atmung vorhanden ist.

P wie Puls

80-120 Schläge/Minute
Messen kannst du entweder den Puls oder den direkten Herzschlag. Der Pulsschlag ist eine Reflexion des Herzschlags. Ein normaler Puls- bzw. Herzschlag liegt zwischen 80 und 120 Schlägen in der Minute. Als Faustregel kannst du dir merken: Je jünger und kleiner der Hund, desto höher die Anzahl der Pulsschläge. Je älter und größer der Hund, desto niedriger der Puls.

So gehst du vor: Fühl den Herzschlag an der linken seitlichen Brustwand. Alternativ kannst du den Puls an den Innenseiten der Hinterläufe messen. Dort verläuft die Schlagader. Am leichtesten misst du den Puls mit Zeige- und Mittelfinger.

Aufschlussreich ist auch die Qualität des Pulses. Ist der Puls vorhanden, aber kaum tastbar, deutet das auf einen schwachen Blutdruck hin.

S wie Schleimhaut

Rosafarben
S steht für die Schleimhaut von Mund und Augen. Gesundheitliche Probleme lassen sich an farblichen Veränderungen erkennen. Bei einem gesunden Hund sind die Schleimhäute rosafarben. Eine blasse, porzellanfarbene Schleimhaut deutet auf einen hohen Blutverlust (z. B. infolge einer inneren Blutung) hin.

Lila oder bläuliche Färbungen der Schleimhaut können Anzeichen für einen Sauerstoffmangel sein. Sind die Schleimhäute dagegen dunkelrot gefärbt, weisen sie auf einen Hitzschlag, eine Entzündung oder eine Infektionskrankheit hin.

Kreislauf-Check: Kapilläre Rückfüllungszeit (KRZ)
Um die Maulschleimhaut zu begutachten, hilft dir die sogenannte kapilläre Rückfüllungszeit. Sie gibt Aufschluss über den Kreislaufzustand deines Hundes.

So gehst du vor: Such dir eine rosafarbene Stelle am Zahnfleisch deines Vierbeiners aus und drück einige Sekunden lang fest mit dem Finger darauf. Sobald du den Finger wegnimmst, ist die Stelle weiß. Braucht es länger als zwei Sekunden bis die betroffene Stelle wieder die Farbe des restlichen Zahnfleisches angenommen hat, ist der Kreislaufzustand bedenklich.

Gut vorbereitet ist halb geholfen

Völlig unvorbereitet in eine Erste-Hilfe-Situation zu geraten, verursacht vor allem eins: Unsicherheit. Außerdem stößt du auf ein weiteres Problem: mangelnde Ausstattung. Leg dir daher unbedingt einen Erste-Hilfe-Koffer zu. Es gibt viele Möglichkeiten, dein persönliches Erste-Hilfe-Set auszustatten. Folgende Utensilien sollten die Basis bilden:

  • Fieberthermometer
  • Vaseline
  • Verbandsmaterial + Scheren
  • sterile Wundreinigungstücher
  • Wunddesinfektionsmittel
  • desinfizierende Wundsalbe
  • Kühlpack

Denk auch daran, die Nummer deines Tierarztes abzuspeichern und dessen Notdienst-Regelung in Erfahrung zu bringen. Im Notfall sparst du durch diese Vorbereitung lebensrettende Minuten.

Übung macht den Meister

Im Notfall können wir dir die Aufregung leider nicht nehmen. Aber: Gesundheitscheck und Erste Hilfe für den Hund lassen sich üben. Nutz diese Vorbereitungsmöglichkeit. Empfehlenswert ist die Teilnahme an Erste-Hilfe-Kursen, die speziell auf Hunde ausgerichtet sind. Dort bringen dir erfahrene Ersthelfer die wichtigsten Grundlagen bei. Ein Kurs bietet dir den großen Vorteil, dass du das Gelernte direkt anwenden und dabei korrigiert werden kannst. Auch für aufkommende Fragen steht dir ein kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung.