Hilfe, ich habe einen Wasserschaden

Rohrbruch

Der Keller steht unter Wasser, die Waschmaschine ist ausgelaufen, eine Wasserleitung ist durch Frost geplatzt: Wasserschäden an Wohnhäusern oder in Wohnungen gehören zu den häufigsten Schäden,

um die sich Versicherungen kümmern müssen. Ich verrate Ihnen, wo die Risiken schlummern, wie Sie im Schadensfall handeln und wie Sie vorbeugen können.

Hätten Sie gedacht, dass in Deutschland rund 3.500-mal am Tag irgendwo Hauseigentümer oder Mieter zu Lappen, Feudel und Putzeimer greifen müssen, um eine Überschwemmung zu beseitigen? Ursachen dafür sind Unachtsamkeit, alte Leitungswasserrohre oder auch Unwetter. Teuer wird so etwas allemal, denn der durchschnittliche Schaden liegt bei etwa 2.000 Euro.

Familie unter Dach

Wodurch kommt es zu einem Wasserschaden?

Ein Wasserschaden ist längst nicht mehr der klassische Rohrbruch. Nein, die Ursachen dafür sind eher sehr vielfältig. Natürlich stehen beschädigte Leitungsrohre immer noch ganz weit oben in der Schadenstatistik. Das liegt mitunter daran, dass wir in Deutschland eine relativ alte Bausubstanz haben. Während Häuser für die Ewigkeit gebaut scheinen, nagt der Zahn der Zeit aber an Wasserleitungen. Vor allem verzinkte Rohre oder Kupferrohre sind anfällig für hartes Wasser. Irgendwann platzen sie durch Verschleiß.

Rohrbruch

In der Küche ist besonders der Abfluss der Spüle für eine Verstopfung anfällig. Die Kombination von Fetten, die beim Abspülen in den Abfluss gelangen, zusammen mit Kalkablagerungen tragen dazu bei, dass der Querschnitt des Abflusses immer mehr verengt wird. Dadurch kann sich im Laufe der Zeit Schmutzwasser anstauen und über anfällige Dichtungen austreten.

Die Waschmaschine ist ebenfalls einer der häufigsten Auslöser für Wasserschäden. Oftmals sind Schläuche nicht fest genug angebracht oder die Schlauchschelle sitzt schief und lockert sich beim Schleudervorgang. Eine weitere Möglichkeit: Der Schlauch wird durch Kalkablagerungen im Laufe der Jahre porös. Irgendwann halten Dichtungen oder der Schlauch dem eingehenden Wasserdruck nicht mehr stand und Wasser tritt in großen Mengen aus. Schließlich steht am Anfang ja ein aufgedrehter Wasserhahn. Die Menge des auslaufenden Wassers ist also beträchtlich. Vor allem, wenn sich der Wasserschaden in Ihrer Abwesenheit ereignet.

Witterungsbedingt tragen Starkregenfälle mittlerweile regelmäßig dazu bei, dass vielerorts mal der Keller oder direkt das halbe Haus unter Wasser steht. Das kann durch einen Rückstau in der Ableitung des Hauses passieren, aber auch durch eine Überschwemmung, wenn der Starkregen bereits das Grundstück überschwemmt und sich das Wasser über Kellertüren, Fenster, Lichtschächte oder sogar die Terrassentür seinen Weg ins Haus sucht. Starkregen trägt auch dazu bei, dass Gewässer über die Ufer treten und dadurch Wassermassen mit einer enormen Fließgeschwindigkeit zu Gebäudeschäden führen.

Erstmaßnahmen bei einem Wasserschaden: Welche Schritte sind jetzt wichtig?

Ruhe bewahren: Haupthahn schließen und Stromabstellen

Wenn es zu einem Rohrbruch gekommen ist, müssen Sie erst einmal Ruhe bewahren und sortieren, in welche Reihenfolge sich der Schaden am ehesten minimieren lässt. Daher ist es wichtig, dass Sie zunächst den Haupthahn der Wasserversorgung des Hauses schließen. Muss aufgrund des bereits ausgelaufenen Wassers der Strom abgestellt werden? Das wäre der Fall, wenn sich bereits Wasseransammlungen dort befinden, wo stromführende Geräte unmittelbar betroffen sind. Ebenso müssen Sie den Strom abstellen, wenn es zu einem Leck in der Wand gekommen ist. Dann kann sich das Wasser womöglich seinen Weg über Kabelschächte und Steckdosen nach draußen suchen. In diesem Fall die Sicherungen im betroffenen Bereich ausschalten.

Ausgelaufenes Wasser beseitigen

Beginnen Sie nun damit, das Wasser zu beseitigen. Bei geringen Wassermengen machen Sie das mit einem Aufnehmer. Steht das Wasser, beispielsweise im Keller, bereits mehrere Millimeter hoch, hilft zum Schöpfen ein Kehrblech. Die Feuerwehr zu rufen bringt in dem Moment noch nicht viel, da Tauchpumpen erst ab einem bestimmten Pegel ansaugen können. Dazu braucht es schon mindestens acht bis Zentimeter Wasser. Ansonsten mit einem Abzieher das Wasser dorthin „schieben“, wo sich ein Abfluss befindet.

Möbel retten

Ist bereits der Hausrat betroffen? Bei ausgelaufenem Wasser kommt es an Schäden der Füße oder Sockel von Möbel. Können Sie diese in einen Bereich des Hauses verfrachten, damit sie nicht noch mehr Nässe abbekommen? Wenn nicht, dann hilft nur noch Folie, falls Sie so etwas im Haus haben. Das betroffene Möbelstück kurz an einer Seite leicht ankippen, Folie drunter schieben und nun die andere Seite ankippen und die Folie dort drunter durchziehen. Dann können Sie die Folie von unten nach oben ziehen und mit Klebeband einmal umwickeln. So haben Sie Ihr Möbelstück erst einmal grob geschützt, biss Sie das ausgelaufene Wasser beseitigt haben.

Nachbarn informieren

Wohnen Sie in einem Mehrfamilienhaus, dann müssen Sie auch Ihre Nachbarn informieren. Es kann durchaus sein, dass irgendwann das ausgelaufene Wasser aus Ihrer Wohnung in die darunter liegende Wohnung fließt. Ebenso können im Keller benachbarte Kellerräume betroffen sein, wenn beispielweise das Wasser munter aus dem abgeplatzten Zulaufschlauch der Waschmaschine fließt und es niemand rechtzeitig bemerkt.

Wasserschaden an der Decke

Schaden dokumentieren

Fotografieren Sie nun alle Schäden, die aufgetreten sind. Sie müssen ja eine Schadensmeldung bei Ihrer Gebäudeversicherung oder Hausratversicherung einreichen. Wenn dort ein Ansprechpartner tageszeitabhängig telefonisch verfügbar ist, klären Sie direkt, welche Maßnahmen Sie zur Schadensbegrenzung bereits vornehmen dürfen. Es kann gut sein, dass sich vor allem bei einem größeren Schaden ein Gutachter vor Ort ein Bild vom Schaden machen muss. Informieren Sie jetzt einen Handwerker, falls es zu einem Rohrbruch gekommen ist. Er kann zur Schadensminderung bereits tätig werden, damit nicht noch mehr Wasser austreten kann, falls der Haupthahn wieder geöffnet wird. So ganz ohne fließendes Wasser ist das Leben nämlich ganz schön unkomfortabel. Das fängt beim Zähneputzen an und reicht bis hin zum Abspülen von Geschirr oder Besteck.

Übrigens: Der durchschnittliche Leitungswasserschaden liegt bei rund 2.000 Euro.

Was müssen Sie nach einem Wasserschaden unternehmen?

In vielen Fällen ist es nicht damit getan, mal eben Wasser mit dem Kehrblech zu schöpfen und wegzuschütten. Ist Wasser bereits in Böden eingedrungen und/oder ein Leck im Leitungsrohr in der Wand die Ursache, so müssen Sie auf professionelle Hilfe zurückgreifen. Sofern Sie keine Fachleute in Ihrem Umfeld kennen, kann Ihnen auch Ihre Versicherung dazu Handwerker und Experten vermitteln. Schließlich geht es jetzt darum, das Leck zu schließen, eine Trocknung durchzuführen und auch Schimmel zu vermeiden.

Zunächst müssen die Fachleute bei einem Rohrbruch das Leck ausfindig machen. Die Ortung ist nicht immer ganz einfach. Es kann durchaus passieren, dass sich das Wasser seinen Weg durch die Wand sucht und irgendwo anders wieder austritt. Da ist eine gründliche Ortung durch Fachleute unverzichtbar. In der Regel ist die Leckortung teurer als das Freilegen der Wand, wo das Leck selbst ist.

Problem der Schimmelbildung

Bei größeren Wassermenge, die Sie nicht selbst aufnehmen konnten, sind in der Regel Wände und Böden betroffen. Diese müssen mit Lüftern getrocknet werden und wenn das nicht ausreicht, kommen Bautrockner zum Einsatz. Bevor Sie nämlich die betroffene Stelle, an der ein Wasserschaden entstanden ist, wieder reparieren lassen, gilt es Schimmelbildung zu vermeiden. Besser, Sie klotzen im Vorfeld, als wenn Sie im Nachgang überall schleichende Schimmelbildung haben. Damit werden Sie sich deutlich länger herumplagen als jetzt mit einer vernünftigen Trocknung. Halten Sie im Hinterkopf, dass Ihre Versicherung die Kosten dafür trägt.

Bautrockner

Bevor die Trocknungsgeräte in Betrieb gehen, sollten Sie die Wände des betroffenen Raumes mit reinem Alkohol desinfizieren. Durch die Verwirbelung der Luft beim Einsatz von Trocknungsgeräten können nämlich Schimmelsporen im Raum verteilt werden. Wichtig ist: Sorgen Sie beim Desinfizieren für eine Belüftung des Raumes, sonst entwickelt sich durch die Dämpfe des Alkohols ein zündfähiges Gas-Luftgemisch. Nebenbei ist es auch nicht für die Gesundheit förderlich, beim Desinfizieren die Dämpfe einzuatmen. Nach dem Behandeln der Wände und Böden können Sie anschließend kräftig durchlüften und der Trocknungsprozess kann beginnen.

Der Versicherungsschutz bei einem Wasserschaden

Erst kommt der Schreck über den Wasserschaden, dann die Sorge um die möglichen Kosten, die nun entstehen. Doch hier müssen Sie einen klaren Kopf bewahren und erst einmal alle Schritte unternehmen, um die Schadensausbreitung zu vermeiden. Dann können Sie sich mit dem Thema Versicherung befassen. Hier gilt zuerst zu prüfen: Wodurch ist der Wasserschaden ausgelöst worden? Haben Sie den Schaden selbst ausgelöst, etwa weil die laufende Waschmaschine unbeaufsichtigt war? Kam es zu einem Rohrbruch oder ist beim Nachbarn über Ihnen die Badewanne übergelaufen? Je nach Konstellation sind unterschiedliche Versicherungen mit im Spiel.

Für Hauseigentümer

Im selbstgenutzten Einfamilienhaus kommt – unabhängig vom Verschulden – immer die Hausratversicherung für Schäden an der Einrichtung und die Gebäudeversicherung für Schäden an der Bausubstanz zum Zuge. Wichtig ist, dass Sie keine Alt-Tarife mehr haben, bei denen Schäden durch grobe Fahrlässigkeit nur anteilig gedeckt sind. Das wäre beim Schlauchplatzer einer unbeaufsichtigten Waschmaschine der Fall, wenn Sie im Zeitraum des Betriebes einkaufen sind.

Für Mieter

Als Mieter einer Wohnung oder eines Hauses müssen Sie nur Ihren Hausrat gegen Leitungswasserschäden absichern. Das Haus gehört Ihrem Vermieter, dafür hat er eine Versicherung. Die Gebäudeversicherung des Vermieters kommt immer dann zum Zuge, wenn durch den Wasseraustritt auch Wände oder Böden betroffen sind. Sie zahlen anteilig die Beiträge für die Wohngebäudeversicherung mit, daher haben Sie einen Anspruch darauf, dass der Vermieter den Schaden auch so schnell wie möglich abwickelt und über seine Versicherung abrechnet.

Wasserschaden selbst verursacht?

Wasserschaden

Haben Sie den Schaden verursacht, weil Sie in der Wand beim Aufhängen eines Bildes eine Leitung angebohrt haben? Dann haften Sie für den Schaden. Zwar muss die Versicherung des Eigentümers zuerst den Wasserschaden am Haus selbst übernehmen, kann Sie aber danach in Regress nehmen. Sie waren ja der Verursacher. Dafür haben Sie aber eine private Haftpflichtversicherung, die dann den Schaden für Sie übernimmt.

Übrigens: Als Mieter haben Sie das Recht die Miete zu mindern, wenn der Schaden am Haus oder der Wohnung nicht zeitnah vom Vermieter behoben wird. Das wäre der Fall, wenn beispielsweise ein Raum der Wohnung oder des Hauses getrocknet werden muss, nachdem dort eine Wasserleitung gebrochen ist. Sind mehrere Räume nicht nutzbar, so können Sie ersatzweise eine Ferienwohnung oder eine Pension als Ausweichquartier beanspruchen. Aber immer in einem angemessenen Rahmen. Die Kosten dafür deckt die Versicherung des Vermieters.

Wie können Sie sich vor dem Risiko eines Wasserschadens schützen?

Das Wichtigste ist, dass Wasser nirgendwo unkontrolliert fließen kann. Dazu gehört, dass Sie Waschmaschine und Spülmaschine nur dann in Betrieb nehmen, wenn Sie zu Hause sind. Eine Aqua-Stopp-Einrichtung ist kein Garant dafür, dass nicht irgendwo abseits vom Zulaufschlauch eine Leitung porös ist und dort Wasser auslaufen kann. Ein unbemerkter Wasseraustritt in Ihrer Abwesenheit kann aufgrund der auslaufenden Wassermenge gravierende Folgen haben.

Auf dem Markt gibt es mittlerweile Leck-Erkennungssysteme. Diese sind an Armaturen und wasserbetriebenen Geräte angebracht sowie an der Hauptwasserleitung. Über Schnittstellen kommunizieren diese Geräte miteinander und erkennen, ob irgendwo Wasser ausläuft, obwohl Armaturen geschlossen und Waschmaschine oder Spülmaschine nicht laufen. Dann schaltet nämlich die Hauptwasserversorgung ab und reduziert damit das Risiko eines Wasserschadens. Ein Leck verhindern kann das System natürlich nicht, aber vor größeren Folgeschäden schützen. Manche Versicherer fördern den Einbau finanziell.

Vermeiden Sie Wasserschäden, in dem Sie vor allem Waschmaschine und Spülmaschine regelmäßig entkalken und so die Lebensdauer von Schläuchen verlängern. Überprüfen Sie dazu, ob sich an Heizkörpern kleine Pfützen durch Tropfen bilden. Das gilt auch für die Heizungsanlage. Halten Sie im Auge, ob sich dort am Boden und unter der Anlage womöglich Wasser ansammelt. Dann ist das ein Anzeichen dafür, dass dort irgendwo ein Leck ist.

Abflüsse an der Spüle und im den Badezimmer müssen Sie regelmäßig reinigen. Die Dusche ist anfällig für Ansammlungen von Haaren, so dass der Ablauf irgendwann nur noch geringe Wassermengen aufnimmt. Ebenso gilt in der Küche: Den Abfluss der Spüle sollten Sie regelmäßig mit heißem Wasser durchspülen, um Ablagerungen von Fetten oder Lebensmittelresten zu vermeiden.

Familie im Wald

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