Ist die Hausratversicherung auf dem absteigenden Ast?

Junges Paar mit Umzugskartons

Seit Tagen schon machen Diskussionen über die Hausratversicherung in den Medien die Runde: Ist sie auf dem absteigenden Ast oder wird sie immer noch häufig abgeschlossen?

Einer Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge sinkt der Bestand der Hausratversicherungen, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft präsentiert andere Zahlen. Gibt es neue Bedürfnisse der Kunden, auf die die Hausratversicherer nicht reagieren oder ist der Versicherungsumfang ausreichend?

Ein Drittel aller Haushalte ohne Hausratversicherung?

Über den Zeitraum eines halben Jahres von April bis Oktober 2016 hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov mehr als 10.000 Personen zum Thema Hausratversicherung befragt. Ergebnis der Umfrage: Nur 65 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie über eine Hausratversicherung verfügen. Zehn Jahre zuvor waren es noch 79 Prozent. Die Hausratversicherung scheint also kein Selbstläufer zu sein, sondern wird der Studie nach weniger abgeschlossen als noch vor zehn Jahren. Dafür gibt es viele Gründe: Einerseits betrachten junge Leute vor allem für die erste eigene Wohnung die Hausratversicherung als nicht notwendig, da das Inventar nicht von besonders hohem Wert ist. Andererseits fehlen  vor allem jungen Leuten eine Absicherung der Dinge, die sie als wertvoll betrachten, wie zum Beispiel von Smartphone, Laptop oder Tablet. Die Verdrossenheit beim Thema Hausratversicherung zeigt sich besonders in der Gruppe der unter 30-Jährigen. Gerade einmal ein Drittel von ihnen verfügt über eine Hausratversicherung.

Ältere Bürger versichern sich am häufigsten

Im Gegensatz zu den jüngeren Haushalten sind die älteren Bürger deutlich besser abgesichert. 68 Prozent der Bürger zwischen 31 und 55 Jahre haben eine Hausratversicherung. Hier scheint es auch einen Wandel im Risikobewusstsein zu geben. In dieser Altersperiode ist die Absicherung für Hab und Gut der ganzen Familie nicht ohne Bedeutung. Schließlich ist das Inventar eines kompletten Kinderzimmers in einem mittleren vierstelligen Bereich anzusiedeln. Bei den über 55-Jährigen haben rund 78 Prozent eine Hausratversicherung. Hier liegt das Risikobewusstsein aufgrund der vorhandenen Werte deutlich höher.

Die Versicherungswirtschaft spricht von steigenden Zahlen

Eine andere Aussage zum Thema Hausratversicherung gibt es vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Hier werden Zahlen veröffentlicht, die belegen, dass der Anteil der versicherten Haushalte jedes Jahr im Schnitt im 1,5 Prozent steigt. Waren es im Jahr 2005 noch 24,8 Millionen versicherte Haushalte, so sind im Jahr 2016 bereits 26 Millionen Haushalte. Vor allem das in den letzten Jahren stetig gestiegene Einbruchrisiko trägt dazu bei, dass eine Absicherung des Hausrates immer häufiger als notwendig betrachtet wird. Der Rückgang ist auch bei jungen Leuten und jungen Familien nicht zu verzeichnen: Das Thema Absicherung der persönlichen Werte steht nach wie vor im Vordergrund.

Die Hausratversicherung kann mehr als nur Feuer, Leitungswasser und Einbruch

In den letzten Jahren haben so gut wie alle Hausratversicherer an ihrer Produktpalette gefeilt und immer bessere Tarife auf den Markt gebracht. Oft ist es nicht mehr nur die eine Hausratversicherung, die von einer Gesellschaft angeboten wird. Teilweise  bieten die Hausratversicherer bis zu fünf, sechs verschiedene Tarife an, die sich im Umfang und natürlich vom Beitrag unterscheiden. Dazu gehören Basis-Tarife für den ersten Haushalt, aber auch Premium-Tarife für die Rund-um-Absicherung. Für jede Zielgruppe ist also etwas dabei. Die klassischen Risiken wie Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel und Einbruch gehören immer dazu. Es gibt aber noch zahlreiche andere Leistungen, die den Schutz einer Hausratversicherung ausmachen.

Viele kleine Bausteine machen die Hausratversicherung wertvoll

Im Schadensfall geht es nicht immer nur um den Totalschaden, für den die Hausratversicherung bezahlt, sondern um viele kleine Bausteine, die eine gute Absicherung darstellen. So beschränkt sich der Versicherungsschutz längst nicht mehr nur auf die eigenen vier Wände, die Hausratversicherung zieht auch im Urlaub, wenn ins Hotelzimmer eingebrochen wird. Daneben sind Hausratgegenstände auch in der Garage abgesichert und mittlerweile auch auf der Terrasse des Hauses. So sind Gartenmöbel, der Rasenmäher oder auch der Gartengrill bei vielen Versicherern mittlerweile gegen den Diebstahl vom Grundstück geschützt. Ebenso erstreckt sich der Versicherungsschutz auf den Umgang mit dem Internet: Schäden durch Phishing können mittlerweile bis zu bestimmten Summen versichert werden.

Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz des Smartphones aus?

Vor allem jungen Leuten ist ihr Smartphone wichtig. Dafür wird viel Geld ausgegeben und es soll auch vernünftig abgesichert sein. Beim Einbruch ist es sowieso abgesichert, auch bei einem Raub. Mittlerweile greift der Versicherungsschutz auch bei einfachem Diebstahl am Arbeitsplatz oder sogar bei einem geknackten Wertfach im Fitnesscenter. Was allerdings nicht versichert werden kann, ist der Verlust des Smartphones durch einfaches Verlieren. Würde das in den Leistungsumfang der Hausratversicherung mit aufgenommen, würden die Schadenzahlen sprunghaft in die Höhe schnellen und die Hausratversicherung wäre kaum noch bezahlbar. Übrigens: Viele Handys erleiden einen Schaden, nachdem sie ins Klo gefallen sind. Das liegt daran, dass die kleinen Geräte in der Gesäßtasche aufbewahrt und dann im ungünstigsten Moment herausflutschen. Diese Form von Nässeschäden lässt sich auch beim besten Willen nicht über die Hausratversicherung abdecken.

Fazit: Die Hausratversicherung bleibt eine wichtige Absicherung für das persönliche Hab und Gut

Sicherlich ist nicht jeder Hausrat so ausgestattet, dass bei einem Schaden mehrere Zehntausend Euro nötig sind, um beschädigte oder zerstörte Gegenstände zu ersetzen. Viele Personen gehen auch davon aus, dass bei ihnen schon nichts passieren wird. Das kann schnell zum Bumerang werden. Ein Brand in der Nachbarwohnung, eine offen stehende Wohnungstür und schon ist die eigene Wohnung durch den Brandrauch ruiniert. Auf solche Dinge kann kaum jemand Einfluss nehmen. Selbst wenn der Hausrat eher nur von geringem Wert ist, macht es wenig Sinn, nach einem größeren Schaden auf Spenden aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis angewiesen zu sein. Dann besser mal einen Hunderter im Jahr in die Hausratversicherung investiert und schon sind die größten finanziellen Risiken abgedeckt.

Ein Kommentar zu “Ist die Hausratversicherung auf dem absteigenden Ast?

  1. Guten Tag,

    ich selbst bin gerade einmal 24 Jahre jung und spiele damit in die Summe, der versicherten Leute unter 35. Ich gehöre glücklicherweise zu Jenen, die diese Summe steigen lassen. Ich habe vor etwa eineinhalb Jahren eine Hausratsversicherung abgeschlossen.

    Tatsächlich auf die obengenannte Weise, und zwar im Urlaub. Ich hatte mein Ultrabook, eine Bluetooth box, Kopfhörer und eine DSLM (Spiegellose Wechselobjektivkamera) in meinem Hotelzimmer frei herumliegen. Dummerweise, wie sich später zeigte. Alles wurde gestohlen und ich war nicht versichert. Über meine Verwandte kam ich dann eine Hausratsversicherung bei abgeschlossen. Ich wusste bis dato gar nicht, dass es eine Versicherung gibt, die zahlt, wenn man Hab und Gut aus dem Hotelzimmer entwendet bekommt. Ich dachte immer, dass man entweder Glück hat und das Hotel bezahlt, oder man hat eben Pech, je nachdem, wo man gerade Urlaub macht.

    Ich habe einen guten und bezahlbaren Tarif bei der Versicherung und bereue es nicht. Seither wurde mich zwar nichts mehr gestohlen, Aber dieser Vorfall hat mir gezeigt, dass es jederzeit soweit sein kann. Ich bin aber mittlerweile generell vorsichtiger, was das Herumliegenlassen meiner Wertgegenstände betrifft und ich will es auch wirklich nicht darauf ankommen lassen.

    Jedenfalls kann ich sagen, dass junge Leute genauso ausgeraubt werden könne, wie Ältere und auch wir haben Wertsachen. Es gibt speziell für Studenten und Azubis Tarife und die sind meist definitiv günstiger, als das gesamte Hab- und Gut zu ersetzen. Ich habe beispielsweise immer noch keine neue Kamera.

    LG
    Lennart

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