Hausbau und Hauskauf: Fördermittel einplanen und Ausgaben sorgsam kalkulieren

Rohbau

In Deutschland wird Wohnraum knapp und viele Menschen möchten sich den Traum vom eigenen Häuschen erfüllen. Mehr Platz für die Familie, eine Absicherung für das Alter und die Selbstverwirklichung an einem selbst gewählten Ort.

Viele Menschen bauen abseits der Städte, da die Grundstückpreise hier günstiger ausfallen und gleichzeitig die Lebensqualität besser ausfällt als mitten in den großen Städten. Mit welchen Fördermitteln können Häuslebauer rechnen und welche Formen der Absicherung gibt es, damit der Hausbau nicht zum Albtraum wird?

Bauarbeiter mit einer Leiter

Tschüss Eigenheimzulage, hallo Baukindergeld

Ende der 1990er Jahre hat die Bundesregierung mit der Eigenheimzulage eine Fördermaßnahme auf den Weg gebracht, über die Hausbauer oder Käufer bis zu 40.000 Euro Förderung, verteilt auf acht Jahre einstreichen konnten. Die Eigenheimzulage wurde gut angenommen. Aus Sicht des Staates aber mehr von den Menschen, die ohnehin genug Kapital zum Bauen hatte. Daher ist diese Form der Förderung im Jahr 2006 abgeschafft worden. Dennoch fragen immer noch viele Hausbauer nach dieser Form der Förderung. Seit 2018 gibt es das Baukindegeld, das vor allem Familien mit Kindern einen Anreiz zum Bauen oder Kaufen schaffen soll.

Baukindergeld für den Hausbau oder den Hauskauf

Für den Hausbauer gab es eine höhere Eigenheimzulage als für den Hauskäufer. Das ist nun beim Baukindegeld nicht mehr der Fall. Hier richtet sich der Zuschuss allein an die Anzahl der Kinder. Für jedes Kind in der Familie leistet der Staat einen Zuschuss über 12.000 Euro, verteilt auf zehn Jahre. Das maximale Haushaltseinkommen darf maximal 90.000 Euro betragen plus 15.000 Euro für jedes weitere Kind. Beantragen können Sie die Förderung für Ihr Kind bis zum Tag vor dem 18.Geburtstag. Eine Anpassung des Baukindergeldes bei der Geburt eines weiteren Kindes erfolgt allerdings nicht. Familien mit beispielsweise drei Kindern können so 36.000 Euro Förderung erhalten – auf zehn Jahre verteilt.

Wie verwenden Sie das Baukindergeld am besten?

Haus mit Sparschwein

1.200 Euro je Kind und das zehn Jahre lang. So lässt sich die monatliche Belastung für den Hausbau je Kind also um 100 Euro monatlich senken. Ein auf den ersten Blick guter Gedanke, der aber fatale Auswirkungen haben kann. In der Regel vereinbaren viele Hausbauer und Hauskäufer einen niedrigen Zinssatz bei der Finanzierung. Diese Finanzierung läuft aber nicht ewig, sondern immer nur für einen vereinbarten Zeitraum. Läuft die Zinsbindung ab, so muss der Zinssatz neu verhandelt werden und orientiert sich an den Zinsen, die dann auf dem Markt gängig sind. Diese können unter Umständen in acht, zehn oder 15 Jahren höher ausfallen.

Wer jetzt zunächst seine Förderung zur Reduzierung der monatlichen Belastung aufwendet, hat nach Ablauf der Zinsbindung doppelt Pech: Die Förderung fällt weg und womöglich steigt der Zinssatz. Dann können die Belastungen schnell mal um mehrere hundert Euro nach oben gehen. Das hat schon vielen Hausbauern in der Zeit der Eigenheimzulage finanziell das Genick gebrochen. Sinnvoller ist es, wen die Förderung zur Seite gelegt wird und nach Ablauf der Zinsbindung als Sondertilgung eingesetzt wird. Schließlich muss das Baukindergeld ja nicht zurückgezahlt werden. Sinnvoll ist dafür ein Bausparvertrag. Diesen richten Sie ein, zahlen das Baukindergeld dort ein und erhalten ein Darlehen in gleicher Höhe wie die Einzahlung. Der Vorteil dabei ist: Bereits beim Abschluss steht der Zinssatz für das Darlehen fest. Dieser ändert sich bis zum Ende der Tilgung nicht mehr und Sie können Ihre Belastung auf den Cent genau planen.

Förderungen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau

Seit 1948 gibt es in Deutschland die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW genannt. Diese untersteht dem Finanzministerium des Bundes und gewährt Kredite zur Errichtung privatem Wohneigentum, aber auch nicht zurückzahlbare Zuschüsse. Da die KfW nicht gewinnorientiert arbeitet, sind die Zinsen deutlich geringer als die Zinsen von Banken und Sparkassen. Ein Darlehen zum Hausbau kann darüber aber nicht vollständig abgedeckt werden. IN der Regel steht das Darlehen der Hausbank im ersten Rang. Bis zu 50.000 Euro können Sie aber über die KfW noch aufnehmen, um Ihre Finanzierung zu vervollständigen. Damit besteht die Finanzierung für ein Bauvorhaben aus einem Darlehen durch die Hausbank und einem Darlehen durch die KfW. Die Zinssätze bei der Kfw liegen derzeit zwischen 0,8 % und 1,35 %. Die Tilgung setzt erst nach ein bis drei Jahren ein.

Welche laufenden Kosten kommen bei Bezug des Hauses eigentlich dazu?

Haus Vertrag unterschreiben

Die Finanzierung steht, die Fördermittel sind bewilligt und die Belastungen für das neue Eigenheim langfristig überschaubar. Damit ist die Finanzplanung aber noch nicht zu Ende, denn auch ein fertiges Haus verschlingt natürlich noch jede Menge Kosten, die Sie monatlich mit berücksichtigen müssen. Dazu gehören neben Strom, Heizung und Wasser auch noch kommunale Gebühren wie Müllabfuhr, Grundsteuer oder auch noch Anliegerkosten, wenn aus dem Provisorium einer Baustraße jetzt eine asphaltierte oder gepflasterte Straße werden soll.

Müllnebenkosten und Abwassergebühren

Je nach Kommune fallen die Entsorgungskosten unterschiedlich aus. Während Papiermüll oder Verpackungsmüll gebührenfrei abgeholt werden, fallen für den Restmüll entsprechend kommunaler Gebührenordnungen Kosten an. Diese liegen im Schnitt bei etwa zehn Prozent aller Nebenkosten für das Haus. Drücken können sie sich dafür nicht, denn die graue Tonne bekommen Sie in jedem Fall hingestellt. In einigen Städten liegen die Kosten für die Müllabfuhr sogar so hoch wie Grundsteuer und Abwassergebühren zusammen. Wobei letztere auch je nach Kommune höchst unterschiedlich erhoben werden. Hierbei gilt: Die Abwassergebühren lassen sich ebenfalls nicht umgehen, denn wo Frischwasser verbraucht wird, fällt natürlich auch Abwasser an.

Grundsteuer

Die Grundsteuer B wird für jeden Hauseigentümer fällig. Das Finanzamt ermittelt einen Einheitswert für das Grundstück. Dieser orientiert sich in der Regel am Wert des Grundstückes. Die jeweilige Kommune entscheidet dann, mit welchem Prozentsatz die Grundsteuer, auch Hebesatz genannt, erhoben wird. Diese wird jeweils für mindestens ein Kalenderjahr festgelegt und kann sich regelmäßig ändern. Je größer die Stadt, desto höher in der Regel auch die Grundsteuer. Die Grundsteuer ist also eine Steuer auf das Grundeigentum, kann aber auch für Erbbraurechte erhoben werden.

Rücklagen für die Renovierung

Wenn das Haus gerade neu errichtet wurde, verschwenden die meisten Hauseigentümer noch keine Gedanken daran, dass irgendwann oder auch plötzlich eine teure Reparatur auftreten kann. Dazu reicht es aus, wenn die Heizungsanlage nach Ablauf der Gewährleistung auf einmal streikt und repariert werden muss. Jedes Haus wird älter und verschlingt auf einmal Kosten für notwendige Reparaturen. Das Dach muss beispielsweise nach 30 bis 50 Jahren saniert werden. Dann fehlt es in späteren Jahren meistens an der Rücklage, um eine solche Sanierung zu stemmen. Als Faustregel empfehlen wir: Pro Quadratmeter Wohnfläche monatlich 1 Euro zur Seite zu legen. Ebenso verliert die Außenfassade, wenn sie nicht gerade verklinkert ist, ihren Glanz. Nach zehn Jahren also schadet ein neuer Anstrich nicht, wenn das Haus noch ansehnlich sein soll.

Woran müssen Sie als frisch gebackener Hauseigentümer noch denken?

Haus schützen

Raus aus der Miete, hinein ins Eigentum. Damit verwirklichen Sie den Traum von den eigenen vier Wänden und verlassen damit gleichzeitig eine Komfortzone. Wenn im Badezimmer eine Fliese locker war, haben Sie den Vermieter angerufen und er hat sich darum gekümmert. Jetzt liegt alles bei Ihnen. Sie sind nun für den Zustand Ihres Hauses verantwortlich. Dazu gehören einige Punkte, die wenig Aufwand darstellen, aber effektiv sind: Gegen Schäden am Dach und an der Fassade müssen Sie regelmäßig Ihre Dachrinne prüfen. Nicht, dass hier Wasser überläuft und sich über die Fassade den Weg ins Mauerwerk sucht. Frostschäden können durch geplatztes Mauerwerk sehr teuer werden. Achten Sie vor allem im Winter darauf, dass die Wasserleitungen frostgeschützt sind und es zu keinem Rohrbruch kommen kann. Ebenso gilt: Sind die Bäume etwas größer, dann überprüfen Sie diese regelmäßig auf Festigkeit. Nicht, dass diese beim nächsten Sturm auf Ihrem Dach landen.

Niemals ohne die richtige Versicherung

Apropos Baum und Sturmschaden: Versicherungen für das Neubauvorhaben und das fertige Haus sind der wichtigste Begleiter, damit Sie im Schadensfall abgesichert sind. Dazu gehören während der Bauphase die Bauherrenhaftpflicht und die Bauleistungsversicherung. Damit sind Sie gegen Schäden während der Bauphase abgesichert, aber auch gegen Schadensersatzansprüche, falls jemand auf Ihrer Baustelle zu Schaden kommt. Bei Bezug greift dann die Gebäudeversicherung, natürlich immer mit Elementarschutz: Damit sind Sie auch gegen Naturgefahren abgesichert wie Starkregenfälle, Lawinen oder sogar auch Erdbeben und Erdrutsch.

Familie im Wald

2 Kommentare zu “Hausbau und Hauskauf: Fördermittel einplanen und Ausgaben sorgsam kalkulieren

  1. Vielen Dank für die ganzen Informationen. Wie sieht es dazu noch mit einem Wintergarten aus? Kann man sowas gleich mitfinanzieren? Stellt ja an sich auch eine Wertsteigerung dar. Aber wird sowas auch von der Bank so gesehen? Danke im Voraus!

    1. Hallo Franko31,

      wenn Sie eine Finanzierung bei Ihrer Bank anstoßen, werden natürlich alle Gebäudeteile mit in die Berechnung einbezogen. Dazu zählen auch Anbauten wie Wintergärten, die im Endeffekt Ihre Immobilie ganz klar aufwerten.
      Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

      Einen schönen Tag wünscht
      Jörg vom Team von vergleichen-und-sparen.de

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