Der Fluch für Hauseigentümer: Wenn nachts die Graffiti-Sprayer kommen

Nachts in einem dicht besiedelten Wohngebiet: Ein Sprayer hat eine Schneise der künstlerischen Verwüstung geschlagen und auf diversen Häusern in der Nachbarschaft seine Tags hinterlassen.

Jede Menge Silver-Pieces, so nennen sich die ungeliebten Kunstwerke, verunzieren nun Hausfassaden und Außenrollos von Einfamilienhäusern. Keiner hat was mitbekommen, die Sprayer sind auf und davon. Die Polizei muss diverse Anzeigen wegen Sachbeschädigung aufnehmen. Was nur wenige Hauseigentümer wissen: Die Gebäudeversicherung zahlt für die Kosten, die für eine Beseitigung der Graffiti-Schäden anfallen. Vorausgesetzt, Sie haben den richtigen Tarif.

Familie unter Dach

Wo hinterlassen Sprayer ihre Visitenkarten?

Der Reiz liegt darin, Aufmerksamkeit zu erregen und auch politische Botschaften zu hinterlassen. Verschiedene Formen von Graffiti wie Tags oder Silver-Pieces hinterlassen Sprayer auf Zügen, Straßenbahnen, aber auch auf Fassaden von Wohn- und Geschäftshäusern. Die politischen Botschaften kommen an sogenannten Hotspots zur Geltung. Vor allem öffentliche Gebäude sind dazu aus des Sprayers Sicht geradezu prädestiniert. Wo sonst kann man sich schon so auffällig mit seiner politischen Meinung verewigen?

Wie hoch sind eigentlich die Kosten für die Graffiti-Beseitigung?

Der Deutsche Städtetag, die Interessenvertretung der Städte und Gemeinden gegenüber Bund und Ländern, summiert die jährlichen Graffiti-Schäden an privaten und öffentlichen Gebäuden auf rund 100 Millionen Euro. Wenn sich ein Sprayer mit seiner Crew auf einer Hausfassade verewigt, können je nach Größe des Tags Reinigungskosten von mehreren Tausend Euro anfallen. Abhängig ist das natürlich auch vom Anbieter, der das Graffiti entfernt. Personalkosten, Anfahrt und eingesetztes Material wirken sich auf die Beseitigungskosten aus.

Wer übernimmt die Kosten der Graffiti-Entfernung? Der Hauseigentümer oder seine Gebäudeversicherung?

Lange Jahre war es tatsächlich so, dass Hauseigentümer mit der Beseitigung von Graffiti-Schäden auf sich allein gestellt waren. Das war vor nicht allzu langer Zeit noch kein Thema für die Gebäudeversicherung. Erst zu Beginn der 2000er Jahre haben die Gebäudeversicherer ihren Versicherungsschutz um Klauseln erweitert, die der versicherte Hauseigentümer individuell mit einschließen konnte. Dazu gehörte auch der Einschluss der Beseitigung von Graffiti-Schäden. Mittlerweile haben sich die Versicherer in Bezug auf die Gebäudeversicherung anders ausgerichtet. Es gibt unterschiedliche Deckungskonzepte. Die Basis-Tarife bieten gegen die klassischen Gefahren wie Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel ausreichenden Schutz. Schäden durch Vandalismus oder Graffiti sind darin zumeist nicht eingeschlossen. Dazu müssen Sie als Hauseigentümer den Versicherungsschutz schon umfangreicher wählen. Innerhalb der sogenannten Premium-Tarife sind Graffiti-Schäden mit unterschiedlichen Höchstgrenzen abgesichert.

In welcher Höhe leisten Gebäudeversicherer für Graffiti-Schäden?

Leider gibt es keine einheitliche Linie, mit der Graffiti-Schäden in der Gebäudeversicherung behandelt werden. Zur besseren Übersicht haben wir Ihnen eine kleine Auswahl von Versicherern zusammengestellt, in deren Premium-Tarifen das Thema Graffiti-Beseitigung zum Tragen kommt.

  • Alte Leipziger, XXL-Schutz: bis 2.500 Euro je Schadensfall
  • Ammerländer Versicherung, Tarif Exclusiv: bis 2.000 Euro je Schadensfall
  • AXA Versicherung, Tarifbaustein Sorglos: bis 5.000 Euro je Schadensfall
  • Degenia Tarif Optimum: bis 10.000 Euro je Schadensfall, max. 25.000 Euro jährlich
  • DEMA Einfamilienhaus-Konzept Top-Schutz: keine Begrenzung
  • Häger Versicherung, Tarif Top: bis zu 2.500 Euro je Schadensfall
  • HDI Versicherung: bis zu 10.000 Euro je Schadensfall
  • InterRisk, Tarif XXL: keine Begrenzung
  • Neuharlingersiel Versicherung, Tarif NV WohnhausPremium: bis 5.000 Euro je Schadensfall
  • VPV Versicherung: bis zu 3.000 Euro je Schadensfall

Alle diese Tarife finden Sie auch in unserem Vergleichsrechner zur Gebäudeversicherung

Wichtig dabei ist, dass es hier auch noch unterschiedliche Selbstbehalte gibt. So müssen Sie teilweise bis zu 500 Euro der Kosten für die Graffiti-Beseitigung selbst tragen – je nach Tarif. Als positiv können wir herausstellen, dass vor allem die Gebäudeversicherungen ohne Summenbegrenzung hier auch nur eine niedrige oder gar keine Selbstbeteiligung vereinbaren.

Muss der Hauseigentümer seine Gebäudeversicherung für die Graffiti-Beseitigung heranziehen?

Wer Eigentümer eines Einfamilienhauses ist, kann sich überlegen, ob er die Kosten selbst trägt oder an die Gebäudeversicherung weitergibt. Lassen sich die Schmierereien relativ problemlos entfernen, ohne dass dafür eine Fachfirma anrücken muss, so macht es wenig Sinn, die fiktiven Kosten für den eigenen Einsatz der Gebäudeversicherung vorzulegen.

Lassen sich die Tags nur noch durch eine Fachfirma beseitigen, so macht es natürlich Sinn, diese Rechnung an die Gebäudeversicherung weiterzugeben. Je nach Aufwand kann diese unter Umständen im vierstelligen Bereich liegen.

Wenn ein Mehrfamilienhaus mit den unschönen Tags verziert wurde, so kann der Vermieter die Kosten der Entfernung der Graffitis unter Umständen auf die Mieter umlegen (Urteil Amtsgericht Berlin-Mitte, 27.07.2007, Az. 11 C 35/07). Es handelt sich nämlich dabei nicht um eine Maßnahme, die die Lebensdauer des Hauses verlängern soll. Dann müsste der Vermieter die Kosten nämlich selbst tragen. Nach der Auffassung des Gerichtes ist die Graffiti-Entfernung eher als Gebäudereinigung zu betrachten. Diese dient der Aufrechterhaltung des optischen Zustandes, von dem alle Mieter profitieren.

Ähnlich sah das auch das Amtsgericht Berlin-Neukölln. Werden die Kosten für die Graffiti- Beseitigung über mehrere Jahre hinweg im Rahmen der Mietnebenkosten unwidersprochen vom Mieter getragen, kann diese als weitere Kostenart in den Nebenkosten mit aufgeführt werden (Urteil AG Berlin-Neukölln, 01.03.2017, Az. 6 C 54/16).

Können Mieter die Gebäudeversicherung des Vermieters in Anspruch nehmen?

Es ist schon eine Krux mit den Schmierereien draußen an der Hausfassade. Fakt ist: Besteht eine Gebäudeversicherung, über die diese Verunstaltungen durch Graffiti abgesichert sind, kann der Mieter in der Tat verlangen, dass diese Kosten über die Gebäudeversicherung abgedeckt werden und nicht über die Nebenkosten. Die meisten Mieter zahlen nämlich im Rahmen der Nebenkosten anteilig für die Gebäudeversicherung mit. So würden im Falle einer Umlegung der Reinigungskosten die Mieter doppelt zur Kasse gebeten.  Auch wenn es dem Hauseigentümer nicht passt und womöglich die Prämien steigen: Ist der Graffitischaden versichert und die Mieter zahlen fleißig die Gebäudeversicherung, dann kommt er nicht drum herum, diese in Anspruch zu nehmen.

Familie im Wald

 

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