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Giardien beim Hund – Konkrete Gefahr oder übertriebene Panikmache?

Giardien

Der Hund hat Giardien! Viele Hundebesitzer haben die Diagnose bereits gehört. Oft wird dann Hals über Kopf zur chemischen Keule gegriffen und der Tierarzt pumpt den Vierbeiner mit Medikamenten voll. Doch muss das sein? Wir haben uns schlau gemacht.

Sie sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen und können Mensch und Tier gleichermaßen befallen. Sie haben in einem schwachen Immunsystem sehr unangenehme Auswirkungen. Sich mit diesen Schmarotzern anzustecken geht ruckzuck.

Die Geschichte der Giardien reicht weit in die Vergangenheit zurück. Schon lange bevor Wolf, Mensch, Hund oder Katze diesen Planeten besiedelt haben, waren die einzelligen Parasiten vermutlich putzmunter in den Eingeweiden der Dinosaurier unterwegs und haben sie geärgert.

Und so haben sich die kleinen garstigen Störenfriede bis heute durchgesetzt und versauen uns und unseren Haustieren den Tag. Doch wie genau machen sie das und wie verschaffen sie sich Zutritt zum Körper?

Bitte beachte: Dies ist ein Gesundheitsthema und unser Blog ersetzt nicht den Tierarzt! Im Zweifelsfall such mit deinem Hund immer einen Veterinär auf!

Giardia intestinalis – Darmparasiten in fast allen Hunden

Am häufigsten löst Giardia intestinalis, so der lateinische Name, im Darm von Welpen oder älteren und immunschwachen Hunden Durchfallerkrankungen aus. Doch warum ausgerechnet bei diesen Hundegruppen?
Beide Gruppen haben eine Gemeinsamkeit: ein nicht vollständig funktionierendes Immunsystem. Hier kann sich der Parasit besonders gut vermehren, weil er kaum vom Körper seines Wirts angegriffen wird.

Tierärzte gehen sogar davon aus, dass rund 70 Prozent aller Welpen bis zu einem Alter von einem Jahr von Giardien befallen sind. Die Hälfte aller älteren Hunde sei laut Tierärzten zudem mit Giardien belastet. Und das sogar ohne Ausbruch einer Erkrankung.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass gesunde Tiere häufig eine Immunität gegen die Parasiten besitzen. Sie tragen die Einzeller zwar in sich, es bricht aber keine Erkrankung aus.

Wie steckt sich der Hund mit Giardien an?

Giardien sind beinahe allgegenwärtig. Da die winzigen Plagegeister Mensch und Tier gleichermaßen befallen, findet man sie auch sehr häufig in unserem Lebensumfeld. Doch hier lautet die Devise: keine Panik!

Ein Befall passiert im Handumdrehen. Da muss Bello nur einmal auf einen Grashalm treten, auf dem ein mit Giardien belasteter Kothaufen eines befallenen Tieres (Hund, Katze, Igel usw.) lag. Im Anschluss an der Pfote geleckt und schon ist es passiert.

Pfützen können ebenso eine Vielzahl von Erregern enthalten. Daher sollten Hunde nicht aus diesen oder anderen stehenden Gewässern trinken.

Auch Fliegen sind häufig Überträger. Kot aller Art zieht sie magisch an. Dort nehmen sie die Giardien auf. Danach starten sie und landen vielleicht kurz darauf auf dem Hundefutter im heimischen Napf. Schon lauert die Ansteckungsgefahr auch zuhause.

Hund trinkt aus Pfütze

Giardien sind Überlebenskünstler

Die Giardien befinden sich außerhalb von Körpern in so genannten Zysten. Das sind robuste Schutzhüllen, mit denen sie sich umgeben. So können Umwelteinflüsse die einzelligen Organismen nicht beschädigen. Derart geschützt können die Parasiten wochen- bis monatelang draußen überleben.

Werden sie dann schließlich aufgenommen und landen im Magen, löst die Magensäure die Zyste auf und die darin enthaltenen Parasiten breiten sich im Darm aus. Nun nennt man sie übrigens Trophozoiten.

Was Giardien im Darm anrichten können

Im Darm heften sich die Parasiten an die Darmschleimhaut und leben von den Nährstoffen im Nahrungsbrei. Ähnlich wie Bakterien geben die Einzeller bei ihrer Nahrungsaufnahme chemische (Abfall-)Stoffe in ihre Umgebung ab.

Diese Stoffe reagieren mit den körpereigenen Stoffen des Hundes und es kommt ein schädlicher Chemiecocktail zustande. Ist der Giardienbefall zu stark, nimmt das Gewebe im Darm Schaden. Die Giardien besetzen dabei zu viel Platz an den Darmwänden. Nährstoffe werden nicht mehr richtig aufgenommen. Es kommt zu dem bei Hundehaltern so gefürchteten Durchfall.

Was sind die Symptome bei Giardien beim Hund?

Die typischen Symptome eines Giardienbefalls, besonders bei Welpen und immunschwachen Hunden, sind:

  • starker Durchfall
  • gelblich-grüner, extrem übel riechender Kot
  • Abmagerung trotz Futteraufnahme
  • Bauchschmerzen
  • eventuell Blut im Kot

Auch können diese Symptome auftreten, jedoch eher seltener:

  • Erbrechen
  • Fressunlust
  • allgemeine Abgeschlagenheit

Nun heißt es: ab zum Tierarzt! Dieser kann mittels einer Kotprobe feststellen, ob und wie stark dein Vierbeiner befallen ist. In der Regel werden dann spezielle Medikamente (Antiparasitikum) verschrieben.

Gründlich reinigen bei Giardien ist immens wichtig!

Ist der Hund durch Giardien krank, heißt es nun für dich, dass du nun Hund und Heim besonders gründlich sauber halten musst:

  • Reinige mindestens einmal täglich Spielzeug, Wasser- und Fressnapf. Am besten mit kochendem Wasser übergießen.
  • Schütze die Näpfe vor Fliegen, denn die verteilen die Giardien wieder in der Umgebung.
  • Wasch die Schlaf- und Liegedecke so heiß wie möglich und tausch diese täglich aus!
  • Mit einem Dampfstrahler (mindestens 60° C) die Flächen reinigen, wo sich der erkrankte Hund aufgehalten hat. Das kannst du aber auch gerne mit heißem Wasser machen, nicht jeder besitzt einen Dampfstrahler.
  • Ganz wichtig: Feuchte Stellen auf Böden oder Liegeflächen unbedingt trocken legen. Die Zysten der Giardien fühlen sich nämlich bei Feuchtigkeit richtig wohl und halten dort am längsten durch.
  • Wasch das Fell am Hinterteil des Hundes während der Zeit der Erkrankung täglich. Damit wäscht du die Zysten heraus, die vielleicht noch im Fell hängen. Ist das Fell länger, kürz es so gut es geht. Da man die Zysten ohne ein spezielles Mikroskop nicht erkennt, musst du hier gründlich vorgehen
  • Jedes Mal, wenn dein Hund sein großes Geschäft gemacht hat, solltest du sein Hinterteil feucht abwischen. Das Tuch verwendest du bitte immer nur einmal. Feuchte Babytücher eignen sich recht gut dafür.
  • Die Hinterlassenschaften immer in dichte Tüten verpackt entsorgen. So können die Giardien nicht entkommen.
  • Stell unbedingt die Fütterung um. Besonders in Trocken- und Dosenfutter ist Stärke reichlich vorhanden. Stärke liefert genau die Energie, welche die Parasiten so richtig gedeihen lässt. Frag dazu bitte den Tierarzt deines Vertrauens, dieser kann dir die passende Ernährung für den Hund empfehlen.
  • Sofa, Bett und Co. sind für die Zeit der Erkrankung absolut tabu für den Hund. Auch wenn es in der Seele weh tut, aber nun gilt strikte Quarantäne. Schränke den Bereich, in dem der Hund sich bewegen darf, ein. Wichtig dabei ist aber unbedingt, dass er trotzdem und gerade jetzt seine sozialen Kontakte zu seinen Bezugspersonen pflegen kann.

Sind Giardien vom Hund auf den Menschen übertragbar?

Es besteht eine winzige Wahrscheinlichkeit der Zoonose. Das heißt, dass die Giardien vom Hund zum Teil auch auf den Menschen übertragbar sind. Dort können sie dann auch die gefürchtete Durchfallerkrankung auslösen, die sehr unangenehm ist.

Besonders in südlichen und tropischen Ländern ist die Gefahr einer Ansteckung recht hoch. Meide im Urlaub dort daher unbedingt den Kontakt zu Straßenhunden bzw. reinige dich danach gründlich.

Dennoch ist im Normalfall ein Giardienbefall für Menschen zwar lästig, aber durch entsprechende Maßnahmen wieder schnell behoben. Unbehandelt kann der durch Giardien bedingte Durchfall jedoch für Mensch und Tier gesundheitlich einiges in Schieflage bringen.

Ist dein Hund also von Giardien befallen, musst du unbedingt für eine gute Hygiene und Reinigung sorgen. Das ist nicht nur wichtig, damit du dich nicht eventuell ansteckst. Die Gefahr der Wiederansteckung für deinen Hund ist ebenfalls sehr groß.

Sind die Zysten nicht vollständig vernichtet, kann sich dein Hund immer wieder an dem Parasit im Haus anstecken. Diesen Kreislauf gilt es zu unterbrechen.

Eine gute Reinlichkeit kann nicht nur die Chance verringern, dass sich dein Hund mit Giardien infiziert. Auch bei bestehendem Befall kannst du durch regelmäßige Reinigung von Körbchen und Umgebung die Ausbreitung der fiesen Parasiten eindämmen.

Den vierbeinigen Liebling darfst du natürlich nicht vergessen. Auch er braucht jetzt viel Pflege und Sauberkeit.

Welpen leiden besonders unter der Giardiose

Gerade die ganz Kleinen leiden unter der parasitären Erkrankung. In der Fachsprache nennt man sie Giardiose oder Giardiasis. Wichtig ist aber vor allem, dass du den kleinen Hund jetzt nicht sozial isolierst und sich selbst überlässt!

Gerade in der Sozialisationsphase kann das ganz böse Folgen für sein späteres Verhalten haben. Behandle daher deinen Hund so normal wie möglich.

Daher ist unwahrscheinlich wichtig:
Auf keinen Fall mit dem noch kleinen Hündchen schimpfen, wenn es wieder einmal strahlartig aus ihm herausgeschossen kam! Er kann nichts dafür und weiß selber nicht, wie ihm geschieht. Ihm tut mit Sicherheit der Bauch weh und dann bekommt er auch noch Ärger dafür.

Rede unbedingt beruhigend auf ihn ein und beseitige das Malheur in aller Ruhe. So zeigst du deinem Welpen, dass er keine Schuld an der Misere trägt.

Sollten alle Stricke reißen und du nicht weiter wissen, frag auf jeden Fall einen Hundetrainer oder deinen Tierarzt, wie du die Fellnase nun behandeln sollst.

Giardien und Antibiotika

Wie auch bei uns Menschen wirkt sich eine Behandlung mit Medikamenten wie Antibiotika bei zu häufiger Anwendung sehr negativ auf die Gesundheit eines Hundes aus. Das Darmgleichgewicht wird dadurch geschädigt. Die guten Bakterien im Darm werden genauso vernichtet wie die Parasiten. Als Folge können sich immer mehr Erkrankungen einschleichen.

Giardien lassen sich fast nie komplett aus dem Darm vertreiben. Ein kleiner Rest kann sich immer verstecken und später wieder vermehren. Sollte das Immunsystem des Hundes daher durch zu häufige Medikamentengabe gestört sein, kann der Durchfall immer wieder kommen.

Hier solltest du unbedingt mit dem Tierarzt eine andere Vorgehensweise – auch zur Stärkung des Immunsystems – absprechen. Es gibt durchaus auch natürliche Mittel zur Stärkung der Darmflora und des Immunsystems.

Übrigens: Hast du schon mal über eine Hundekrankenversicherung nachgedacht? Sie gibt dir finanzielle Rückendeckung, wenn Tierarztbesuche anstehen.

Giardien und mehrere Hunde

Ist einer deiner Hunde mehrfach durch Giardienbefall erkrankt und hat Durchfall, lass die anderen Hunde ebenfalls testen. Oft kommt es vor, dass der offensichtlich gesunde Hund gegen die Giardien immun ist.

Dennoch scheidet er die Parasiten in Zystenform aus – Stichwort Mutterschiff.
Die Zysten wiederum gelangen wieder in andere Hunde, die dadurch krank werden können.

Hier liegt die einzige Ausnahme, auch den gesunden Hund entsprechend entwurmen zu lassen. Aber auch nur, um den Ansteckungskreislauf zu durchbrechen.

Regelmäßige, blinde Entwurmungen sind aber bitte mit Vorsicht zu genießen. Sie können mehr Schaden als Nutzen bringen, da sie ja immer wieder in das Immunsystem des Hundes eingreifen und eventuell damit schwächen.

Giardien vorbeugen: Immer eine gute Idee

Es gibt zurzeit zwar einen Impfstoff gegen Giardien, doch ist dieser in Deutschland nicht zugelassen und somit nicht erhältlich. Bleibt also abzuwarten, ob sich in dieser Richtung hoffentlich bald etwas tut.

Du als Hundehalter kannst aber einige Maßnahmen auch ohne Impfung oder Chemie als Vorbeugung vornehmen. Oftmals begünstigen manche Umstände eine Infektion mit Giardien:

  • Achte auf die richtige Ernährung. Trockenfutter enthält extrem viele Kohlenhydrate. Die werden von den Giardien geliebt.
  • Stress kann auch sehr begünstigend für die Parasiten sein. Unter Stress leidet oft auch das Immunsystem. Ist es schwach, bietet es gute Entfaltungsmöglichkeiten für die Einzeller.
  • Stress entsteht zum Beispiel, wenn Welpen von ihren Müttern getrennt werden oder die Nahrung plötzlich komplett umgestellt wird.
  • Viele Hunde lieben es, den Kot anderer Tiere (Hunde) zu beschnuppern. Manche fressen ihn sogar. Hier ist Vorsicht geboten, kann sich doch gerade in dem so verführerischen Haufen eine Vielzahl Giardien befinden!

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