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Warum kann sich die Gebäudeversicherung bei grober Fahrlässigkeit nicht drücken?

Schaden am Dach durch Fahrlässigkeit

Viele Schäden im Bereich der Gebäudeversicherung werden durch Leitungswasser oder Feuer verursacht. Gerade bei größeren Schäden beginnt der Kampf des Betroffenen gegen seine Gebäudeversicherung: Wurde der Schaden grob fahrlässig verursacht?

In so manchen Fall versucht die Gebäudeversicherung das schuldhafte Verhalten des Versicherungsnehmers in den Vordergrund zu stellen, um die Schadensersatzleistung zu reduzieren. In vielen Fällen setzen sich die Betroffenen vor Gericht durch. Grob fahrlässiges Verhalten ist nicht ohne weiteres nachweisbar.

Was bedeutet grobe Fahrlässigkeit?

Grob fahrlässig bedeutet, dass Sie Ihre Sorgfaltspflichten im Alltag außer Acht gelassen haben und sich dadurch ein Schaden ereignet. Der Klassiker: Sie lassen eine Kerze brennen, verlassen den Raum und kurze Zeit später steht das Zimmer in Flammen. Ein Grund für die Gebäudeversicherung, den Schaden nur anteilig zu übernehmen – je nach Schwere Ihres Verschuldens. Vielfach kommt es zum Rechtsstreit, unter Umständen geht es hier um existenzielle Fragen – wenn der Schaden so hoch ist, dass dieser anteilig aus eigener Tasche nicht bezahlt werden kann. Es gibt aber hinreichend Situationen, die letztendlich von den Gerichten zugunsten der Geschädigten entscheiden wurden.

Ein unbeabsichtigt eingeschaltetes Ceran-Kochfeld ist keine grobe Fahrlässigkeit

Mai 2012 in einer Studenten-WG: Nach einer Party wollte am Folgetag einer der Bewohner im Ofen eine Pizza aufbacken. Da der Herd in der Küche sich durch leichtes Berühren einschaltet, wurde bei der Party die Sicherung ausgeschaltet, um Schäden zu verhindern. Um den Backofen zu nutzen, wurde die Sicherung wieder eingeschaltet. Der Bewohner stellte den Timer für den Ofen ein und begab sich in sein Zimmer. Dabei hatte er nicht registriert, dass der Herd eingeschaltet war. Die Gebäudeversicherung übernahm zwar den Schaden, wollte anschließend den Studenten in Regress nehmen. Immerhin löste der Herd einen Brand mit einem Schaden von rund 30.000 Euro aus. Das Oberlandesgericht Naumburg entschied in letzter Instanz im Jahr 2013, dass durch den Studenten kein grob fahrlässiges Verhalten vorlag. Der Vorgang, den Ofen mit einer Zeitschaltuhr zu betrieben, zeugte vom Sicherheitsdenken des Studenten. Gleichwohl ist es nicht üblich, bei einem Aufbackvorgang den Ofen dauerhaft im Auge zu behalten. Das Verlassen der Küche war also auch nicht als grob fahrlässig einzustufen. Die Gebäudeversicherung konnte den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit nicht durchsetzen.

Eine unbeaufsichtigte Weihnachtspyramide stellt keine grobe Fahrlässigkeit dar

Schon vor rund neun Jahren entscheid das Amtsgericht Offenbach, dass eine unbeaufsichtigte Kerze oder Weihnachtspyramide beim kurzen Verlassen des Raumes keine grobe Fahrlässigkeit darstellt. Schon ein relativ kurzer Moment reichte aus, um einen Brand zu entfachen. Der Bewohner des Hauses hatte kurz das Zimmer verlassen, indem sich die Weihnachtspyramide befand, um seine Notdurft zu verrichten. Nach etwa fünf Minuten hatte sich ein Brand entwickelt, der einen erheblichen Brandschaden nach sich zog. Die Gebäudeversicherung wollte den Mieter in Regress nehmen, scheiterte damit aber vor Gericht. Nach Ansicht der Richter sei es nicht grob fahrlässig, den Raum für einen kurzen Moment zu verlassen, um danach wieder präsent zu sein. Zudem befanden sich die Kerzen in Metallschalen, Rauchmelder waren vorhanden und es handelte sich auch nicht um einen ausgetrockneten Adventskranz.

Grobe Fahrlässigkeit in die Gebäudeversicherung mit aufnehmen

Wie schnell sich ein Schaden ereignen kann, zeigen die beiden Beispiele. Darüber hinaus wird deutlich, dass die Gebäudeversicherer in solchen Fällen schnell mit der groben Fahrlässigkeit winken, um einen solchen Schaden entweder abzulehnen und Regress zu fordern. Für Hauseigentümer bedeutet das: Die grobe Fahrlässigkeit sollte in jedem Fall in den Leistungsumfang mit aufgenommen werden. Bis 2008 galt bei grober Fahrlässigkeit noch der Grundsatz: Alles oder nichts. Bei grober Fahrlässigkeit konnte also die Gebäudeversicherung den Schaden vollständig ablehnen. Das ist mit der Novellierung des Versicherungsvertragsgesetzes nun nicht mehr möglich. Dennoch bedeutet eine Quotelung im Schadensfall einen massiven Ausfall bei der Versicherungsleistung.

Mittlerweile gehen viele Versicherer dazu über, auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit zu verzichten. Damit sich solche Schäden auch ohne eine Prüfung versichert. Dennoch entbindet Sie dieser Einschluss nicht von Ihren Sorgfaltspflichten. Das Haus muss instand gehalten werden, um Schäden zu vermeiden. Vorschäden, die einen größeren Schaden begünstigen, wirken sich negativ auf die Zahlungspflicht des Versicherers aus. Dazu gehört auch, dass Sie Änderungen an Ihrem Haus immer der Versicherung mitteilen. Vor allem Anbauten oder Ausbauten stellen eine Werterhöhung des Gebäudes dar. Der Wert des Hauses muss immer an den jeweiligen Bautenstand angeglichen werden, da sonst im Schadensfall eine Unterversicherung droht.