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Leistet die Gebäudeversicherung bei Schäden durch Bombenentschärfung?

Blindgänger

In der vergangenen Woche kam es in Dresden bei einer Bombenentschärfung zu einem Zwischenfall. Durch eine Fernsteuerung gelang es dem Kampfmittelräumdienst zunächst, den Zünder aus der Bombe herauszudrehen.

Dann kam es zum Funkenflug und ein Teil der Bombe explodierte. Glücklicherweise gab es bei den Arbeiten keine Verletzten. Die Bombe konnten die Experten zwei Tage später entschärfen, es gab keine weiteren Schäden. Diese Problematik beschäftigt uns auch noch die nächsten Jahrzehnte, immerhin schlummern noch rund 250.000 Blindgänger überall unter der Erdoberfläche.

Was passiert, wenn der Kampfmittelräumdienst eine Bombe nicht entschärfen kann?

In den meisten Fällen können die Fachleute des Kampfmittelräumdienstes die Zünder und Sprengkapseln aus den Bomben entfernen, so dass diese danach in Zerlegebetriebe transportiert werden können. Ist es nicht möglich, die Bombe zu entschärfen, so ist eine kontrollierte Sprengung die einzige Möglichkeit, die Gefahr zu bannen. Dass so etwas erhebliche Probleme aufwirft, zeigt sich am Fall der im Jahr 2012 in München gesprengten Fliegerbombe. Durch die Explosion sind diverse Scheiben zu Bruch gegangen und teilweise Gebäude in Brand geraten. Die Schäden beliefen sich auf ungefähr vier Millionen Euro.

Kommen die Versicherer für Schäden durch eine Bombe auf?

Wie in München 2012 wären auch andernorts bei einer kontrollierten Sprengung am ehesten Gebäudeschäden zu befürchten. Dem ersten Anschein nach besteht kein Versicherungsschutz, wenn es durch die Sprengung zu Gebäudeschäden kommt. In den Bedingungen zur Gebäudeversicherung sind Schäden durch Kriegsereignisse ausgeschlossen. Nach Expertenmeinung ist auch die Detonation oder Sprengung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem Kriegsereignis gleichzusetzen. Allerdings hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die Gebäudeversicherung sich gegenüber ihren Versicherungsnehmern kulant zeigten und die Schäden tatsächlich übernahmen.

Kostenübernahme nach Bombensprengung erfolgt auf Kulanz

Die Abwicklung von Schäden nach einer Bombenentschärfung ist in den jeweiligen Fällen grundsätzlich Kulanzsache der Gebäudeversicherung oder Hausratversicherung. Durch den Ausschluss von Schäden durch Kriegsereignisse müssen die Versicherer nicht zahlen. Ein Zusammenhang zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der aufgefundenen Bombe reicht aus, dass die Gebäudeversicherung einen Schaden nicht bezahlen müsste. Allerdings ist unter Juristen umstritten, ob auch Folgeschäden wie eine kontrollierte Sprengung unmittelbar den Kriegsereignissen zuzurechnen sind. Aufgrund dieser bisher umstrittenen Frage haben die Gebäudeversicherer in der Vergangenheit hier die Schäden übernommen. Mittlerweile haben nämlich viele Anbieter der Gebäudeversicherung in ihren Versicherungsbedingungen ausdrücklich Schäden durch Blindgänger ausgenommen.

Fehlgeschlagene Bombensprengung - Gebäudeversicherung gegen Stadt

Die Sprengung der Fliegerbombe in München 2012 hat zu massiven Schäden geführt. Es kam zu zahlreichen Einzelbränden und geborstenen Fensterscheiben. Insgesamt lag die Schadenhöhe bei knapp vier Millionen Euro. Nun befindet sich die AXA Gebäudeversicherung mit der Stadt München in einem Rechtsstreit und fordert mehr als 400.000 Euro zurück, die die Versicherung seinerzeit an die Geschädigten ausbezahlt hat. Die Begründung: Die Sprengung der Bombe erfolgte grob fehlerhaft. Zunächst hat das Landgericht München die Klage abgewiesen, da nicht die Stadt München der richtige Adressat für die Schadenersatzforderungen sei. Im November 2017 ging es vor dem Oberlandesgericht München gegen das bayerische Innenministerium. Ein Ende des Rechtsstreites ist immer noch nicht absehbar und ist mittlerweile Thema im bayerischen Landtag.

Haftung des Grundstückseigentümers

Wenn Sie ein Grundstück zum Hausbau kaufen, kann es passieren, dass Ihnen das Katasteramt eine Sondierungspflicht auferlegt. Ist durch alte Luftaufnahmen anzunehmen, dass auf Ihrem Grundstück noch Blindgänger schlummern, so müssen Sie tatsächlich das Grundstück von einem Experten überprüfen lassen. Die Kosten fallen Ihnen zur Last. Kommen Sie dieser Pflicht nicht nach, so müssen Sie die auf der Baustelle tätigen Firmen darüber informieren. Diese wiederum können dann eine Meldung an die Berufsgenossenschaft oder an die Arbeitsschutzbehörde machen. Dann werden die Bauarbeiten gestoppt. Also macht es mehr Sinn, bereits im Vorfeld zu handeln. Leider ist es so, dass hierfür die Gebäudeversicherung nicht leistet, da ja kein Schaden eingetreten ist. Teilweise übernehmen die Kommunen allerdings die Kosten, da hier ein öffentliches Interesse an der Entschärfung einer aufgefundenen Bombe besteht.

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