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Einbruch einer Kälteperiode - was müssen Sie als Hauseigentümer beachten?

Heizungsthermostat

Ab dem Wochenende werden die Temperaturen noch einmal richtig in den Minusbereich fahren. Grund dafür ist ein Hochdruckgebiet, das aus Skandinavien polare Kaltluft mit sich führt.

Sie als Hauseigentümer müssen in den nächsten Tagen bei den drohenden Temperaturstürzen sichernde Maßnahmen ergreifen, um bei einem Leitungswasserschaden den Schutz der Gebäudeversicherung nicht zu gefährden. Bei Temperaturen im deutlichen Minus-Bereichen sind Ihre Rohrleitungen durch Frost bedroht und können brechen. Ein Leitungswasserschaden ist die Folge. In der Regel ist das in der Gebäudeversicherung mit abgedeckt. Sie müssen dabei bestimmte Auflagen und Sicherungsmaßnahmen berücksichtigen.

Was ist für Sie als Hauseigentümer bei einem Kälteeinbruch wichtig?

Die Gebäudeversicherung schreibt in ihren Bedingungen vor, dass vor allem in nicht genutzten Gebäuden oder Gebäudeteilen eine ausreichende Beheizung erfolgen muss, damit es nicht zu einem Rohrbruch durch Frost kommen kann. Das Volumen von Wasser vergrößert sich um ungefähr zehn Prozent, wenn es gefriert. Leitungsrohre, Heizkörper und Heizkessel halten dieser Volumenvergrößerung nicht Stand und können Schaden nehmen. Das Problem: Ein solcher Leitungswasserschaden wird erst Tage später sichtbar, wenn die Temperaturen sinken und das gefrorene Wasser taut. Daher ist es wichtig, Wasserleitungen zu entleeren und abzusperren. Ereignet sich nämlich hieraus ein Schaden, kann Ihre Gebäudeversicherung den Schadensersatzanspruch kürzen.

Problem Mehrfamilienhaus und leerstehende Wohnungen

Gerade in einem Mehrfamilienhaus, in dem Wohnungen teilweise leer stehen, kann es zu Frostschäden am Leitungssystem kommen. Die Wasserversorgung kann nicht vollständig unterbrochen werden, da die noch bewohnten Einheiten nicht ohne Wasser bleiben können. Zumindest müssen leer stehende Wohnungen dann ausreichend beheizt werden. Vor allem bei Altbauten, die nicht über eine ausreichende Isolierung verfügen, ist dieser Schritt unverzichtbar, auch wenn er mit hohen Heizkosten verbunden ist.

Im Jahr 2007 wies das Landgericht Essen wies die Klage eines Hauseigentümers gegen seine Gebäudeversicherung ab. In seinem Fünffamilienhaus standen vier Wohnungen leer, in einer dieser Wohnungen kam es zu einem frostbedingten Rohrbruch. Die Gebäudeversicherung verweigerte die Schadensersatzzahlung. Zu Recht, wie die Richter entschieden. Auch wenn das Gebäude noch teilweise genutzt wird, müssen dennoch alle Maßnahmen getroffen werden, um einen Rohrbruch zu vermeiden. Das hätte mit einer ausreichenden Beheizung der nicht genutzten Wohnungen erfolgen können. Der Hauseigentümer blieb auf seinem Schaden sitzen.

Vorsicht bei Leerstand während der Renovierungsphase

Ähnlich betrachteten die Richter am Oberlandesgericht Hamm den Schaden eines an einem Mehrfamilienhaus. Das leer stehende Objekt wurde im Jahr 2008 erworben und sollte im Laufe der Zeit umgebaut werden. Dabei unterließ es der neue Eigentümer aber, die Wasserleitungen zu entleeren und abzusperren. Er vertrat die Ansicht, dass eine Nutzung des Hauses vorlag, wenn auch in dieser Zeit nur für die Renovierung. Im Winter ereignete sich ein Leitungswasserschaden, der sich auf rund 38.000 Euro belief. Von der Gebäudeversicherung wollte der Hauseigentümer den Schaden erstattet bekommen. Auch hier gaben die Richter der Gebäudeversicherung Recht und wiesen die Klage ab. Dabei war das Verschulden des Hauseigentümers sogar so hoch einzustufen, dass die Gebäudeversicherung die Leistung nicht nur anteilig reduzieren, sondern komplett verweigern konnte.

Nur anteiliger Schadensersatz bei fahrlässigem Verschulden

Mit der Einführung der Änderungen im Versicherungsvertragsgesetz 2008 dürfen die Versicherer bei grob fahrlässigem Verhalten nicht mehr die volle Schadensersatzleistung verweigern. Vielmehr wird nun ermittelt, wie hoch der Anteil des Verschuldens im Schaden ist. Es erfolgt ein Abzug bei der Schadensersatzleistung. Das Landgericht Bonn entschied im Jahr 2010, dass ein Abzug von 50 Prozent im Schadensfall nicht zu beanstanden ist, wenn sich ein Leitungswasserschaden bedingt durch Frost in einem leer stehenden Gebäude ereignet. Nach dem geltenden Recht ist das Unterlassen des Entleerens von Rohrleitungen grob fahrlässig – zumindest, wenn das Objekt leer steht.

Selbst bei Umbaumaßnahmen obliegt es dem Hauseigentümer, regelmäßig die Rohrleitungen zu überprüfen. In dem Rechtsstreit vor dem Landgericht Bonn ging es darüber hinaus auch um die Ursache des Schadens. Während der Abwesenheit des Bauherrn hatten Handwerker die Wasserversorgung wieder in Betrieb genommen. Dadurch waren die Rohrleitungen ungeschützt dem Frost ausgesetzt. Entscheidend für die Richter war in diesem Fall, dass der Hauseigentümer seinen Obliegenheitsverpflichtungen nicht nachgekommen ist. Er hätte nach Beendigung der Bauarbeiten regelmäßig die Rohrleitungen kontrollieren müssen.

Neue Bedingungen in der Gebäudeversicherung - besserer Schadensersatz

Mittlerweile gehen diverse Versicherer dazu über, Schäden auch dann zu übernehmen, wenn sie durch grob fahrlässiges Verhalten hervorgerufen wurden. Hier sit in den Bedingungen der Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit vereinbart. Es wird also im Schadensfall nicht geprüft, ob dieser tatsächlich grob fahrlässig verursacht wurde. Gerade in älteren Verträgen ist diese Vereinbarung nicht getroffen – hier drohen im Schadensfall Abzüge bei der Versicherungsleistung.

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