Feuer im Pferdestall – wie vermeiden Sie die Katastrophe?

Pferd im Stall

Es war ein Knacken, das das Feuer im Pferdestall ankündigte. Als der Eigentümer des Pferdestalls nachts wach wird, kommen laute Geräusche von den Stallungen. Die Pferde wiehern, irgendetwas passiert da draußen. Brandgeruch hängt in der Luft, es ist noch kein Feuerschein zu sehen.

Beim Verlassen des Hauses sieht er, dass aus dem Dach des Stalls Rauch dringt. Er schafft es noch, das Tor zu öffnen, dass sich die darin befindlichen Pferde nach draußen retten können. Glücklicherweise befindet sich der Großteil der Pferde auf der Weide. Erste Löschmaßnahmen zeigen keinen Erfolg, dafür ist die Brandlast zu groß.

Feuer im Pferdestall – doch nicht bei uns

Ein Szenario wie oben beschrieben wünscht sich kein Stallbesitzer und die meisten von ihnen schieben diese Vorstellung weit von sich weg. Dabei ist ein Feuer in einem Stall nichts Ungewöhnliches. Im Gegenteil – wie es ein Feuerwehrmann mal treffend beschrieben hat: Die Tatsache, dass es in der Vergangenheit nicht gebrannt hat, ist eher ein Glücksfall, der jederzeit enden kann. Mit anderen Worten: Ohne eine vernünftige Absicherung der Gebäudeteile kann ein Feuer schnell entstehen und sich schnell ausbreiten. Routine, die sich einschleicht, ist das größte Problem bei der Verhütung von Bränden.

 

Durch welche Ursachen kann es zu einem Feuer im Pferdestall kommen?

Einer der häufigsten Gründe ist die Zigarettenkippe. Im Stall und am Stall wird nicht selten geraucht. Eine nicht richtig entsorgte Kippe kann zu einem Feuer führen. Wird sie auf den Boden geworfen und nicht richtig ausgetreten, kann sie durch Luftbewegungen im Stall dorthin gelangen, wo Brandlasten wie Heu und Stroh vorhanden sind. Ebenso sind Arbeiten mit elektrischem Gerät eine Hauptursache. Elektrische Geräte können Funken verursachen. Das Gemenge von Stäuben, Stroh und Heu reagiert ungünstig auf die Funkenbildung. Da diese Materialien deutlich schneller in Brand geraten als Benzin, ist damit das Unheil vorprogrammiert. Dazu kommen noch verstaubte Beleuchtungskörper, die durch Wärmeentwicklung einen Schwelbrand auslösen, marode Elektroleitungen oder Mehrfachstecker, die reihenweise zusammengesteckt wurden. Selbst eine Kabeltrommel birgt ein Brandrisiko: Wenn die Trommel andauernd im aufgerollten Zustand benutzt wird, entwickelt das aufgerollte Kabel enorme Hitze, die dann zu einem Schwelbrand führen kann.

Gefahr der Heulagerung

Heuboden

Das Einlagern von Heu birgt ein großes Risiko. Je nach Trockenheitszustand bei der Einfuhr kann das Heu noch bis zu zehn Wochen zur Selbstentzündung neigen. Im Heu beginnt ein biologischer Vorgang, bei dem Pilze und Bakterien freigesetzt werden. Dieser Prozess setzt Energie und Wärme frei. Findet keine ausreichende Belüftung der Lagerstätte statt und ist das Heu dicht gepresst, erfolgt im Inneren des Heustockes ein Temperaturanstieg, der auf kurz oder lang in einen Schwelbrand übergeht. Es ist wichtig, dass mit Sonden regelmäßig die Kerntemperatur gemessen wird. Steigt die Temperatur über den kritischen Wert von 70 Grad, muss das Heu gekühlt werden. Abtragen ist eher nicht zu empfehlen. Sollte es bereits zu einer Bildung eines Schwelbrandes gekommen sein, führt das Abtragen zu einer Zufuhr von Sauerstoff und der Brand kann sich schlagartig ausbreiten.

Wichtig ist jetzt, dass die Feuerwehr hinzugerufen wird. Mit einem speziellen Heuwehrgerät kann die Feuerwehr das Heu von außen nach innen mit Wasser kühlen. Dazu gibt es spezielle Lanzen, die in das Heu gesteckt werden und über feine Düsen Wasser freisetzen. Damit wird die Temperatur heruntergekühlt. Danach muss der Heustock abgetragen werden. Es ist ohnehin besser, die Heuvorräte in einem Offenstall abseits von den Pferdestallungen unterzubringen. Durch einen Offenstall ist einerseits eine ausreichende Belüftung gegeben, andererseits kann bei einem Brandausbruch das Feuer nicht so schnell auf abseits befindliche Stallungen übergreifen.

Brandschutzkonzepte mit den örtlichen Feuerwehren abstimmen

Landwirtschaftliche Anlagen sind eine Herausforderung für die Feuerwehren. In der Regel ist eine Löschwasserversorgung nicht ausreichend: Beim Löschwasserbedarf kommt das örtliche Hydrantennetz schnell an seine Grenzen. Sinnvoll ist es, wenn auf dem Gelände Löschwasserbrunnen vorhanden sind, aus denen die Feuerwehr an bestimmen Plätzen Wasser zum Löschen entnehmen kann. Diese Stellen müssen für Löschfahrzeuge gut erreichbar sein. Mancher landwirtschaftliche Betrieb ist ein kleines Chaos für sich, da viele Eigentümer das Risiko Feuer weit weg schieben. Tritt der Ernstfall ein, sind Zufahrtswege nicht vorhanden oder frei und einzelne Gebäude können nicht angefahren werden. Darüber hinaus macht es Sinn, wenn Flächen freigehalten werden als Aufstellflächen für Drehleitern der Feuerwehr. In der Regel kommen diese Fahrzeuge bei einer massiven Löschwasserförderung zum Einsatz, wenn das Objekt von oben abgelöscht wird.

Welche Arten von Feuerlöschern eignen sich für Stallungen und Reitbetriebe?

Sattelkammer

In einem Stall oder einem Reiterhof fällt Dreck und Staub an. Das ist nicht unnormal. In diesen Bereichen, also im Strohlager oder im Heustock, in den Ställen oder im Boxentrakt können Pulverlöscher eingesetzt werden. Löschpulver hat den Vorteil, dass es bei der Nutzung des Feuerlöschers schlagartig ausgebracht wird und damit auf den Entstehungsbrand eine erstickende Wirkung hat. Mit dem Einsatz eines Pulverlöschers geht eine erhebliche Verschmutzung einher, die fällt aber hier nicht so sehr ins Gewicht wie in geschlossenen Bereichen wie beispielweise einer Sattelkammer. Dort nämlich, wo hochwertiges Reitzubehör untergebracht ist, empfiehlt sich eher der Einsatz eines Schaumlöschers. Löschschaum hat im Falle eines Brandes eine erstickende und kühlende Wirkung. Zudem ist der Schaden weniger groß als beim Einsatz eines Pulverlöschers: Schaum kann gezielter auf die Brandstelle gerichtet werden, ohne dass es wie beim Pulverlöscher zu einer riesigen Pulverwolke kommt.

Sind Rauchwarnmelder im Pferdestall hilfreich?

Beim Thema Brandschutz denkt jeder sofort an Rauchwarnmelder. In Wohngebäuden erfüllen die kleinen Lebensretter auch ihren Zweck. In einem Reitstall funktioniert das Prinzip Rauchwarnmelder eher weniger. Rauchwarnmelder arbeiten mit einer foto-optischen Linse, die auf Rauchausbreitung reagiert. Bei einer Rauchausbreitung reagiert das System und der Alarmton schrillt los. Im Pferdestall oder in einem Reitbetrieb kann das zu einem Fehlalarm führen, da aufgewirbelte Stäube dazu führen, dass das System anschlägt. Zudem können Witterungsverhältnisse, hohe Luftfeuchtigkeit oder starke Temperaturschwankungen in Ställen dazu führen, dass Rauchwarnmelder nicht einwandfrei funktionieren. Experten raten dazu, sogenannte Multisensormelder einzusetzen: Diese sind vor der Einwirkung von Stäuben geschützt und reagieren dazu noch auf einen Temperaturanstieg. Je nach Bauvorschrift oder Gefährdungsklasse des Betriebs gibt es klare Vorschriften, wo die Geräte angebracht werden müssen.

Bauliche Vorschriften

Für Reiterhöfe und Stallbetriebe gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Vorschriften, die sich auf den Brandschutz beziehen. Es müssen bauliche Trennungen für Stallungen, Lagerräume oder Aufenthaltsräume vorhanden sein. Die Wände und Türen müssen in der Regel der T90- Klasse entsprechen, also 90 Minuten Feuerwiderstandsdauer bieten. Zum Problem kommt es dann, wenn im Tagesgeschäft vor allem die Türen regelmäßig unterkeilt sind. Das führt im Brandfall nicht nur zu einer Brandausbreitung, sondern auch zu einer massiven Verrauchung von Bereichen, die nicht direkt vom Feuer betroffen sind. Dazu gilt: Im Radius von 30 bis 45 Metern (je nach Bundesland) müssen Notausgänge vorhanden sein, die mit den grünen Piktogrammen für Notausgänge gekennzeichnet sind. Leider ist es so, dass in vielen Betrieben diese Bereiche mit den unterschiedlichsten Materialien zugestellt werden, so dass der Fluchtweg nicht nutzbar ist.

Was tun bei einem Feuer im Pferdestall?

Feuerwehr löscht brennenden Stall

Es geht um Sekunden, wenn ein Feuer ausgebrochen ist. Schnelligkeit ist wichtig, aber noch wichtiger ist es, die richtigen Überlegungen anzustellen und bestimmte Schritte in der richtigen Reihenfolge zu erledigen. Übereiltes und kopfloses Handeln ist niemals zielführend. Zuerst müssen Sie die Feuerwehr alarmieren. Denken Sie daran, dass Sie die typischen W-Fragen vollständig beantworten:

  • Wo brennt es? Nennen Sie den Brandort präzise mit Ort, Straße, Hausnummer und unter Umständen die Etage.
  • Was ist passiert? Beschreiben Sie kurz, worum es geht (Feuer im Stall, in einer Scheune, einer Gästeunterkunft etc.).
  • Wie viele Personen und Pferde sind betroffen? Gibt es Verletzte oder sind noch Tiere oder Menschen in Gebäuden eingeschlossen?
  • Welche Verletzungen liegen unter Umständen vor, die bekannt oder sichtbar sind? Rauchvergiftung, Sturz bei der Flucht aus dem Haus – diese Information entscheidet, ob zusätzlich noch Rettungswagen oder Notarzt erforderlich sind.
  • Warten! Es kann sein, dass der Disponent in der Leitstelle noch Rückfragen hat. Bleiben Sie ruhig, im Hintergrund ist die Alarmierung bei der Nennung des Brandortes rausgegangen.

Jetzt sind die Pferde dran

Das Wichtigste bei einem Feuer im Pferdestall ist jetzt die Rettung der Tiere. Das ist in der Regel mit Problemen verbunden, da Pferde vom Wesen her Fluchttiere sind und in einer solchen Situation unberechenbar reagieren können. Es reicht daher nicht, wenn Sie die Pferde einfach nur aus dem Stall herausholen. Die Pferde behindern die Anfahrt der Feuerwehr, blockieren die Aufstellflächen und können bei den Löscharbeiten zu einer Gefahr für Einsatzkräfte werden. Daher ist es wichtig, dass die Tiere auf eine Koppel geführt werden, auf der sie während der Löscharbeiten bleiben können. Gibt es Pferde, von denen im Vorhinein bekannt ist, dass sie sich nicht vertragen, so müssen Sie diese auf unterschiedlichen Koppeln unterbringen. Sinnvoll ist es, wenn im Vorfeld ein Evakuierungsplan der Pferde vorhanden ist, damit jeder weiß, wohin er die Tiere bringen muss. Es reicht schon, wenn in einem handschriftlichen Plan alle Boxen eingezeichnet sind – mit einem Fluchtweg und einer Unterbringungsmöglichkeit.

Pferde als Fluchttiere

Bei der Evakuierung der Pferde reicht es wie beschrieben nicht, wenn sie einfach aus dem Stall herausgetrieben werden. Stattdessen müssen Sie den Pferden ein Halfter anlegen und sie mit Ruhe aus dem Stall oder den Boxen herausführen. Nervöse Pferde lassen sich schon dadurch beruhigen, wenn Sie ihnen eine Decke oder eine Jacke über den Kopf legen und ihnen dadurch die Sicht nehmen. Wichtig ist, dass die Personen, die sich an der Evakuierung der Pferde beteiligen, selbst die Ruhe bewahren und nicht panisch reagieren. Das wirkt sich sonst katastrophal auf die Pferde aus. Bei Tieren ist es eine gefährliche Lage: Eine einmal ausgebrochene Panik bekommen Sie nicht mehr in den Griff. Dann nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Vor allem Pferde neigen dazu, dorthin zu flüchten, wo sie sich sicher fühlen. Das ist leider in manchen Fällen auch der Stall, der jetzt aber vom Feuer betroffen ist.

Hindernisse beseitigen

Wie beschrieben zahlt es sich jetzt aus, wenn Rettungs- und Evakuierungswege frei von Hindernissen sind. Stehen im Ernstfall noch Gegenstände vor Fluchttoren, die schwer beweglich sind, kann das fatale Folgen haben – sowohl für die Pferde als auch für die Helfer. Wichtig ist es jetzt, die Zufahrten für die Feuerwehr freizumachen, wenn das nicht der Fall ist. Nicht selten steht noch landwirtschaftliches Gerät herum oder ein Traktor ist im Weg. Damit die Feuerwehr schneller an das betreffende Brandobjekt herankommt, müssen diese Zuwege also frei sein. Wenn genug Helfer vorhanden sind, können diese die Feuerwehr einweisen. Das gilt vor allem für den Anfahrtsweg, da die meisten landwirtschaftlichen Betriebe abseits liegen. Eine Art Postenkette ist hier sinnvoll. Selbst wenn das Feuer im Pferdestall aus der Ferne durch Rauchentwicklung und Feuerschein zu lokalisieren ist: Es geht schneller, wenn Helfer von der nächstgelegenen Hauptverkehrsstraße die Anfahrt für die Feuerwehr kenntlich machen.

Koordination ist wichtig

Im Brandfall ist der Stallbetreiber mit anderen Dingen beschäftigt als noch irgendwelche Telefonate zu führen. Es gibt aber Dinge, die es jetzt zu erledigen gilt: einen Tierarzt verständigen, die anderen Pferdebesitzer informieren, die Feuerwehr auf mögliche Gefahren hinweisen. Dafür müssen Sie im Vorfeld Personen bestimmen, die sich am Stall gut auskennen und in der Lage sind, im Ernstfall Entscheidungen zu treffen und zu koordinieren.

Pferd auf der Weide

 

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