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Wenn die Erbschaft nur aus Schulden besteht

In stillem Gedenken

In Deutschland vererben die Bürger jährlich rund 50 Milliarden Euro in den privaten Haushalten. Durchschnittlich beläuft sich die vererbte Summe auf etwa 45.000 Euro.

Ein finanzieller Segen für die Angehörigen. Allerdings kann das Erbe auch ein finanzieller Fluch sein, nämlich dann, wenn der Verstorbene nur Schulden hinterlässt. Das mag im ersten Moment für Aufregung sorgen, doch niemand kann gegen seinen Willen Schulden vererbt bekommen. Das ist vielen Bürgern auch bekannt, allerdings handeln sie im Todesfall falsch. Sie nehmen das Erbe einfach und bedenkenlos an, in der Auffassung, dass nur die Erbschaft angenommen wird. Dieser Trugschluss kann jedoch teuer werden.

Die Ausschlagung des Erbes muss gerichtlich oder notariell erfolgen

Sobald der Erbe von der Erbschaft erfahren hat, muss sie innerhalb von sechs Wochen ausgeschlagen werden. Diese Willenserklärung müssen Sie durch einen Notar oder durch das Nachlassgericht beurkunden lassen. Hatte der Erblasser seinen Lebensmittelpunkt im Ausland, so gilt eine Frist von sechs Monaten. Wer als Erbe diese Frist versäumt, tritt automatisch in die Rechtsnachfolge des Erblassers – mit allen Verpflichtungen. Dazu gehört auch die Übernahme der Schulden. Da aber vermieden werden soll, dass der Erbe nun mit seinem eigenen Vermögen für die Tilgung der Schulden herhalten muss, gibt es Wege, um sich rechtlich abzusichern. Es gibt also eine zweite Chance.

Was geschieht, wenn die vererbten Schulden nicht vorhersehbar waren?

Wenn Gläubiger vom Antritt des Erbes erfahren, werden sie sich naturgemäß an den Erben als Rechtsnachfolger des Schuldners wenden. Dabei gilt aber: Während der Dauer von drei Monaten müssen die Gläubiger die Füße stillhalten. Das ist eine gesetzliche Schonfrist. Schließlich muss der Erbe die Möglichkeit haben, seine eigene persönliche Haftung zu begrenzen oder gar gänzlich auszuschließen. Natürlich kommt es auch vor, dass die Angehörigen erst nach der Annahme des Erbes von Schulden erfahren, etwa, weil Gläubiger an sie herantreten oder die Auskünfte zu Vermögenswerten nur sehr schleppend zustande gekommen sind. Tauchen größere Schulden auf, so kann der Erbe innerhalb von sechs Wochen nach Bekanntwerden der Schulden erneut das Erbe ausschlagen.

Beim Amtsgericht eine Nachlassverwaltung beantragen

Es ist durchaus denkbar, dass nicht nur Schulden, sondern auch Vermögenswerte vererbt werden. In manchen Fällen jedoch reicht das Vermögen nicht aus, um die Verbindlichkeiten zu decken. Hier kann jeder Erbe beim zuständigen Amtsgericht eine Nachlassverwaltung beantragen. Diese wird von einem Rechtspfleger genehmigt und angeordnet. Damit verliert der Erbe zwar die Verfügung über das Erbe, im Gegenzug muss er sich aber nicht mehr mit den Forderungen der Gläubiger herumschlagen. Das wird nun durch den Nachlassverwalter erledigt. Er verteilt das Erbe entsprechend der Anteile der Forderungen. Wenn nach der Bereinigung noch Mittel übrig bleiben, bekommen die Erben diese ausbezahlt.

Das Nachlassinsolvenzverfahren

Natürlich kann es vorkommen, dass die Schulden höher sind als die vererbten Werte. In einem solchen Fall müssen Sie das Nachlassinsolvenzverfahren beantragen. So kann sichergestellt werden, dass der Erbe nicht mit seinem persönlichen Vermögen haftet. Allerdings Sie diese Nachlassinsolvenz schon beantragen, wenn Sie die Überschuldung nur vermuten. Für den Erben gilt: Er haftet nur noch beschränkt, also nur mit dem Vermögen, das sich aus der Erbschaft heraus ergibt. Das Verfahren kostet allerdings Zeit und Nerven. Daher ist es sinnvoll, so schnell wie möglich über den Erbschein notwendige Bankauskünfte einzuholen. Sinnvoll ist eine postmortale Bankvollmacht – sie beschleunigt das Verfahren zur Auskunftserteilung bei den Banken erheblich.

Die Sterbegeldversicherung gehört nicht zum Erbe

Hat der Erblasser zu Lebzeiten eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen und jemanden namentlich als Empfänger der Versicherung bestimmt, so fällt diese nicht unter das Erbe. Ebenso wenig fällt eine Sterbegeldversicherung unter das sogenannte Schonvermögen. Bei Altersarmut müssen Sie diese also nicht zum Bestreiten des Lebensunterhaltes kündingen, selbst wenn das so manches Sozialamt versucht durchzusetzen. Vorteil für die Hinterbliebenen ist: Müssen sie das Erbe wegen der Verschuldung des Erblassers ausschlagen, so bleibt immer noch die Sterbegeldversicherung, um eine würdevolle Bestattung auszurichten.

Kommentare

Am 30.04.2019 schrieb Neeltje

Ich wusste noch gar nicht, dass man beim Amtsgericht eine Nachlassverwaltung beantragen kann. Wir haben gerade von einem Todesfall eines entfernten Verwandten gehört. Wahrscheinlich hat der Nachlass nur Schulden, deswegen überlegen wir uns nun, ob wir das Erbe nicht ausschlagen sollen. Ihr Artikel war sehr hilfreich bei der Entscheidungsfindung.

antworten
Am 02.05.2019 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Neeltje,

richtig, denn ein Nachlassverwalter trennt den Nachlass vom Vermögen der Erben. So werden bestehende Schulden des Erblassers nur aus der vorhandenen Erbmasse bezahlt.

Wir wünschen Ihnen, dass sich trotz des Todesfalls Ihres Verwandten für Sie alles noch zum Guten wendet.

Liebe Grüße

Manfred vom vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 16.07.2019 schrieb redding

Hallo,

ein entfernter Verwandter ist verstorben. Den ich nicht kenne. Nach 4 Jahren schreibt uns das Amtsgericht an, fordert uns auf das Erbe anzunehmen oder abzulehnen. Wie wissen nicht ob es Werte gibt. Kann das Amtsgericht versuchen auf diesem Wege die Beerdigung bezahlt zu bekommen? Wie kriegt man heraus ob Werte vorhanden sind? Muss das Amtsgericht dazu Auskunft geben?
Wir wollen ablehnen, aber grundsätzlich würde mich es Interessieren.
Vielen Dank für eine Antwort
Redding

antworten
Am 16.07.2019 schrieb Jörg Brzemek

Hallo Redding,

vielen Dank für Ihre Frage. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir als reiner Versicherungsmakler keine rechtlichen Auskünfte geben dürfen. Das Einzige, wozu wir Ihnen raten können:
Fragen Sie in der Verwandtschaft nach, ob irgendjemand etwas über diesen entfernten Verwandten weiß. Manchmal findet sich jemand, der noch Kontakt zu dem oder der Verstorbenen hatte.

Sollte sich dabei aber auch keine verwertbare Information ergeben, könnten Sie noch versuchen, das zuständige Amtsgericht zu befragen. Ob oder wie dies sich dazu äußert, können wir leider auch nicht beurteilen.
Denken Sie aber an die Frist, falls Sie das Erbe ausschlagen wollen. Diese müsste das Amtsgericht Ihnen in einem Schreiben mitgeteilt haben. In der Regel sind das sechs Wochen nach Benachrichtigung durch das Amt. Falls der Verwandte im Ausland gelebt hat, haben Sie sechs Monate Zeit. Das teilt Ihnen das Amtsgericht aber mit.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Klärung dieser Angelegenheit

Jörg vom vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 29.07.2019 schrieb Peter

Hey,
wir als direkte Erben der Verstorbenen wissen zwar, dass Schulden existieren, jedoch liegt hier auch eine Immobilie mit bei. Der Wert der Immobilie ist bekannt. Sollte das Erbe über einen Nachlassverwalter gemanaged werden, die Schulden (laufende Finanzierung + weitere unbekannte Kosten) aber das tatsächliche Vermögen übersteigen. Wer haftet dann für diese?

Besten Dank vorab.

antworten
Am 30.07.2019 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Peter,

wenn Sie nicht sicher sind, hilft Ihnen ein Nachlassverwalter weiter. Diesen können Sie beim zuständigen Amtsgericht einsetzen lassen, er ordnet das Erbe und tilgt vorhandene Schulden. Bleibt dann aus der Erbmasse etwas übrig, geht das verbleibende Erbe auf Sie über. Übersteigen die Schulden das Erbe, so ist Ihre Haftung allein auf die Höhe des Nachlasses beschränkt (BGB § 1975). Die Kosten für den Nachlassverwalter tragen Sie.

Gläubiger gehen in diesem Fall leer aus.

Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Start in den Tag.

Manfred vom vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 02.09.2019 schrieb Suede

Interessanter Beitrag und leider ist es oft der Fall, dass man erbt aber den Verstorbenen und die Vermögenswerte nicht kennt. Ein Notar für Erbrecht kann da weiterhelfen und beraten. Ein Nachlassverwalter ist sinnvoll, damit man sich nicht komplett allein um alles kümmern muss und einen Überblick erlangt. Sehr guter Beitrag und interessant auch mit der Sterbegeldversicherung.

antworten
Am 02.09.2019 schrieb Jörg Brzemek

Hallo Suede,

vielen Dank für Ihr Lob. Wir freuen uns, dass Ihnen unser Blogartikel gefällt und Sie ihn informativ finden. Wir möchten unseren Lesern stets gute und lesenswerte Informationen bieten und erweitern dazu stetig unsere Themen. Stöbern Sie gerne in unserem Blog, vielleicht finden Sie ja noch etwas, das Sie interessiert.
Viele Grüße
Jörg vom vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 11.10.2019 schrieb Sven Bucher

Wie Sie bereits erwähnen kann das zu erwartende Erbe schnell zu einem finanziellen Fluch umschlagen. Nach dem aktuell geltenden Erbrecht ist eine solche Annahme bzw. Ablehnung sicherlich durch die Konsultation einer Rechtsanwaltskanzlei abzuwägen. Hierzu werde ich mich weiterhin informieren, vielen Dank für diesen Beitrag vor allem hinsichtlich der Information, dass eine Ausschlagung notariell oder gerichtlich erfolgen muss.

antworten
Am 14.10.2019 schrieb Estefania Garosz

Mir war nicht klar, dass unter bestimmten Voraussetzungen das Erbrecht auch ausgeschlagen werden kann. Die Schonfrist von 3 Monaten erachte ich persönlich als ziemlich dürftig. So ein Ereignis sieht man nicht kommen, vor allem nicht hinsichtlich negativer Auswirkungen auf die eigene finanzielle Situation. Vielen Dank für die Informationen hierzu.

antworten
Am 12.12.2019 schrieb chris

Hallo..alles gelesen und doch..hier mein Problem. Gerade rief mich meine Nichte an . Ein entfernter Verwandter sei schon 2016 verstorben und meine Mutter zu der Ich keinen Kontakt habe , bekam einen Brief. Meine Nichte gab mir die Aktennummer und meinte ich solle unbedingt ausschlagen da wohl 80.000 Schulden seien. Warum bekam ich keinen Brief..kann ich das ignorieren? Lieben Dank im vorraus. Chris

antworten
Am 13.12.2019 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Chris,

das klingt im ersten Moment reichlich dubios. Die erste Frage, die sich stellt: Gehören Sie überhaupt zum Kreis der möglichen Erben? Wie genau sieht das Verwandschaftsverhältnis aus? Welche Personen stehen in der Erbfolge vor Ihnen? Die müssen ja erst einmal das Erbe ausschlagen, bevor Sie überhaupt „dran“ sind.

Um was für eine Aktennummer handelt es sich? ist es ein Aktenzeichen des zuständigen Amtsgerichtes? Können Sie mit dem Gericht Kontakt aufnehmen, so dass Sie dort Auskünfte erhalten?

Nicht ganz klar ist zudem, welches Verwandschaftsverhältnis Ihre Nichte hier gegenüber dem Erblasser hat. Steht sie in einem „engeren“ Verwandschaftsverhältnis zu dem Erblasser als Sie selbst?

Aus diesem Blickwinkel ist es schwierig, hier den richtigen Rat zu treffen. Aus meiner Sicht wenden Sie sich mit der Frage an einen Notar. Der hat genug Erfahrung, um hier die Verwandschaftsverhältnisse zu entflechten und zu prüfen, ob sich der Fall so darstellt, wie er Ihnen beschrieben wurde.

Ihnen noch eine besinnliche Adventszeit

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 14.12.2019 schrieb Andrea Blechschmidt

Mein Vater verstarb November 2011 etwa Mai 2011 überschrieb er Haus und Grundstück auf eine meiner Schwestern. 2018 erhielt ich eine Rechnung für einen Erbschein. Diesen betragte die besagte Schwester ohne mein Wissen, zahlte nicht und so kam die Rechnung zu mir. Ich legte Widerspruch ein und erfuhr das von meiner Schwester falsche Angaben gemacht wurden und der Erbschein wurde eingezogen. Dezember 2019 erhielt ich eine Rechnung über 680€ aus Beträgen von landwirtschaftlichen Flächen. Diese bezahlte mein Vater zu Lebzeiten nicht nun werde ich aufgefordert zu zahlen selbst Widerspruch entbindet mich nicht von fristgerechter Bezahlung steht extra gleich im Schreiben. Was kann ich tun?

antworten
Am 16.12.2019 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Andrea,

das scheint ein ziemlich komplexer Vorgang zu sein. Wenn der Widerspruch keine aufschiebende Wirkung hat, dann scheint es sich um ein behördliches Schreiben zu handeln. Aus Ihrem Beitrag wird mir nicht klar, ob Sie seinerzeit das Erbe ausgeschlagen haben oder mit zur Erbengemeinschaft gehören. Ist Letzteres der Fall, dann könnte die Forderung berechtigt sein. Das kann ich aber aus der Ferne nicht konkreter einschätzen.

Hier ist aus meiner Sicht der Rat eines Rechtsanwaltes oder eines Notars sinnvoll.

Ich wünschen Ihnen noch eine schöne Adventszeit.

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 31.12.2019 schrieb Steffi Becker

Hallo,

Mein Vater ist vor 4 Tagen verstorben, er hatte einen Betreuer und der Tate vor 5 Monaten ngefangen ihn aus den Schulden durch Insolvenz zu bringen.
Mein Vater hat eine Sterbegeldversicherung auf meinen Namen von 3800.-€, die Beerdigungskosten liegen bei 3700€.
Ich habe das Bestattungsinstitut beauftragt alles zu erledigen auch dass das Versichrungsgeld direkt mit dem Bestattungsinstitut verrechnet wird.
Ich muss jetzt das Erbe im Amtsgericht ausschlagen was passiert mit dem Restbetrag von den Beerdigungskosten?
Stimmt es dass nur 3579€ Pfändungsfrei sind was darüber hinaus ist gehört mir nicht.

antworten
Am 02.02.2020 schrieb Julia Siegfried

Hallo Steffi,

erst einmal unser herzlichstes Beileid! Die Insolvenz deines Vaters, das ausgeschlagene Erbe und die Bedingungen deiner Sterbegeldversicherung: In deinem Fall sind sehr viele Variablen im Spiel, sodass wir dir aus der Ferne leider keine Antwort geben können. Am besten schließt du dich mit deiner Rechtsberatung kurz, um die genaue Sachlage zu klären.

Wir wünschen dir viel Kraft für diese schwere Zeit!
Julia vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 04.03.2020 schrieb Ann-Kathrin Decuir

Hallo,
Mein Vater ist vor circa einem Jahr gestorben, ich habe aber Tatsache jetzt erst von der Regelung mit den sechs Wochen der Schulden ausschlagung erfahren. Vorher ist noch niemand in meinem Umfeld gestorben wo ich sowas mitbekommen habe. Was soll ich nun tun?

antworten
Am 05.03.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Ann-Kathrin,

für den Tod deines Vaters drücken wir dir nachträglich noch unser Mitgefühl aus.

Die Fragen, die sich für mich hier stellen, damit ich dazu überhaupt einen Hinweis geben kann: War das Erbe deines Vaters denn verschuldet? Hat euch seinerzeit ein Notar zur Seite gestanden?

Bitte gebe mir dazu mal eine Rückmeldung, damit ich die Situation ein bisschen besser einschätzen kann.

Liebe Grüße aus Bottrop

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 09.03.2020 schrieb Bulang Kerstin

Hallo, ich habe vor einer Woche über das Ableben meiner Oma Väterlicherseits erfahren. Bis zu diesem Tag, wusste ich nicht einmal, dass Sie noch lebte. Sie ist bereits im Juni 2019 verstorben und ich bin laut Schreiben des Nachlassgerichtes Alleinerbin. Im gleichen Brief erfuhr ich, dass mein leiblicher Vater bereits schon eher verstorben ist. Davon habe ich auch erst in diesem Brief Kenntnis erhalten. Kann ich auch über dieses Nachlassgericht die Auskunft über Todeszeitpunkt des Vaters erfahren? Was kann ich machen, wenn ich nach Annahme des Erbes erfahre, dass es überschuldet ist? Es bestand seit 2006 kein Kontakt zu meinem Vater, er lehnte den Kontakt schriftlich ab. Auch hat er früher nicht über seine Mutter geredet… Da die Oma ja bereits 2019 verstorben ist und es keine weiteren Angehörigen gab, muss ein Nachlassverwalter eingeschalten worden sein und kann ich vorher Auskunft vom Nachlassgericht verlangen, ob der bestellt wurde.

Über Antworten wäre ich sehr dankbar.
L. G. Kerstin

antworten
Am 15.03.2020 schrieb Matt Langner

Hallo Herr Weiblen,
vielen Dank für diesen tollen Beitrag, ich habe das Gefühl, dass mir einige Fragen beantwortet werden konnten.

Mein Vater ist im September 2018 in Slowenien verstorben. Er lebte dort seit 2009 und war seit Mai 2018 verheiratet, hauptsächlich damit sein slowenischer Partner mehr Befugnisse im Zuge der Behandlungen haben konnte. Mein Vater hat nachweisbar nichts hinterlassen und wurde in seinen letzten Monaten von seinem Partner ausgehalten. Am 20.02.2020 wurde ein Brief mit Forderungen von über 8.000 von einem Amtsgericht in Auftrag eines Inkassodienstes an die gemeinsame Adresse, adressiert an meinen Vater zugestellt.
Sein Ehemann wusste nicht von den Schulden und hat auch kein Erbe ausgeschlagen. Leider wusste niemand von den ausstehenden Forderungen, sodass bisher niemand das Erbe ausgeschlagen hat.

Sollen wir das Erbe nun direkt „nachträglich“ ausschlagen oder zunächst das Amtsgericht von dem Versterben des Schuldners unterrichten? An welche Stelle wendet man sich?

Beste Grüße,
Matt

antworten
Am 16.03.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Matthias,

ich möchte kurz vorwegschicken, dass wir als Versicherungsmakler keine Rechtsberatung durchführen können und auch dürfen. Dafür gibt es Rechtsanwälte und Notare.

Ich gehe mal davon aus, dass Ihr Vater seinen Wohnsitz in Deutschland hatte. Daher käme also deutsches Recht zur Anwendung.

Da ein verschuldetes Erbe innerhalb von sechs Wochen ausgeschlagen werden muss, sind diese Fristen bereits abgelaufen. Es gibt aber wie immer Ausnahmeregelungen.

Sie müssen nun die Erbschaft anfechten. Das ist dann möglich, wenn die Erben glaubwürdig von einer Verschuldung oder einem hohen Kredit keine Kenntnis hatten (OLG Köln, Beschluss vom 15. Mai 2017, Az. 2 Wx 109/17).

Nehmen Sie sich also dazu schnellstens Rechtsbeistand zur Hilfe.

Viele Grüße aus Bottrop

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 21.03.2020 schrieb Tamara

Hallo Herr Weiblen,
vielen Dank für Ihren tollen Beitrag. Ich weiss, Sie können keine Rechtsberatung durchführen. Ich möchte Sie aber dennoch um Ihre Meinung bitten.
Ich bin nicht Erbberechtigt (keine Blutsverwandtschaft), habe aber die Vorsorgevollmacht über den Tod hinaus. Meine Verwandten schlagen das Erbe aus, da es überschuldet ist. Ich möchte mit der restlichen Abwicklung (Kündigung Wohnung und Auseinandersetzung mit den Gläubigern) nichts zu tun haben. Wem kann ich die Vorsorgevollmacht geben, damit ich nicht mehr in der Pflicht bin. Erben gibt es ja nicht. Nach der Ausschlagung dem Amtsgericht?
Haben Sie da vielleicht einen Tipp für mich?
Vielen Dank.

antworten
Am 23.03.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Tamara,

ich will mich dabei nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Grundsätzlich besteht die Vollmacht nach dem Tod des Vollmachtgebers weiterhin.

Diese kann nicht so ohne weiteres zurückgegeben werden. Dazu müssen Sie sich an das zuständige Amtsgericht wenden, um die weiteren Schritte zur Rückgabe der Vollmacht einzuleiten.

Schöne Grüße aus Bottrop

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 27.05.2020 schrieb Petra

Hallo und guten Abend,

Der Vater meines „Schwiegersohnes“ ist im Februar 2019 verstorben – die 3 leiblichen Kinder haben alles abgewickelt und hatten keine Kenntnis von Schulden ( er hatte zwar kein Geld, hat aber von staatlichen Hilfen gelebt).
Ein Erbe wurde nicht ausgeschlagen – nun hat der Sohn einen Bescheid von der Justizbehörde über ein Vollstreckungsersuchen bekommen und soll 1200€ bezahlen. Kann das Erbe jetzt noch ausgeschlagen werden ? Oder ist die 6 Wochenfrist verstrichen und er muss bezahlen – bzw. gibt es da Freibeträge.

Vielen Dank für eine Antwort.
Schöne Grüße
Petra

antworten
Am 28.03.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Petra,

vielen Dank für deine Nachricht.

In diesem Fall sollte er sich notarielle Hilfe suchen. Es gilt zwar eine Frist von sechs Wochen zum Ausschlagen des Erbes ab Kenntnisnahme des Erbfalles. Da dein Sohn das Erbe nicht ausgeschlagen hat, wäre das im Umkehrschluss als Annahme zu betrachten.

Diese Entscheidung kann auch nach dieser Frist noch widerrufen werden, wenn Gründe auftreten, die einen Ausschlagung des Erbes bereits zum Todeszeitpunkt wahrscheinlich gemacht hätten.

Dazu gehört eben auch, dass deutlich nach dieser Frist von sechs Wochen Forderungen an die Erben herangetragen werden, die im Vorfeld nicht absehbar waren.

Die Anfechtung des Erbes sollte also im Nachhinein erfolgen, dazu muss dein Sohn allerdings einen Notar in Anspruch nehmen.

Viele Grüße aus Bottrop

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 28.05.2020 schrieb Stefan

Hallo – ich bin zufällig auf der Suche nach einigen Antworten auf diese Webseite gestoßen. Ich kenne mich leider überhaupt nicht mit Erbrecht aus….meine Frage ist etwas kompliziert und verzeihen Sie wenn es Laienhaft ausgedrückt ist. Meine Mutter ist vor kurzem verstorben. Ich bin der Sohn aus erster Ehe, in der ein Haus gebaut wurde. Meine Eltern wurden geschieden, und somit gehörte ein Teil des Hauses (die Hälfte?) meiner Mutter. Sie versprach meinem Vater diesen Teil mir zu überschreiben da das Haus bei meinem Vater bleiben sollte. (Ist nie passiert) Meine Mutter hat dann ein zweites mal geheiratet und mit ihrem neuen Mann ein Haus gekauft. Diese Ehe wurde dann auch geschieden. Nun ist wie bereits erwähnt meine Mutter verstorben…Mein Frage, was für einen Anspruch hat nun der zweite Ex-mann meiner Mutter ? Geht als Erbe ein Teil des Hauses aus erster Ehe an Ihn ? Erbt er generell nichts, oder nur vermerktes in einem Testament ? Was passiert wenn ich das Erbe ausschlage…wäre bei der Ausschlagung auch der Teil des ersten Hauses inbegriffen ? Ich weiß das noch Schulden auf dem zweiten Haus vorhanden sind, sowie zusätzliche Schulden. Wie verrechnet sich das mit dem Restwert, bzw müßte beim Antreten des Erbes auch ein Pflichtteil an den 2ten Ex-mann abgetreten werden ? Mfg Stefan

antworten
Am 28.05.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Stefan,

zunächst möchte ich dir meine Anteilnahme zum Tode deiner Mutter aussprechen.

Es gilt zu klären, was deine Mutter per Testament hinterlassen hat.

Die beschriebene Situation ist leider so komplex, dass hier ein Fachanwalt für Erbrecht von deiner Seite herangezogen werden sollte. Das lässt sich nicht so ohne weiteres beantworten.

Es tut mir leid, wenn ich dir dazu keine konkrete Antwort geben kann.

Vielen Grüße aus Bottrop

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 12.06.2020 schrieb Janine Duwe

Hallo ich habe ein großes Problem, meine mutter ist leider leztes Jahr verstorben die von der Grundsicherung lebte.
Ich habe ebend einen Brief erhalten von ihrer Wohnungsgesellschaft, das ich und meine Brüder als Erbe gelten.
Ich wusste bis jetzt nicht mal das man das Erbe ( Schulden ) ausschlagen soll. Was mache ich jetzt?

antworten
Am 22.06.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Janine,

wende dich dazu auf alle Fälle an einen Notar, um das weitere Vorgehen zu klären. Das Erbe muss normalerweise innerhalb von sechs Wochen nach Bekanntwerden eines Todesfalls ausgeschlagen werden.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, nachträglich das Erbe auszuschlagen. Das ist dann der Fall, wenn plötzlich und nach längerer Zeit Umstände auftreten, die eine Überschuldung des Erbes zur Folge haben. Dann kann unter bestimmten Umständen das Erbe im Nachhinein ausgeschlagen werden.

Dazu solltest – wie gesagt – notarielle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um das erforderliche Prozedere einzuhalten.

Viele Grüße aus Bottrop

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 26.06.2020 schrieb Janine Duwe

Vielen lieben dank für die Antwort:)

Am 14.07.2020 schrieb Marina Mordecai

Zählen auch Schulden die ohne Mahnbescheid bestehen?

Vielen Dank

antworten
Am 15.07.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Marina,

diese Frage lässt sich nur schwer beantworten. Wer ist der Gläubiger, aus welcher Forderung stammen die Schulden und ist die Forderung berechtigt?

Es ist ja durchaus denkbar, dass diese Schulden irgendwann dennoch in einem Mahnbescheid münden.

Wir dürfen hier keine rechtlichen Hinweise geben, da wir uns sonst auf dem Parkett der Rechtsberatung bewegen. Das ist nur bestimmten Personen, Gruppen und Verbänden vorbehalten.

Ist der Fall denn aktuell akut? Dann solltest du dich mit einem Notar in Verbindung setzen, um die Frage zu klären.

Viele Grüße aus Bottrop

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

Am 17.07.2020 schrieb Bianca

Der Sohn aus erster Ehe meines Schwiegervaters ist gestorben. Mein Schwiegervater hat natürlich das Erbe ausgeschlagen.
Werden die erwachsenen Kinder aus jetziger Ehe und die dazu gehörigen Enkelkinder nun auch angeschrieben?

antworten
Am 20.07.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Bianca,

das kann ich nicht so ohne Weiteres beantworten, da mir nicht bekannt ist, wer noch zur Familie Ihres Schwiegervaters gehört.

Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, wenn du dich damit an einen Notar wendest, um zu klären, wer in der Erbfolge nachrangig zu deinem Schwiegervater zu berücksichtigen ist.

Viele Grüße aus Bottrop

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

antworten
Am 04.08.2020 schrieb Peggy

Hallo, habe da eine frage. Meine Schwester hat das Erbe von unseren Vater mit angenommen. Leider sind es sehr viel Schulden. Und Sie bezahlt kein Cent mit. Ist das Rechtens? Wenn nicht was kann man dagegen tun?.Liebe Grüße Peggy aus Leipzig

antworten
Am 05.08.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Peggy,

vielen Dank für deine Nachricht. Das ist natürlich ärgerlich, dass es nach dem Tod eures Vaters nun zu einer solchen Entwicklung kommt.

Grundsätzlich haftet ihr beide gesamtschuldnerisch für das Erbe eures Vaters. Das gibt das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 1922 BGB) her. Sowohl für vorhandene Werte als auch für Schulden.

Darüber schwebt dann ein weiteres Damoklesschwert, nämlich der § 2058 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Danach kann sich ein Gläubiger im Prinzip aussuchen, über den er seine Ansprüche geltend macht. Kann er seine Ansprüche bei einem der Erben nicht befriedigen, dann hält er sich an den nächsten Erben.

Das kann unter Umständen zur Zahlungsunfähigkeit führen.

Es tut mir leid, wenn ich dir dazu keine andere Mitteilung machen kann.

Viele Grüße aus Bottrop

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

antworten
Am 07.08.2020 schrieb stefanie bischof

hallo, mein Bruder ist gestorben, er ist geschieden, hat 3 eigene Kinder. er lebte von Minirente in einer Mietwohnung.
Früher hatte er noch ein kleines Waldstück, obs das noch gibt, keine Ahnung.er hat nichts, höchstens Schulden.
wie geht es nun weiter, wenn seine Kinder das Erbe ausschlagen(muss man das denn, weil ja nichts da ist?)
Werde ich als Schwester und meine Kinder dann angeschrieben, oder müssen wir ab Tod innerhalb 6 Wochen alles ausschlagen?ich Zahl schon die Beerdigung. will nicht noch mehr Kosten haben
Kenne mich gar nicht aus, könnt ihr mir bitte helfen?Danke

antworten
Am 10.08.2020 schrieb Manfred Weiblen

Hallo Stefanie,

ich möchte dir erst einmal meine aufrichtige Anteilnahme zum Tod deines Bruders aussprechen.

Fakt ist: wenn seine Kinder das Erbe ausschlagen, geht das Erbe an die danach folgenden Angehörigen über. Das bist anscheinend du.

Schwierig wird es jetzt dadurch, dass du womöglich ein Nacherbe bist, falls die Kinder deines Bruders das Erbe ausschlagen. Die Frist von sechs Wochen zur Ausschlagung des Erbes beginnt ja bereits ab dem Zeitpunkt ab Kenntnis des Todesfalls. Das ist bei Verwandten ersten Grades in der Regel unmittelbar der Fall.

Aus meiner Sicht führt kein Weg daran vorbei, notarielle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Notar kann dich zu Fristen und Regelungen beraten.

Das dürfen wir als Versicherungsmakler vom Gesetzgeber her nicht leisten.

Ich wünsche euch alles Gute.

Manfred vom VS.-vergleichen-und-sparen.de-Team

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