Entwurmung bei Pferden – die großen Mythen

Untersuchung eines Pferdes

Es ist kein Geheimnis, dass in vielen Ställen die regelmäßige Entwurmung von Pferden zum Pflichtprogramm gehören. Dabei gehen viele Pferdefreunde dazu über, ihr Pferd selektiv zu entwurmen.

Das bedeutet, dass das Pferd regelmäßig auf Parasiten untersucht wird und nur im Bedarfsfall eine Behandlung erfolgt. Das ist in vielen Pferdeställen vermeintlich zu aufwendig, deshalb wird die chemische Keule regelmäßig und ohne Notwendigkeit angewendet. Großer Nachteil: Die Würmer entwickeln im Laufe der Zeit Resistenzen und lassen sich irgendwann nicht mehr vertreiben. Ist daher eine Wurmkur bei Pferden in jedem Fall sinnvoll?

Vielen Pferdebetrieben ist der Aufwand zu hoch

Es scheint auf den ersten Blick eine Menge Arbeit zu sein, alle Pferde im Bestand auf Würmer zu untersuchen. Dabei lässt sich die Methode relativ einfach umsetzen. In regelmäßigen Abständen wird von jedem Pferd eine Kotprobe im Laufe des Tages genommen und untersucht. Erst, wenn die Wurmeier einen bestimmten Wert überschreiten, nämlich 200 Wurmeier pro Gramm Pferdekot, ist es Zeit für eine Wurmkur. Andere Pferde, deren Kotproben einen niedrigeren Wert aufweisen, müssen nicht zur Wurmkur.

Entwurmung bei Pferden drei- bis viermal im Jahr

Wer sein Pferd regelmäßig entwurmt ohne zu wissen, ob es überhaupt Würmer hat, handelt in der Annahme, dass somit ein Wurmbefall vermieden werden kann. Viele Pferdehalter handeln damit quasi vorauseilend. Untersuchungen von einer Vielzahl von Pferdeställen haben aber ergeben, dass mehr als 70 Prozent der untersuchten Pferde nicht verwurmt waren. Dazu haben Tierärzte mehr als 7.000 Pferde in über 1.000 Ställen untersucht. Daher stellt sich die Frage: Warum sollen Sie Ihr Pferd entwurmen, wenn gar kein Befall vorliegt? Im Gegenteil: Für die Gesundheit des Pferdes ist das eher kontraproduktiv, da die regelmäßige Entwurmung bei den Endoparasiten mehr und mehr zur Entwicklung von Resistenzen beiträgt.

Spulwurm

Die selektive Entwurmung eignet sich nicht für jedes Pferd

Das ist ein häufiges Negativargument, um den Aufwand der selektiven Entwurmung nicht betreiben zu müssen. Dabei lässt sich die selektive Entwurmung bei allen Pferden durchführen. Eine Anpassung ist lediglich bei Fohlen und Jungpferden erforderlich. Hier müssen zu Beginn unter Umständen häufiger Kotproben entnommen werden. Vor allem für Jungpferde ist eine selektive Entwurmung sinnvoller, da diese gezielten Behandlungen besser gegen den Befall von Spulwürmer schützen. Diese sind nämlich vor allem bei Jungpferden in Auslöser für eine Kolik.

Eine selektive Entwurmung bei Pferden kostet viel Geld

Auf Dauer gesehen ist das aber nicht so. Sicher, zu Beginn fallen natürlich für regelmäßige Analysen der Kotproben bis zu 30 Euro für das Labor an. Dazu kommen im Bedarfsfall natürlich die Kosten für die Entwurmungsmittel – je nachdem, welches Mittel zur Wurmkur Anwendung findet. Nach etwa drei Jahren sind Kotproben nicht mehr so häufig notwendig. Bleibt dazu noch der Wurmbefall aus, dann sind die Kosten für diese Form der Entwurmung in jedem Fall niedriger.

Tipp für Pferdefreunde: Sofern Sie über eine Pferdekrankenversicherung verfügen, übernimmt diese die Kosten der Wurmkur.

Muss beim Wurmbefall eines Pferdes direkt alle Pferde die Wurmkur mitmachen?

Es geschieht regelmäßig, dass in einem Stall, wo eines der Pferde unter Wurmbefall leidet, direkt alle anderen Tiere parallel die Entwurmung mitmachen müssen. Das ist eigentlich völlig überflüssig, wenn bei den anderen Pferden ein Wurmbefall überhaupt nicht vorliegt.

Dazu kommt der Irrglaube, dass die Kotprobe eines einzigen Tages keine Aussagekraft hat. Dabei ist diese Kotprobe deutlich zuverlässiger als eine Durchschnittsprobe von drei Tagen. Bei einer Drei-Tages-Probe kommen im Labor unter Umständen gar keine Eier im Kot mehr an, sondern nur noch die Larven. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass ein Pferd zu jedem Zeitpunkt gleich viele Wurmeier ausscheidet, aber diese Schwankungen sind sehr gering und haben deshalb eine gute Aussagekraft für die Bewertung der Ergebnisse.

Wenige Eier, viele Würmer

Die Vermutung liegt nahe. Es ist aber tatsächlich so, dass erst bei größeren Schwellenwerten die Anzahl der Würmer im Pferd verhältnismäßig höher ist als die Anzahl der ausgeschiedenen Wurmeier. In diesen Fällen muss ja eh eine Wurmkur durchgeführt werden.

Nur geringer Behandlungsbedarf

Fakt ist, dass bei Untersuchungen lediglich 30 Prozent der Pferde von einem Wurmbefall betroffen waren. In den meisten Fällen wurde dazu noch die regelmäßige Wurmkur durchgeführt, ohne überhaupt ein Ergebnis zu ermitteln. Es kommen also regelmäßig Medikamente zu Einsatz, ohne dass die Wirkung und der Nutzen überhaupt überprüft werden. Da sollte man sich als Pferdehalter mal Gedanken machen, ob das eigene Pferd nicht zu häufig mit der chemischen Keule versorgt wird.

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Pferd auf der Weide

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