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Hausratversicherung - wenn mit dem gestohlenen Wohnungsschlüssel ein Einbruch verübt wird

Richterhammer

Eine Hausratversicherung ist eine praktische Sache, wenn es darum geht, einen Schaden durch Einbruch erstattet zu bekommen. Die Hausratversicherung kann zwar nicht die emotionalen Schäden aufwiegen, aber dennoch den materiellen Verlust wieder wettmachen. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Einbrecher nun mittels Stemmeisen in die Wohnung gelangt ist, einen Nachschlüssel angefertigt hat oder sich mit einem gestohlenen Schlüssel sich Zutritt verschafft. Die Hausratversicherung übernimmt den Schaden. Allerdings kann grober Leichtsinn durchaus dazu führen, dass die Hausratversicherung nicht leistet. Das geht aus einem Beschluss des Oberlandesgerichtes Hamm vom Februar 2017 hervor.

Leichtsinn als Einbruchhilfe

Abends nach einer Betriebsfeier in der Münsteraner Innenstadt. Eine junge Dame befindet sich in Begleitung eines Arbeitskollegen, der sich bereit erklärt hat, ihr Fahrrad nach Hause zu schieben und sie dabei zu begleiten. Unterwegs erwecken die beiden Gefühle füreinander und unterbrechen den Heimweg, um sich einander zuzuwenden. Am Fahrrad selber befand sich die Handtasche der jungen Dame. Diese ließen die beiden nun in ihrer trauten Zweisamkeit kurzerhand aus den Augen. Diese Gelegenheit konnte sich ein vorbeikommender Dieb nicht entgehen lassen – so etwas gibt es wirklich – und stahl die Handtasche. Darin befanden sich neben dem Wohnungsschlüssel auch sämtliche Ausweispapiere. Eine willkommene Gelegenheit.

Einbruch erst am Folgetag entdeckt

Ein Zeuge hatte die Tat beobachtet und die Polizei verständigt. Dennoch war der Dieb schnell genug und konnte mit dem Hausschlüssel in die Wohnung eindringen. Dort raffte er Gegenstände im Wert von mehr als 17.000 Euro zusammen. Die bestohlene Wohnungsinhaberin sah in der ersten Phase des Diebstahls der Handtasche ohnehin keine Möglichkeit, in ihre Wohnung zu gelangen und nächtigte bei einer in der Nähe wohnenden Verwandten. So entdeckte die Betroffene den Einbruch erst am nächsten Morgen. Ein teures Zwischenspiel also zwischen ihr und dem Kollegen.

Hausratversicherung verweigerte die Schadenersatzleistung

Die betroffene Wohnungsinhaberin wendete sich an ihre Hausratversicherung, um den Einbruch zu melden. Die Versicherung stellte auch nicht in Abrede, dass ein Einbruch mit einem Originalschlüssel versichert sei, wenn dieser zuvor durch einen Diebstahl in die Hände des Einbrechers gelangt ist. Allerdings war der Hausratversicherung das Verhalten der Betroffenen dann doch ein wenig zu sorglos. Schließlich wurde die Handtasche mit Schlüssel und allen Adressdaten gestohlen. Spätestens beim Eintreffen der Polizei hätte die Wohnungsinhaberin direkt nach Hause fahren müssen, um sich zu vergewissern, dass niemand die Gelegenheit zu einem Einbruch nutzt. Somit verweigerte die Hausratversicherung die Leistung mit dem Verweis auf das fahrlässige Verhalten der Dame.

Entscheidung des Oberlandesgerichtes Hamm zugunsten der Hausratversicherung

Da das Einbruchsopfer mit der Hausratversicherung keine Einigung erzielen konnte, landete der Fall schließlich vor Gericht. Hier vertraten die Richter am Oberlandesgericht Hamm, dass sich der Einbruch unter Mitwirkung einer erheblichen Fahrlässigkeit seitens der Geschädigten ereignet hatte. Sicherlich, der Einbruch mittels gestohlener Schlüssel ist in der Hausratversicherung gedeckt. Allerdings sind damit auch gewisse Sorgfaltspflichten verknüpft. So muss der Schlüssel entweder verschlossen sein, wie zum Beispiel in einem Schließfach im Fitness-Studio, oder die Handtasche darf nicht aus den Augen gelassen werden.

Den Einwand, dass die Klägerin zum Zeitpunkt des kurzen Techtelmechtels nicht mit einem Dieb rechnen musste, wurde von den Richtern verworfen. Dadurch, dass das Fahrrad mit der Handtasche für einige Minuten außer Acht gelassen wurde, hätte sich die Gelegenheit für mehrere Personen ergeben, die Handtasche zu entwenden. Sei es nur, um das Portmonee mit dem darin befindlichen Geld zu stehlen. Dass aber Schlüssel und Ausweispapiere in der Handtasche waren, begünstigte den Einbruch in die Wohnung.

Damit der Schaden versicherte gewesen wäre, hätte sie die Handtasche am Körper mitführen müssen, um einen Diebstahl zu verhindern. Ein Raub wäre in dieser Situation vermutlich auch nicht in Betracht zu ziehen gewesen, da die Dame ja offenkundig in Begleitung war. Durch die massive Ablenkung, auch nur wenige Minuten, wurde der Diebstahl erst begünstigt und der Weg zum Einbruch geebnet. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig, der Schaden von mehr als 17.000 Euro hat die Hausratversicherung nicht übernommen.