Wenn Ross und Reiter umziehen müssen – der Stallwechsel beim Pferd

Pferde im Stall

Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, Abschied zu nehmen. Nicht im tragischen Sinne, sondern eher räumlich betrachtet. Es gibt viele Gründe, warum ein Stallwechsel ansteht.

Mal sind es andere Pferde auf der Weide, mit denen Ihr Pferd nicht mehr klar kommt, mal ist es ein Verständigungsproblem mit dem Stallbesitzer, der Sie zu einem Wechsel veranlasst. In vielen Fällen steckt natürlich auch ein ganz banaler Grund dahinterämlich wenn Sie selber umziehen müssen und der bisherige Stall dann zu weit von ihrem neuen Wohnsitz entfernt ist. Zu der Organisation des eigenen Umzuges kommt jetzt auch noch die Stallsuche dazu. Dazu gehört eine Menge Vorbereitung.

Welche Nachteile bringt ein Stallwechsel mit sich?

Sie freuen sich auf Ihre neue Umgebung, Ihren neuen Arbeitsplatz und neue Bekanntschaften. Für Ihr Pferd hat der Umzug ganz andere Folgen – die sich letztendlich aber nicht wirklich vermeiden lassen. Pferde sind Herdentiere und gewöhnen sich sehr stark an die Artgenossen, die mit ihnen zusammen im Stall oder auf der Weise sind. Ein Umzug bedeutet also, sich an eine neue Herde gewöhnen zu müssen. Vor allem feste Strukturen, die das Pferd aus dem bisherigen Stall kennt, dienen als Sicherheit: Als Fluchttier ist nämlich ganz viel Vertrauen gefragt. Das muss Ihr Pferd in einer neuen Herde erst einmal wieder aufbauen.

Wie planen Sie den Umzug Ihres Pferdes?

Einfach das Pferd zu satteln und von Stall A zu Stall B zu reiten, funktioniert natürlich nicht. Es ist schon ein gehöriger Aufwand, wenn Ihr Pferd den Weg in seine neue Umgebung antritt. Wenn der Termin für den Stallwechsel feststeht, müssen Sie zunächst den Einstellvertrag im alten Stall fristgemäß kündigen. Dann geht es an die Überlegungen, die den Transport betreffen. Haben Sie selber keinen Pferdeanhänger, so müssen Sie sich rechtzeitig für den gewünschten Termin im Kreise der Pferdefreunde einen Anhänger ausleihen oder anderweitig mieten. Das natürlich nur dann, wenn Ihr Fahrzeug auch über eine Anhängerkupplung verfügt und Sie mit Ihrem Führerschein einen Anhänger ziehen dürfen. Sonst bleibt nur die Möglichkeit, Bekannte anzusprechen, die über ein entsprechendes Zugfahrzeug verfügen.

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Packen für den Umzug

Vertun Sie sich nicht: Wie beim Umzug mit Kind und Kegel können beim Umzug mit dem Pferd auch viele Dinge auf einmal auftauchen, die alle mit in den neuen Stall genommen werden müssen. Machen Sie rechtzeitig eine Bestandsaufnahme, sodass Sie dafür eine Transportmöglichkeit organisieren können. Es sind ja nicht nur der Sattel oder ein paar Pferdecken, die Sie mitnehmen möchten. Erfahrungsgemäß fällt hier eine Unmenge an Zubehör an, die sich nicht mal eben im eigenen Pkw transportieren lässt. Sind dabei auch Gegenstände, die Ihr Pferd nicht in den letzten Tagen seines Aufenthaltes am Stall benötigt? Dann können Sie diese Dinge nach Absprache mit dem neuen Stallbetreiber womöglich schon dort hinbringen, um sich am Tag des Umzugs mit Ihrem Pferd besser auf Ihren Liebling konzentrieren können.

Am Tag des Stallwechsels

Pferdeanhänger

Nichts ist schlimmer als Zeitdruck beim Umzug. Vor allem, wenn wir mit unserem Zeitdruck auch noch Stress für unser Pferd auslösen. Pferde sind für Stress sehr anfällig und reagieren dann sehr hektisch. Das wiederum macht für uns den Umzug zu einem Problem. Das Beste ist, wenn an dem Tag des Stallwechsels nichts anderes auf unserem Programm steht – außer das Pferd von A nach B zu bewegen. Sinnvoll ist es, wenn bereits alle Sachen, die nicht für den Transport benötigt werden, verstaut sind. So können Sie sich nun in Ruhe an den Transport Ihres Pferdes heranmachen. Unser Tipp: Ein wenig Einstreu im Anhänger verteilen und ein Netz mit Heu aufhängen. Damit langweilt sich Ihr Pferd während der Fahrt nicht so sehr. Für stressanfällige Pferde kommen unter Umständen Bachblüten aus der Apotheke in Betracht. Sprechen Sie das im Vorfeld mit Ihrem Tierarzt ab. Wenn Ihr Pferd nun sicher verladen ist, kann es losgehen: Der neue Stall ruft.

Angekommen im neuen Stall

Eine längere Fahrt im Transportanhänger ist für das Pferd natürlich auch ermüdend. Am neuen Stall angekommen können Sie Ihr Pferd zunächst in eine der Boxen oder, wenn möglich, auf einer abgetrennten Koppel unterbringen. So kann Ihr großer Liebling schon einmal aus der Nähe das Treiben der neuen Artgenossen in Ruhe anschauen. Das Pferd im gemeinsamen Offenstall unterzubringen macht noch keinen Sinn, da es hier schnell zu Rangordnungskämpfen kommen kann. Wenn Ihr Pferd bereits ersten Kontakt pflegen soll, dann bietet es sich an, aus der Herde ein oder zwei Pferde herauszunehmen und mit Ihrem Pferd zusammenzustellen.

Dazu gehören getrennte Futterhaufen, dass es hier nicht zu Rangeleien kommt. So kann sich Ihr Pferd aber bereits an die ersten neuen „Mitbewohner“ gewöhnen und sie beschnuppern. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um das Verhalten der Pferde zu beobachten. Auch in einer Kleinstgruppe kann es zu Rangordnungskämpfen kommen. Diese sind sogar unumgänglich, da Pferde nur auf diese Art und Weise ein entspanntes Herdenleben führen. Allerdings treten die Rangordnungskämpfe in einer kleineren Gruppe natürlich seltener auf. Stellen Sie aber fest, dass es heftiger wird, dann trennen Sie die Pferde, bevor es zu Verletzungen kommt.

Ihr Pferd benötigt beim Stallwechsel viel Eingewöhnungszeit

Pferd auf der Weide nach dem Stallwechsel

Alles, was für Pferde unbekannt ist, kann ihnen Furcht machen. Für Ihr Pferd ist es eine große Umstellung, sich an neue Fütterungszeiten und Artgenossen zu gewöhnen. Diese Eingewöhnungszeit ist von Pferd zu Pferd sehr unterschiedlich. Mal dauert es nur ein paar Wochen, bei manchen Pferden können es auch mehrere Monate sein. Für Sie ist wichtig, dass Sie nun viel Zeit mit Ihrem Pferd verbringen, um es an sein neues Zuhause zu gewöhnen. Dazu gehört unter anderem, dass Sie Ihr Pferd im neuen Stall ausgiebig pflegen, auf dem Hof herumführen oder Reithalle und Paddocks erkunden. Hinzu kommen noch ausgedehnte Spaziergänge in der neuen Umgebung oder gemeinsame Ausritte. Es sind viele Kleinigkeiten, die Ihr Pferd dazu bringen, Vertrauen in sein neues Umfeld zu gewinnen. Nehmen Sie sich dazu ausgiebig Zeit, bevor der Stallwechsel die ersten Probleme mit sich bringt und Ihr Pferd nachher unter Stress leidet. Ihr großer Liebling braucht einfach Zeit – vor allem mit Ihnen zusammen.

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Pferd auf der Weide

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